München XXL – oder München XS?

Viktualienmarkt / muenchen.de

In München gibt es vieles in zwei Ausführungen: einmal im Groß-, einmal im Kleinformat. Welche Variante einem besser gefällt, ist Geschmackssache. Unsere Autorin Margot Weber hat für uns einmal ihre persönlichen Vorlieben aufgeschrieben. Was sind eure?

1. Viktualienmarkt oder Elisabethmarkt?
Der Viktualienmarkt (Foto oben) ist über 200 Jahre alt, 1807 wurde er 1807 als „Kräutlmarkt“ angelegt; „Viktualien“ ist ein spätlateinisches Wort für Lebensmittel. Sehr geschichtsträchtig ist er also, sehr traditionsreich. Die seit ein paar Jahren stetig mehr werdenden Souvenirstände sind nicht so mein Fall  – aber die Käse-, Obst- und Gemüse-Stand’ln finde ich extrem verlockend.  Und die kleinen Denkmalfiguren von Karl Valentin oder Liesl Karlstadt rühren mich immer wieder. Der Schwabinger Elisabethmarkt ist die kleine Schwester vom großen Innenstadtmarkt, ist überschaubarer und weniger touristisch. Die Atmosphäre ist lässig, fast familiär. Im Grenzstein, einem kleinen Café, das sich in einem der weißen Markhäuschen zur Schule gelegen befindet, bin ich manchmal zum Mittagessen verabredet. Dort gibt’s eine Küche wie bei Omi (super Eintöpfe!).  Und für den Nachtisch gehe ich zu Susa und ihren süßen Sachen schräg dahinter.
Fazit: Mein persönlicher Liebling ist der Elisabethmarkt. Weil ich dort so entspannt und gut mittagessen kann

2. Peterskirche oder Asamkirche?
Alle Touristen besuchen den Alten Peter, eine der ältesten Pfarrkirchen der Stadt, erbaut ab 1278. Die Aussicht vom Turm einmal genossen zu haben ist vermutlich Pflichtprogramm auf jeder München-Städtereise. Aber: Wer mal so richtig überwältigt sein möchte, spaziert danach vielleicht auch noch zu St. Johann Nepumuk. Nie gehört? Klar, unter Münchnern heißt sie einfach „Asamkirche“. Das winzige spätbarocke Schatzkästlein in der Sendlinger Straße wurde ab 1733 von Egid Quirin Asam und seinem Bruder Cosmas Damian erbaut – und zwar ohne Auftrag. Sie sollte eine Privatkirche sein, erschaffen ausschließlich für das Seelenheil und zum Wohle ihrer Baumeister. So konnte etwa Egid Quirin durch ein Fenster seines nebenan gelegenen Privathauses direkt auf den Hochaltar blicken.
Fazit: Mein persönlicher Liebling ist die Asamkirche. Weil sie so bezaubernd bayerisch-barock ist.

3. Residenztheater oder Volkstheater?
Das schönere Haus: ist das Residenztheater. Den attraktiveren Zuschauerraum: hat das Residenztheater. Außen- und Innenarchitektur des Volkstheaters erinnern eher an eine Mehrzweckhalle. Aber um das Gebäude sollte es bei einem Theater ja eigentlich nicht gehen. Eher darum, ob aufregende Inszenierungen laufen, spannende Stücke und tolle Schauspieler zu sehen sind. Das Bayerische Staatsschauspiel, das das Residenztheater bespielt, ist eines der traditionsreichsten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands; Intendant Martin Kušej einer der besten deutschsprachigen Regisseure. Fast unmöglich, damit konkurrieren zu wollen. Besser, man findet eine eigene Nische. Das kleinere Volkstheater hat genau das gemacht – und ist damit erfolgreich: Christian Stückl, Intendant seit 2002, hat das Haus radikal umgemodelt: Mit einem extrem jungen Ensemble und aufstrebenden Regisseuren hat er ein ebenso junges Publikum für sich erschlossen. In seinem Ensemble spielen u.a. Maximilian Brückner („Tatort“), Friedrich Mücke („Friendship!“) und Stefan Murr („Beste Zeit“, „Beste Gegend“); zu sehen gibt’s Shakespeare und Joshua Sobol („Ghetto“) ebenso wie brandneue Dramatisierungen, etwa das Stück „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ nach dem Bestseller von Mark Haddon.
Fazit: Hier will ich nicht urteilen. Zwei gleichermaßen erstklassige Häuser.

4. Olympiabad oder Nordbad?
Ich wohne ziemlich genau in der Mitte zwischen beiden Bädern, und es fällt mir jedes Mal schwer, mich zu entscheiden: Soll ich zum Schwimmen ins Olympiabad radeln oder besser ins Nordbad? Eine endgültige Antwort habe ich bis heute nicht gefunden.
Fazit: Mein persönlicher Liebling ist das Nordbad. Genauer gesagt, das 34 Grad warme Außenbecken mit seinen Sprudelliegen, den Massagedüsen und dem Strömungskanal.

5. Englischer Garten oder Luitpoldpark?
Der Englische Garten ist unvergleichlich, das ist klar. Er ist der bayerische Central Park, ein Garten in XXXL, einer der größten innerstädtischen Parks weltweit. Man kann im Biergarten am Kleinhesseloher See in der Sonne sitzen, Ruder- oder Tretboot fahren, Frisbee spielen, sich sonnen, die Surfer auf dem Eisbach bewundern, den Panoramablick vom Monopteros genießen. Nur weniges davon bietet der viel kleinere Luitpoldpark, auch das ist klar. Ab und zu ein paar Slackliner, abends die ihre Runden drehenden Jogger und am Wochenende die Fußball-Teams. Alles sehr unspektakulär, alles viel ruhiger. Und mit einem See kann er auch nicht aufwarten. Mit einem Hügel immerhin schon. Hochkraxeln, sich oben auf eine der Bänke setzen und an klaren Tagen bis zu den Alpen schauen können – kein schlechtes Vergnügen!
Fazit: Mein persönlicher Liebling ist im Sommer der Englische Garten – weil da bei Sonne einfach mehr los ist. Und im Winter der Luitpoldpark – weil ich mit ihm einen Rodelberg mit Panoramablick direkt vor meiner Haustür habe.

6. Schloss Nymphenburg oder Schloss Blutenburg?
Das eine: die Sommerresidenz der Wittelsbacher und eines der großen Königsschlösser Europas mit einer prachtvollen Gartenanlage, einem Meisterwerk der Gartenkunst. König Maximilian I. ist dort gestorben, sein Urenkel König Ludwig II. dort geboren. Das andere: eine überschaubare, mittelalterliche Wasserburg, deren große Zeit um 1700 endete. Ein Vergleich ist deshalb ein bisschen so, als würde man Äpfel und Birnen gegenüberstellen. Einzigartiger Pluspunkt der Blutenburg allerdings: Sie beherbergt die Internationale Jugendbibliothek inklusive Michael-Ende-Museum, James-Krüss-Turm und Erich-Kästner-Zimmer. Dafür kann, andererseits, die „Schönheitengalerie“  in Schloss Nymphenburg mit einem Porträt von Lola Montez (1821-1861) aufwarten, der mythenumwobenen  Geliebten König Ludwigs I. von Bayern.
Fazit: Mein persönlicher Liebling ist der großartige Schlosspark von Schloss Nymphenburg. Dort spazieren zu gehen fühlt sich immer ein bisschen an wie ein Ausflug nach Versailles. Und dort befindet sich auch einer meiner Münchner Lieblingsorte überhaupt: der Badenburger See mitsamt Apollotempel.  

Und was denkt ihr? Was habt ihr für Tipps?

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