Ramadama – ein etwas anderer Samstag auf Schloss Blutenburg

Ramadama auf Schloss Blutenburg. Blick von TerasseWie gerne hätte ich mich am Samstag im Bett wieder umgedreht, als um kurz vor sieben Uhr der Wecker schrillte. Der Nebel hing so tief, dass ich gerade einmal bis zur anderen Straßenseite schauen konnte und auch die kühlen Temperaturen luden eher dazu ein, sich noch einmal in die Kissen zu kuscheln und anschließend mit knusprigem Croissant, heißem Cappuccino und einer Zeitung etwas länger als sonst am Frühstückstisch zu verweilen.

Das musste allerdings bis Sonntag warten, denn heute stand Ramadama auf dem Programm, was auf Hochdeutsch so viel heißt wie „räumen tun wir“.

Nein, ich ärgerte nicht meine Nachbarn, indem ich zu dieser frühen Uhrzeit Möbel rückte oder mit dem Staubsauger durch die Wohnung brummte. Das hatte ich zum Glück schon erledigt. Mein Weg führte mich nach Obermenzing, zum Schloss Blutenburg. Dort hatte nämlich der Verein der Freunde Schloss Blutenburg zum Ramadama aufgerufen, genauer gesagt zum Müllsammeln. Wie in so vielen Naherholungsgebieten der Stadt, sammelt sich auch rings um die mittelalterliche Burganlage immer wieder Unrat an. Der sollte jetzt im Zuge der Aktion Ramadama, bei der Münchens grüne Lungen traditionell im Frühjahr und Herbst durch Freiwillige von Müll befreit werden, verschwinden.

Wie die meisten Ur-Münchner sicherlich wissen, geht der Begriff Ramadama ursprünglich auf die Trümmerräumaktion des Nachkriegsbürgermeisters Thomas Wimmer zurück. 1949 rief der „Wimmer Dammerl“ die Münchner Bevölkerung dazu auf, beim Wiederaufbau anzupacken und die nach dem Krieg in Schutt und Asche liegende Stadt von den Trümmern zu befreien. Später wurde der Begriff auf andere Aufräumaktionen übertragen, beispielsweise für die Müllbeseitigung in Münchens Wäldern, Wiesen und Flussauen, die von Vereinen wie den Isarfischern, Bürgerinitiativen und Schulen durchgeführt und vom Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) unterstützt wird.

Mit Arbeitshandschuhen, Müllsäcken und Stecken dem Abfall an den Kragen gehen
Im Schloss Blutenburg hat Ramadama eine lange Tradition. Gegen neun Uhr finden sich außer mir ein gutes Dutzend Freiwillige auf dem Schlossplatz ein, um mit Arbeitshandschuhen, grauen Müllsäcken und Stecken bewaffnet die Grünflächen rings um das Schloss von Unrat zu befreien. Eine gute Quote, in der Regel machen etwa zehn bis zwanzig Leute mit. Meistens Senioren, erfahre ich, die jüngere Generation lässt sich nur schwer dafür begeistern, Samstags so früh aufzustehen und in den Büschen nach Müll zu suchen. Neben Chris, der seit zehn Jahren regelmäßig dabei ist und damit einer der „Veteranen“ der Gruppe ist, findet das Blutenburger Ramadama dieses Jahr aber auch bei jüngeren Menschen Anklang. Neben dem jungen Pärchen, Robert und Andrea, die das erste Mal dabei sind, sind auch vier Kinder an Bord. Denen hat die Aktion so viel Spaß gemacht, dass sie am Ende fragen, ob man das nicht einmal im Monat machen könne.

Bevor wir ausschwärmen, werden wir instruiert, wie wir den Müll zu trennen haben: Pfandflaschen separat – die dürfen die Kinder mitnehmen, um ein paar Cent zu verdienen. Fahrräder, Autoreifen und anderen Sperrmüll zum Schlossplatz bringen, die sammelt zum Schluss Bauer Meisinger mit seinem Traktor ein.

Fahrräder, Autoreifen, Sperrmüll?
Auf den gepflegten Grünflächen und auf dem malerischen Weg entlang der Würm, den ich noch im August bei der Hochzeit einer Freundin auf dem Weg in die benachbarte St. Wolfgang-Kirche entlang spaziert bin? Man solle nicht glauben, was die Leute alles wegschmeißen, höre ich von den anderen. Fahrräder ziehe man eigentlich jedes Mal aus der Würm. Letztes Jahr habe man sogar einen Rucksack mit einem Pass gefunden und einen Eimer mit Fischköpfen. Auch Teile von Wohnungseinrichtungen finde man immer wieder.

Manche schienen ihren gesamten Hausrat in die Büsche zu kippen, vor allem in der Nähe des großen Parkplatzes, wo der AWM extra einen großen Müllcontainer aufgestellt hat oder in dem Waldstück zur Bushaltestelle an der Verdistraße. Hier wanderte zusätzlich zu dem Kleinmüll ein kaputter Regenschirm und zwei Radkappen in den großen Plastiksack. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und wurde einmal mehr gewahr, dass Zigarettenstummel nicht so einfach verwesen, wie viele Raucher vielleicht denken, die nach einem kleinen Rast auf einer der Bänke ihre Zigarette einfach auf dem Boden austreten und liegen lassen.

Bierflaschen, Plastiktüten, Feuerzeuge, Radkappen und Coffee-to-go-Becher
Ich war gespannt. Auf den ersten Blick sah alles so ordentlich aus. Die Stadtreinigung tat hier regelmäßig ihren Dienst und überall standen Mülleimer. Davon solle ich mich nicht täuschen lassen, hieß es. Vor allem die Büsche am Wegesrand und der Parkplatz seien sehr beliebt für das Entsorgen von Müll. Davon konnte ich mich tatsächlich schnell überzeugen. Schon in der ersten halben Stunde hatte ich mehrere Bier- und Schnapsflaschen herausgefischt. Dazu gesellten sich die dazugehörigen Kronkorken und Deckel, eine leere Parfümflasche, ein Kefir-Becher, die Pappe einer Haushaltsrolle, Feuerzeuge, Reste von Kugelschreibern, die Verpackung von Schokoriegeln, Deckel von Coffee-to-go-Bechern und so viele Plastiktüten und Zellophanschnipsel, dass man davon ohne Probleme eine Regenhaube für einen ausgewachsenen Elefanten hätte nähen können. Von den weggeworfenen Papiertüchern hätte man einen Monatsvorrat an Taschentüchern oder Toilettenpapier zusammenstellen können.

Als ich meinen gesammelten Müll um kurz vor zwölf zum Schlossplatz brachte, staunte ich noch mehr. Meine Mitstreiter hatten einen Teppich gefunden und ein Holzregal. Das sei völlig normal, hieß es. Es sei aber schon besser geworden, man würde eigentlich jedes Jahr weniger Müll finden. Das bleibt zu hoffen. Als ich im Sonntag an der Isar spazieren gegangen bin, habe ich einmal bewusst ein Auge darauf geworfen, was hier so an Müll herumliegt. Nach den Grillorgien des Sommers wird vor allem am Flaucher ja leider regelmäßig zur Müllkippe. Entweder hat gerade die Müllabfuhr den Abfall abtransportiert oder die Grillmeister nehmen inzwischen doch brav ihren Müll mit nach Hause, wenn die Gitterboxen voll sind.

Ramadama Aktionen noch den ganzen Oktober – Freiwillige herzlich willkommen
Die Isar steht im Übrigen noch auf dem Programm der Ramadama-Aktion, am 18. Oktober ist das Ostufer zwischen Thalkirchner Brücke und südlichem Stadtrand dran, eine Woche später das Stück zwischen Großhesseloher Brücke und dem Stauwehr Oberföhring. Auch in Pasing, Riem und Großhadern wird bis Ende Oktober dem Müll der Kampf angesagt. Wer Lust hat, sich an einer der Aktionen zu beteiligen, auch wenn er nicht den organisierenden Vereinen angehört, ist mit Sicherheit herzlich willkommen. Informationen zu Termin, Uhrzeit und Treffpunkt findet man hier

Ein kleines Dankeschön für die freiwilligen Helfer gibt es auch und zwar in Form einer Brotzeit. Da kann man noch ein wenig zusammensitzen bei Radler und Leberkäse und gemeinsam über die Umweltbanausen schimpfen, die unser schönes München in eine Müllkippe verwandeln. Wir haben uns am Samstag in der Schlossschänke Blutenburg aber auch über andere Themen unterhalten und nach getaner Arbeit einfach den tollen Ausblick von der Terrasse genossen.

In diesem Sinne: An guadn und immer schön den Mülleimer benutzen oder mit nach Hause nehmen, wenn Ihr das nächste Mal im Park, an der Isar oder anderswo im Grünen unterwegs seid :-).

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Artikel, endlich mal was Gehaltvolles wobei es nicht nur um Essen und Trinken geht, aber trotzdem um unsere Lieblingsstadt! Aber anscheinend wurde der Artikel zu spät eingestellt, …kann das sein? Denn die Termine sind schon alle vorbei, und den 18.10. hatten wir auch schon vor einer Woche. Das ist sehr ärgerlich…ich hätte gern bei so einer Aktion mit geholfen und hatte schon nach so einer Aktion geschaut…da ich mich zur Zeit mit dem Thema Müll und Plastik beschäftige.

  2. Oh, wir ärgern uns ebenfalls sehr über den ganzen Müll und die Kaffeebecher der jungen Leute. Früher hat es so eine Verschwendung und so viel Müll nicht gegeben. Wir wir sind über die Aktion über unseren Sohn aufmerksam geworden, und haben schon mal geholfen.

    Es gibt jedoch in der Stadt noch viele weitere Vereine und Organisationen die sich in München und die Stadt und die Natur kümmern. Zum Beispiel green city, die Stadtimker und dem LBV. Mehr Artikel über dieses Thema wären wunderbar, da die Pflege der Stadt wichtig ist und wir als Münchner ebenfalls die Artikel dieser Seite aufmerksam lesen.

  3. Pingback: Obermenzing - Leben auf dem Dorf in der Stadt › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

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