Munich MASH 2014 – Das Erbe der X-Games im Olympiapark München

Schwarz-Gelb, das ist eine Farbkombination, die München allzu gut bekannt sein dürfte. Aber nein, wir reden dieses Mal weder über Politik, noch über die Tracht des Münchner Kindl’s oder gar über die Altfeinde des bayerischen Fußballs. In Schwarz-Gelb hat sich am Wochenende vom 18. bis zum 20. Juli der Olympiapark München getaucht, denn wie schon 2013 bei den X-Games haben sich die Großen der Großen aus der Extrem- und Trendsportszene in der bayerischen Landeshauptstadt zusammengetroffen, um Fans aus aller Welt so richtig einzuheizen. Nötig hätte das bei Gartemperaturen von 35 Grad wahrscheinlich keiner gehabt, aber Zehntausende zog es trotz Hitze vom Freitag bis Sonntag für das Munich MASH in die geschichtsträchtigen Gefilde zu Füßen des Olympiaturms.

Seepferdchen und Enten
Nachdem am Freitagabend Susanne Blech beim Opening-Concert die Bühne gerockt hatte, zog ich mittags los in Richtung Olympiapark, schließlich wollte ich die Munich Action Sports Heroes – kurz MASH – alle vor die Linse bekommen. Zoom drauf, Monopod montiert und ab auf’s Gelände solange man sich noch frei bewegen kann. Nachher werden hier mehr als 18.000 Menschen abfeiern. Am Coubertinplatz fasziniert mich der Slope-Style-Track der Swatch Prime Line-Athleten, die sich mit ihren Dirt-Bikes gerade für das Finale am Sonntag eingrooven. „Bis morgen Guys“, denke ich, denn heute bin ich für wen anderes hier im Olympiapark – die Red Bull X-Fighters starten um halb 6. Erstmals in der Geschichte der X-Fighters wird es einen Kurs geben, der komplett auf dem Wasser gelegen ist, weswegen auch nur Fahrer teilnehmen dürfen, die mindestens das Seepferdchen besitzen. Im Olympiasee mussten die dort heimischen Münchner Enten 2.000 Tonnen Erde, Stahl und Holz weichen. Ich schleppe mich weiter ins Medien-Center, wo ich standesgemäß vier Dosen vom Energydrink des Veranstalters konsumiere. Flügel sind mir dabei leider keine gewachsen, aber frisch wie eh und je „chille“ ich zum Veranstaltungsort – Fachjargon ist wichtig.

Luc Ackermann bekennt Farbe, Sheehan siegt
Die Tribünen sind voll, es kann losgehen. Red Bull lässt erst einmal seine Skydive Crew vom Olympiaturm aus durch die Lüfte starten, bevor die Motocross Elite auf den Track darf. Nach waghalsigen Manövern landen die fünf Sportler mit ihren Fallschirmen auf dem Olympiasee – die Menge tobt. Die Fahrervorstellung der X-Fighters beginnt und extra für dieses Event hat sich Deutschlands FMX-Hoffnung Luc Ackermann mit seinen 16 Jahren angemeldet. Daneben ist auch die Top-10 der World Tour vertreten, allen voran Levi Sherwood und Josh Sheehan, der zwei Stunden später mit seinem Double-Backflip zum Sieger des Events gekürt werden wird. Was innerhalb der zwei Stunden passiert lässt sich nicht in Worte fassen, Bilder sagen bekanntlich ja mehr als 1000 Worte

So viel sei gesagt: Luc Ackermann erreicht im Deutschlandtrikot zuerst das Viertelfinale und mit Bayern-Trikot sogar das Halbfinale, scheidet dann unter tobendem Beifall aber aus. Im Finale stehen sich der Japaner Taka Higashimo – der in der Qualifikation sein Bike im Wasser versenkte – und der Australier Josh Sheehan gegenüber. Die Judges entscheiden sich letzten Endes für Sheehan. Die Band Blitz Kids rundet die Hammershow ab, ich mache mich mit meinen 1.800 Fotos auf den Heimweg.
Bis morgen Munich MASH.

Der Sonntag, der das Eis zum Schmelzen bringt
Der Sonntag beginnt für mich um eine ähnliche Zeit. Die mehr als sieben Kilometer, die ich den Tag zuvor im Olympiapark München zurückgelegt habe, merke ich zwar, aber immerhin sind die Temperaturen minimal gediegener. Bevor es beim BMX Street Rink zur Sache geht, schlendere ich über das MASH Fest. Von der Schwimmhalle bis zu den heiligen Hallen des EHC München ist ein Schausteller-Bereich für alle frei zugänglich. Nicht nur die komplette Szene – erkennbar entweder an viel zu weiten oder viel zu engen Hosen, Flatbrim-Caps und trendigen Fortbewegungsmitteln – ist heute im Olympiapark München, auch Familien, Großeltern und andere Neugierige sind auf dem MASH Fest. In verschiedenen Nachwuchs-Contest zeigen die Talente von morgen, dass sie es bald bis ganz nach oben schaffen möchten. Ich checke ein im Olympia-Eisstadion, das dieses Wochenende nicht das legendäre Eishockey-Feld beherbergt, sondern einen legendären BMX Street-Parcours, designt von BMX-Legende Brian Kachinsky. Zu feinstem Hip Hop und frechem Punk Rock wippt die ausverkaufte Halle schon in den ersten Heats der BMX-Elite mit ehe die Stimmung bei den finalen Runs der 16 besten Fahrer der Welt überkocht. Zwei deutsche Athleten mischen auch mit. Am Ende landen Daniel Tünte und Bruno Hoffmann mit nur wenig Abstand auf den Rängen 6 und 7. Das Feld liegt eben sehr nahe beieinander. Alex Kennedy aus England macht das Ding mit einem Score von 90.60 und verbannt Chad Kerley (90.40) und Simone Barraco (90.20) auf die Plätze Zwei und Drei. Eine Champagner-Note liegt noch von der Siegerehrung in der Luft, während die Zuschauer schon die Skateboarder der Munich BE(A)ST Tour anfeuern. Ich muss leider weiter, wie ich nachher höre, hat Richie Tury die BE(A)ST Tour gewonnen.

Das Beste am Schluss – Swatch Prime Line
Das letzte Event steht an. Nach einem kurzen Regenschauer geben die Mountainbiker auf dem ebenso einmaligen Slope Style-Kurs am Coubertinplatz Gas und feuern ihr Trick-Repertoire mitten in der Menge ab. Der Star des Fahrerfeldes ist Sam Pilgrim, den Fans noch am Tag davor bei einer Autogrammstunde hautnah erleben konnten. Es zeigt sich schnell, der Track hat es in sich. Im Qualifying am Samstag stürzte einer der Rider beim Versuch, den weltweit ersten Looping in einem MTB-Wettbewerb zu bezwingen. Und auch jetzt am Sonntag fordert die Swatch Prime Line bereits beim ersten Warm-Up-Run ein zweites Opfer. Wir Fans blicken mehr als eineinhalb Stunden abwechselnd von den Video-Walls auf die meterhohen Jumps des Parcours und feuern die Helden namens Pilgrim, Reboul, Zejda, Söderström und noch viele weitere bei ihren atemraubenden Sprüngen an. Die Weltelite des MTB Slope Styles zeigt sich von ihrer besten Seite und ganz am Ende nimmt Louis Reboul die goldene Medaille aus München mit nach Hause.

Bereit für nächstes Jahr
Nach zwei Tagen voller Action, einem Dutzend Energydrinks, zwölf Kilometern Fußweg und mehr als 3.000 Fotos geht das Munich MASH zu Ende. Im Vergleich zu den X-Games im Vorjahr hat 2014 zum Glück der Wettergott mitgespielt. Das außergewöhnliche Event in Münchner Eigenregie wird vielen Fans sowie den Athleten lange in Erinnerung bleiben. Vielleicht können in Zukunft noch weitere Disziplinen ausgetragen werden. Ich für meinen Teil glaube einen weiteren Trend erkannt zu haben: Longboarder machen sich breit in der bayerischen Landeshauptstadt. In Neuseeland gibt es bereits Weltmeisterschaften. Außerdem ließe sich der ehemaligen DTM-Rennstrecke im Olympiastadion mit einer Global Rallycross-Veranstaltung wieder Leben einhauchen.
Doch egal, wie es kommt, für eine nächste MASH-Ausgabe ist München mit Sicherheit ebenso bereit wie ich.

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