Wo München wahrhaft italienisch ist: Cafe Tambosi Odeonsplatz

Cafe Tambosi am Odeonsplatz: Ein Grund, warum München die nördlichste Stadt Italiens ist

Als ich nach München zog, hörte ich immer wieder denselben Satz: dass München die nördlichste Stadt Italiens sei. Barock, katholisch, lebensfroh, sonnenverwöhnt – und an den schönen Tagen mit ganz viel „dolce vita“-Lebensgefühl. Venezia, Milano, Torino, Monaco di Baviera. Und die italienischste Piazza der Stadt sei der Odeonsplatz mit seinen klassizistischen Hausfassaden.

An seiner Nordostseite befindet sich ein legendäres, weit über München hinaus bekanntes Café, zu dem alle Münchner – und natürlich auch alle Zuagroasten wie ich – im Laufe der Jahre eine heftige Hassliebe entwickelt haben: das „Luigi Tambosi“. Es hat eine Traumlage: schräg rechts gegenüber ragt die Theatinerkirche in den Himmel, daneben die Feldherrnhalle, linkerhand die Residenz mit dem parkähnlichen Hofgarten. Seit 1775 wird im „Tambosi“ Kaffee ausgeschenkt, und vermutlich sind auch seitdem, so sagen jedenfalls meine Münchner Freunde, die Kellner grantig.

Aber der Espresso schmeckt, der Cappuccino auch, und die Lage ist einfach traumhaft! Für die man als Gast eben vieles verzeiht. Kaum zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, sind die Stühle – übrigens alle in Reih und Glied und allesamt theatral ausschließlich Richtung Süden ausgerichtet – bis auf den letzten Platz besetzt. Dann wickelt sich der Cafébesucher in seine Decke, die Donna-Karan-Coco-Chanel-Christian-Dior-Sonnenbrille auf der Nase und hält das Gesicht in den Himmel. Schweigend. Die aufgespannten grünen Sonnenschirme bilden dann nur noch die perfekten Komplementär-Farbkleckse zur sanftgelben Hausfassade mit dem vergoldeten Schriftzug.

Wer es schafft, einen Platz zu ergattern, bekommt sofort das unbezahlbare, typische Münchner Flair geboten: Cabrios mit Starnberger Kennzeichen, die hier lärmend ihre Runde drehen, gerne auch zwei-, dreimal vorbeifahren; Jurastudenten mit Halstuch, Sakko und farbiger Jeans, die den weiteren Verlauf des Tages planen; Power-Shopperinnen von der nahen Maximilianstraße, die sich von einem anstrengenden Vormittag bei Hermès & Co erholen – und natürlich all die älteren Herren mit rostroter Hornbrille und etwas zu langen Haaren, die nonchalant alles anflirten, was unter 30 ist. Ein Schauspiel, das zu beobachten sofort fröhlich macht. Weil es vor allem eines zeigt: La vita è bella – e in particulare in piazza Odeon. Und, hey, wir sind ja nicht umsonst in der Heimatstadt des Monaco Franze!

Die schönste Sonnenterrasse Münchens

Die schönste Sonnenterrasse Münchens

Facts & Figures: das „Luigi Tambosi“

Es ist das älteste durchgehend betriebene Caffeehaus Münchens. Luigi Tambosi, Sohn von Guiseppe Tambosi, seinerzeit Hofkellermeister von König Ludwig I., betrieb das Caffeehaus von 1810 bis 1875. Zwischen 1920 und 1965 wurde es von Gustl Annast zur Münchner Institution mit Ballsaal und Theater ausgebaut. Das Caffeehaus verfügte damals über 1000 Plätze im Hofgarten und mehrere 100 Plätze innen. Mit Annasts Tod begann ein Abstieg. Ein Volksbegehren der Münchner verhinderte eine Schließung, konnte allerdings eine Verkleinerung auf einen nur noch 60 Quadratmeter kleinen Gastraum nicht verhindern. Lediglich die beliebte Terrasse am Odeonsplatz blieb erhalten. Nach intensiven Umbauarbeiten 1997 entstand das Caffeehaus erneut.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mir ist das Tambosi zu schickimicki. Ich finde auch, dass der Blick auf den Odeonsplatz toll ist und dass man da bei Sonne wirklich toll im Sonnenschein sitzen kann, was in den Straßencafès in Schwabing oder im Gärtnerplatzviertel manchmal wegen der engen Straßen nicht klappt, da kommt ja oft gar keine Sonne hin. Aber das Publikum im Tambosi muss ich echt nicht haben. Selten so schnöseliges Volk gesehen.

  2. Jessica, die Leute im Tambosi sind halt echt schickimicki aber das ist halt der Stil. Jedes Mal, wenn ich hingehe, lasse ich mich von denen aber nicht ablenken. Ich zieh mein eigenes Ding durch und genieße das Leben 😉

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