Münchner Rezepte: Rhabarber-Liebe: Rhababerkuchen

Münchner Rezepte: Rhabarber-Liebe

Bei Rhabarber ist es wie mit dem Fußball – entweder man liebt ihn oder man kann nicht viel damit anfangen. In diesem Jahr habe ich mich aus aktuellem Anlass dazu entschieden, beides lieben zu lernen. Und was den Rhabarber angeht, so bin ich ihm nach kürzester Zeit verfallen. Ob das mit dem Fußball auch so schnell geht – wir werden sehen. Jedenfalls so lange die WM noch nicht läuft, redet in meinem Bekanntenkreis jeder von „seinen“ Rhabarber-Rezepten, trinkt im Biergarten  Rhabarber-Schorle und weiß alles über das saure Frühlingsstangerl. Und weil ich dem nicht nachstehen wollte, habe ich mir auf dem Viktualienmarkt ein Kilo Rhabarer gekauft, die Schürze umgebunden und bin in die Verarbeitung eingestiegen. Meine Lieblingsrezepte von Omas „Gelingt-Immer“-Rhabarberkuchen über Rhabarberkompott und –grütze bis hin zum Rhabarber-Chutney habe ich hier zusammengestellt, plus 10 interessante Fakten über meine neue Frühlings-Liebe.

„Gelingt-Immer“-Rhaberberkuchen mit Baiserhaube:

Hier sind die Zutaten für den Teig:
175 g Butter oder Margarine
175 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
3 Eigelb
300 g Mehl
½ Päckchen Backpulver, etwas Milch

Hier sind die Zutaten für den Belag:
600 g Rhabarber
70 g Zucker

Hier sind die Zutaten für die Baiserhaube:
3 Eiweiß
150 g Zucker
Und so geht´s:

  1. Backrohr auf 180 Grad mit Ober/Unterhitze vorheizen.
  2. Den Rhabarber waschen, die Haut abziehen und die Stangen in ca. 1 cm lange Stücke schneiden. Jetzt ca. 70 gr. Zucker, wer mag auch etwas mehr, über die Stangen geben und das ganze ziehen lassen.
  3. Zimmerwarme Butter oder Margarine mit Zucker und Vanillezucker so lange schlagen, bis die Masse etwas heller wird. Dann nach und nach die drei Eigelbeunterrühren. Jetzt unter das Mehl das Backpulver mischen und das Mehl nach und nach unter die Masse rühren. Falls der Teig zu fest ist, ein bisschen Milch dazugeben, dann wird er geschmeidiger.
  4. Den Teig in eine gefettete und bemehlte Springform geben (Durchmesser 26 cm) und glatt streichen.
  5. Jetzt die gezuckerten Rhabarberstückchen auf dem Teig verteilen und für 15 Minuten bei 180 Grad auf mittlerer Schiene im Rohr backen.
  6. In der Zwischenzeit die drei Eiweiße mit dem Rührgerät schlagen und nach und nach den Zucker dazugeben, bis die Masse steif ist.
  7. Den Kuchen nach 15 Minuten aus dem Rohr nehmen, den Eischnee darauf verteilen und dann für weitere 30 bis 40 Minuten in den Backofen damit.

Und noch ein Rhabarber-Klassiker:  

Hier sind die Zutaten für ein Rhabarer-Kompott mit Erdbeeren:
300 bis 400 g  Rhabarber
300 bis 400 g  Erdbeeren
½ Vanilleschote
Ca. 100 g Zucker

  1. Den Rhabarber schälen und in ca. 2 cm lange Stücke schneiden. 70 gr. Zucker über den Rhabarber geben, untermischen und eine Stunde ziehen lassen.
  2. In der Zwischenzeit die Erdbeeren waschen, halbieren, sehr große Beeren vierteln.
  3. Aus einer halben Vanilleschote das Mark schaben.
  4. ¼ Liter Wasser mit dem restlichen Zucker aufkochen lassen, das Vanillemark und die ausgekratzte Vanilleschote sowie den Rhabarber dazugeben, ca. 10 Minuten köcheln lassen.
  5. Zum Schluss die Erdbeeren dazugeben, kurz aufkochen lassen und dann zügig vom Herd nehmen, sonst verkochen die Früchte.
  6. Vor dem Servieren die Vanilleschote aus dem Kompott nehmen.

Für mutige Rhabarber-Liebhaber: Rhabarber-Chutney
700 g Rhabarber
4 Zwiebeln (gehackt)
1 Chilischote (klein geschnitten)
1 Stück Ingwer (gehackt)
2 Knoblauchzehen (fein gehackt)
Olivenöl
80 g Zucker
6 EL Essig

  1. Rhabarber waschen, schälen und in ein Zentimeter lange Stücke schneiden.
  2. Etwas Olivenöl in eine Pfanne geben und die gehackten Zwiebeln, die klein geschnittene Chilischote, den gehackten Ingwer, und die gehackten Knoblauchzehen in Olivenöl kurz anschwitzen.
  3. Dann den Rhabarber dazugeben. Wenn der Rhabarber etwas Flüssigkeit gezogen hat, den Zucker zugeben und mit Essig würzen.
  4. Bei wenig Hitze das Chutney ca. 15 bis 20 Minuten köcheln lassen, bis es eine marmeladenartige Konsistenz hat.
  5. Jetzt kann man das Chutney in Einweckgläser umfüllen und gut verschließen.

Hält sich den ganzen Sommer über und schmeckt sehr lecker zu gebratenem oder gegrilltem Fleisch und Geflügel.

10 Fakten zum fruchtig-sauren Frühlingsstangerl:
Rhabarber – Woher kommt der Name?
Der botanische Name von Rhabarber lautet: Rheum rhabarbarum er setzt sich aus den lateinischen Begriffen: rheum für Wurzel und barbarus für ausländisch oder fremd zusammen. Rhabarber bedeutet also „die fremde Wurzel“ – ursprünglich nutzte man auch nur die Wurzeln, die Stängel entdeckte man als Gemüse erst später.

Heilpflanze aus Asien
Der Rhabarber stammt ursprünglich aus Asien. Die Chinesen setzten bereits vor 4500 Jahren die Wurzeln des Rhabarbers als Heilmittel ein. In China gilt sie noch heute als gutes Arzneimittel gegen Gelbsucht, Augenbrennen, Hautgeschwüren, Prellungen und Brandwunden.

Junges Gemüse
Rhabarber wird zwar meist wie Obst zu süßen Speisen verarbeitet, ist jedoch botanisch gesehen ein Blattstiel-Gemüse. Gemüse deshalb, weil nicht die Frucht des Rhabarbers verzehrt wird, sondern nur seine Stängel. Aus einem bayerischen Bauerngarten ist der Rhabarber nicht mehr wegzudenken, dabei ist er hierzulande erst seit dem 18. Jahrhundert bekannt.

Farbe = Geschmack
Beim Rhabarber erkennt man den Geschmack an der Farbe, denn je kräftiger das Rot der Stängel ist, desto milder sind sie. Gleichzeitig gilt: Wenn die Stangen sehr grün sind, dann sind sie auch ziemlich sauer.

Achtung: Oxalsäure
Rhabarber enthält Oxalsäure, eine Substanz, die in großen Mengen giftig sein kann und die sich im Rhabarber mit zunehmender Reife anreichert. Das ist auch ein Grund, weshalb man Rhabarber ab Ende Juni nicht mehr essen soll und auch nicht roh verzehren sollte. Durch das Erhitzen wird die schwer verdauliche Säure abgemildert. Hauptsächlich sitzt die Säure jedoch in den Blättern, die ungenießbar sind und deren Verzehr zu üblen Magen-Darm-Beschwerden führen kann.

Stängel mit Stichtag
Die Rhabarbersaison beginnt, wenn die ersten Stängel Mitte bis Ende April reif sind und endet wie die Spargelzeit auch an Johanni, dem 24. Juni. Danach sollte man die Pflanze schonen, damit sie sich bis zum Frühjahr wieder regeneriert.

Fitmacher im Frühling
Ein Pfund Rhabarber hat weniger als 100 Kalorien. Damit wäre das herbe Frühlingsgemüse ein richtiger Schlankmacher – müsste man den sauren Stangen nicht reichlich Zucker zusetzen. Außerdem liefert Rhabarer Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Phosphor und Eisen. Im Stiel stecken Zitronen- und Apfelsäure, Gerb- und Bitterstoffe sowie Pektin, ein wichtiger Ballaststoff, der die Verdauung fördert. Für Menschen, die unter Eisenmangel leiden, ist Rhabarber nicht zu empfehlen, da die Oxalsäure die Aufnahme von Eisen im Darm erschwert.

Zähneputzen verschieben
Die Oxalsäure ist auch dafür verantwortlich, dass man nach dem Verzehr von Rhabarber oft ein stumpfes Gefühl im Mund hat, denn die Säure löste den Zahnschmelz an. Deshalb sollte man auch mindestens eine halbe Stunde warten, bevor man die Zähne putzt, denn der aufgeweichte Zahnschmelz kann durch die Bürste geschädigt werden.

Fleckenmittel
Weil Rhabarber Oxalsäure enthält, eignet er sich gut als Putzmittel für angelaufene Metalle, wie Messing und Aluminium. Weil das Metall und die Säure chemisch reagieren, sollte man Rhabarber aber auch nicht in Metallgefäßen aufbewahren, in Alutöpfen kochen und in Alufolie einwickeln.

Rhabarber im Garten
Die Stiele des Rhabarbers soll man beim Ernten nie schneiden, sondern nur herausdrehen. Schneidet man, bekommt die Pflanze leicht faule Stellen. Biogärtner nutzen den Wurzelsud der Pflanze auch als natürliches Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse.

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