Umweltbewusst: Radln in München

Das Radfahren und ich – das ist eine Beziehung, die schon über 40 Jahre andauert. Ich bin im Münsterland groß geworden, einer Gegend, in der ein Leben ohne Fahrrad, um mal einen Satz von Loriot abzuwandeln, zwar möglich ist, aber sinnlos.

Ein Leben ohne Fahrrad ist möglich, aber sinnlos

Als ich zum Studium nach München zog, kam mein Hollandrad – die Fietse, wie die Münsterländer sagen – natürlich mit. Bis heute kann ich mir kein anderes Modell vorstellen. So wie sich ein Golden Retriever-Halter immer wieder einen Golden Retriever kaufen würde, greife ich instinktiv immer wieder zum Hollandrad. Und ja, ich weiß, dass man darauf sehr aufrecht sitzt und ein bisschen aussieht wie eine alte Dame auf der Wohnzimmercouch. Nicht umsonst heißt dieser Radltyp in den Niederlanden ja auch „Omafiets“.

Aber dafür ist es unkaputtbar und hat ein zeitlos schönes Design – die elegant gebogenen Rahmenform heißt sogar „Schwanenhals“. Ach, und was den Sattel betrifft: Der muss bei mir aus Leder sein. Ich empfehle da oft Brooks, was zwar kein holländisches, sondern ein britisches Unternehmen ist, das durchaus einen stolzen Preis verlangt – aber dafür sensationelle Produkte anbietet.

Einst uncool, nun stylisch
In den achtziger Jahren war das Radfahren in München uncool. Es galt als provinziell. Und Radwege gab es nur wenige. Damals war das Auto – noch – das Gefährt der Stunde. Das hat sich erfreulicherweise geändert, das grüne Bewusstsein hat auch Einzug in die Großstädte gehalten. Heute besitzen 80 Prozent der Münchner ein eigenes Radl. Denn das Radeln ist nach dem Laufen – und das kann man gar nicht oft genug sagen – die gesündeste Fortbewegung, die es gibt. Nicht nur für den Menschen, sondern auch für seine Umwelt. Deshalb fördern Stadtväter und Stadtplaner mittlerweile überall in Deutschland die Fahrradmobilität.

Auch unsere Landeshauptstadt ist da ganz vorne mit dabei: Radlfahren ist heute eine feste Größe im täglichen Straßenverkehr. Schon 2009 hat der Stadtrat mit dem „Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs in München“ einen wichtigen Meilenstein gesetzt und die finanziellen und personellen Ressourcen deutlich erhöht. Ziel war und ist es, eine nachhaltige Mobilitätskultur mit dem Fahrrad als unverzichtbaren Bestandteil der Münchner Identität und Lebensart zu schaffen. Das Motto lautet: „München ist schön – beim Radeln noch schöner!“ Wer jetzt mehr wissen will: Hier gibt’s dazu viele weitere Infos.

Münchner auf dem Radl

Mein persönlicher Erfahrungswert nach knapp 30 Jahren an der Isar: Mit dem Radl bin ich schneller als mit dem Auto – und innerhalb der Innenstadt auch schneller als mit Bus, S- oder U-Bahn. Das sind zwar nur ein paar Minuten, aber frische Luft und Sonne gibt’s ja gratis dazu. Nur die Tram kann auf manchen Strecken manchmal mithalten: Sie braucht vom Kurfürstenplatz zum Stachus, wenn’s gut läuft, auch nur 12 Minuten – was ungefähr meiner Radlzeit entspricht.

Und was andere Strecken betrifft: Von Schwabing in die Innenstadt, entlang der Leopold- und Ludwigstraße, passt die Ampelschaltung prima zu meinem persönlichen Tempo – und wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, nehme ich den Weg durch den Englischen Garten, vom Kleinhesseloher See am Eisbach entlang geradewegs hinunter zu den Surfern oder dem Haus der Kunst. Zwischen Schwabing und Hauptbahnhof nutze ich statt der Barer Straße wegen der dort verlegten Tram-Schienen (Unfallrisiko!) lieber die Arcisstraße, und von der LMU Richtung Westen statt der Schelling- (Busse! Paketienst-LKWs!) lieber die viel ruhigere Adalbertstraße mit ihrer Extra-Radlspur.

Besser nicht!
Verlockend, aber verboten: durch die Fußgängerzone zu cruisen. Ach, und: Noch ein, zwei Jahre ist auch das Durchfahren zwischen Rindermarkt und
 der Dienerstraße wegen der Hugendubel-Baustelle untersagt. Die Münchner Polizei ist gerade an diesen Orten mittlerweile sehr aufmerksam. Ebenso ist auch die unscheinbare Ampel am Siegestor stadtauswärts, die ja leider zum Überfahren geradezu einlädt, immer mal wieder im Visier der Ordnungshüter. Also: Schön brav bei Rot anhalten! Die 15 Euro, die das sonst kostet, sind besser in ein schönes Schnitzel investiert.

Aber natürlich nerven mich, wenn ich ehrlich bin, am meisten jene Autofahrer, die meine üblichen Radlwege gedankenlos zuparken. Wer kann, umfährt deshalb besser den dauernd zugestellten Oberanger. Aber fährt, wegen der Fußgänger, natürlich selber auf der Residenzstraße auch im Schritttempo. Wie überhaupt die Zauberformel im Münchner Straßenverkehr „Rücksicht aufeinander nehmen“ lautet.

Günstig kaufen oder leihen – aber wo?
Ultimativer Tipp für Sparfüchse: Der Radlflohmarkt der Stadt München. Er wird im Auftrag der Landeshauptstadt von den drei Anbietern Green City, helios sowie der Innovationsmanufaktur durchgeführt. Einmal im Jahr kommen dabei um die tausend Räder unter den Hammer, darunter auch Dutzende Fundräder. Man bekommt Citybikes, Rennräder und Mountainbikes für Erwachsene, aber auch Kinderräder, -anhänger und -sitze, Rikschas, Liege- und Lastenräder.

Immer beliebter werden allerdings seit einiger Zeit auch Leihräder. In München stehen die silbrig-roten Radl der Deutschen Bahn an vielen U-Bahn-Ausgängen, aber seit einiger Zeit auch die über tausend silbrig-blau-schwarzen Räder der MVG (Kosten: 8 Cent/Minute, für IsarCard-Abo-Besitzer und Studenten 5 Cent). Wer häufiger mit dem MVG-Rad unterwegs ist, kann sogar ein Jahres- bzw. Halbjahrespaket abschließen. Voraussetzung ist die kostenlose App „MVG more“ auf dem Smartphone: Dort bekommt man nach einmaliger Registrierung via GPS alle verfügbaren MVG-Räder in der Nähe angezeigt. Wobei die Radl über die ganze Innenstadt verstreut stehen, von Laim bis Bogenhausen und von Harlaching bis Schwabing

Ein privater Anbieter von Mieträdern ist die Spurwechsel GmbH (Ohlmüllerstr. 5, U-Bahn Fraunhoferstraße oder Tram 17, Haltestelle Eduard-Schmid-Straße, www.spurwechsel-muenchen.de). Dort gibt’s Cityräder, Trekkingräder, Kinderräder, Kindersitze, Fahrradanhänger, Helme und Körbe. Ein 7-Gang-Cityrad kostet für bis zu vier Stunden 12 Euro, von 9 bis18 Uhr 15 Euro und für 24 Stunden 17,50 Euro.

Auf zum Radldoktor!
Und was, wenn man mal wieder auf der Leopoldstraße durch die Scherben einer Bierflasche geradelt ist? Mein persönliches Stammgeschäft ist seit vielen Jahren das 2Rad in der Georgenstraße 39 in Schwabing, das zur Reparatur allerdings nur dort gekaufte Fahrräder annimmt. Aber auch der Familienbetrieb Schütz in der Belgradstraße 66 hat mir immer schnell und zuverlässig einen Reparaturtermin angeboten – und das eben auch bei einem Radl, das ich ersichtlicherweise nicht bei ihnen erstanden habe. Aber das sind natürlich nur zwei von über hundert Geschäften. Alle Adressen sämtlicher Münchner Fahrradläden gibt’s in der Broschüre „Münchner Radlszene“ vom Kreisverwaltungsreferat, die kostenlos hier heruntergeladen werden kann.

Wer zwar keinen akuten Platten hat, aber mal wieder Licht und Bremsen überprüfen lassen möchte: Sehr beliebt unter Münchnern sind die jährlichen Radl-Sicherheitschecks unter dem Dach der „Radlhauptstadt München“. Dabei überprüfen die Fachleute kostenlos, ob das Fahrrad verkehrssicher ist, und kleinere Mängel beheben sie direkt vor Ort. Veranstalter ist die Innovationsmanufaktur GmbH, Tel.: 089/5527919-21.

Die schönsten  Radlstrecken durch die Stadt
Als Zuagroaster gemeinsam mit anderen Neu-Münchnern die Landeshauptstadt entdecken? Das geht am besten auf der organisierten Neubürger-Radltour „Feierabendroute“ – das ist eine etwa 15 Kilometer lange Strecke, die zunächst von der Alten Messe durch das Westend und über die Hackerbrücke zur Maxvorstadt und dem von der Universität geprägten Teil Schwabings führt. Anschließend durchquert man den Englischen Garten und nimmt Kurs auf den Friedensengel. Am Prinzregentenplatz schließlich geht’s nach Haidhausen und zum Kulturzentrum Gasteig, danach an der Isar entlang flussaufwärts nach Süden und entlang der Kapuzinerstraße zurück zum Sendlinger Tor. Start- und Treffpunkt dafür ist das Verkehrszentrum, Am Bavariapark 5, auf der Schwanthalerhöh’; die Termine weiß der Veranstalter (Green City e.V. im Auftrag der Radlhauptstadt München, Tel.: 089/90668-319).

Und jedes Jahr von März bis Ende Oktober startet Freitags, Samstags, Sonntags und Feiertags um 11 Uhr die Radltour „Münchner Highlights“: Eine 12 Kilometer lange Entdeckungstour, die zur Residenz der Wittelsbacher führt, zur die Feldherrnhalle, durchs „Drückebergergasserl“, über den Königsplatz zur Ludwig-Maximilians-Universität, dann in den Englischen Garten und die „Weißwurstallee“ entlang. Treffpunkt ist der Fischbrunnen auf dem Marienplatz, weitere Infos hat der Veranstalter.

Und zum Abschluss noch ein Hinweis, der leider immer noch eine Art Geheimtipp ist: Die Seite www.muenchen.de/mobil bietet ein Radlrouting-Programm an, das die jeweils günstigste innerstädtische Route zwischen zwei frei wählbaren Start- und Zielpunkten findet. Wobei man sogar verschiedene Kriterien auswählen kann – sich also etwa sich die schnellste Strecke oder diejenige mit den wenigsten Ampeln anzeigen lassen kann.

Meine Lieblingsstrecken
Vor allem eine Radlstrecke hat es mir angetan: vom Hohenzollernplatz durch den Luitpoldpark Richtung Petuelring, dann zum und durch den Olympiapark, weiter am Biedersteiner Kanal entlang durch das beschauliche Gern bis zum Schloss Nymphenburg. Da bin ich abwechselnd im Grünen und in der Stadt, am Kanal ist es idyllisch ruhig – und am Schloss Nymphenburg wartet dann ein kühles Bier. Meine zweitliebste Tour: Vom Isarring zum Föhringer Ring einmal längs durch den Nördlichen Englischen Garten. Und, am Ziel angekommen, dann auf ein Spezi zum Aumeister. Dritter Tipp: Vom Deutschen Museum an der Isar entlang nach Süden, durch die Frühlingsanlagen und den Flaucher bis zum Tierpark Hellabrunn.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Leider stammen viele unserer Radwege noch aus genau den angesprochenen autoverliebten 80er-Jahren – wir malen mal einen weissen Strich auf den schmalen, holprigen Gehweg, damit die Radfahrer unserer schönen Autos nicht auf der Straße stören.

    Erste Ansätze sind da, aber bis zu einer „Radlhauptstadt“ ist es noch ein langer Weg!

  2. Pingback: Fünf "Nur in München"-Orte, die unsere Autorin vermisst... › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

Kommentar verfassen