Berühmte Münchnerinnen

muenchnerinnen1

Die männlichen Stars von der Isar hat euch unsere Autorin Margot Weber ja schon im April vorgestellt. Nun folgt, wie angekündigt, ihre ganz persönliche Auswahl, das weibliche Geschlecht betreffend – eine bunte Abfolge durch zwei Jahrhunderte Stadtgeschichte Die schöne Münchnerin:

Helene Sedlmayr
Unzählige sollte im Laufe der zwei seitdem vergangenen Jahrhunderte noch gekürt werden, aber sie war die erste. Die erste „schöne Münchnerin“. 1813 im Chiemgau als Tochter eines Schuhmachermeisters geboren, zog Helene Sedlmayr im Alter von 14 Jahren als Dienstbotin nach Altötting und ging mit 15 in einem Münchner Haushalt in Stellung. Nach zwei Jahren wechselte sie 1830 als „Ausgehmädl“ – sprich: Lieferbotin – zu einem Mode-und Spielwarengeschäft in der Briennerstraße. Und das veränderte ihr Leben. Ihr Chef zählte nämlich den bayerischen Hof zu seinen Kunden. Und als sie wieder einmal Waren in der Residenz abgab, begegnete ihr zufällig der König. Ludwig I. war sofort verzaubert und ließ die 17-Jährige für seine legendäre Schönheitengalerie porträtieren. Kaufte ihr dafür sogar die Altmünchner Tracht, die sie auf dem Gemälde trägt. Und weil der König so fasziniert war von ihr, war er beim Schaffensprozess im Maler-Atelier natürlich anwesend.

Helene Sedlmayr gilt als eine „Romanze“ des Königs – ob sie wirklich seine Geliebte war, ist unklar. Jedenfalls wurde sie recht zügig mit einem seiner Kammerdiener verheiratet, Hermes Miller. Wobei die arrangierte Ehe später als durchaus glücklich galt. Die Millers bekamen zehn Kinder, einige ihre Nachfahren leben heute als Hotelbesitzer in Berchtesgaden. Im Alter von 85 Jahren starb die erste „schöne Münchnerin“; ihr Grab befindet sich auf dem Südlichen Friedhof. Bis heute ist Helene Sedlmayrs Porträt eines des bekanntesten in der Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg: 36 Aristokratinnen, Bürgerstöchter, aber auch Landmädchen sind dort zu sehen, die das Beauty-Ideal Ludwigs I. – und der damaligen Zeit – perfekt verkörperten. Und Helene, mit ihren schwarzen Haaren, ihrer schmalen Taille, ihrer Jugend und Anmut, ist noch immer unbestritten eine der Allerschönsten.

Die komische Münchnerin: Liesl Karlstadt
In das Bett eines Monarchen hätte sie es wohl nicht gezogen. Sie wollte keinen König, sondern einen Komiker. Und das war vermutlich die Tragödie ihres Lebens. Aber ähnlich wie Helene Sedlmayr kam auch sie aus kleinen Verhältnissen: Liesl Karlstadt war das fünfte von neun Kindern eines Schwabinger Bäckermeisters und arbeitete zunächst als Verkäuferin in einem Textilgeschäft. Über die Münchner Volkssänger kam sie zur Volksbühne, anschließend zum Kabarett. 1911 sah Karl Valentin einen ihrer Auftritte – da war Liesl 19 und er 29. Ein Vierteljahrhundert sollten sie von nun an zusammen auftreten, knapp 400 Sketche und Couplets in gemeinschaftlicher Arbeit entstehen. Dass sie auch eine Affäre hatten, war bei einer solchen Symbiose wohl unausweichlich. Doch Valentin heiratete letztlich die Mutter seiner unehelichen Kinder – und Liesl blieb, was sie war: die Geliebte. Und natürlich die Frau, die sein hysterisches Lampenfieber aushalten, ihn Abend für Abend zum Auftritt tragen, seine ständigen Flirts mitansehen musste. Als der Egoist und Exzentriker schließlich ihr ganzes Erspartes in einem scheiternden Projekt verbrennt, einem Gruselkeller, ist ihre Energie verbraucht.

1935 versucht Liesl, sich in der Isar zu ertränken. Der Selbstmord misslingt, doch regelmäßige Klinikaufenthalte in der Nussbaumstraße sind von da an die Folge. Den zweiten Weltkrieg überlebt sie als Mann verkleidet („Gefreiter Gustl“) und als Mulibetreuer unter Gebirgsjägern in Tirol. Nach 1945 kehrt sie auf die Bühne zurück, wird an die Kammerspiele und ans Resi engagiert, spielt im Fernsehen, macht Radiosendungen und tritt ins Werbespots auf. Zu ihrem 65. Geburtstag erhält sie 1200 Glückwunschkarten – Valentin ist da bereits zehn Jahr tot. 1960 stirbt sie auch sie, im Alter von 67 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem Bogenhausener Friedhof – und auf dem Viktualienmarkt erinnert eine Brunnenfigur an die kleine, komische Liesl, die nur einen Fehler hatte: Sie hatte Karl Valentin zu sehr geliebt.

Die wilde Münchnerin: Uschi Obermaier
Traum oder Alptraum? Erst gab’s Sex mit Mick Jagger, und das Frühstück danach bestand aus Kaviar, Champagner, einer Line Heroin und einem Joint. Sex mit Keith Richards, Sex mit Jimi Hendrix: Uschi Obermaier – Model, Schauspielerin, Rock-Groupie und Bewohnerin der legendären Kommune 1 – hat alles mitgenommen, was das Leben ihr so anbot. 1946 geboren, empfand sie ihr Elternhaus schon früh als eng und bedrückend. Mit 13 verließ sie die Schule und begann eine Lehre als Retuscheur. Doch als die ersten Fotografen auf sie aufmerksam werden, bricht sie die Ausbildung ab, zieht nach Berlin – und wird als wunderschöne, coole Freundin von Rainer Langhans schnell zur Ikone ihrer Generation. 1973 findet sie ihre Lebensliebe: Dieter Bockhorn, den Betreiber eines Hamburger Cafés. Gemeinsam reisen sie ab 1976 in ausgebauten Bussen um die Welt. Silvester 1983 stirbt Bockhorn bei einem Motorradunfall in Mexiko.

Für die wilde, lebensfrohe Uschi mit dem so hemmungslosen Lachen die größte denkbare Katastrophe. Sie ist 37 Jahre alt, hat weder eine Ausbildung noch finanzielle Reserven. Wieder modeln? Mit knapp 40 undenkbar. Sie entschließt sich, in Mexiko zu bleiben, lernt Schmuck zu designen – und zieht sich dann doch mit 50 nochmal für den „Playboy“ aus und mit 60 für den „stern“. „Ich habe nichts verpasst, ich habe alles ausgelebt“, sagte sie mal. Seit vielen Jahren lebt Uschi Obermaier nun in der Nähe von Los Angeles. Naturverbunden in einem Haus im Topanga Canyon mit Eulen, Kojoten, Eidechsen und Schlangen vor der Tür. Kinder hat sie keine. Noch immer ist sie genauso wissbegierig und reiselustig wie als junges Mädchen. Ihr Lebensmotto: „Wenn man nichts Neues mehr lernt, ist ja man schon wie tot. Da kann man sich ja gleich in die Kiste legen.“

Die kluge Münchnerin: Maria Furtwängler
Sie ist ein Doppelbegabung: Medizinerin und Schauspielerin. Aber betrachtet man die außergewöhnliche Familie, in die sie 1966 hineingeboren wird, ist das vielleicht auch kein Wunder: Ihre Urgroßmutter war Frauenrechtlerin und Politikerin, ihr Großvater und -onkel ist der Dirigent Wilhelm Furtwängler, ein Onkel ist Filmregisseur, ihr Vater Architekt, ihre Mutter Schauspielerin. Eine Familie, in der offenbar jeder eine große, in der Regel kreative Begabung hat. Doch nach dem Abitur studiert sie zunächst an der LMU Medizin, spielt aber währenddessen bereits in der ARD-Fernsehserie „Die glückliche Familie“ die Tochter von Maria Schell. Und heiratet 1991 den 26 Jahre älteren Verleger Hubert Burda. Viele Jahre lang schafft Maria Furtwängler das Kunststück, drei Leben parallel zu leben, hat die Energie und die Kraft, gleichzeitig Fulltime-Studentin, Fulltime-Schauspielerin – und Fulltime-Ehefrau und Mutter zweier Kinder zu sein. 2002 wird sie „Tatort“-Kommissarin. Doch was sie macht, macht sie richtig. Auf Mittelmaß lässt sie sich nicht ein.

Im Laufe weniger Jahre wird ihre kühle, blonde Charlotte Lindholm zur beliebtesten Ermittlerin der Republik. 2007 bekommt sie für ihre „Tatort“-Rolle den Deutschen Fernsehpreis, 2008 wird sie von den Lesern der „Hörzu“ zur „Besten Fernsehkommissarin“ gewählt und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet, 2009 erhält sie die österreichische Romy als „Beliebtester Seriendarsteller“. Den Arztberuf hat sie 2001 aufgegeben, das medizinische Engagement nicht: Sie ist Präsidentin des Kuratoriums der Hilfsorganisation „German Doctors“, Mitglied des Stiftungsvorstands „Bündnis für Kinder – Gegen Gewalt“, Stiftungskuratorin der Dominik-Brunner-Stiftung und setzt sich seit Jahren für die Felix-Burda-Stiftung für die Früherkennung von Darmkrebs ein. Sich nur einer einzigen Sache zu widmen, war ihr eben immer schon zu wenig.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Anke,
    ja, das stimmt – es gibt noch viel mehr tolle Münchnerinnen als nur die vier, die ich ausgewählt habe. Stoff für weitere Blogeinträge sind deine fünf Vorschläge jedenfalls auch. Wir denken drüber nach!

  2. Interessantes Portrait mit sehr gegensätzlichen Frauen, tatsächlich war aber besonders Liesl Karlstadt eine sehr tragische Person.

  3. Interessant fand ich den Hinweis, dass das Schönheitsideal von König Ludwig I. schwarzhaarige Frauen waren! Denn von Natur aus schwarzhaarige Münchnerinnen sind doch sehr selten anzutreffen. Aber vielleicht war genau das der Grund, für das Schönheitsideal. Was selten ist, ist gleich viel wertvoller und wird eventuell auch als schöner empfunden.
    Schöner Text!

Kommentar verfassen