Schlosspark Nymphenburg: eine Insel der Ruhe

Kann man den Schlosspark in Nymphenburg gerade im Sommer wirklich guten Gewissens als Ort der Stille und des Rückzugs empfehlen? Ja, das kann man!
Vorne am Schlossrondell reihen sich die Reisebusse aus aller Welt aneinander und schicken einen nicht enden wollenden Touristenstrom durch herrschaftliche Anlage. Auch im Schloss selbst und entlang der Promenade herrscht gerade in den Sommermonaten reger Betrieb. Verständlich, zeigt sich diese prachtvolle Sommerresidenz der Wittelsbacher Herrscherfamilie doch in diesen Monaten von ihrer besten Seite. Abertausende Besucher erfreuen sich dann an diesen Zeugen einer längst vergangenen Zeit, bewundern die herrschaftliche Pracht des Schlosses und den Ausblick von den mit goldenen Löwen verzierten Treppenstufen über den Park, der einst nur dem Adel vorbehalten war.

Doch wer nur wenige hundert Meter in den Park hineingeht, das Schloss hinter sich lässt, sich weg von der viel besuchten Kanalachse in Richtung Norden oder Süden entfernt, wird rasch eine völlig andere Seite des Parks kennenlernen. Dichter Baumbestand wechselt mit großen Rasenflächen, hier und da eine lugt eine der kleinen Parkburgen oder ein kleiner See zwischen dem leuchtenden Grün hindurch, bisweilen lassen sich sogar grasende Rehe beobachten.

Aber was besonders auffällt, ist die Ruhe die mit einem Mal um einen herum herrscht. Sicher, die Vögel zwitschern, hin und wieder hört man von fern Kinderlachen, ein Jogger knirscht die Kieswege entlang, oder ein Schwarm Gänse zieht schnatternd den Himmel entlang. Aber sonst – Stille. Je tiefer man in den Park hineingeht, desto ruhiger und friedlicher wird es um einen herum, das bunte und hektische Großstadttreiben scheint weit weg zu sein. Irgendwann hat man die Grenzen des Parks erreicht und man stößt unweigerlich auf die Schlossmauer. Dort angekommen sollte man die Gelegenheit nutzen und einige hundert Meter dem schmalen Pfad der sie begleitet, zu folgen. Das Mauergestein strahlt die gespeicherte Sonnenwärme ab und gegenüber wartet kühles und schattiges Unterholz. Dieser Weg entlang der alten Mauer ist mein persönlicher „Jakobsweg“. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht um seinen Gedanken nachzugehen, ist hier gut aufgehoben.

Im Nordteil des Parks senkt sich an einer Stelle die Mauer bis auf den Boden und eröffnet den weiten Blick hinaus auf die angrenzenden Wiesen. Hier ist der ideale Ort um sich niederzulassen, zwischen zwei Maulwurfshügeln das Picknick auszupacken oder sich in ein gutes Buch zu vertiefen. Kommt man an einem Sommernachmittag dorthin, ist es leicht, die Zeit zu vergessen. Sollte das geschehen, hat man das Glück genau vor seinen Augen die Sonne am Horizont versinken zu sehen. Wer jetzt nicht allein, sondern in Begleitung unterwegs ist, kann – mit ein wenig Gespür für Romantik ausgestattet – hier unvergessliche Momente erleben.

Wer sich auf den Weg macht um den Park abseits der Touristenströme zu erkunden, der wird viele solcher besinnlichen Fleckchen für sich entdecken können. Ich will sie nicht alle verraten, macht euch auf die Suche und haltet eure Sinne offen. Ich hatte sogar mal das Glück, dort einen leibhaftigen Nachfahren von König Ludwig III, nämlich seinen Ur-Ur-Enkel, Prinz Ludwig von Bayern jun. zu treffen. Doch um den Park und dessen majestätische Ausstrahlung und Ruhe zu genießen, bedarf es keiner adligen Begleitung. Einige wenige Schritte vom Schloss entfernt wartet schon die Abgeschiedenheit auf den Suchenden und lädt zum Abschalten vom Alltagsstress ein.

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