Rauschende Feste. Die Schwabinger Bohème und Ihre Exzesse.

Rauschende Feste

Weiberfasching. Jetzt geht es in den Endspurt der tollen Tage. Ich persönlich halte ja den Krapfen für das beste am Fasching und bin jedes Jahr froh darüber, nicht im Rheinland mit dem ganzen Jecken zu leben. Ok, nicht nur zu dieser Zeit, ich häng halt doch sehr an der Isar. Aber vielleicht muss man den Fasching einfach feiern. Auch in München. Gerade in München, wenn man sich die Faschingstradition anschaut… Die Schwabinger Bohème der letzten Jahrhundertwende wusste zu feiern. Es waren Nächte wie im Rausch, aus dem sie auch bei Tag nicht aufwachte.

Ein Fest ging in das nächste über, damals als es im Münchner Fasching noch die Elendenkirchweih, den Scharfrichterball, den Bauernball, die Nachkirchweih, das Kosmikerfest, das Werdenfelser Fest und viele andere Feste mehr gab. Die Schauplätze der Künstlerfeste waren Gasthäuser, Ateliers und Privatwohnungen in „Wahnmoching“, wie Franziska zu Reventlow Schwabing nannte. Doch auch wenn sie es glaubten, die Bohème der Jahrhundertwende hatte den Münchner Fasching nicht erfunden. Der Hof liebte auch schon rauschende Feste. Schon im 14. Jahrhundert gab es Veranstaltungen des Adels in komischen Kostümen.

Und im 18. Jahrhundert komponierte Mozart eigens im Auftrag des Hofes seine Opern „Die Gärtnerin aus Liebe“ (1775) und „Idomeo“ (1781) für den Münchner Fasching. Der venezianische Karneval war Vorbild für die höfischen Kostümfeste des 19. Jahrhunderts. Doch dann fingen die Künstlervereinigungen an, die höfischen Feste zu imitieren und mit ihrem Maskenzug von 1840 stellten sie die langweiligen höfischen Veranstaltungen endgültig in den Schatten. Das berühmteste der großen Künstlerfeste ist wahrscheinlich „In Arkadien“ – das mit einem gigantischen Aufwand an Dekoration und Kostümen beeindruckte und maßgeblich von den heute noch bekannten Münchner Malerfürsten der letzten Jahrhundertwende veranstaltet wurde: Stuck und Kaulbach. Das war 1898. Die großen Bälle wurden zur Besonderheit des Münchner Faschings. Die Künstler hatten den Adel imitiert, die Bürger imitierten die Künstler und feierten in den großen Sälen der Brauereien (von denen es wesentlich mehr gab als heute) und im Deutschen Theater.

Und die Bohème, die imitierte nicht, sie persiflierte. Mit der „Schwabinger Bauernkirchweih“ (Zugang nur mit Trachtg!) war der Fasching der Literaten, Maler und (Lebens)künstler geboren. Es war ein einziger Feierrausch. Kein Abend verging ohne Umzug oder Maskenball, an den Tagen wurde bei Schlittenfahrten weitergefeiert: eine einzige „bacchantische Wahnmochingerei“, ein dionysischer Taumel, wie ihn die Gräfin in ihrem Schwabing Roman „Herrn Dames Aufzeichnungen“ schilderte. Und auch der Straßenfasching kam um die Jahrhundertwende endlich so richtig in Gang. Und das, wo noch wenige Jahre zuvor der Stadtchronist beklagt hatte, dass München seinem Ruf, eine „genußsüchtige, lebenslustige Stadt“ sei, gerade im Fasching nicht unter Beweis stelle. Also liebes München, werde deinem Ruf gerecht: Genusssüchtig und lebenslustig. Auf Bällen oder auf der Straße. Und wenn dann ein Faschingsmuffel wie ich lieber daheim bleibt, nimm ihm das nicht übel. Und vielleicht sehen wir uns ja doch, zum Tanz der Marktweiber am Faschingsdienstag – man soll die Feste ja feiern, wie sie fallen…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin ja auch nicht so der Faschings-Fan, aber wenn man dann doch am Faschingsdienstag unterwegs ist, dann ist’s immer wieder lustig. Und jedes Jahr nehme ich mir vor: nächstes Jahr gehe ich auch auf einen Ball. Leider fällt mir das immer erst am Faschingsdienstag wieder ein. Vielleicht sollte ich es an diesem Wochenende probieren, so, mal vor dem Faschingsdienstag:-) Ich wünsche zu mindestens allen eine gute närrische Zeit!

  2. Wenn man sich anschaut, was für ein Event der Tanz der Marktweiber in den letzten Jahren geworden ist, kann man fast den Eindruck gewinnen, es gäbe in München so etwas wie das Bedürfnis nach Fasching.
    Ansonsten empfehlen sich die Faschingsfolgen von »Münchner Geschichten« und Monaco Franze«…

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