Wiesn Rant: der bayerische Dialekt

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Weil München einmal im Jahr die größte Party der Welt schmeißt, ist uns Münchnern nicht nur internationale Bekanntheit beschieden – wer kennt nicht das mit hochgezogenen Augenbrauen und grinsend vorgetragene „Aaaaah, Oktoberfest!“, wenn man an der Adria, in Adelaide oder auf Antigua sagt, woher man kommt – nein, wir Münchner werden auch zu Opfern. Ich will mich auch gar nicht künstlich aufregen über das, was da jedes Jahr Ende September so als „Tracht“ in den Zelten und an den Gebrannte-Mandel-Ständen vorgeführt wird, möchte meinen Unmut über hautenge T-Shirts unter Lederhosen, ultrakurze Polyester-Tüll-Dirndl oder pinkfarbene Damenhütchen mit Federn für mich behalten, auch wenn es mir schwer fällt. Das neueste Opfer ist unsere Sprache, das Bairische. Da erhielt ich doch pünktlich zum Wiesnbeginn einen Newsletter, der mir gleich im Betreff „Viel Spoaß mit der Moaß“ wünschte.

Zunächst glaubte ich noch an Ironie, aber beim Durchlesen des Haupttextes wurde schnell klar: Das war absolut ernst gemeint. Und mir verging der Spoaß. Liebe Zuagroaste, liebe Düsseldorfer, Hamburger, Dresdner, Ostwestfalen oder Pfälzer, die Ihr das Oktoberfest als Aufhänger für Newsletter oder andere Marketingmaßnahmen nutzt, kurz, liebe der bairischen Mundart nicht von Natur aus Mächtigen! Bitte lasst das. Oder lasst Euch zumindest beraten, bevor Ihr bairische Wörter und Ausdrücke verwendet. Google ist da leider keine Lösung, denn die Verunglimpfungen des Bairischen sind dort für immer und ewig eingefalscht, genauso wie die Annahme, dass unter die Hosenträger der Lederhosn ein Hemd mit Vichy-Karo gehöre.

Der einen Liter fassende Bierkrug, der auf dem Oktoberfest und auf allen anderen bayrischen Volksfesten üblich ist, heißt nicht Moaß. Es ist auch nicht die Maß mit langem „a“. Es ist die Mass, mit hellem, kurzem „a“ wie in „nass“, ist das nicht eine gute Eselsbrücke? Und nach dem Konsum von ein, zwei Mass, da hat der Münchner keinen Spoaß und auch keinen Spaß, auch wenn sich der super auf die Mass reimen würde. Er hat sei Gaudi.

Wenn wir schon bei der Aussprache sind: Es heißt nicht Düandl, sondern Dirndl. Und jetzt wird’s, ich gebe es zu, kompliziert: Dirndl kann auch ein Mädchen bezeichnen, also ein weibliches Kind oder eine junge Frau. Dieses menschliche Dirndl wird dann mancherorts auch „Deandl“ ausgesprochen, wogegen das Trachtengwand aber immer nur das Dirndl ist.

Das halbe Hähnchen, das man gerne zur Mass isst, wird „Heendl“ gesprochen, mit langem „e“, nicht etwa wie der Herr mit der Feuerwerksmusik. Ach ja, und es heißt „Ozapft is!“. Ob nach dem „O“ ein Apostroph kommt oder nicht, darüber kann man streiten – aber auf keinen Fall heißt es „Oazapft is!“. „Oa“, das sind nämlich auf Bairisch die Eier, und die haben nun in der Nähe von frischem Fassbier wahrlich nicht mal akustisch etwas verloren. Ich gebe es zu: es ist nicht gerade einfach. Keine gmahde Wiesn. Apropos Wiesn – dieses Wort ist neben Oktoberfest das einzig zulässige für die 16 Tage dauernde Biergaudi. Und zwar ist es „die Wiesn“, im Singular, denn damit ist die Theresienwiese gemeint, und von der gibt es nur eine. Es sind nicht „die Wiesen“. Bitte. Greizbirnbaumundhollerstaudn.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Völliger Blödsinn.
    Schlimm, dass sich in München jedes Jahr wieder die Leute aufregen, dass angeblich die Kultur und Sprache verunglimpft wird. So ist das eben mit Städten oder Regionen, die Touristen anziehen. Als würde sich jeder Italiener am Gardasee darüber aufregen, dass ein münchner Tourist gerade seinen Espresso auf schlechtem Italienisch bestellt hat. Als würde sich ein Texaner aufregen, dass jeder zweite bayrische Tourist mit einem Cowboyhut und Cowboyschuhen durch Dallas oder Housten läuft.
    Man sollte das Interesse fremder Menschen wertschätzen und ihnen kleine Fehler verzeihen.
    Schlimmer wäre die Bedeutungslosigkeit. Wenn keiner nach München käme.
    Das wäre dann ein Anlass zum Granteln!

  2. Mai waas ja am liabsten, wenn koana nach minga kemma dad. Dann miastn mir uns de Wiesn nua mit de zugroastn teilen und warn sonst nua unter uns.

  3. I Hätt a nix dagegen, wenn mia Münchner moi unter uns warn, auf da Wiesn. I glaub mia wären immer no gnua Leid, um unser Fest alloa zu füllen. An Blotz dan ma a moi kriegn…..Uns dad nix fehlen!!!!

  4. Es gibt ja auch noch kleinere Volksfeste in Bayern, wo es noch gemütlich zugeht und man ohne Probleme einen Platz bekommt. Wenn ich auf die Wiesn gehe, bin ich mir doch bewusst, was mich da erwartet. 😉

  5. Danke für den Artikel. Ich bin Münchner und lebe seit 6 Jahren in Berlin. Ich lege ja jetzt auch nicht meinen Münchner Dialekt ab und fange an zu Berlinern. Zurzeit kann man aber wieder Berliner in der S-Bahn sehe, die sich als so was wie Bayern maskiert haben. Und es gibt echte Entgleisungen. Ich kann sicher sein, die gehen jetzt zu einem Oktoberfest-Klone. Übrigens, wenn ich beruflich oder privat im Ausland bin, fange ich nicht an die Kultur zu kopieren. Wenn es aus kulturellen oder religiösen Gründen notwendig ist mich anzupassen, mache ich das natürlich aus Respekt. Würde aber niemals durch Dallas mit einem Cowboyhut laufen.

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