Münchner Rezepte: Weihnachtszeit ist Bratapfelzeit

tischManche Kindheitserinnerungen sind bei mir untrennbar mit bestimmten Rezepten verbunden. Wenn mir der Duft von Bratäpfeln in die Nase steigt, muss ich immer an Heiligabend denken und wie wir alle zusammen Weihnachten gefeiert haben. Als ich noch klein war, traf sich an Heiligabend immer die ganze Familie bei Oma und Opa: Meine Eltern, Onkel und Tante mit meinen Cousins und auch die Schwester meiner Oma mit ihrem Mann.

Am Nachmittag wurde bei uns dann Punsch getrunken, Plätzchen gegessen und Oma fing an, 12 Bratäpfel für das Rohr fertig zu machen – 11 für die Familie und einen für das Christkind. Wir gingen dann alle zusammen in die Kirche. Nur Oma konnte leider nie mitgehen, weil sie aufpassen musste, dass die Bratäpfel im Rohr nicht verbrannten. Als wir nach der Christmette nach Hause kamen, duftete die Wohnung meiner Großeltern nach Bratäpfeln und unter dem Weihnachtsbaum lagen die Geschenke. Im Backrohr waren aber nur noch 11 Äpfel. Meine Oma behauptete jedes Jahr, dass sie sich nur ganz kurz auf das Sofa gelegt hätte und ein bisschen eingeschlafen sein musste. In der Zwischenzeit war wohl das Christkind dagewesen. Meine Cousins und ich glaubten jahrelang an diese Geschichte, bis wir irgendwann auch drauf kamen, wie Omas „Bratapfeltrick“ funktionierte. Meine Liebe für Bratäpfel konnte der kleine Schwindel nicht schmälern – noch heute gibt es bei uns mindestens einmal in der Weihnachtszeit Bratäpfel mit einer selbstgemachten Vanillesauce.

Hier sind die Zutaten für Bratäpfel für 4 Personen:
4 säuerliche nicht zu große Äpfel wie z. B.: Boskoop oder Breaburn, Gloster,
Cox Orange oder Elstar
etwas Zitronensaft
100 g Marzipan
2 EL Rosinen
3EL Mandelsplitter
3 EL Rum
1 Prise Zimt
30 g Butter für die Flöckchen und zum Ausfetten der Form

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Äpfel gut waschen, trocken reiben und mit einem Apfelausstecher das Kerngehäuse entfernen. Wer einen Kugelausstecher hat, kann den Apfel aushöhlen. Ich nehme immer den Kerngehäuseausstecher und vergrößere so das Loch in der Mitte des Apfels. Das Innere des Apfels mit Zitronensaft beträufeln, damit es nicht braun anläuft.

Marzipan mit Mandelsplittern, Rosinen, Rum und Zimt gut verkneten und die ausgehölten Äpfel von beiden Seiten damit füllen und auf jeden Apfel ein Butterflöckchen setzen. Eine feuerfeste Form mit der Butter ausfetten und die gefüllten Äpfel hineinsetzen.

Die gefüllten Äpfel im Ofen auf mittlerer Schien ca. 30 Minuten bei 180 Grad Ober-/ Unterhitze backen bis die Schale anfängt aufzureißen. Tipp: Beim Backen eine feuerfeste Schüssel oder einen Topf mit Wasser auf den Herdboden stellen. Der heiße Dampf fördert den Backvorgang und lässt den Apfel nicht allzu sehr schrumpeln.

Falls die Äpfel nach 20- 25 Minuten schon sehr braun sind, am besten mit einem Stück Alufolie die Form abdecken. Vor dem Servieren, ein bisschen abkühlen lassen – die Äpfel sind innen sehr heiß. Dazu schmeckt am besten eine selbst gemacht Vanillesauce.

Hier sind die Zutaten für die Vanillesauce:
1 Vanilleschote
250 ml Milch
250 g Sahne
50 g Zucker
6 Eigelb

Die Vanilleschote aufschlitzen und das Mark mit dem Messer herauskratzen. Schote, Vanillemark, Milch, Sahne und Zucker unter rühren aufkochen lassen.

Die Eier trennen. Die Eigelbe in einen zweiten Topf geben und mit dem Handbesen verquirlen. Jetzt nur etwa ein Drittel der heißen Milchmischung in den Topf mit den Eigelben geben und alles gut miteinander verrühren. Wenn sich die Milcheigelbmischung gut verbunden hat, langsam die restliche Milchmischung dazugeben. Vorsicht: Bitte anfangs nicht zuviel heiße Milch zu den Eigelben geben, sonst gerinnt das Eigelb und die Sauce wird nichts!

Die Mischung bei ständigem Rühren unter mittlerer Hitze langsam erwärmen, bis die Sauce leicht dickflüssig ist. Jetzt die Vanillesauce vom Herd nehmen. Sollten Klümpchen in der Sauce sein (was nur selten vorkommt) kann man sie durch ein Sieb gießen. Die Sauce schmeckt warm und kalt. Besonders „leicht und luftig“ wird sie, wenn man sie vor dem Servieren mit einem Stabmixer kurz schaumig aufschlägt.

Diese Vanillesauce passt nicht nur zu weihnachtlichen Bratäpfeln, sondern auch zu
Rohrnudeln oder zum Apfelstrudel.

An guadn und frohe Weihnachten!
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