Von Kronfleisch bis Bayerische Tapas: 5 traditionelle Münchner Wirtshäuser

München und seine Wirtshäuser, das gehört zusammen wie München und die Wiesn. Viele der urigen Speisewirtschaften blicken auf eine richtig lange Tradition zurück und haben ihren Ursprung in der Zeit, als in München die ersten Brauereien gegründet wurden. Unsere Autorin Alexandra hat sich durch fünf dieser Traditionshäuser geschlemmt und stellt Euch diese vor.

Bayerische Tapas und mehr im Traditionswirtshaus „Zum Spöckmeier“

Wie oft bin ich schon an dem Haus mit den roten Ziegeln vorbeigelaufen und habe es immer links liegen lassen – ich vermag es nicht zu zählen. Zu touristisch. Als Münchner geht man doch nicht in ein Lokal direkt am Marienplatz. Dachte ich immer. Doch bei einer Tour durch die ältesten Wirtshäuser Münchens darf eines definitiv nicht fehlen – das „Zum Spöckmeier“. Natürlich treffe ich an diesem Freitagmittag auch auf Touristen in dem Traditionswirtshaus, das seine Geschichte lückenlos bis 1450 aufzeichnen kann. Doch auch bayerische Wortfetzen dringen an meine Ohren, als ich in der Schwemme an einem der luftigen Hochtische mit Blick auf die Rosenstraße Platz nehme. Während ich auf mein Essen warte, lese ich ein bisschen was über die Geschichte dieser altehrwürdigen Einkehr, deren erster Bierbrauer 1520 ein Münchner namens Hans Kern war. Den Namen „Zum Spöckmeier“ trägt das Lokal seit 1687, als die Brauereierbin den Brauer Melchior Spöckmeier heiratete. 1945 brannte das Haus völlig nieder, es wurde in den Nachkriegsjahren von der Paulaner Brauerei wieder aufgebaut. An die Ursprünge erinnert die graue Tafel an der Außenfassade mit der Aufschrift „Am Roseneck“.

Dann kommt mein Essen, Spöckmeier’s „Bayerische Tapas“. Die gibt es eigentlich erst ab 15:00 Uhr, doch der nette Kellner hat eine Ausnahme gemacht. Die Augen sind etwas größer als der Magen, aber ich habe alles weggeputzt, so köstlich waren meine Tapas: Fleischpflanzerl mit Rucola-Kartoffelsalat, Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Waldschwammerl mit Kräuterrahm und Breznserviettenknödel. Sehr empfehlenswert für alle, die sich nicht entscheiden können und von allem ein bisschen kosten möchten. Auch ansonsten kann sich die Speisekarte sehen lassen. Spezialitäten wie Spöckmeiers Briesmilzwurst werden täglich in der hauseigenen Metzgerei frisch hergestellt. Das Fleisch von Spöckmeiers Schmankerln wie „Roulade vom Bayerischen Ochsen“ wird ausschließlich von Betrieben aus der Region bezogen. Lustiges Detail: Wer Stammgast ist, kann seinen Maßkrug in einem Krugsafe in der Schwemme einlagern.
Zum Spöckmeier
Rosenstraße 9
D-80331 München
Öffnungszeiten:
Sonntag – Mittwoch: 09:00 bis 01:00 Uhr
Donnerstag – Samstag: 09:00 bis 03:00 Uhr

Kronfleischküche im „Schneider Bräuhaus“ im Tal aka „Weißes Bräuhaus“

12:00 Uhr in München, das Weißbier fließt in Strömen. Fast jeder Tisch ist besetzt in dem großen Gastraum, dessen Glasfront an diesem sonnigen Frühlingstag geöffnet ist und den Blick auf das Treiben im Tal freimacht. Touristen mischen sich unter Anzugsträger, die ihre Mittagspause hier verbringen, und ältere Paare, die sich nach ihrem Einkaufsbummel in der Münchner Innenstadt mit einer Schweinshaxe stärken. Obwohl das Wetter zum Draußensitzen einlädt, suche ich mir einen Platz an einem der mächtigen Holztische innen. Diese haben schon ein wenig Patina. Wegen dieser Patina bin ich hergekommen, denn das „Weiße Bräuhaus“, das offiziell „Schneider Bräuhaus“ heißt, atmet Geschichte. Mindestens seit 1540 gab es hier eine Braustätte. 1872 dann gründete Georg Schneider die Brauerei „G. Schneider & Sohn“ inklusive Ausschank.

Auf Tradition legt man heute noch wert im Weißen Bräuhaus. Das Mobiliar erinnert an die Gründerzeit. Kulinarisch pflegt man die traditionelle Münchner Kronfleischküche. Innereien stehen leider nicht hoch im Kurs bei mir. Weder das gesottene Kalbskron noch das Münchner Voressen aus Kalbs- und Schweinslunge, Kutteln und Kalbsbries können mich locken. Dann schon eher „a g’scheide Brotzeit“ oder „Schneider’s Aventinusbierbratl“ aus der Bratenküche. Im Weißen Bräuhaus gibt es nichts, das es nicht gibt: Tellerfleisch, Zwiebelrostbraten, Tafelspitz. Schlussendlich wähle ich das Kotelett von der niederbayerischen Strohsau, das gegrillt ohne Fett daherkommt und mit dem frischen Erbsenpüree und der Zwiebelsoße ein wahrer Gaumenschmaus ist. Das „Geistreiche zum Schluss“ schenke ich mir. Auch für die Apfelkücherl, die mich am Nachbartisch anlachen, ist leider kein Platz mehr.
Schneider Bräuhaus im Tal
Tal 7
80331 München
Öffnungszeiten:
Täglich von 08:00 bis 00:30 Uhr

Auf einen Schweinsbraten in die Sendlinger Straße: „Altes Hackerbräuhaus“

Wie in einem Wohnzimmer in einem Haus auf dem Land komme ich mir vor. An der Wand hängen Porträts, in den Nischen steht allerlei Nippes. Gemütlich ist es, etwas schummrig in dem mit dunklen Holzkassetten verkleideten Gastraum des Alten Hackerbräuhaus in der Sendlinger Straße. Wieder eine echte Traditionsgaststätte – bis ins 15. Jahrhundert reicht die Geschichte des Stammhauses der Hacker-Pschorr Brauerei zurück, genauer gesagt ins Jahr 1417. Als „Pew im Haggenviertel“ war es lange Zeit bekannt, bis der Brauer Simon Hacker das Anwesen 1738 erwarb und ihm den Namen „Hacker Bräu“ gab. Das Brauhaus brannte 1825 völlig nieder und wurde wenige Jahre später von der Familie Pschorr neu aufgebaut.

Ob ich mit einem „Bayerischen Aperitif“ starten soll? Dahinter verbirgt sich ein 0,3 Weißbier, eine homöopathische Dosis für einen echten Bayern also. Lieber nicht um diese Uhrzeit. Beim Essen habe ich wie immer die Qual der Wahl. Vielleicht zur Abwechslung etwas Vegetarisches? Die Käsespätzle, die im Hackerhaus unter „leicht & bekömmlich“ laufen? Dann wäre vielleicht auch noch Platz für den Dessertteller „Altes Hackerhaus“. Ich nehme etwas für den „kleinen Hunger“, eine Scheibe Schweinsbraten mit einem Knödel und Krautsalat. Leider ist der Schweinsbraten ein wenig trocken. Vielleicht hätte ich doch besser die hausgemachten Reiberdatschi nehmen sollen. Beim nächsten Mal. Ansonsten bietet die Speisekarte im Hackerhaus alles, was das Herz begehrt. Für Liebhaber von Innereien gibt es gegrillte Schweineleber und saure Lüngerl, dazu allerlei Würstl, zünftige Brotzeiten und, und, und.
Hackerhaus
Sendlinger Straße 14
80331 München
Öffnungszeiten:
Täglich 10:00 bis 24:00 Uhr

„Zum Dürnbräu“: Kaiserschmarrn im mittelalterlichen Wirtshaus

Mitten in der Innenstadt, nur einen Katzensprung vom geschäftigen Treiben am Marienplatz und im Tal, liegt das „Zum Dürnbräu“ wie eine kleine Oase. An den langen Tischen in dem dunkel getäfelten Gastraum mit den Hirschgeweihen an der Wand sitzt bei diesem schönen Wetter niemand. Es zieht alle in den angeschlossenen Garten und den Freisitz vor dem Lokal, so auch mich. Von hier habe ich die bunt und folkloristisch bemalte Hauswand im Blick, die mich daran erinnert, wo ich bin: in einem traditionsreichen, bayerischen Gasthaus der Spaten Brauerei.

Auf eine mehr als 500-jährige Tradition kann das „Zum Durnbräu“ zurückblicken, also wahrhaftig ein altbayerisches Wirtshaus. 1487 wurde auf dem Anwesen eines der ältesten Bräuhäuser der Stadt eine kleine Bräustube errichtet, und zwar von einem herzoglichen Hofbräumeister namens Jörg Mülner. Den Namen „Dürnbrau im Thal“ bekam das Lokal, als es 1607 vom Brauer Georg Dürr erworben wurde.

Ausgelöster Kalbskopf in Semmelbrösel gebacken, Ochsenmaulsalat oder Münchner Klassiker wie Kalbsbries oder Saures Kalbslüngerl? Vielleicht sollte ich es heute einmal wagen? Oder eine Altbayerische Bier-Brotsuppe? Nein. Mir ist nach etwas Süßem, ganz Unaufgeregtem. Ich bestelle einen Kaiserschmarrn. Mit Sonderwünschen, das heißt ohne Rosinen und mit Zwetschgenröster anstatt Apfelmus. Die 30 Minuten Warten haben sich definitiv gelohnt, ich habe selten so einen leckeren Kaiserschmarrn gegessen wie im „Zum Dürnbräu“. Die Portion reicht locker für zwei Personen. Das nächste Mal muss ich in Begleitung kommen. Übrigens: Die Weißwurst gibt es hier bis 17:00 Uhr. Auch wenn das vielleicht wenig bayerisch und frevelhaft ist – gut zu wissen, falls jemand nach 12:00 Uhr Appetit darauf haben sollte.
Zum Dürnbräu
Dürnbräugasse 2
80331 München
Öffnungszeiten:
Täglich 10:00 bis 23:00 Uhr

„Wirtshaus mit Speis und Trank“: die Gaststätte Fraunhofer

Sie sind mir noch nie aufgefallen, die kleinen Hirsche aus Messing an den großen Leuchtern, die von der mit üppigem Stuck verzierten Decke hängen. Genauso wenig wie die ausgestopften Hirschköpfe an der Wand, die mir über die Schulter blinzeln, während ich in der Speisekarte blättere. Die Qual der Wahl habe ich wieder einmal, im Fraunhofer, dem „Wirtshaus mit Speis und Trank“, dessen Geschichte bis ins Jahr 1774 zurückreicht. Zu der Zeit war das Anwesen noch eine Bäckerei, bis es der „Münchner Bürger und Bierzäpfler“ Andreas Rankl in eine Bierwirtschaft umwandeln durfte, die er „Zum Brodhäusl“ nannte. Erst viel später wurde aus dem Brodhäusl das Wirtshaus im Fraunhofer, das durch seine Nähe zum Gärtnerplatz heute auch jede Menge Szenevolk anlockt. Daher rührt vielleicht auch das vegane „Gemüse-Soja-Gulasch“ und der „Afrikanische Gemüse Couscous“ auf der Karte?

Ansonsten ist die Karte jedoch traditionell-bayerisch. Riesige Teller mit Kasspatzn und Rahmschwammerl werden herumgetragen, die Ente mit Kartoffelknödeln findet ebenfalls einige Abnehmer. Ich liebäugele mit dem Zwiebelrostbraten vom Bio-Bergrind. Entscheide mich jedoch dafür, meinen Besuch in der Gaststätte Fraunhofer für den Start der Spargelsaison zu nutzen. Das ist zwar nicht unbedingt altbayerisch, aber immerhin kommt der Spargel auch aus Bayern …
Gaststätte Fraunhofer
Fraunhoferstraße 9
80469 München
Öffnungszeiten:
Täglich 16:30 bis 01:00 Uhr

Und noch mehr traditionelle, bayerische Wirtshäuser
Die vorgestellten fünf Lokale sind natürlich nur eine kleine Auswahl dessen, was München an alteingesessenen Wirtshäusern zu bieten hat. Das Hofbräuhaus beispielsweise gehört selbstverständlich auch dazu, das seit 1589 Bier ausschenkt. Dazu kommt eine Vielzahl an Wirtschaften, die im 19. Jahrhundert Ausschänke eröffneten wie beispielsweise das Wirtshaus in der Au, der Georgenhof oder der Görreshof. Kennt Ihr weitere traditionsreiche Wirtshäuser in Münchens Stadtteilen, die Ihr empfehlen könnt? Hinterlasst gerne einen Kommentar!

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