Wahrheit oder gut erfunden? Münchner Klischees

c Michael Nagy, Presse- und Informationsamt

Als wir euch zu Beginn des Monats auf Facebook gefragt haben, welche München-Klischees euch so einfallen, habt ihr nur so gesprudelt vor Ideen – vielen Dank dafür! Unsere Autorin Margot Weber hat sich nun auch zu diesen Gerüchten ihre Gedanken gemacht (den ersten Teil unserer Klischee-Serie findet ihr hier)  

1. „Münchner sind arrogant“
Und Neapolitaner Mafiosi. Alles klar. Aber wer den normalen Neuhauser oder Sendlinger arrogant findet, hat vermutlich niemals mit einem Pariser Oberkellner zu tun gehabt. Wer uns abgehoben findet, hat vielleicht nur das Münchnerische „Mia san mia“ nicht richtig verstanden. Denn in erster Linie sind wir einfach nur stolz auf unsere Stadt. Auf ihre barocke Pracht, auf ihren bajuwarischen Central Park, und auf die Spitzenleistungen ihrer Einwohner in Kunst und Wissenschaft, Wirtschaft und Technik – und natürlich im Fußball. Und das tun wir in der Tat mit einem gewissen Selbstbewusstsein kund. Doch wer sich mal in einem Biergarten einen Tisch mit einer Handvoll fremder Münchner geteilt hat, wird am Ende vergnügt und sehr gut unterhalten nach Hause gehen – und überwältigt sein von so viel Nahbarkeit, Umgänglichkeit, Heiterkeit und Lebensfreude.
Fazit: Arrogant? Nein. Aber selbstbewusst, das schon!  

2. „München? Das meint: Oktoberfest!“
Was die normalen Münchner betrifft: Von November bis August denkt hier, ehrlich gesagt, fast überhaupt niemand daran. In dieser Stadt gibt es einfach jeden Monat so viele schöne und unterschiedliche Angebote, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu vermissen. Aber in den USA, Italien oder Australien stimmt dieser Ausspruch vermutlich schon. Gleichwohl sind die meisten Münchner natürlich extrem stolz, wenn sie in der Fremde auf das „Munich Beer Festival“ angesprochen werden – was andererseits aber nicht bedeutet, dass sie, wenn es dann soweit ist, über die sechs Millionen Besucher nicht manchmal auch ziemlich stöhnen. Vor allem, wenn an den Wochenenden die U-Bahn an ihrer Belastungsgrenze angekommen ist. Aber dann zieht der normalsterbliche Schwabinger oder Haidhauser einfach die Speichen seines Radls nach und bewegt sich oberirdisch. Dass pünktlich zur Wiesn meist herrliches Spätsommerwetter angesagt ist, freut dann Radl- und Radler-Fans gleichermaßen.
Fazit: Stimmt. Aber das gilt nur für Touristen.  

3. „Bei München denkt man sofort an den FC Bayern und an BMW!“
Dass Schweini & Co alle anderen deutschen Vereine regelmäßig deklassieren und die meisten internationalen noch dazu? Ja mei… Hätte Dortmund den Gewinn des Triple etwa abgelehnt? Und BMW gilt unter Münchnern tatsächlich als einer der Top-Arbeitgeber. Aber natürlich: Mit den Weltklasse-Kickern vom FC Bayern und den Weltklasse-Autos von BMW kommen wir außerhalb unserer kleinen Stadt vermutlich tatsächlich etwas streberhaft daher. Wie ein Oberstufenschüler, der nicht nur in Mathe und Physik die Einser abräumt, sondern auch noch als Sport-As bei Olympia auf dem Treppchen steht. Dass das für all die anderen Schüler in der Klasse – also all die Menschen, die nicht in München leben – manchmal schwierig zu ertragen ist, geben wir zu. Nur: Ändern können wir das leider auch nicht.
Fazit: Stimmt.  

4. „München – das ist Franz Josef Strauß“
Ja, das denkt man gern. Aber was die Touristen in der Regel nicht wissen: Traditionell dominieren in der Kommunalpolitik die Mitte-Links-Parteien. Unser langjähriger Oberbürgermeister Christian Ude? SPD. Unser aktueller Oberbürgermeister Dieter Reiter? SPD. Seit 1948 hat es nur einen CSU-Rathauschef gegeben: Erich Kiesl (1978-84). Thomas Wimmer, Hans-Jochen Vogel, Georg Kronawitter – allesamt Sozialdemokraten. Die Stadtpolitik wird weit weniger von der CSU bestimmt, als man es nördlich der Isar so annimmt. Aber was natürlich stimmt: Unser Flughafen ist nach dem langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten und leidenschaftlichen Privatpiloten benannt. Denn Franz Josef Strauß war tatsächlich ein Urmünchner: getauft in der Ludwigskirche an der Uni, aufgewachsen in der Schellingstraße 49 und Absolvent des Maximiliansgymnasiums – unter Schülern übrigens nur das „Max“ genannt – in der Schwabinger Karl-Theodor-Straße.
Fazit: Sowieso. Aber eben auch noch viel mehr.  

5. „München ist die nördlichste Stadt Italiens“
Offiziellen Zahlen zufolge leben über 25 000 Italiener an der Isar – so viele wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Außerdem gibt es hier etwa 400 bis 500 italienische Restaurants – mehr als in Siena und Florenz zusammen –, die fast alle ihre Pizza so backen, wie sie es aus ihrer Heimat kennen: wagenradgroß, mit hauchdünnem Boden und natürlich im Holzofen. Auch die Zahl der „Alimentari“, der kleinen italienischen Delikatessenläden, nimmt zu, so dass kein Münchner mehr auf italienischen Schinken, frische Pasta oder toskanische Cantuccini verzichten muss . Das Italienfeeling spürt am besten, wer sich im Café Tambosi am Odeonsplatz mit Blick auf die Theatinerkirche einen Cappuccino gönnt. Oder sich mit Panini oder Tramezzini auf die Stufen der Feldherrenhalle setzt. Doch das „dolce vita bavarese“ gibt’s auch im Glockenbachviertel, wenn im Sommer die Vespas über das Kopfsteinpflaster knattern. Oder in der Abendsonne auf den Stufen der Schwabinger Ursulakirche mit Blick Richtung Süden. Oder im „Sarcletti“ in der Nymphenburger Straße, einer der ältesten Eisdielen Deutschlands: Seit 130 Jahren bereitet die aus der Nähe von Trient stammende Familie dort nun schon ihre Eisspezialitäten zu.
Fazit: Klar! Und wir sind stolz darauf!    

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