Typisch München! Eine etwas andere Stadtführung

Neulich waren Freunde aus Krefeld zu Besuch in München. Nicht das erste Mal, aber beim Abendessen am Küchentisch meinten sie: „Eigentlich kennen wir die Stadt gar nicht. Könnt Ihr uns nicht eine kleine Stadtführung geben? Das typische München zeigen?“ – „Kein Problem, machen wir morgen!“

Mitten in der Nacht stand ich leise auf, um meine Gäste nicht zu wecken, und tappte in den Flur, in dem eine große München-Übersichtskarte hängt. Klar kenne ich meine Stadt wie meine Handtasche, aber was genau zeigt man Leuten, die zwar das typische München erleben wollen, aber nicht die typischen Sehenswürdigkeiten? Es dauerte fast eine Stunde, bis ich meine Runde komplett hatte. Mit kalten Füßen schlich ich zurück ins Bett und freute mich auf den kommenden Tag.

Wir starten früh und nehmen vom Rotkreuzplatz aus den Bus 133, der uns auf die Donnersbergerbrücke fährt, die schon Willy Astor besungen hat:

„Brück’n gibt’s wia Sand am Meer,
eckad, g’scheckert, rund –
manche gengan in die Luft und manche san im Mund
über Donnersberger Brück’n mußt Du gehn
wer München mag, der muaß se des moi geb’n.“

Von dieser Brücke, die Teil des Mittleren Rings ist und eine der meistbefahrenen Strecken ganz Europas, hat man eine überraschend gute Sicht auf München. Im Osten, gegen die noch tief stehende Morgensonne, sehen wir die Frauenkirche, gen Westen führen zahllose Gleise in die große weite Welt und nach Pasing.  Wäre jetzt Dezember, könnten wir noch den Adventskalender von Mercedes-Benz bewundern, hinter dessen 24 Türchen sich jeden Tag ein Auto verbirgt. So aber marschieren wir die Treppen hinunter zur S-Bahn und fahren zwei Stationen bis zum Hauptbahnhof.

Dort steigen wir um in die Tram 19 Richtung St-Veit-Straße – eine gute und preiswerte Alternative zu den Stadtrundfahrts-Sightseeing-Doppeldeckerbussen, die in rot und gelb quer durch München kurven.  Die 19er fährt uns am Stachus und dem Lenbachplatz vorbei zum Bayerischen Hof und direkt an Schumann’s Tagesbar vorbei, um dann bei den Fünf Höfen in einer eleganten S-Kurve auf die Maximilianstraße einzubiegen.

Theatinerstraße

 

Wir rattern an Versace, Gucci und Chanel vorbei und am zweiten Luxushotel auf unserer Route, dem Vier Jahreszeiten. Maximilianstraße, klar, sollte man mal gesehen haben, aber von der Tram aus genügt das. Abgesehen davon, dass die Läden, in denen man sich beim Betreten ungefähr so fühlt wie Julia Roberts alias Vivian Ward bei ihrem ersten Besuch auf dem Sunset Boulevard im Film Pretty Woman, sowieso frühestens um 10:30 Uhr öffnen. Wir überqueren die Isar und ruckeln ums Maximilianeum herum, bis wir auf der anderen Seite des Flusses den Max-Weber-Platz erreichen  und von dort aus zu Fuß die paar Meter zum Wiener Platz gehen. Unsere Gäste melden Hunger und Koffeinbedarf. Das trifft sich gut, denn hier wollten wir sowieso frühstücken. Und zwar im Livingroom (http://www.livingroom.la), einem Café im Shabby Chic, dessen Wohnaccessoires und sogar den Stuhl, auf dem man beim Kaffeetrinken und Frühstücken sitzt, man bei Gefallen mitnehmen (kaufen) kann.

Gestärkt schlendern wir etwas durch das fast dörfliche Haidhausen, über den Johannisplatz und dann die Preysingstraße entlang, vorbei am Kriechbaumhof, der wie eine Almhütte mitten in München wirkt, so ganz aus Holz gebaut. Heute beherbergt er das Jugendhaus des Deutschen Alpenvereins. In der Gaststätte „Zum Kloster“ könnten wir ein zweites Mal frühstücken, aber das heben wir uns für einen anderen Tag auf. Wir schlagen einen Haken und schlendern über den Haidhauser Friedhof (Kirchenstraße/Flurstraße), eine der ältesten Grünanlagen Münchens. Hier gibt es einen ganz besonderen Grabstein.

coolbleiben

 

Am Max-Weber-Platz essen wir noch ein Hugo und Sprizz-Eis bei der Haidhauser Dependance der berühmten Eisdiele Sarcletti, eigentlich in Neuhausen in der Nähe des Rotkreuzplatzes beheimatet, steigen dann wieder in die Tram 19 und fahren die schöne Strecke zurück in die Innenstadt. Das Mittagessen fällt heute etwas nobler aus, schließlich sind wir in München. In der Kuffler California Kitchen bei der Oper speisen wir Seafood und Steaks auf der Klenze-Loggia mit Blick auf Maximilianstraße und Residenz. Zu Fuß gehen wir weiter und kühlen kurz unsere Füße im Brunnen des Theatinerhofs, von dem aus man einen etwas anderen Blick auf die berühmte und markante gelbe Theatinerkirche hat.

theatinerhof

 

Jetzt ist es Zeit für einen kleinen Ausblick – aber wir erklimmen nicht den Alten Peter, wie Tausende von anderen Touristen das jeden Tag tun, sondern die Frauenkirche, den „Dom zu unserer lieben Frau in München“. Gut, das würden wir tun, wären die Türme nicht momentan wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Aber wenn man hinauf kann, sollte man das unbedingt tun, der Blick ist wunderbar und ganz ungewohnt, gerade weil man Münchens Sehenswürdigkeit Nummer eins nicht sieht.

Unsere Gäste möchten ein paar Erinnerungsfotos machen. Also nehmen wir die U-Bahn und fahren mit der U3 zum Olympiazentrum, laufen durch den Olympiapark und betreten gegen eine Gebühr von 3 Euro das Olympiastadion, in dem einst der FC Bayern historische Siege feierte und in dem sich heute Depeche Mode, Coldplay und Robbie Williams quasi die Klinke in die Hand geben. Jetzt, am frühen Nachmittag, ist außer uns keiner hier, und ich sehe die fragenden Blicke meines Besuchs – was sollen wir denn hier? Aber dann haben sie doch ihren Spaß an den abertausenden von grünen Sitzen, die übrigens nicht alle die gleiche Farbe haben. Wir machen eine kleine Fotosession, verlassen dann diesen historischen Ort wieder und kehren in der Olympia-Alm auf der anderen Seite des Parks ein – ein netter, kleiner Biergarten fast oben am Olympiaberg. Man kann seinen Masskrug auch auf die Wiese mitnehmen und von dort aus ein schönes München-Panorama inklusive Alpenblick genießen.

DSC_2789

 

Vom Olympiaberg, auf den unsere Freunde unbedingt hinauf wollen, sehen wir das Schloss Nymphenburg in der Sonne liegen, glitzernd führt der Schlosskanal schnurgerade darauf zu. „Muss man da nicht gewesen sein?“ Nicht unbedingt. Aber wir leihen uns ein paar Fahrräder aus und radeln durch den Olympiapark in den Stadtteil Gern, nur 1,5 Kilometer entfernt vom Olympiaturm gelegen. Statt die Auffahrtsallee zum Schloss entlangzufahren – dort gibt es eh keinen Radlweg und auf der Straße läuft man Gefahr, von diversen SUVs oder Cabrios überfahren zu werden – cruisen wir durch die Gerner Villenkolonie und besichtigen im Vorbeifahren Münchens erste Reihenhaussiedlung, erbaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts, Jugendstil pur. Ein 120-Quadratmeter-Häuschen mit „englischem“ Eingang kostet hier schlappe 1,5 Millionen Euro, unrenoviert, versteht sich. Wir biegen rechts ab und überqueren den „kleinen Kanal“, auch Nymphenburg Biedersteiner Kanal genannt, der im Schlosspark auf den großen Kanal trifft. Dann schieben wir unsere Räder durch die Laubenkolonie, eine der vielen Schrebergartensiedlungen dieser Gegend, in denen sich momentan das alteingesessene Klientel (Bayern-Schild am Häuschen und Feinrippunterhemd) mit tätowierten Mittzwanzigern und kinderreichen Familien inklusive Öko-Touch mischt. Wir überqueren die Baldurstraße am Westfriedhof und halten uns links, bevor wir in eine weitere große Schrebergartensiedlung eintauchen. In deren Mitte liegt der Kastaniengarten, ein Biergarten, der eine wahre Oase ist und so gar nicht überlaufen, dass man im ersten Moment immer bangen muss, ob man überhaupt ein Bier bekommt. Tut man aber.

Eigentlich wollten wir jetzt noch zum Gärtnerplatz, um ein bisschen „Summer in the city“ und schwule Stadtkultur zu erleben, danach der Graffiti-Szene in der Schlachthof-Unterführung bei der Arbeit zusehen und drüben im Westend ein bisschen alternativ shoppen gehen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, und weil es auch noch ein Abendprogramm gibt, legen wir uns in den Schatten der Kastanienbäume und halten einen kleinen Nachmittagsschlaf.

Den Abend starten wir in einem Stadtteil, in dem wir noch nicht waren, im Lehel, und gehen im Tattenbach essen. Eine kleine, gar nicht schicke Kneipentour (Boatzn-Tour, besser gesagt) führt uns vom Rumpler in der Baumstraße über die Studentenkneipe Türkenhof in der Türkenstraße bis zur Fraunhofer Schoppenstube (http://www.fraunhofer-schoppenstube.bei-gerti.de), die es leider schon in wenigen Tage nicht mehr geben wird. Ein würdiger Abschluss eines spannenden Tages, finden auch unsere Gäste. Und freuen sich schon auf morgen – denn da zeigen wir ihnen dann unter anderem Neuperlach, das Hasenbergl und die Messestadt Riem. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auf den Jahresurlaub freuen sich meine Familie und ich jedes Jahr, aber ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich auch jedes Jahr wieder froh war, wenn wir das hinter uns hatten. Als die Kinder noch klein waren, war es genauso stressig wie ein paar Jahre später, als sie dann im Teenageralter waren. Dieses Jahr wollte ich es endlich anders haben, Urlaub darf doch nicht immer im Stress enden.

    Mein Mann und ich beschlossen, dieses Mal rechtzeitig zu planen. Wir haben den Urlaub früher als sonst gebucht und haben auch die Besorgungen rechtzeitig erledigt. Dann sind wir an einem Abend gemeinsam durchgegangen, was uns in den letzten Jahren eigentlich den größten Stress bereitet hat – und wir sind darauf gekommen, dass es die Anreise war. Jedes Jahr mussten wir alle ins Taxi bekommen, oder wir sind mit dem Bus gefahren, was auch nur wieder Stress verursacht hat. Dieses Jahr wollten wir uns mal die Anfahrt mit dem eigenen Auto gönnen, aber der Parkplatz hat uns noch Sorgen bereitet. Am Flughafen parken ist schließlich nicht gerade günstig, also haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, am Flughafen München etwas kostensparender zu parken. Dadurch sind wir auf http://www.parkplatzvergleich.de/flughafen_muenchen.php gestoßen und haben mal durchgerechnet. Die Preise, die wir dort gefunden hatten, waren so niedrig, dass wir uns ernsthaft überlegt haben, das zu machen. Gesagt, getan… am Tag der Abreise waren unsere beiden Teenager auch ganz froh, weil ihre Koffer auch immer größer und schwerer wurden. Wir haben uns tatsächlich mal nicht gestritten und der Urlaub wurde auch ganz toll!

    • Vielen Dank, durch Euch haben wir letztens München mit der Bahn erkundet, wirklich total anders als mit dem Auto, uns hat es sehr gefallen!

  2. Super Blog Post. Ich konnteir das alles so richtig gut vorstellen. Ich bin vornvielen Jahren aus München weg gezogeb in die USA, aber München wird für mich immer Traumstadt bleiben. Ichbhabe mit meinem mann zwar später ein paar Jahre wieder in Deitschland gelebt, aber berufsmässig in Frankfurt, und so versteht er meine tiefe Liebe für München nicht, auch nicht, wie sehr das Leben in München meine gesamte Existenz beeinflusst hat. Wenn wir wieder dort sind, dann wird diese Tour gemacht! Vielleicht kann ich ihn ja dann doch bewegen, nach München zu ziehen….für mich wieder nach Hause…

  3. Tolle Stadttour! Werde ein paar Punkte davon auch abfahren, wenn das nächste mal bekannte zu Besuch sind. 🙂

  4. Kann dir nur die Stattour mit dem Segway empfehlen, man kommt viel rum, ist an der frischen Luft und Segway fahren ist fun pur. Probierts aus Leute haha! 🙂

  5. Ja wenn ich das gewusst hätte – eine Stadtführung! Es gibt viele Dinge, die man selbst als Münchner noch nicht gesehen hat!

  6. Ich bin gerade mit meiner Freundin am planen, wo wir Weihnachten bzw. Silvester verbringen wollen. Unsere bisherigen Favoriten sind München und Wien. In München hat uns ihr Vater das Platzl Hotel im Zentrum Münchens empfohlen ( http://www.platzl.de/hotel-muenchen-zentrum.html ). Die Lage wäre dort eigentlich nahezu perfekt, da man auch zu Fuß bereits einige Sehenswürdigkeiten erreichen kann. Jedoch ist der Stil, also das Rustikale, eigentlich nicht ganz mein Geschmack. Das ist auch ein Grund, warum ich eher zu Wien tendiert habe. Jedoch hat mich der Blog dann doch wieder mehr in Richtung München gebracht…
    Noch ist ja etwas Zeit zum Entscheiden 😉

  7. Das war ja mal eine tolle Stadtführung! Ich bin auch noch nicht so lange in München und danke dir wirklich für die vielen Tipps. Gerade wenn ich Besuch bekomme, machen wir die Standartsachen wie Deutesches Museum, Marienplatz, Maximilianstraße und Stachus. Natürlich bestehen meine Gäste auch immer darauf, einen Abstecher ins Hofbräuhaus zu machen, um dort a Maß zu trinken, was mich jedes mal langweilt.
    Vielen lieben Dank für die tollen Tipps – an manchen Orten bin ich auch noch nicht gewesen, das muss ich unbedingt nachholen 🙂

  8. Ich mache auch offiziell Stadtführungen und finde deine aufgezählten Plätze auch viel schöner als „typische“ von Touristen wimmelnde Orte. Was hat man denn auch die richtigen Sehenswürdigkeiten zu besuchen? Foto machen und sagen können, dass man schon einmal da war. Von der Kultur eines Ortes bekommt man da nichts mit… Tolle Tour!

  9. Der Beitrag kommt mir wie gerufen! Ich bekomme heute Besuch auch Hamburg und muss natürlich neben dem Oktoberfest auch noch etwas von der Stadt zeigen. Da werde ich gleich mal ein paar Punkte aus dem Beitrag mit in meine Führung aufnehmen.

  10. Toller Artikel und sehr schöne Bilder dazu. Ich bin immer dafür das Touristen nicht nur typische Touristen platze besuchen sondern auch die Stadt von eine nicht Touristischen Seite ansehe und erleben.

  11. Da packst du ja wirklich ganz viel Insider-Wissen aus. Vielen Dank für diese tollen Tipps. Bin demnächst mit meinem Mann für eine Wochenende in München und werde definitiv ein paar Orte wie von dir beschrieben beuchen. Ich freu mich schon richtig drauf 🙂
    Danke und toller Blog!

    LG,
    Heidi

  12. Eine sehr schöne Tour!

    Gibt es denn auch schon den zweiten Teil der Stadtführung (zweiter Tag / Neuperlach, Hasenbergl, Riem) zum Nachlesen?

  13. Es stimmt schon, dass es oft gar nicht so einfach ist, eine geeignete Stadführung zu machen. Dabei finde ich es immer sehr hilfreich, wenn der Gast mehr oder weniger seine Wünche mitteilt. Am Ende findet der eine ja doch langweilig, was der andere ganz toll findet.
    Die beschriebene Führung finde ich gut überlegt. Auf jeden Fall habe ich mir schone eine Anregung geholt, die ich das nächste Mal verwenden werde.

  14. Hallo,
    eine kleine Spezialfrage. Der Grabstein stand doch immer an der östlichen Mauer (entlang der
    Flurstraße). Seit einigen Monaten finde ich den aber nicht mehr. Ist er verlegt worden?
    LG, Frank

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