Städtevergleich: München oder Berlin? Ein Vergleich in 10 Punkten

MünchenBerlin

Eine schwere Entscheidung. Wo ist das Leben lebenswerter? Die Autorin Margot Weber wagt einen kleinen ganz persönlichen Städtevergleich.

1. Glockenbachviertel oder Kollwitzplatz?
Hipster, Nerds und alle, die „was mit Medien“ machen, wohnen am Roecklplatz (München) oder in Friedrichshain (Berlin). Junge Familien hingegen leben im Glockenbach (München) oder rund um den Kollwitzplatz (Berlin). Das ist ein Klischee, aber wie alle Klischees trägt es ein Körnchen Wahrheit in sich. Die Kinderwagendichte und die Zahl der Bio-Läden dürften an der Spree allerdings doch noch etwas höher sein. Und die Mieten immer noch niedriger als an der Isar. Was leider jedoch gegen das Glockenbachviertel spricht: In Berlin fahren junge Mütter Fahrrad mit Anhänger – und keine Monsterautos mit verdunkelten Scheiben. Diese SUVs, die die engen Straßen der Au und die Gegend um den Gärtnerplatz verstopfen, sind bedauerlicherweise ein echter Minuspunkt für München.

2. Flaucher oder Tiergarten?
In Berlin grillt man am Wochenende ab mittags, in München eher zum Sonnenuntergang. In Berlin trifft man sich im Tiergarten vorm Schloss Bellevue, also in Sichtweite von Joachim Gauck, in München am Flaucher, also unweit vom Tierpark Hellabrunn. Die Berliner packen ihren Grill auf den grünen Rasen, die Münchner stellen ihn auf den Kies ans Isarufer. In Berlin gibt’s Lammspieße, Köfte und Paprikaschoten, in München Würstchen und Steaks. Was schöner ist? Geschmackssache.

3. Flughafen Franz Josef Strauss oder Flughafen BER?
Der Renner in Berlin sind gerade Postkarten, auf denen Walter Ulbricht abgebildet ist, mitsamt eines leicht abgeänderten Zitats: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen.“ Das BER-Missmanagement lässt sich vermutlich nicht unterbieten.

4. Schwabing oder Prenzlauer Berg?
Schwabing war mal jung und wild, aber das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Mittlerweile ist es ein sehr bürgerliches und ziemlich etabliertes Stadtviertel mit hoher Kneipendichte und vielen Restaurants. Viele Straßen sind von alten Bäumen gesäumt, der Elisabethmarkt ist eine Oase für Genießer und der Luitpoldpark das Lieblingsziel der Jogger. In Prenzlauer Berg hingegen wohnen vornehmlich junge Familien. Als „Bionade-Biedermeier“ wird es gerne verspottet, weil es mittlerweile droht, zur Karikatur seiner selbst zu werden. Denn das ökologisch korrekte Leben kann auf Dauer ziemlich anstrengend sein. Deshalb: Klarer Punkt für das entspannte Schwabing!

5. Staatskanzlei oder Reichstag?
Und bei dieser Frage gibt’s einen genauso klaren Punkt für Berlin. Die Kuppel: atemberaubend. Die Lage: unvergleichlich. Der Symbolwert des Gebäudes: einzigartig. Seine Bedeutung innerhalb der deutschen Geschichte: unerreicht.

6. Uschi Glas oder Alexandra Maria Lara?
München: Fritz Wepper. Uschi Glas. Jutta Speidel. Und all die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, die regelmäßig in der „Bunten“ auftauchen. Fernseh-Gesichter. Prominent, na klar, aber alle schon etwas älter. Berlin: Matthias Schweighöfer. Alexandra Maria Lara. Anna Maria Mühe. Hannah Herzsprung. Kinogesichter. Tja. Schade für München, aber die Stars von heute, die die Generation Facebook ins Kino locken, findet man an der Isar eher nicht.

7. Bayern oder Hertha?
Hm. Ganz schwere Frage. Echt. Schließlich war Hertha 1930 und 1931 ja mal Deutscher Meister. Andererseits … ist das schon ziemlich lange her.

8. Weißwurst oder Currywurst?
Keine Frage: eine echte Berliner Currywurst, etwa von Konnopke an der Eberswalder Straße, dem Kiosk direkt unter der U-Bahn, schmeckt einfach toll. Die Konnopkes, die ungekrönten Kings of Currywurst, machen sogar den Ketchup selbst, nach einem alten Familienrezept, das sie streng geheim halten. Außerdem hat ihnen Silly, die legendäre Ost-Band, mal einen Song gewidmet: „Heiße Würstchen“. Andererseits: Was ist schon eine Wurst aus der Pappschale, mit einer Plastikgabel im Straßenlärm gegessen, gegen ein traditionelles Weißwurst-Frühstück mit süßem Senf, Brezn und Weißbier an einem sonnigen Vormittag auf dem Viktualienmarkt?

9. Starnberger See oder Wannsee?
Ehrlich gesagt hat der Wannsee schon seinen Reiz. Ein großes Spaßbad für Familien, das am Wochenende die Badewanne für tout Berlin abgibt. Dagegen die malerische, poetische Schönheit des Starnberger Sees: das Bilderbuch-Panorama, das vom Karwendel über die Benediktenwand bis zur Zugspitze reicht. Die großen Badewiesen, die Wanderwege, die Segler, Surfer und die Ausflugsdampfer. Der Wannsee – das ist lautstarkes Vergnügen. Der Starnberger See ist Natur pur und Eleganz.

10. Linie 1 oder Tram 19?
Die berühmteste U-Bahn-Linie der Hauptstadt führt von Friedrichshain nach Wilmersdorf, also aus dem kreativen Szeneviertel bis vor die Haustür des alteingesessenen Westberliner Bürgertums. Wer einsteigt, genießt eine City-Tour, die an der Oberbaumbrücke beginnt, am Kottbusser Tor vorbeifährt und über den Wittenbergplatz (KaDeWe!) zur Uhlandstraße, also zum Kurfürstendamm, zuckelt. Keine schlechte Route. Doch die Tram 19 kann da locker mithalten: vom Stachus über den Promenadeplatz, vorbei am Bayerischen Hof, durch die Fußgängerzone (Theresa!) an der Oper entlang, die Maximilianstraße hoch Richtung Landtag, dann am Völkerkunde-Museum vorbei und über die Isar zum Max-Weber-Platz und schließlich durch Haidhausen zum Ostbahnhof. Sightseeing mit der Linie 19 – eindeutig die schönere Stadtrundfahrt.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Selbst als Isarpreuße muss ich zugeben, hipper und cooler ist natürlich Berlin. München ist leider von spießigen BWLern durchzogen, die überhöhten Mietpreise tun ihr übiges. Das können sich Künstler und Alternative nicht mehr leisten. Aber München hat Biergärten, die einfach Charme haben und viel Gemütlichkeit versprühen.

  2. MInga macht für mich das Rennen. Unter anderem, weil ‚Alternative‘ es sich nicht leisten können. ;p
    Beide Städte haben Ihren Charme – nur ist der Berliner Charme eben nicht mein Charme, während München mein Herz streichelt…

  3. München! Was sonst? Die Isar, den Eisbach, der Englische Garten, das Glockenbachviertel, die Löwen, der Viktualienmarkt, der Hofgarten, der Augustiner…

  4. MÜNCHEN
    Ich lebe und liebe in dieser Stadt. Es ist wahrhaftig mit Orten gesegnet, die alle eine eigene Geschichte erzählen und jeden „Zua Groasten“ oder Urmünchner faszinieren. Doch leider hat München einen großen negativen Balast, der langsam aber sicher zu einer Art Krise werden mag. Teure Mieten, versnobte Menschen, dicke Autos. All das macht den eigentlichen Sinn des Zusammenlebens in München schwer und stellt diesen auf eine Art Probe. Im Glockenbach entstehen Luxuswohnungen im extra klasse Segment und Läden müssen ausziehen weil Diese nicht mehr dem neuem Standard entsprechen. Am Gärtnerplatz regen sich daher gezogene Vorstände und Fußballprofis über den Lärm der Jugendlichen auf. Und die Innenstadt mutiert in Richtung Dubai für Arme. Es lässt sich nicht leugnen, dass München auf einem absteigenden Ast ist und ebenso wenig lässt sich über die sinkende Lust am Zusammenleben streiten. Doch eins scheint allen Münchnern niemand nehmen zu können: den Humor trotz aller Snobs weiter betrunken durch die Straßen zu tanzen. Und dafür liebe ich dich mein München.

  5. Für uns von STADTLUST berlin ist die Antwort natürlich klar 🙂 Berlin ist die lebens- und liebenswertere Metropole, die coole, bezahlbare Alternative zum Münchener ‚Luxussegment‘.
    Ohne München genau zu kennen, würde ich behaupten, Berlin hat fast alles und darüber hinaus noch viel mehr zu bieten. Ein dickes Pfund Geschichte gepaart mit dieser einzigartigen Mischung aus Kreativwirtschaft, Club- und Alternativkultur, Szeneleben und unverwechselbaren Orten, die Berlin zu einem vibrierenden Melting Pot machen, den man an diesem Wochenende wieder live während der Music Week und des Berlin Festivals erleben kann. Aber auch wir haben mit Preis- und Mietsteigerungen, Luxussanierungen und Verdrängung aus unseren angestammten Kiezen zu kämpfen, die mit der kommerziellen Aufwertung und der sog. Gentrifizierung ehemals armer Bezirke seit dem Mauerfall einhergeht.

  6. Ich komme aus Berlin und vermisse meine Heimatstadt sehr. Aber in Berlin ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch und deshalb bin ich nach München gezogen. Die hohen Mieten hier waren zuerst echt ein totalschock, dass muss ich ehrlich sagen. Andererseits verdiene ich hier auch mehr als meine Freunde in Berlin. Ich weiß nicht, ob man beide Städte überhaupt vergleichen kann, die sind beide sehr unterscheidlich. Beide haben ihre Vor- und Nach-Teile.

  7. Ich habe in beiden Städten gelebt und finde beide toll. Muss man unbedignt eine schöner und besser finden? In München sind die Mieten zu hoch, in Berlin ist das Leben billiger, dafür ist alles drekciger. Alles hat seine Vor und Nachteile.

  8. Hamburg!!! Was regt ihr euch so auf, welche Stadt die schönste ist, wo doch klar ist, welche der Sieger ist: Hamburg. Da ist man innerhalb von 2 Stunden auf Sylt, innerhalb von einer Stunde an der Ostsee, in zwei Stunden an der Nordsee, und sofort in der Lüneburger Heide. Und auf StPauli kann man immer irgdwas finden, wo man die Nacht durchmachen kann

  9. Wie singt die Band „Kraftklub“ so schön auf ihrem ersten Album?

    „ICH WILL NICHT NACH BERLIN!“

    Dem kann ich mich nur anschließen, in „Minga“ ist es einfach am schönsten.
    Oida.

  10. Ich bin Münchnerin und ein sehr reiselustiger Mensch. Ich bekomme auf Reisen nie richtig Heimweh, weil ich das Reisen einfach genieße. Das einzige Mal ist es mir vor wenigen Jahren passiert, als ich… in Berlin war! Ansich eine tolle Stadt, mit einer einzigartigen Geschichte, bemerkenswerte Museen usw Aber die Menschen kamen mir (oberflächlich betrachtet) so kalt und ruppig vor, auch gegenüber meinen Kindern. Nicht meine Welt! Ich habe mich dort nicht wohl gefühlt. Der Berliner Charme hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Ich dachte immer, wir Münchner wären die Grantler der Nation. Aber nein, fahrt mal nach Berlin, in unser aller Hauptstadt. Da wisst ihr, was echter Grant ist! Manchmal habe ich mich für Deutschlands Hauptstadt echt geschämt, sorry!

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