Wohnen in der Stadtmitte: Zwischen Marienplatz und Hofbräuhaus

Wohnen in der Stadtmitte: Zwischen Marienplatz und Hofbräuhaus: Marienplatz und Münchner RathausWenn ich auf die Frage wo in München ich denn wohne mit – „Stadtmitte, in einer Parallelstraße vom Marienplatz“ – antworte, ist die Reaktion eigentlich immer dieselbe: Erstaunte Gesichtsausdrücke, die Aussage ich habe es ja gut und letztlich die Frage, wie ich denn daran gekommen sei.

Nun, Glück wäre wohl die einfachste und ehrlichste Antwort. Ich habe einfach die Anzeigen angeschaut und tatsächlich eine Vermieterin erwischt, die Ihre Mieter selber aussucht und keine Massenbesichtigung veranstaltet. Hamsterkäfig könnte man sie allerdings auch nennen, was die Größe von 24qm ganz gut beschreibt. Aber da ich kein Mensch bin der ausgiebige Dinnerparties veranstaltet und auch nicht sonderlich gerne putze, ist mein kleiner Hamsterkäfig für mich absolut ideal.

Sicherlich würde ich den Leuten sofort zustimmen, die diese Wohnlage als Geschenk sehen, aber nur wenn besagte Leute kein Problem mit Lärm und viel Getummel haben. Denn mal abgesehen von dem hektischen Treiben rund um den Marienplatz und dem Hofbräuhaus, was ebenfalls nur eine Gehminute entfernt liegt, kann ich auch die Playliste des Clubs gegenüber und der „Vorbands“, den Straßenmusikern, die bis 23 Uhr vor meiner Haustür ihr Bestes geben, auswendig. Beides höre ich fast als würde ich daneben stehen, da jegliche Geräuschkulisse nach oben dringt. Ich persönlich habe mich aber daran schnell gewöhnt und würde die Wohnung für kein Geld der Welt mehr tauschen wollen.

Die Stadtmitte hat so seinen ganz besonderen Charme, der ein bisschen das Leben und das Selbstverständnis Münchens für mich widerspiegelt: Diese Balance zwischen aktiv und Gemütlichkeit, Ambition und Ausgleich. So navigiere ich mich samstags morgens durch den bereits vollen Marienplatz Richtung Viktualienmarkt um dort frische Früchte, Brot und Aufschnitt für ein ausgedehntes, entspanntes Frühstück daheim zu besorgen. Auch wenn die dortigen Waren ihren Preis haben, so schmeckt die Wassermelone eben noch nach einer richtigen Wassermelone. Den Unterschied merkt man einfach. Besonders der Büffelmorzzarella ist eine kulinarische Geschmacksexplosion.

Alternativ gehe ich auch sehr gerne frühstücken. Auch wenn das keine Geheimtipps sind, so gehe ich doch oft ins Café Glockenspiel oder bei Sonnenschein auf die Rischart Terrasse. Bei ersterem genießt man aus dem fünften Stock einen atemberaubenden Blick über den Marienplatz und auf die Frauenkirche, bei letzterem frühstückt man im Sonnenschein mit dem Ausblick auf den Viktualienmarkt. Dann sitze ich dort und esse meine mit Shrimpscocktail gefüllte Avocado oder meine Rühreier mit Pilzen und weiß sehr wohl ein riesen Glück zu haben, hier in München wohnen zu dürfen.

Für das Nachtleben ist es natürlich ebenfalls mehr als praktisch am Marienplatz zu wohnen. Da habe ich es nur ein paar Schritte aus dem Crux heim oder schlendere gemütlich von der Sauna über den dann völlig leeren Stachus, über die Kaufinger bis zum Fischbrunnen am Marienplatz.

In den frühen Morgenstunden haben diese Sehenswürdigkeiten, die sonst Menschen aus der ganzen Welt anziehen, eine für mich magische Anziehungskraft. Alles ist so ruhig und wirkt so majestätisch. Dann habe ich mal Zeit die Füße im Fischbrunnen vom Tanzen abzukühlen und mir alles aus dieser anderen Perspektive anzuschauen.

Für mich, deren allergrößte Liebe dem FC Bayern gilt, hat die Wohnlage einen zusätzlichen Vorteil. So konnte ich als Anwohnerin dieses Jahr das Double einmal entspannt feiern. Denn Anfang Mai fand ich ein Informationsblatt in meinem Briefkasten. Die Stadt entschuldigte sich darin für die Absperrungen während der Meister- und Doublefeier, welche zu Beeinträchtigungen der Anwohner führen könnten und bat, einen Ausweis mit sich zu führen, damit man zu seiner Wohnung Durchgang hat. Das hieß für mich, ich konnte ausschlafen und gemütlich nach 12 Uhr zu den Feierlichkeiten auflaufen.

Nur Sport ist in Innenstädten immer schlecht auszuüben. Wer will schon durch die Einkaufsmeilen joggen? Aber München ist halt was ganz Besonderes, was mir meine morgendliche Joggingstrecke immer wieder vor Augen führt: durch die Tore in den Alten Hof bis zur Maximilianstraße laufe ich auf das von der goldenen Morgensonne angestrahlte und somit leuchtende Nationaltheater zu, weiter zum Odeonsplatz, an den beiden Löwen vorbei, die vor der Residenz wachen. Von der Feldherrenhalle werfe ich noch einen kurzen Blick runter zum Siegestor und biege dann in den Hofgarten ab. Von dort führt mich ein Weg direkt in den Englischen Garten am Eisbach entlang bis zum Chinesischen Turm. Von dort laufe ich über die Max-Joseph Brücke zum Friedensengel und dem Maximilianeum , dann weiter bis zum Deutschen Museum an der Sankt Lukas und dem Müllerischen Volksbad  vorbei.

Ja, die Münchner Innenstadt ist hauptsächlich geprägt und bekannt durch die allerseits bekannten Sehenswürdigkeiten, wie Marienplatz, Frauenkirche und Odeonsplatz. Aber ich finde auch diese Ecken zeigen einem immer neue Gesichter und Perspektiven, die vielleicht auch noch nicht jeder Münchner so erlebt hat, oder?

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Machen stehen für die Meisterfeierlichkeiten extra früh auf, andere mieten sich eine Wohnung am Ort des Geschehens, das muss wahre Liebe sein 🙂

    • Hehe, des stimmt schon, des war wohl eines der Hauptargumente für die Wohnung – aber so zahlt sich die Miete doch gleich mehrfach aus 😉

    • Na, ich hatte halt wirklich Glück! Kostet nicht mal die Hälfte warm 🙂 Aber ich gebe dir Reacht, die meisten verlangen wohl so horrende Mieten zur Zeit.

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