WorldWideMunich Folge 4: Dirndl, Lederhosen & The Octoberfest

München ist einzigartig. Wirklich? Wir haben uns mal umgesehen, wo sich überall Münchnerisches findet. In insgesamt vier Folgen erfahrt ihr hier alles über Bavarian Blasmusik, Lederhosen und Oktoberfeste in aller Welt. Heute haben wir gesucht, wo man überall auf die Wiesn gehen kann – und wo die adäquate Kleidung dafür findet.

Wo die Amerikaner Dirndl und Lederhosen kaufen
Der größte Absatzmarkt befindet sich im Mittleren Westen, weil dort die meisten deutschstämmigen Amerikaner wohnen – und auf zahlreichen „German Fests“ ihre Wurzeln feiern. Wobei „German“ meist gleichbedeutend mit „Bavarian“ ist. Stellvertretend für viele andere Shops und Designer stellen wir euch die Modedesignerin Erika Neumayer vor. Sei sechs Jahren betreibt sie ihre Firma „Rare Dirndl“ – und das Geschäft läuft immer besser, wie sie fröhlich berichtet.

Ihre Anfänge waren typische amerikanisch, sprich: self-made. Nach dem Studienabschluss in Bekleidungsdesign („Apparel Design“) im Jahr 2009 startete Erika ihr Geschäft 2010. Allerdings erst einmal ganz klein: im Wohn- und Esszimmer ihrer Eltern. Nachdem sie vergebens versucht hatte, ein Dirndl zu finden, das ihr gefiel, entstand ihre erste Kollektion am heimischen Esstisch. Ihre Vision waren Dirndl, die nicht hundertprozentig traditionell sein sollten. Also etwa aus ungewöhnlicheren Stoffen oder mit abseitigeren Farben oder Mustern genäht sein sollten – und die auch mal eine etwas andere Silhouette formen würden.

Immer neue Fragen fielen ihr bei der Suche nach ihrer eigenen Handschrift auf. Etwa: Warum sehen die in Amerika gefertigten Dirndl so konventionell aus? Warum gibt es keine in rockigerem Look? Warum keine Leopardenmuster? Warum ist die Rocklänge nicht auch mal mini statt immer nur brav knielang? Also legte sie selber los. Das Ziel, das sie damals vor Augen hatte – und bis heute konsequent verfolgt: „Meine eigenen Dirndl sollen einen frischen, modernen und einen edgy Twist haben – so wie es die deutschen Dirndl-Designer ja auch längst anbieten.“ Eine Lücke im US-Markt, die sie clever entdeckte – und besetzte.

Ihren unkonventionellen Ansatz spielen die Namen wider, die sie ihren Kollektionen gibt: „Rainforest“ hieß die erste, „Down the Rabbit Hole”, „Beautiful, Dark Days“, „Nevermore“ und „Intergalactic Expedition” die folgenden. Ihre Inspiration nimmt sie dabei vor überallher: aus den Dada- und Surrealismus-Bildern und Objekten von Marcel Duchamps wie von aktuellen Streetart-Bildern des britischen Graffiti-Künstlers Banksy.

2011 startete sie ihre Männerkollektion, 2013 folgte der nächste Schritt: Nachdem ihr Business immer erfolgreicher wurde, sie sich im Elternhaus längst in Keller, Gartenschuppen und Küche ausgebreitet hatte, mietete sie einen Laden in der Lincoln Square-Nighbourhood Chicagos. Wo sie seitdem residiert und ihr Angebot weiterhin kontinuierlich erweitert: Seit 2014 schneidert sie auch Hochzeitsdirndl.

Aber wie kommt eine US-Großstadtpflanze ausgerechnet zur alpinen Trachtenmode? Ein Teil der Antwort liegt natürlich in ihrem Namen begründet: Erika Neumayer hat deutsche Vorfahren, genauer gesagt, donauschwäbische – worauf sie sehr stolz ist. Seit 1990 sei sie ein Mitglied der „American Aid Society of German Descendants“, und seit 2001 Mitglied der „Jugendgruppe“ – die tatsächlich diesen deutschen Namen trägt. Erika wollte einfach alles miteinander verbinden: ihre familiären Wurzeln, ihr Interesse für Design, ihr Studium – und ihre Vorliebe für Dirndl und Lederhosen. „Trachtenmode zu entwerfen, ermöglicht es mir, mich kreativ auszudrücken und ein Teil der Modebranche und der deutschen Community hier in den Vereinigten Staaten zu sein.“ Tracht bedeutet eben Heimat – selbst in den USA.

Das Mini-München-Oktoberfest
Ja, das sind tatsächlich Fotos vom Münchner Oktoberfest. Aber vom Oktoberfest in München in Brandenburg. Das andere München liegt im südlichen Zipfel des Bundeslands, hat allerdings nur so um die 20 Einwohner, und statt der mächtigen Isar plätschert auch nur ein Flüsschen namens Elster durch den Ort. Und statt etwas über zwei Wochen dauert das kleine Oktoberfest nur drei Tage – wobei dann aber immerhin stolze 15.000 Besuchen auf die drei Hektar große Dorfwiese kommen. Die es dann bei bayerischem Bier – die Maß zu 7 Euro – im (einzigen) Bierzelt ordentlich krachen lassen. Besonderes Highlight: der „Wiesn-Triathlon“, bestehend aus Weißwurst-Wettessen, Maßkrug-Stemmen und Brezn-Zielwurf. Auf den Gewinner wartet ein Trip auf die Theresienwiese – natürlich zur Oktoberfestzeit.

Kleiner Nachteil: Wer seinerseits mit Dirndl und Lederhose nach München/Brandenburg anreist, kann dort selbst leider nicht übernachten, sondern muss sich auf dem Campingplatz in Zeischa oder in einer Pension in Finsterwalde einquartieren. Der Gaudi vor Ort dürfte das allerdings keinen Abbruch tun.

WorldWideOktoberfest
Selbstverständlich ist die Münchner Wiesn einzigartig – aber das Oktoberfest als solches ist es nicht. Weltweit gibt es unzählige Ableger, ob in Singapur, Brasilien, Kanada, Russland – oder, in großer Zahl, in den Vereinigten Staaten. Stellvertretend für all diese Feste haben wir uns mal in Fredericksburg, Texas, umgehört.

Das Städtchen, benannt nach Prinz Friedrich von Preußen (1794–1863), wurde 1846 von einem deutschen Einwanderer gegründet, hat heute etwa 10.000 Einwohner und liegt ziemlich genau in der Mitte des Bundesstaats. Viele Restaurants dort tragen bis heute deutsche Namen („Der Lindenbaum“), und der Werbespruch der Stadt lautet: „More than just Lederhosen“ – ein typischer Sprachmix, auf den man immer wieder trifft, wenn es um Oktoberfeste in der Neuen Welt geht.

„Oompah at its best!“ lautet deshalb auch das Motto dort. Die nächste bajuwarisch-angehauchte Riesengaudi findet vom 30. September bis zum 2. Oktober statt – dann aber schon zum 35. Mal. Die Location: „Downtown Fredericksburg on Marktplatz“, sagt Deborah Lynn Farquhar, die die US-German Feierlichkeit vermarktet. Dann gibt’s einen „OkTubaFest“-Wettbewerb, bei dem der beste Tubaspieler ermittelt wird und einen „Hauptstrasse Chicken Dance“, bei dem man zur Musik des „Ententanzes“ – der ja auch bei uns mal extrem populär war – die bekannten Verrenkungen macht. Die Caterer bieten Bratwurst und Sauerkraut an, haben aber auch „Opa’s Rueben Wurst“ oder eine Steckerl-Jalapenowurst im Angebot.

In Fredericksburg zählt vor allem die Gaudi: Hauptsache, die Party macht Spaß! Aber das haben beide Oktoberfeste ja dann auch wieder gemeinsam. Und das Bier natürlich, das auch in Texas in Strömen fließt: Franziskaner, Hofbräu, Hacker-Pschorr, Paulaner, Spaten und Weihenstephaner sind selbst im J.R. Ewing-County dabei.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Artikel! Es gibt wohl kaum ein Kleidungsstück welches die Weiblichkeit mehr hervorhebt, als ein Dirndl. Auch wenn ich im Norden von Hamburg wohne, trage ich von Zeit zu Zeit mein Dirndl. Sehe ich eben aus wie eine bayrische Touristin :)) Überhaupt finde ich Trachtenmode sehr schön und trage auch sehr gerne Trachtenblusen und Mieder. Mein letzter Kauf – Mieder mit Rosen

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