Münchner Stadtteile im Porträt: Moosach, wo man gerne wohnt

Moosach ist ein beliebtes Wohnviertel – oder übersetzt: Dort ist es fade und langweilig und es gibt nichts Besonderes. Stille Wasser sind aber bekanntlich tief und vielleicht ist das Besondere an Moosach gerade, dass es eigentlich nichts Besonders gibt. Mal im Ernst, wer braucht schon die ganzen Clubs mit den Typen vor der Tür, die laut grölen, wenn man in rund 10 Minuten mit der U-Bahn in Schwabing sein kann und die Nachtlinie 20 Nachtschwärmer auf jeden Fall wieder nach Hause bringt?

Kurze Wege
Für mich ist etwas Anderes wichtig: ich gehe mein Gemüse gegenüber im Hofladen der Gärtnerei einkaufen und muss manchmal warten, bis die letzte Erde von den Radieschen gespült wurde. Für sämtliche Besorgungen liegen das Olympia Einkaufszentrum und das Mona direkt auf dem Heimweg vom Büro. Dort bekomme ich das Geburtstagsgeschenk genauso wie die neuen Klamotten oder ein Buch. An lauen Sommerabenden treffe ich mich gerne mit Freunden in einem der Biergärten: Alter Wirt, Gasthaus Spiegl oder Dobmann‘s.

Zu Konzerten und Veranstaltungen im Olympiapark ist das Fahrrad meine erste Wahl. Wenn andere Besucher noch auf dem Weg zur U-Bahn sind, habe ich in kurzen neun Minuten bereits mein Zuhause erreicht. Mit dem Fahrrad oder der Vespa bin ich auch unterwegs, wenn ich Baden gehen möchte. Mein Geheimtipp: der künstlich angelegte See am Rangierbahnof. Und nur ein kleines Stück weiter sind der Feldmochinger See, der Fasaneriesee oder der Karlsfelder See.

Das grüne Dorf
Als mich meine Freundin das erste Mal in Moosach besuchte, war ihr spontaner Kommentar: „Da kommt man über eine Hauptverkehrsader, biegt zweimal ab und schon sieht es aus wie bei mir in Ismaning.“ Gemeint ist damit der klassische Dorfcharakter: Es gibt zentrale Punkte – einen rund um den Bahnhof wo sich das Verkehrszentrum befindet und einen rund um den St.-Martin-Platz als kulturelles Zentrum. Hier befand sich der Ortskern von Moosach, das bereits 807 erstmalig erwähnt wird nun damit sogar älter ist als München. Ich besuche dort gerne das Dorffest oder den Weihnachtsmarkt. Ein paar Schritte weiter im Pelkovenschlössl kann man gemeinsam musizieren oder Ausstellungen und Lesungen besuchen. Und wenn ich mal einen runden Geburtstag feiern will, kommt es als Eventlocation auf jeden Fall in die engere Wahl. Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen gibt es hier.

Und grün ist es hier: überall stehen Bäume und Sträucher, sind die Häuser mit Efeu überwachsen oder lockern Parkflächen und Gärten das Ortsbild auf. Der Hartmannshofer Park oder das Landschaftschutzgebiet Kapuzinerhölzl sind grüne Lungen der Naherholung. Hier war ich als Kind häufig auf dem Trimm-Dich-Pfad. Heute nutze ich den Vitaparcours München II in der Meerseburger Straße 24 zum sporteln. Sogar aus dem eigentlichen optischen Schandfleck des Viertels, dem Rangierbahnhof ist im Laufe der Jahre dank umfassender Begrünung inkl. Wander- und Fahrradwegen und dem künstlichen See eine kleine Oase geworden.

Versteckte Sehenswürdigkeiten
Jetzt habe ich so viel vom Leben in Moosach erzählt und noch nichts aus den Reiseführern erwähnt, aber es gibt sie schon, die Sehenswürdigkeiten. Auf den zweiten Blick findet man schon die eine oder andere Kuriosität. So hat beispielsweise Papst Benedikt XVI. eine Zeitlang als Aushilfskaplan in der Kirche St. Martin gearbeitet. Wenn ich das Grab meiner Großeltern im Westfriedhof besuche, komme ich an weiteren bekannten Persönlichkeiten vorbei: die ehemalige iranische Kaiserin Soraya hat dort ebenso ihre letzte Ruhestätte gefunden wie der Maler Franz von Lenbach oder der bayerische Ministerpräsident Hanns Seidel.

Eine andere Perle versteckt sich hinter den Mauern der Borstei. Hinter den unspektakulären Hausfassaden findet man Innenhöfe im Einklang mit der Natur, Brunnen und Skulpturen sowie Rosen soweit das Auge sehen kann. Damit sich die Bewohner wohlfühlen, gibt es neben diesen Annehmlichkeiten ein Café und eine Reihe von Geschäften und Dienstleistungen, die von der Gemeinschaft genutzt werden können. Im eigenen Botanik um wachsen Palmen und Olivenbäume. Das alles ist dokumentiert im Borstei-Museum, Löfftzstraße 10, Tel. 089/15 99 04 83, Öffnungszeiten sind: Di. + Do. 15-19 Uhr und Sa. 12-17 Uhr.

Wohnt Ihr auch in Moosach? Habt Ihr einen besonderen Tipp im Viertel? Dann freuen wir uns auf einen Kommentar.

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