Münchner Jahresrückblick: Das war 2015!

Was hat uns München in diesem Jahr eigentlich alles geboten – angefangen beim ersten Neujahrsschnee über Tom Jones und Patti Smith im Sommer bis zum wunderbar warmen Spätherbst? Wir erinnern uns mal…

JANUAR
Das Jahr begann märchenhaft: mit kniehohem Neujahrsschnee in der ganzen Stadt. Im Norden, genauer gesagt im Luitpoldpark, sauste halb Schwabing den Rodelhügel hinunter, der immerhin stolze 37 Meter misst. Und im Süden, an der Isar, hatten sich die im Sommer so grünen Auen in eine riesige Schnee- und Spazierfläche verwandelt. Nach ein paar Tagen war die weiße Pracht dann allerdings leider wieder verschwunden.

FEBRUAR
Der Februar war, wie so oft, vornehmlich kalt und grau. Aber in den frühen Abendstunden zeigte sich München regelmäßig in vollem Glanz. Ende des Monats, als die Tage wieder länger wurden, gab’s das traditionelle Derblecken beim Starkbieranstich am Nockherberg. Und zwei Drittel der Münchner war live vorm Fernseher dabei: Der Marktanteil des BR für die Nockherberg-Übertragung betrug im Ballungsraum München sagenhafte 65 Prozent! Übrigens: Wusstet ihr eigentlich, dass das kräftige Doppelbock-Bier einstmals für die Mönche in der Fastenzeit als flüssiges Nahrungsmittel gedacht war?

MÄRZ
München leuchtete – und zwar lila! Die Krokusse blühten wieder, hier vor der Hauptverwaltung der Regierung von Oberbayern in der Maximilianstraße! Wer die Finsternis bevorzugte, konnte abends zur „Rocky Horror Show“ ins Deutsche Theater nach Fröttmaning pilgern. Zur Show um Frank N. Furter, Janet und den buckligen Butler Riff Raff gab’s sogar eine Mitspieltüte – genau wie in den Museumslichtspielen am Gasteig, wo der Film ja seit 1975 immer noch jeden Tag zu sehen ist. Und jetzt alle: „Let’s do the Time Warp again!“

APRIL
Endlich wieder draußen sitzen! Die Temperaturen stiegen, und die Kellner in der nördlichsten Stadt Italiens sammelten die roten Outdoor-Fleecedecken wieder ein. Im Tambosi am Odeonsplatz tummelte sich ab mittags die typische Mischung aus Münchnern und Touristen, um ein letztes Mal den Blick auf die uneingerüstete Theaterkirche zu genießen. Seit Ende April ist St. Kajetan nämlich unter dicken Planen verschwunden – die Kirche bekommt derzeit einen frischen gelben Anstrich.

MAI
Die erste Rockavaria“, das neue Rock- und Metal-Festival im Olympiapark, öffnete ihre Pforten, und Bands wie Kiss, Muse, The Hives, Limp Bizkit, Incubus und Airbourne ließen es krachen. Und die Stadtromantiker freuten sich, dass der Brunnen am Stachus wieder in Betrieb genommen war. Fun Fact am Rande: Weiß eigentlich jemand, warum der Platz so heißt? Auf dem heutigen Kaufhof-Gelände stand im 18. Jahrhundert ein Gasthaus, das der Familie Föderl gehörte. Um 1730 war dort als Wirt ein gewisser Mathias Eustachius Föderl, genannt „Eustachi“, verzeichnet. Wer Bier trinken ging, ging zum also „zum Stachus“. Eine Redewendung, die nun schon fast drei Jahrhunderte überdauert hat.

JUNI
Ein paar Baukräne stören das städtebauliche Idyll. Aber was gut zu sehen ist: Aufgrund des Bürgerentscheids im November 2004 ist die Höhe der Münchner Häuser seitdem auf die Turmhöhe der Frauenkirche – nämlich hundert Meter – begrenzt. Eine schöne Aussicht auf die Stadt gab’s als kostenlose Zugabe auch für alle, die beim Sommer-Tollwood vor den Konzerten von „Tiger“ Tom Jones oder Punk-Legende Patti Smith noch mal kurz auf den Olympiaberg gekraxelt waren.

JULI
Eine Hitzewelle überrollte die Stadt! Tagelang kletterte das Thermometer immer wieder auf Werte über 35 Grad. Und einen Rekord gab’s auch: Insgesamt 13 heiße Tage mit 30 Grad oder mehr, womit der bisherige Spitzenwert vom Sommer 2003 eingestellt wurde. Top-Treffpunkt bei diesem Klima: die Wiesen am Eisbach im Englischen Garten, an dem viele hundert Münchner dicht gedrängt Schatten und Abkühlung suchten. Sofern sie nicht ohnehin in den Freibädern waren. Abends dann, ab dem 21., gab’s eine Woche lang das stimmungsvolle Kino-Open-Air auf dem Königsplatz: Blockbuster unter freiem Himmel und auf einer imposanten 300-Quadratmeter-Leinwand.

AUGUST
Summer in the City: ein malerischer Sonnenuntergang am Marienhof. Noch sind Sommerferien, Touristen aus aller Welt prägen das Stadtbild. Und sorgen für einen neuen Besucherrekord: Mit 1,4 Millionen Übernachtungen in den offiziellen Beherbergungsbetrieben (+ 9,5 Prozent) war der August 2014 der besucherstärkste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Zahl der Hotel- und Pensionsgäste stieg im Vergleich zu 2013 um 7,9 Prozent auf 639.000. Hinzu kamen etwa eine weitere Million an Besuchern von Freunden und Verwandten sowie neun Millionen Tagesgäste. Und wer von den Einheimischen nicht zwischen Thailand und Italien unterwegs war, fuhr bei Sonnenuntergang zum Grillen an den Flaucher oder in den Westpark.

SEPTEMBER
Drama, Baby, Drama! Das neue Schuljahr hatte begonnen, die Münchner Abende wurden wieder kühler, der Himmel malte dramatische Wolkenbilder. Drama auch in der Stadt: Mit der Installation der „Shabbyshabby Apartments“ eröffnete der neue Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal seine erste Spielzeit. Die Behausungen waren im Stadtbereich verstreut und konnten nächteweise gemietet und bewohnt werden. So stand etwa eine mongolische Jurte auf der Maximilianstraße, eine Erdhütte auf dem Max-Joseph-Platz vor der Staatsoper oder eine Besenkammer auf der Verkehrsinsel am Isartorplatz. Morgens sah man dann übernächtigte Münchner aus ihnen herauskriechen, die sich zum Frühstück in der Kammerspielkantine trafen. Schräg, irritierend – aber auch sehr lustig.

OKTOBER
Das Wetter hatte den Wirten einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Sonnenschein am Tag, bitter kalt am Abend“, so beschrieb es Bürgermeister und Oktoberfestchef Josef Schmid. Es kamen nämlich nicht ganz so viele Besucher auf die Wiesn wie im Jahr zuvor. Andererseits wollten all die, die kamen, dann aber auch gut und teuer essen, weshalb etwas weniger Hendl über die Tresen gingen, aber dafür etwas mehr Enten, Kalbsbraten und Ochsenfleisch. Wem in diesen Tagen der Sinn nicht nach Dirndl und Lederhosen stand, sondern nach Fashion und Design, besuchte die tolle Ausstellung „Jean Paul Gaultier – From The Sidewalk To The Catwalk“ in der Kunsthalle München.

NOVEMBER
Föhn! Die ersten zwei Wochen im November waren deutlich zu warm für die Jahreszeit, so die Meteorologen. Wärmster Tag des Monats war Mittwoch, der 4., mit einer Mitteltemperatur von 16 Grad und einem nachmittäglichen Spitzenwert von exakt 22,9 Grad – die absolute Höchsttemperatur des Monats und gleichzeitig ein neuer absoluter Tageswärmerekord. Der bisherige stammte mit 20,8 Grad vom 4. November 1996. Das bedeutete für den November aber auch: Es war erneut ein paar Tage Biergartenwetter! Mit ganz viel Sonnenschein auf den Bänken unterm Chinesischen Turm oder am Kleinhesseloher See. Dort war nachmittags oft noch kaum ein freies Plätzchen zu finden.

DEZEMBER
Christkindlmarkt auf dem Marienplatz! Sprich: Stade Zeit, Glühweinzeit! Heuer stammte der Weihnachtsbaum – eine 26 Meter hohe Fichte – vom Röthelmoos-Hochplateau bei Ruhpolding. Gefällt wurde er, weil der Bergwald regulär verjüngt werden soll. Ansonsten konnte man die dunklen Abende noch auf dem Winter-Tollwood auf der Theresienwiese verbringen – etwa beim Perchtenlauf am 5. oder beim Cirque Éloize – oder die Konstantin Grcic-Ausstellung in der Pinakothek der Moderne bzw. Hanne Darboven im Haus der Kunst angucken gehen.

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  1. Wow, ein Münchner Jahresrückblick für 2015 in dem die Ankunft tausender Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof im September fehlt!

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