Vegan in München

Das Veganz

Veganer Supermarkt mit Max Pettchen Bistro

Weißwurst, Leberkäs und Obatzda – Münchner Klassiker sind das genaue Gegenteil von vegan. Aber trotzdem lässt sich in München ganz wunderbar auf Fleisch und alle anderen tierischen Bestandteile verzichten, wenn man nur weiß, wo man in der Stadt hingehen muss. Denn „vegan“ ist ernährungstechnisch gerade IN und deshalb eröffnen auch vegane Läden für jede Lebenslage: Ob Eisdiele, Schokoladenladen, feines Speiselokal,  Klamottenladen oder Supermarkt – es gibt reichlich vegane Alternativen zwischen Freimann und Forstenried und die allermeisten finden sich in Schwabing und im Glockenbachviertel.

Kein Wunder, denn nicht nur die Berliner und Hamburger wissen, was der Zeitgeist so treibt, auch wir Münchner sind gerne vorn dabei, wenn es um neue Trends geht. Und vegan ist ein Lifestyle-Trend.

War in den 80er und 90er Jahren vegetarisch gerade am Kommen, so ist es nun die verschärfte Form des Vegetarismus, die immer mehr Anhänger findet. Schätzungen zufolge verzichten in Deutschland bis zu 1 Millionen Menschen bewusst auf tierisches Eiweiß in ihrer Ernährung – und damit sind nicht nur Fleisch und Eier, sondern auch alle Milchprodukte gemeint.

Warum überhaupt vegan?

Warum eigentlich auf so selbstverständliche Nahrungsmittel wie Butter, Joghurt, Fleisch und Wurst, Käse, Eiernudeln und Kuchen verzichten? Eine Frage, die jedem gestellt wird, der konsequent ALLE tierischen Produkte weglässt. Die Antwort: Die meisten Veganer sind ethisch motivierte Tierschützer. Sie verzichten ganz bewusste auf tierische Produkte, weil sie die Ausbeutung und Tötung von Tieren ablehnen. Ganz strenge Veganer essen auch keinen Honig (Ausbeutung der Bienen) tragen keine Wollpullis und keine Seidenblusen (Ausbeutung der Schafe und Seidenraupen), verzichten auf Naturborsten in ihrer Haarbürste, tragen keine Hornbrille und haben natürlich keine Ledertasche, Lederjacke und auch keine Lederschuhe. So – das ist dann schon mal eine Ansage, die sich im Alltag gar nicht so leicht leben lässt.

Andere verzichten aus gesundheitlichen Gründen auf tierisches Eiweiß, weil sie beispielsweise Milch nicht verdauen können und auf Hühnereiweiß allergisch reagieren oder ganz allgemein Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben.

Ich habe mich mit dem Thema beschäftigt, weil meine Speiseröhre eines Tages auf einige Nahrungsmittel allergisch reagierte. So weiter essen wie bisher ging dann einfach nicht mehr – ich musste ausprobieren und bin irgendwann auch auf den Veganer-Zug aufgesprungen.

Vegan contra spontan

Das Gratitude

Das Gratitude in der Türkenstraße

Was ich gleich am ersten veganen Tag meines Lebens bemerkt habe: Für Neulinge ist vegan Essen das Gegenteil von spontaner Nahrungsaufnahme. Mal schnell zwischendurch ein süßes Teilchen vom Bäcker – fällt aus wegen Butter und Ei im Teig. Mal schnell eine leckere Spargelcremesuppe unterwegs – keine Chance wegen Sahne in der Suppe. Die obligatorische Fischsemmel vom Viktualienmarkt – vergiss es. Aus meinem Gewohnheits-Latte-Macchiato am Nachmittag wird ein doppelter Espresso mit viel braunem Zucker. Danach treibt mich der Hunger dazu, einen Obstladen zu überfallen und soviel Nektarinen, Bananen und Äpfel mitzunehmen, wie ich tragen kann.

Am Abend will ich etwas Warmes essen – alle meine Standardgerichte, die ich seit Jahren  einfach so zubereite, kommen mir in den Sinn: Schinkennudeln, Milchreis, Pfannkuchen, Lasagne, Salat mit Schafskäse, Mozzarella mit Tomate, Kartoffelsuppe. Okay – Kartoffelsuppe geht, denke ich mir – auf den Speck und die Würstel verzichte ich natürlich.

Freude am Verzicht

Die neue Lust am Verzicht, so könnte man vegan auch beschreiben und auch die Lust darauf, Alternativen zu Sahne, Käse, Eiern, Wurst, Fleisch und Fisch zu finden oder sogar selbst Alternativen zu kreieren.

Saftbar Superdanke!

Das Superdanke! in der Türkenstraße

Nach drei Tagen Kartoffelsuppe mit Breze kaufe ich mir mein erstes veganes Kochbuch und bin überrascht, wie viel Auswahl es zu dem Thema in der Buchhandlung gibt. Noch überraschter bin ich über manche Rezepte, die ich darin finde: Scharfe „Chicken“-Wings, „Hotdogs“ und „Grillrippchen“ sehe ich da, wo ich Körner, Gemüseauflauf und Salat erwartet hatte. Nachdem ich mir die Bauanleitung für vegane Grillrippchen durchgelesen habe (rechteckige Teigmasse wird mit Holzstäbchen gespickt, die zuvor in Flüssigrauch getränkt wurden) beginne ich kurz an meiner veganen Entscheidung zu zweifeln.

 

Doch ein paar Seiten weiter entdeckte ich eine Quiche, ganz ohne Ei und Sahne, die unglaublich lecker ist, eine Kürbiscremesuppe mit Pflanzenmilch (!) und Chili con Carne ganz ohne Carne aber dafür mit Sojagranulat. Um in Sachen Einkauf von Pflanzenmilch, Sojagranulat und noch ein paar anderen Helferlein wie Seidentofu, Pflanzenmargarine, Agar-Agar (Eiweißersatz) zu bekommen, besuche ich das Veganz, einen veganen Supermarkt in der Baldestraße 21.

Ich lasse mir Zeit in der überschaubaren, veganen Oase, entdecke sehr viel Unbekanntes, wie Seitanpulver (Weizeneiweiß), Sojajoghurt und Lupiniengeschnetzeltes. Ein paar alte Bekannte finde ich auch: Die rosafarbene Packung der Mannerschnitten leuchtet mir entgegen, leckere, hellbraune Sirupwaffeln und grünes Pesto. Hier kann ich als Vegan-Neuling nichts falsch machen! Ganz anders als in normalen Supermärkten, wo ich stundenlang die Listen der Inhaltsstoffe studieren muss.

Vegan? – Superdanke!

Veganer Döner

Veganer Döner-Laden in der Theresienstraße

Zum Kochen habe ich heute jedoch keine Lust mehr und so erkunde ich die vegane Imbisskultur Schwabings. In der Fresh Lounge (Theresienstraße 15) esse ich meinen ersten veganen Seitan-Döner. Ich habe ja noch keinen veganen Vergleich, aber ich finde ihn okay.

Danach geht es für eine flüssige Nachspeise eine Ecke weiter ins „Superdanke!“ (Türkenstraße 66) einer kleinen Saftbar, die sehr leckere Smoothies aus Obst und/oder Gemüse herstellt. Nur kurz über die Straße liegt das Gratitude (Türkenstraße 66). Da ich (leider) schon total satt bin, werfe ich nur einen kurzen Blick auf die täglich wechselnden Köstlichkeiten wie Burritos, Risottos, Salate und dann auch noch die Kuchen!

 

Auch die veganen Schokopralinen von Princess Schokobar in der Heimhauserstraße 3 lasse ich heute links liegen – bei über 30 Grad brauche ich jetzt nur noch ein Eis. Und zwar nicht irgendein Eis, sondern ein Meer aus Eis. Im „Eismeer“ in der Pestalozzistraße 21 gibt es nicht nur das obligatorische Zitroneneisorbet für Veganer, sondern eine bunte Auswahl an frischen, fruchtigen und super schokoladigen Sorten. Ich probiere diesmal eine Kugel „Magumi“. Hört sich japanisch an, ist aber nur die Abkürzung für eine andere exotische Kombination: Mango, Gurke und Minze – und ehrlich gesagt es ist richtig frisch und schmeckt echt nach Gurke!

FrüchtemüsliHeute, da ich schon ein bisschen mehr Erfahrung in Sachen vegane Ernährung habe, gehe ich das Ganze entspannter an. Ich habe durch die Auseinandersetzung mit dem Thema viele neue Rezepte und Lebensmittel kennengelernt, die ich als Bereicherung für meinen Speiseplan empfinde – auf mein morgendliches Früchtemüsli mit Reis-Kokosmilch werde ich nicht mehr verzichten.

Und ich habe jetzt ein besseres Gespür dafür, was mir gut tut und was ich weniger gut vertrage: Regelmäßig frische Obstsäfte sind super, eine Portion Pommes (total vegan!) ist auch okay  – und ab und zu muss es für mich sogar eine schöne Scheibe von meinem geliebten Schweinebraten sein. Ansonsten komme ich gut ohne aus und meine Speiseröhre erst recht.