Die Stars von der Isar: Schauspieler aus München

Natürlich gibt es unendlich viele mehr als diese fünf. Aber unsere Autorin Margot Weber musste sich entscheiden. Und wer die Frauen vermisst: Die Schauspielerinnen folgen in einem zweiten Teil!

Meister Eder: Gustl Bayrhammer

Ein Kinderfilm machte ihn unsterblich: Von 1982 bis 1989 spielte Gustl Bayrhammer in insgesamt 54 Folgen den Schreinermeister Franz Eder in der TV-Serie „Pumuckl“. Ein Urmünchner war da zu erleben, wie es ihn mittlerweile kaum noch gibt: das bayerische Temperament angereichert mit dieser einzigartigen Mischung aus Grantlertum und Freundlichkeit. Gedreht wurde hauptsächlich im Lehel – die Werkstatt befand sich in einem Hinterhof in der Widenmayerstraße 2.

„Für mich hat’s schon als Bua nia was anderes geben als Schauspieler zu werden“, hat Bayrhammer (1922-1993) oft erzählt. Doch auf den großen Erfolg musste er lange warten: Nach der Schauspielschule trat der gebürtige Krailinger mehr als zwei Jahrzehnte an Provinzbühnen in Sigmaringen, Tübingen, Augsburg, Karlsruhe und Salzburg auf. 44 Jahre war er bei seinem Durchbruch 1966, einer TV-Hauptrolle, schon alt. Danach wurde er an die Münchner Kammerspiele engagiert und ans Münchner Volkstheater, spielte für das Fernsehen im „Königlich Bayerischen Amtsgericht“, in den „Münchner Geschichten“ und 1972 bis 1981 den Kommissar Veigl im Münchner „Tatort“.

In seiner bekanntesten Theaterpartie, als weißbärtiger Petrus im „Brandner Kaspar“, konnten ihn die Münchner in insgesamt 700 Vorstellungen erleben. Bayrhammer war ein Volksschauspieler im besten Sinn – und weit mehr als ein Lodenmantel-tragender Schnupftabak-Bayer. Klar, dass er deshalb auch vor kontroversen Theaterrollen nicht zurückschreckte, etwa der des spießigen Bürgermeisters im Homosexuellen-Drama „Jagdszenen in Niederbayern“. Für „volksdümmlichen Bayern-Kitsch“ und „Seppl-Image“, wie er es nannte, hatte er nur Verachtung übrig. Als ausnehmend politischer Kopf kritisierte er beispielsweise öffentlich die damalige Asylpolitik der bayerischen Landesregierung und kämpfte gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Die wichtigste bayerische Charaktereigenschaft? Für ihn die Toleranz.

Gustl Bayrhammer als Meister Eder @picture-alliance / KPA

Gustl Bayrhammer als Meister Eder @picture-alliance / KPA

 Der ewige Stenz: Helmut Fischer

Ein bisserl was geht immer“: eine Redewendung des Monaco Franze, die längst in den deutschen Wortschatz aufgenommen worden ist. Dieser melodiöse, immer leicht genuschelte Sprach-Duktus, der leicht schräge, etwas staksende Gang, dieser leicht unsichere wie melancholische Blick – wäre jemand anderer in der Rolle des alternden Vorstadt-Casanova überhaupt denkbar gewesen?

Doch die Ironie der Geschichte ist: Der später so gefeierte und mit Preisen überschüttete Schauspieler Helmut Fischer (1926-1997) war die ersten 20 Jahre seines Berufslebens sagenhaft erfolglos. In einem Interview anlässlich seines 70. Geburtstages bekannte er, bis zu seinem 50. Lebensjahr mit der Schauspielerei kaum seine Monatsmiete verdient zu haben. Über Wasser hielt er sich mit Gelegenheitsjobs und als freier Filmkritiker für die „Abendzeitung“. Erst der Regisseur Helmut Dietl, den er in den siebziger Jahren zufällig im gemeinsamen Stammcafé kennenlernte, dem Café „Münchner Freiheit“, erkannte sein Talent und schrieb ihm die Rolle seines Lebens auf den Leib. 1983 wurde die zehnteilige Serie „Monaco Franze“ erstmals ausgestrahlt – und Helmut Fischer über Nacht berühmt.

Sein Kriminalkommissar Franz Münchinger aus dem Glasscherbenviertel, der sich durch seine Ehe mit der Antiquitätenhändlerin Annette von Soettingen (Ruth Maria Kubitschek) in bessere Kreise hochgeheiratet hat, ist längst zu einer Münchner Ikone geworden. Für das typische Isar-Flair sorgten neben den Darstellern aber auch die Drehorte: Die Wohnung vom Monaco und seinem Spatzl befand sich in der Agnesstraße 16 in Schwabing, das Antiquitätengeschäft in der Fürstenstraße 10 in der Maxvorstadt.

1993 erkrankte Helmut Fischer an Krebs, 1997 starb er im Chiemgau. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Bogenhausen. Wer ihn vermisst, kann ihn bis heute im Café „Münchner Freiheit“ treffen: Dort erinnert eine Bronze-Figur an ihn. Überlebensgroß sitzt er dort, die Waden lässig übereinandergeschlagen, und beobachtet verschmitzt lächelnd seine Münchner. Die beim Blick in seine Augen sofort einen weiteren seiner berühmten Monaco-Franze-Sätze im Ohr haben: „Spatzl, schau, wie i schau!“

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Helmut-Fischer-Denkmal im Café Münchner Freiheit @Stefan Strasser

Er spricht deutsh (sic!): Gerhard Polt

Geboren 1942 an der Isar, aufgewachsen teilweise in Altötting, Abitur und Studium aber wieder in München: Der Kabarettist, Schauspieler und Autor Gerhard Polt kann und will seine Wurzeln nicht verleugnen. Er ist, so scheint es jedenfalls, das beste Beispiel für einen alten physikalischen Lehrsatz: Energie entsteht durch Reibung. Sein Lieblingszitat hat er sich vom Wiener Volkstheater-Dichter Johann Nestroy entliehen: „Der Mensch an und für sich ist gut, aber die Leut’ sind ein Gesindel.“

Seinen ersten Bühnenauftritt absolvierte Polt in den 70er-Jahren mit einem kabarettistischen Programm im heute nicht mehr existierenden Theater „Die Kleine Freiheit“ an der Maximilianstraße. Dem TV-Publikum bekannt wurde der studierte Skandinavist durch seine zwölfteilige Sketchreihe „Fast wia im richtigen Leben“ (1979-1987). Unerreicht bleibt sein kurz zuvor entstandener Mai-Ling-Sketch mit ihm selbst in der Rolle des Kleinbürgers, der seine angekaufte asiatische Ehefrau stolz der Kamera präsentiert. Polt setzt seine Pointen dort, wo es weh tut. Oft nur einen Schritt vor dem Abgrund, oft einen Schritt darüber hinaus („der Asiate schmutzt nicht“).

1983 erlebte er mit der bitterbösen Arbeitswelt-Groteske „Kehraus“ seinen längst verdienten großen Filmerfolg, 1987 folgte mit „Man spricht deutsh“ (sic!) eine Satire über eine deutsche Urlauber-Familie in Italien, 1991 das bis heute immer wieder unterschätzte „Herr Ober“ mit Polt als Gedichte schreibender Verlierer-Ehemann einer grandios unsympathischen Hoteliers-Ehefrau (Christiane Hörbiger). Und mit den Revuen „Diri-Dari“ und „Tschurangrati“ bescherten er und seine Freunde Hanns-Christan Müller und die Well-Brüder („Biermösl Blosn“) den Münchner Kammerspielen in der Ära Dieter Dorn große Publikumsrenner.

Seit einiger Zeit lässt er es etwas ruhiger angehen, ist nach eigenem Bekunden ein leidenschaftlicher „Herumschildkrötler“ (Polt über Polt in einem SZ-Interview): „Ich sinnlose vor mich hin, und das mit Begeisterung. Wenn nichts passiert, passiert ja nur scheinbar nichts, weil irgendwas passiert ja immer.“ Ein Satz, der in seiner schlichten bajuwarischen Schönheit auch vom Monaco Franze stammen könnte.

Gerhard Polt in "Man spricht deutsh" (sic!) 1988 © WDR/SWR

Gerhard Polt in „Man spricht deutsh“ (sic!) 1988 © WDR/SWR

Best Buddy: Michael Bully Herbig

Natürlich ist er ganz anders als Karl Valentin – aber als bayerisches Allround-Genie vermutlich sein einzig wahrer Erbe: der Regisseur, Schauspieler, Autor und Produzent Michael Herbig, geboren 1968 in München und der Welt besser bekannt unter seinem Spitznamen Bully. Der übrigens noch aus seiner Kindheit stammt: Weil er in der Schule ein Trikot des FC Bayern München trug, dessen damaliger Sponsor Magirus-Deutz mit dem Slogan „Die Bullen kommen!“ warb, rief ihn ein Lehrer, um ihn von den anderen Michaels seiner Klasse zu unterscheiden, einfach „Bully“.

Herbigs Anfänge liegen über zwei Jahrzehnte zurück: Er startete 1992 als Comedian im privaten Hörfunk, zunächst bei der „Radio Gong Morgenshow“, danach bei „Radio Energy“. 800 Folgen der „Bayern Cops“ bescherten ihm 1996 den BLM-Hörfunkpreis und die Aufmerksamkeit von Pro7. Das Ergebnis seines Wechsels zum Fernsehen: die legendäre „bullyparade“. Ins Kino wagte er sich als Regisseur erstmals 1999 mit „Erkan & Stefan“ – nur eine Fingerübung für das, was dann folgte, wie es heute scheint. Denn 2001 kam „Der Schuh der Manitu“ heraus, mit Bully als Prozent, Regisseur, Autor und Hauptdarsteller in einer Person. 11,7 Millionen Zuschauer machten den Streifen zum erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten. 2004 legte er nochmal nach: Mit „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ folgte – mit 9,1 Millionen Kinobesuchern – der zweiterfolgreichste deutsche Film aller Zeiten.

In den kommenden Jahren leiht er Hui Buh, dem Schlossgespenst, seine Stimme, dreht mit „Lissi und der wilde Kaiser“ einen Animationsfilm, spielt den Boandlkramer – für Nicht-Bayern: den Tod – in Joseph Vilsmaiers Neuverfilmung des „Brandner Kaspar“, inszeniert „Wicki und die starken Männer“ für die Kinoleinwand, synchronisiert in „Toy Story 3“ den Cowboy Woody und wechselt für Leander Haußmanns „Hotel Lux“ und Helmut Dietls „Zettl“ als Schauspieler ins Charakterfach. Sein Weihnachtsfilm „Buddy“, angelaufen im Dezember vergangenen Jahres, war sein bisher letzter Erfolg: Bully schrieb das Drehbuch, produzierte den Film, spielte eine der Hauptrollen und führte Regie.

Privat weiß man wenig über ihn. Bekannt ist lediglich, dass er in der Nähe von München lebt, seit 2003 mit seiner langjährigen Freundin Daniela verheiratet und Vater eines Sohnes ist. Den öffentlichen Bully kennenzulernen ist hingegen ganz einfach: In der Bavaria Filmstadt eröffnete 2011 das „Bullyversum“, ein 1.500 Quadratmeter großes Erlebniszentrum mit Ausstellungsstücken wie seinem ehemaligen Kinderzimmer oder Eventstationen zu seinen Filmen.

(T)raumschiff Surprise: Regisseur Bully und Schauspieler Sky du Mont © herbX film

(T)raumschiff Surprise: Regisseur Bully und Schauspieler Sky du Mont. © herbX film

Großes Männerherz: Simon Verhoeven

Anders als Bully stammt Simon Verhoeven aus einer berühmten Theater- und Film-Dynastie: Seine Mutter Senta Berger (hier zu sehen mit ihrem Sohn in der ZDF-Sendung „Mama kommt!“) ist bis heute eine der berühmtesten Schauspielerinnen Deutschlands, sein Vater Michael Verhoeven ein bekannter Regisseur. Was ihn jedoch mit Bully verbindet: Auch Verhoeven ist ein Multitalent, arbeitet als Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Filmkomponist.

Nach dem Abitur ging er 1991 nach New York ans Lee Strasberg Institute, zog 1992 nach Boston, um dort Jazzkomposition und Filmmusik zu studieren und wechselte 1995 an die Tisch School of Arts der New York University, wo er sich für Filmregie einschrieb und 1999 seinen Abschuss machte. Seinen ersten Spielfilm, „100Pro“, eine Satire auf das Münchner Nachtleben, schrieb und drehte er bereits ein Jahr später – und wurde damit prompt für den „Förderpreis Deutscher Film“ nominiert. Doch in seinen ersten Berufsjahren war er – nicht unbedingt zu seiner großen Freude – vor allem als Darsteller gefragt. In einem Interview mit der SZ sagte er 2011: „Das Schauspielen war eher eine Maßnahme, um Geld zu verdienen für meine Filme. Inzwischen bekomme ich sehr gute Drehbücher auf den Tisch und habe die Möglichkeiten, meine Ideen zu realisieren, aber das war ja nicht immer so.“

Doch 2009 war es endlich soweit: „Männerherzen“, von ihm selbst geschrieben und inszeniert, avancierte mit über zwei Millionen Besuchern zu einem der Top-5-Filme des Kinojahres 2009. Mit „Männerherzen … und die ganz große Liebe“ setzt er 2011 seine Erfolgsgeschichte fort. Zusammen mit Til Schweiger („Kokowääh“) und Matthias Schweighöfer („What a Man“) gilt er mittlerweile als der Meister dieses Genres. Beruflich also bisher eher auf romantische Komödien festgelegt, gilt seine private Vorliebe – auch – dem Horrorfilm, wie er kürzlich gestand: „Ich persönlich bin ein Horror-Fan. Ich bin einfach jemand, der sich gerne gruselt. Die eigenen Ängste zu durchleben in ihrer dunkelsten Anmutung, das ist eine existenzielle menschliche Erfahrung.“

Senta Berger und Simon Verhoeven in "Mama kommt!" @ZDF, Susan R.Skelton

Senta Berger und Simon Verhoeven in „Mama kommt!“ @ZDF, Susan R.Skelton

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Euer Beitrag ist schon richtig. Aber es kommen halt wieder die üblichen Verdächtigen vor (Leute, die kennen wir schon). Die Promis halt. Gibt’s denn keine Jungen, Hoffnungsträger z.B. ?
    Ich denke, bei den Schauspielerinnen kommen auch wieder die Üblichen. Die, die tag-ein-Tag-aus durch die Gazetten wandern (Berger, Glas, Mai und Co. Ist ja aber auch einfacher so zu arbeiten.

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