Wundermarkt Auer Dult

dult-karussellMeine ersten Kindheitserinnerungen an einen Jahrmarkt sind bei mir fest verknüpft mit der Auer Dult. Mindestens einmal im Jahr durfte ich mit meinen Großeltern auf die Dult. Und auch hier hat sich mir nicht am deutlichsten das Kettenkarussell oder das Ponyreiten eingeprägt, sondern der „Billige Jakob“, der auch heute noch ganz hinten rechts am Mariahilfplatz in seinem Verkaufswagen steht und mit einem Pfeiferl im Mund und flotten Sprüchen auf der Zunge seine Hosenträger, Wäscheklammern und Socken im Fünferpack an den Mann bringt. Der billige Jakob war immer unsere erste Station auf der „Mai-Dult“, der ersten Dult nach der Winterpause, die jedes Jahr um das erste Maiwochenende herum neun Tage lang stattfindet. Wenn ich mich genau erinnere, war dieser Stand auch immer unsere erste Station auf der „Jakobi-Dult“ im August und auf der „Kirchweih-Dult“ im Oktober – auch wenn mein Opa dann oft nur noch amüsiert zuhörte und nichts mehr kaufte. Doch jedes Jahr zur Mai-Dult besorgte sich mein Opa beim Billigen Jakob ein neues Paar Hosenträger. Danach konnten meine Oma und ich bestimmen, wie der weitere Dultbesuch ablief.

Omas Wunderhobel

Meine Oma zog es zum Geschirr, den Haushaltswaren, den Holzbrettern, Emailschüsseln und Bürstenbindern und natürlich zu den Vorführungen der dult-töpferwaren„Weltneuheiten“: Bis heute gibt es jedes Jahr neue Patente, die wortreich und mit beeindruckenden Präsentationen von den Händlern in der „Wundergasse“, wie meine Oma sie nannte, feilgeboten werden: Vom „Mikrofaser-Allzweck-Putztuch“ mit dem man nicht nur seine Fenster, sondern auch seine Haare tiptop frottieren kann, über „Glanzpasten“, die im Handumdrehen die Edelstahlküchenspüle und den angelaufenen Silberschmuck erstrahlen lassen, bis hin zum „Zauberhobel“, dem schärfsten Gemüsehobel der Welt, mit dem man nicht nur sehr feine Gurkenscheiben, sondern auch dicke und dünne Karottenstifte hobeln kann. Und – wer sich den Trick der Standlfrau gemerkt hat – auch geriffelt Kartoffelgitter!

dultantiquitätenDieser orangefarbene Gemüsehobel hatte es meiner Oma besonders angetan. Sie blieb oft so lange an dem Stand stehen, dass mein Opa und ich in der Zwischenzeit eine Runde durch die „Raritäten-Gasse“ schlendern konnten, in der die Besucher vom alten Nachttopf bis zur Biedermeier-Kommode viel Nostalgisches bewundern können. Ich bekam dann eine Zuckerwatte, mein Opa kaufte sich ein „Kletzenbrot“, ein kleines Leiberl Früchtebrot, das es nur an einem unscheinbaren Stand auf der Dult gibt und dann durfte ich noch mehrmals auf einem Pony im Kreis reiten. Als wir zurück an den Gemüsehobelstand kamen, sah Oma immer noch fasziniert der Marktschreierin beim Hobeln zu.

Am Ende der Vorführung hatte meine Großmutter meistens einen neuen Aufsatz für ihren alten Hobel gekauft und eine ganze Tüte voll mit klein gehobeltem Gemüse für meinen Hasen zuhause geschenkt bekommen.

Steckerlfisch und Schiffschaukel

Beim Bummeln durch die verschiedensten Gerüche von frisch gebrannten Mandeln über Bratwurstsemmel und Zimtwaffeln bekamen wir Appetit. Meistens gingen Nr. 1396 Lebkuchenherz Auer Dult Foto J. Wildgruberwir zum Mittagessen in die kleine Fischbraterei am nördlichen Ende der Dult. Dort bestellten meine Großeltern immer einen frischen Steckerlfisch und eine große Brezen. Neben der Fischbraterei steht noch heute die Schiffschaukel. Einmal machte ich als Kind den Fehler, dass ich gleich nach dem Essen auf die Schiffschaukel wollte. Danach war der Dultbesuch wegen akuter „Seekrankheit“ schnell zu Ende.

Wenn der Andrang am kleinen Bierzelt der Fischbraterei zu große war, dann führte uns mein Opa zielstrebig auf die südliche Seite der Mariahilfkirche. Dort gibt es noch heute einen Imbissstand, der „die besten Schaschlickspieße in ganz München“ macht – wie mein Opa immer behauptete.

Damals wie heute gehört für mich die Auer Dult zum Münchner Jahreslauf wie der Fasching und die Wiesn. Heute gehe ich gemeinsam mit meinen Kindern über die Dult. Wir schauen uns die Verkaufsvorstellung beim Billigen Jakob an, danach am Wunderhobel und den neuesten Haushaltspatenten vorbei durch die Raritäten-Gasse. Bei den Geschirr-Standln und den Töpfereiwaren links entlang führt uns der Weg zum Steckerlfischzelt. Bevor wir Mittags dann eine frisch gegrillte Makrele essen, dürfen die Kinder einmal auf die Schiffschaukel – denn nach dem Essen ist die Schaukel tabu.

Hier findet Ihr mehr Infos zur Mai Dult und Auer Dult.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin auch ein begeisterter Dult-Geher. Ich liebe die Kombination von den alten Fahrgeschäften, den Bücherantiquariaten, Steckerlfisch, Augustiner Hell und so vieles mehr. Und das alles auf dieser wunderbaren Lokation unterhalb der Kirche Maria Hilf!

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