Kennt ihr diese Münchner? Diese Plätze erinnern an sie!

Unspektakulär, aber dafür mit ganz viel Münchner Flair: Kleine Plätze in Schwabing und der Maxvorstadt, die an außergewöhnliche Münchner erinnern. Margot Weber ist so oft an ihnen vorbei gefahren. Jetzt hat sie dort endlich einmal angehalten.

Schwabing: der Pündterplatz
Kein Tag, an dem ich nicht mal schnell längs über den Pündterplatz radle. Muss ich zur Uni, zur Staatsbibliothek oder irgendwo in die Maxvorstadt, befindet er sich genau auf meinem Weg. Einfach, weil er so zentral liegt, nämlich ein Geviert bildet zwischen Herzog-, Clemens-, Römer- und Ansprengerstraße. Auch dieser Text entsteht – mal wieder – genau dort. Denn im Augenblick sitze ich im „Black Bean“ am südwestlichen Ende und schaue den Kindern auf dem Spielplatz beim Toben zu. Wobei ich manchmal auch die „Friesische Teestube“ besuche, wenn mir nach Tee mit Kandis und Sahne ist. Exakt ab 1901 begann der damals sehr bekannte Baumeister und Architekt Anton Wörz, der auch für fast alle Bauten der Hohenzollernstraße verantwortlich zeichnet, hier Mietshäuser hochzuziehen.

Übrigens: Der Schauspieler Ernst Pündter (1884-1929), der heute längst vergessen ist, war gebürtiger Münchner, hatte an der LMU studiert und promoviert und arbeitete danach als Schauspieler und Theaterchef. In den zwanziger Jahren verschlug es ihn zum Rundfunk nach Bremen, wo er auch starb.

Maxvorstadt: der Georg-Elser-Platz
Sagt euch nichts? Das ging mir bei der Recherche für diesen Text auch so. Dabei liegt der winzige Platz direkt an der quirligen Türkenstraße – und zwar genau neben dem ehemaligen „Türkendolch“-Kino, das ja längst einem Restaurant gewichen ist. 1997 hat die Stadt das kleine, baumumsäumte Eck dem Münchner Schreiner und Hitler-Attentäter gewidmet. Warum gerade diesen Ort? Weil Elser (1903-45) von September bis November 1939 – also bis zu seiner Verhaftung durch die Nazis – zur Untermiete 150 Meter weiter nördlich gewohnt hat, nämlich in der Türkenstraße 94.

Elser gehört zu den großen Widerstandskämpfern der Nazi-Zeit, war aber lange vergessen. Am 8.11.1939 hatte er versucht, Hitler durch ein Attentat im Münchner Bürgerbräukeller zu töten. Wer mehr über ihn wissen möchte: Es gibt zwei spannende Filme über sein Leben, einen von und mit Klaus Maria Brandauer („Georg Elser – Einer aus Deutschland“) von 1989, und einen aktuelleren aus dem Jahr 2014 („Elser – Er hätte die Welt verändert“). Ein wichtiges Stück Münchner Zeitgeschichte!

Wer beim Besuch des Platzes etwas Süßes braucht: Die „Gelateria Adria“ in der Türkenstraße 59 ist eine der besten Eisdielen der Stadt und seit fünf Jahrzehnten eine Schwabinger Institution. Was nur hier angeboten wird: eine Eissorte namens „Dolce latte“. Und ein Shopping-Tipp nur für Frauen: Entzückenden Schmuck und vieles mehr gibt’s im „Nia. Prêt-à-porter“ in der Türkenstraße 35. Und danach nichts wie auf ins Arri in der Türkenstraße 91, weil es das Kino mit der tollsten Leinwand und den bequemsten Sesseln ist!

Altschwabing: der Arthur-Kutscher-Platz
Schon mal gehört? Kein Wunder. Vor rund zwei Jahren brachte es der Schwabinger Arthur-Kutscher-Platz kurzfristig ein paar Monate zur Medienberühmtheit. Denn dort, im Mehrfamilienhaus Artur-Kutscher-Platz 1, lebte im 5. Stock, völlig zurückgezogen, der Kunsthändler-Sohn Cornelius Gurlitt (1932-2014). In seiner Wohnung hatte er 1280 Kunstwerke gelagert, die zum Teil seit 1945 als verschollen galten und bei denen Experten vermuten, dass es sich zum Teil um NS-Raubkunst handeln könnte.

Schräger Zufall: Auch der Namenspatron des Platzes, Arthur Kutscher (1878-1960), hatte mit Kunst zu tun. Er war ein München Theaterwissenschaftler, bei dem u.a. Ödön von Horváth, Bertolt Brecht und Erwin Piscator studierten und der mit Frank Wedekind und Otto Falckenberg befreundet war.

Genusstipp: Die einstige Amüsiermeile Occamstraße läuft direkt auf den Arthur-Kutscher-Platz zu – und dort tut sich im Augenblick viel. Und zwar nur Gutes. So wie sich ganz Altschwabing grad sehr verändert. Zum Besseren nämlich. Zwei Beispiele gefällig? Das „Helene“ in der Occamstraße 5, ein Ableger vom „Schmock“ in der Auguststraße, ist ein erst wenige Monate altes Restaurant mit Kellerclub in den Räumen des ehemaligen „Albatros“. Und dann gibt’s noch das brandneue „Wood“ in der Occamstraße 6, das nach dem Prinzip „Clean Eating“ gesundes Essen – übergeordnetes Prinzip: komplexe Kohlenhydrate plus fettwarmes Eiweiß – in hellem, luftigem Ambiente verspricht.

Schwabing West: der Helmut-Fischer-Platz
Wer in Schwabing lebt und für Eltern und Freunde ein Hotel in der Nähe braucht, quartiert sie oft im H’otello/F22 ein, das nur einen Steinwurf vom Helmut-Fischer-Platz entfernt liegt. Aber wer dann abends mit seinem Besuch essen gehen will, hat leider auch die Qual der Wahl: spanisch-mexikanisch im „Tacos y Tequila“? Ein Schnitzel im „Schwabinger Wassermann“? Oder lieber ein traditionelles Gyros mit Retsina im „Elia“?

Am Helmut-Fischer-Platz laufen mit der Herzog-, der Ranke- und der Fallmerayerstraße drei typische Schwabinger Straßenzüge aufeinander zu. Der Platz selbst ist sehr klein und überschaubar, aber vor allem im Sommer nett, um sich mal für zehn Minuten hinzusetzen. Hübsch fürs Auge: der dreiteilige Fontänenbrunnen aus geschweißtem Edelstahl der isländischen Künstlerin Inga Ragnarsdóttir aus dem Jahr 1989.

Ach ja – muss ich den Namensgeber Helmut Fischer noch erklären? Nicht wirklich, oder? Ich sag nur: „A bisserl was geht immer“. Wer jetzt immer noch keine Ahnung hat, besorgt sich am besten mal die „Monace Franze“-Blu-rays oder DVDs.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Klasse! Frage mich oft wer diese Menschen waren und vergesse es doch immer wieder, mich auf die Suche zu machen. Aber auf den Film im Jahre 2914 bin ich wirklich schon sehr gespannt. In diesem Sinne. Spatzl, schau wia i schau. 🙂

  2. Berichtet doch auch mal über die „Kurt-Eisner-Straße“ und das Politikum darum! Immerhin war er es, der Bayern zum Freistaat gemacht hat – das wissen aber nur wenige Leute.
    Seine Straße befindet sich jedoch nicht im „exklusiven“ Schwabing oder der Maxvorstadt, sondern Neuperlach. Straßennamen sind Geschichtspolitik pur!

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