„Riiiiiing!“ – eine kleine Stadtrundfahrt mit der Tram 16

Wer als Besucher nach München kommt und was von der Stadt sehen will, dem würde ich empfehlen, alle Sehenswürdigkeiten mit der Tram abzuklappern. Wo der Vorteil dabei ist? Man kann sich Zeit lassen, aussteigen, wo es einem spontan gefällt und muss nicht in einer einstündigen Hetzjagd Viktualienmarktmarienplatzleopoldstraßepinakothekenundfriedensengel machen. Auch für Münchner in dritter Generation lohnt es immer wieder, die Stadt neu zu entdecken – denn wenn man ehrlich ist: Aus dem eigenen Viertel zieht es einen nicht allzu oft raus, oder?

Eine schöne Stadtrundfahrt kann man zum Beispiel mit der Tramlinie 16 machen. Als Ausgangspunkt ist der Stachus im Herzen von München sehr gut geeignet, über welchem der nostalgische Werbespruch „Hell wie der lichte Tag“ schon seit meinen Kindheitstagen prangt. Der Stachus, wie ihn jeder eingefleischte Münchner nennt – über den amtlichen Namen „Karlsplatz“ kann er nur die Nase rümpfen – ist mehr als nur ein lebhafter Verkehrsknotenpunkt. Denn das Karlstor, welches der Zugang in die belebte Fußgängerzone bildet, ist aus dem Mittelalter und neben Isartor und Sendlinger Tor eines der drei erhaltenen Stadttore Münchens. Wer jetzt einem Einkaufsbummel in der Neuhauser Straße widerstehen kann, dem empfehle ich, vom Stachus aus mit der Tram 16 in Richtung St. Emmeram bis zum Isartor zu starten. Im Turm des Isartors besuche ich gern das „Karl-Valentin-Musäum“– es ist dort zu Ehren des Komikers Karl Valentin und seiner Gefährtin Liesl Karlstadt untergebracht. Es lohnt sich, bis ins Dach hochzusteigen, denn dort erwartet einen das Turmstüberl mit Kaffee und Kuchen oder Weißbier und -wurst. Ein Blick auf die Uhr am Isartor ist übrigens irreführend, denn auch hier sind die scherzhaften valentin’schen Einflüsse erkennbar: Stunden- und Minutenzeiger sind vertauscht. Und obwohl ich die Uhr seit Jahren kenne, lasse ich mich im ersten Augenblick doch meistens täuschen.

Wenn ich vom vielen Lachen im Karl-Valentin-Musäum Bauchschmerzen bekommen habe und mir der Sinn nach Ernsthaftem steht, steige ich eine Haltestelle nach dem Isartor am Deutschen Museum aus. Technikfans können hier ganze Tage verbringen! Und als echter Münchner hat man sicherlich auch schon einige Schulausflüge ins Museum auf der Insel gemacht … Weiter geht’s zum Wiener Platz, wo der Hofbräukeller im Sommer mit den schattigen alten Kastanien einen schönen Tagesabschluss bildet – vor allem, wenn man im Deutschen Museum einige Kilometer gelaufen ist und die Füße schmerzen … Wenn ich mich nach einem Radler erfrischt genug fühle und Energie übrig habe, schlendere ich noch durch Haidhausen: Die kleinen Arbeiterhäuschen mit den niedrigen Gaubendächern wie das „Üblacker-Häusl“ in der Preysingstraße sind charakteristisch für das Viertel und bieten einen reizvollen Kontrast zu den hoch gewachsenen Gründerzeithäusern aus der Jahrhundertwende. Außerdem gibt es in dem malerischen Viertel immer neue Geschäfte und Cafés zu entdecken.

Effnerplatz_kl

Wer jetzt mit der Tram 16 noch weiter in Richtung St. Emmeram fährt, kommt am Effnerplatz mitten unter einem Kunstwerk durch und kann einen spektakulären Blick aus dem Fenster genießen – man muss sich ein bisschen nach oben drehen, um die beste Sicht zu haben. Die Stahlkonstruktion „Mae West“ schaut ein bisschen aus wie eine Sanduhr – da sie an die durchaus kurvenreiche Figur des US-Filmstars aus den 30er Jahren erinnern soll, ist das auch kein Wunder. Mal sehen, ob sich der Schokokuchen aus dem Valentin-Musäum ähnlich vorteilhaft auf meinen Hüften ablagert wie einst bei Mae West …

pharao_kl

Auf der jüngsten Münchner Trambahnstrecke, die 2012 fertig gebaut wurde, fahre ich weiter Richtung St. Emmeram. Ein paar Haltestellen nach dem Effnerplatz später kommt man am Fritz-Meyer-Weg an einem kuriosen Hochhaus aus dem Jahr 1984 vorbei. Das 18-stöckige Pharao-Haus hat einen dreiflügeligen Grundriss mit vielen kleinen Terrassen, die einem gelb-orange entgegenleuchten. Seinen Namen trägt es, weil es von weitem wie eine ägyptische Pyramide aussieht. Die schräge Architektur spaltet die Gemüter – mir gefällt der Stil der 80er! Ein paar Stationen später gibt es an der Endhaltestelle St. Emmeram eine Wendeschleife für die Tram. Hier kann ich gleich sitzenbleiben und auf dem grünen Rasengleis wieder in die Stadt zurückfahren – oder mit etwas mehr Zeit sogar bis zur anderen Endstation Romanplatz.

nymphenburg

Von dort aus mache ich sommers wie winters gern einen kleinen Spaziergang zum Nymphenburger Schloss und sehe in besonders kalten Wintern am zugefrorenen Schlosskanal den Eisstockschützen und Schlittschuhläufern zu. Im Schloss findet man neben prächtigen Kronleuchtern und prunkvollen Sälen auch die Schönheitengalerie von Ludwig I., in welcher der Bayernkönig die schönsten Frauen der Zeit porträtieren ließ, unter anderem die berühmt-berüchtige Lola Montez: Die Liebschaft mit ihr kostete Ludwig I. ja dann den Thron …

Weitere Geschichten rund um U-Bahn, Bus und Tram gibt es übrigens auch im Blog der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG)  www.mvg-mobil-blog.de

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke, für die gute Idee! 🙂 Nächsten Sommer fahren wir für ein paar Tage nach München und ich denke, wir machen die Tram-Stadtrundfahrt. Eine Frage hätte ich dazu: Kann man für die Tram eine Tageskarte kaufen? Wo? Ich kann schon kaum erwarten, endlich meine deutsche Lieblingsstadt zu besichtigen. 🙂 Liebe Grüße aus Ungarn, Kriszti

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