Neuer Botanischer Garten – Ein Ort für jede Jahreszeit

Ich habe Besuch aus der Hauptstadt. Nach Sightseeing und Co. braucht meine Berliner Freundin Mona eine Pause. Ich nehme sie mit in unseren Botanischen Garten, genauer gesagt den „Neuen Botanischen Garten“ in München-Nymphenburg, der 1914 von Karl Ritter von Goebel vor den Toren Münchens (!) angelegt wurde. „Botanischer Garten“, das klingt so nüchtern. Eigentlich könnte man ihn gut umbenennen in „Garten Eden für alle Sinne“. Das finden zumindest Mona und ich nach unserem Besuch.

Titel2 Tulpen wiese3 Blueten_Himmel

Wer sich – wie wir – nach Passieren des Haupteinganges gleich rechts hält, gelangt zunächst in den „Schmuckhof“ und schließlich in den „Frühlingsgarten“. Zu dieser Jahreszeit eine gute Idee, wie sich herausstellt: Um uns her stecken Tulpen, Iris und natürlich Narzissen bereits ihre Köpfe aus dem Boden und recken sich der Frühlingssonne entgegen. Unzählige Krokusse bilden lilafarbene Inseln und die meisten Sträucher treiben in zartem Grün aus. Vögel zwitschern in den mit wilden Ranken bewachsenen Laubengängen. Eichhörnchen flitzen unter den alten, knorrigen Bäumen des Arboretums über den Rasen. Ein Liebespaar schlendert vorbei. Und über alldem spannt sich weit und blau der Münchner Frühlingshimmel, garniert mit weißen Federwölkchen. Zauberhaft.

Magnolie Wiese Narzissen Pavillon

Vom Frühlingsgarten  gehen wir weiter zum Alpinum. Mona, meine Berliner Pflanze, sperrt Mund und Nase auf. Wir wandern auf schmalen Pfaden zwischen bewachsenen Felsen und fühlen uns kurz wie im Gebirge. Wenn sich im Juni weiße, lila und rosa Farbschleier über die kargen Felsen legen, wähnt sich der Besucher mit etwas Phantasie im Wettersteinmassiv, wo der Münchener Botanische Garten eine Art „botanische Dependance“ auf dem Schachen unterhält. In dieser Außenstelle des Münchner Botanischen Gartens wachsen auf mehr als 1.800 Meter Höhe über tausend alpine Pflanzenarten, darunter sogar Gewächse aus dem fernen Himalaya. Mona und mich plagt kurz das Fernweh: Am liebsten würden wir sofort zu einer Bergtour aufbrechen – zumal das südlich von München gelegene Wettersteingebirge noch nicht einmal 100 Kilometer entfernt und mit der BOB leicht zu erreichen ist.

Alpinim Farn Schild_Gift BG_EingangGewaechshaus

16 Uhr, Zeit für einen Kaffee.  Wir gehen zurück Richtung Schmuckhof und biegen rechts ab zum schönen alten Café des Botanischen Gartens. Auf der Sonnen-Terrasse mit Blick auf den Rosengarten fühlen wir uns entspannt wie lange nicht.  Ab Mai fliegen hier Libellen elegant über den Seerosenteich. Und es ist dann an hellen Sommertagen tatsächlich so wie Waldemar Bonsels schreibt: „Als flösse ein heller Silberschein um sie her“.  Übrigens: Bonsels lebte eine Zeit lang in Schleißheim, in der Nähe von München, wo er 1912 „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ schrieb.

 

CafeTeich_Spiegelung Magnolien Schmuckhof

Im Frühsommer explodiert die Farbenpracht im Botanischen Garten geradezu. Inmitten von prächtig blühenden Pfingstrosen, intensiv duftenden Schwertlilien und ungezählten, von Insekten umschwirrten Rhododendren-Blüten habe ich mich schon oft vom Alltag erholt. Im warmen Juli und August aber ist mein Lieblingsplatz am großen Teich. Dann blüht hier sogar der Lotus.

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Spätestens ab Juni duften unzählige alte Rosenarten mit ganz neuen Rosen-Züchtungen um die Wette. Glückselige Hummeln und Bienen summen dann von Blüte zu Blüte. Ich erzähle Mona von der traditionell im Juni stattfindenden Rosenschau, welche jedes Jahr unter einem anderen Motto steht. Sie verspricht, im Juni wiederzukommen. Vor allem, weil der Botanische Garten zu München in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum feiert: 100 Jahre wird er alt und feiert das mit – na klar – einhundert Rosenarten in einer einzigartigen Sonderschau.

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Auch im Winter hat der Botanische Garten einiges zu bieten. Während Kapuzinerkresse und Co. Winterschlaf halten, flattern traditionell zwischen Dezember und März im feuchtwarmen Wasserpflanzenhaus mehr als 400 tropische Schmetterlinge zutraulich zwischen Wasser- und Sumpfpflanzen umher, während ganze Sippen zierlicher Wasserschildkröten am Teich faul ein Schläfchen halten. Überhaupt lässt sich unter Palmen und Kakteen, im Orchideenhaus oder bei den Wüstenpflanzen das trübe Winterwetter gut vergessen. Dass das vielen Münchnern so geht, beweist der Besucherandrang am Wochenende. Wer nicht gern in der Schlange wartet, kommt wochentags.

Eingang_Gewaechshaus Schmetterling Tuer_Gewaechshaus

Der Botanische Garten schmiegt sich an die östliche Flanke seines größeren Verwandten, des Schlossparks Nymphenburg, und wird im Norden von der Menzinger Straße begrenzt. Hier an dieser Nymphenburger Verkehrsader befindet sich der Haupteingang des Botanischen Gartens, von der Trambahnlinie 17 mit immer neuen Besuchern versorgt. Es gibt aber auch einen kleineren, versteckteren Eingang am entgegengesetzten südlichen Ende des Gartens wo er an den Nymphenburger Schlosspark grenzt. Und ja,  „wenn man doch schon einmal da ist“, wie Mona sagt, bietet es sich an, gleich nach dem Botanischen Garten auch noch den Nymphenburger Park zu besuchen. In München sei alles so nah beieinander, findet sie, so schnell zu erreichen. „Und doch so vielfältig“. Ich muss lachen: Eine Berlinerin im München-Modus. Ich bin sicher, sie kommt bald wieder her.

Vielen Dank an Michael Schnitzenbaumer für die schönen Photos in diesem Beitrag.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Silke, das hat jetzt gar nichts mit deinem Blogg zu tun, sondern mit alten Tübinger Wohnheimzeiten. Hier sind Sylvie, Andi und Geli. Wir haben uns letztes Jahr über s Internet wiedergefunden und sitzen nun gemeinsam mit „Hugo“s auf der Terrasse und denken an alte Zeiten. Vielleicht hast du ja Lust, das nächstemal mit dabei zu sein (wenn Sylvie mal wieder ins „Old Germany“ zu Besuch kommt). Freuen uns von dir zu hören!

  2. Pingback: 10 Gründe, warum Hunde München lieben › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  3. Hallo, ich bin auf diesen Beitrag gestoßen und muss sagen, dass ich die Bilder sehr toll finde und auf jeden Fall neugierig machen, den Botanischen Garten zu besuchen. Wenn ich das nächste mal in der Nähe bin, dann werde ich ihn auf jeden Fall besuchen.

    Liebe Grüße

    Sarah

  4. Hallo liebes Blog-Team,

    erst einmal muss ich sagen, dass Euer Blog sehr übersichtlich ist! Man findet sich sehr schnell zu Recht. Zu eurem Artikel bleibt zu sagen, dass der Botanischer Garten ein sehr schöner Ort zum relaxen ist! Viele schöne ruhige Orte in jeder Jahreszeit. Vor allem die schönen Blüten in der Sommerzeit machen etwas her!

    Die Bilder sind Euch gelungen! Wenn ich in der Nähe bin, werde ich vorbei schauen.

    Grüße,
    Patrick

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