Surfen am Eisbach in München

An einem Werktag im Dezember um halb sechs Uhr früh, noch keine Spur von Tageslicht am Himmel, stehen zwei bis auf ein kleines Gesichtsfenster schwarz verhüllte Gestalten vor einem geparkten Auto nahe der Prinzregentenstraße – zwei Kriminelle kurz vor einem Bruch im Haus der Kunst? Nein: zwei neoprenanzuggeschützte Surfer in ihren letzten Vorbereitungen vor ihrem wilden Ritt auf der Eisbach-Welle!

Bei den Brüdern Tobias (33) und Florian Habla (32) hat das Tradition: Seit mittlerweile rund 15 Jahren besurfen sie die verschiedenen Münchner Wellen – zu jeder Jahreszeit und meist in aller Herrgottsfrüh, wie sie im Interview nach der morgendlichen Surfsession verraten.

Tobias, Florian, es ist jetzt 7.00 Uhr und Ihr habt schon rund eine Stunde Surfen bei eisiger Kälte hinter euch – jetzt geht’s ab ins Büro. Beginnt so ein guter Arbeitstag?

Tobias: Definitiv. Mein Rücken hat sich gerade eingerenkt (lacht), ich fühle mich frisch und bin hellwach. Ich gehe auf jeden Fall mit einem guten Gefühl zur Arbeit.
Florian: Trotzdem muss man schon dazusagen, dass es bei diesen Temperaturen sehr viel Überwindung kostet, aufs Brett zu steigen – viel mehr Überwindung als früher.

Wann habt Ihr mit diesen morgen- und winterlichen Surfsessions angefangen?

Florian: Das ist jetzt ungefähr 15 Jahre her. Damals sind wir vor allem an der Isar-Floßlände gesurft und noch früher aufgestanden als heute, meist so gegen vier Uhr. Dafür standen wir dann knapp zwei Stunden auf dem Board und sind anschließend in die Schule gegangen. Da haben wir dann das Schlafdefizit ausgeglichen. (lacht)

Wie oft seid Ihr damals Surfen gegangen?

Tobias: Mehrmals in der Woche, im Winter etwas seltener. Heute gehen wir, zumindest während der kalten Jahreszeit, noch ungefähr alle zwei Wochen hier zum Eisbach. Wir sind eben auch älter geworden. Aber trotzdem macht es noch wahnsinnig viel Spaß – vor allem wenn man, wie meist um diese Uhrzeit, ganz allein mit der Welle ist.

Was war das Kälteste, das Ihr mitgemacht habt?

Florian: Vor ein paar Jahren waren wir hier bei -17 Grad. Da war der Bach weiter abwärts der Welle teilweise zugefroren. Wir sind an dem Morgen mit zwei australischen Profisurfern hier gewesen, die von der Welle gehört hatten und sie bei diesen Temperaturen und bei Scheinwerferlicht einmal ausprobieren wollten. Einer der Australier hat sich nach der Session dann übergeben. Uns beiden ging es damals aber auch nicht viel besser: Ich weiß noch, dass ich es ewig nicht geschafft habe, mit meinen eiskalten Fingern mein Hosentürl zu zumachen. (lacht)

Tobias: Ich glaube, bei so niedrigen Temperaturen würde man uns heute nicht mehr hier rauskriegen. Aber heute hat’s milde 0 Grad – ideale Bedingungen! (lacht)

 

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Wer diesen Blog nur überfliegt, könnte meinen, es handele sich hier um eine verlorene Wette. Aber nein, die beiden Männer machen das freiwillig! Eigentlich verbindet man Surfen mit Sonne, Strand und viel, viel Wärme, in diesem Fall schlottern einem die Knie, wenn man die Dunkelheit und Eiseskälte bedenkt. Aber was lehrt uns das? Daraus werden Geschichten gemacht und auch eine Reihe von Geschichten ergibt ein tolles Buch, das sich Leben nennt! Weiter so, Jungs! 😉

  3. Pingback: Wörtlich gesehen ist München für mich... › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

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