WorldWideMunich Folge 2: Schuhplattler & Oktoberfest-Würstchen

WorldWideMunich Folge 2: Schuhplattler & Oktoberfest-Würstchen: AlpenlandMünchen ist einzigartig. Wirklich? Wir haben uns mal umgesehen, wo sich überall Münchnerisches findet. In vier Folgen erfahrt ihr alles über Bavarian Traditions in aller Welt. Heute sind wir ganz konkret auf Spurensuche in den USA

Herr Heinz – der mit dem Ketchup –, Herr Budweiser – der mit dem Bier – oder auch Herr Levi Strauss – der mit den Jeans – sind nur drei von vielen Millionen deutscher Auswanderer, die seit dem 17. Jahrhundert ihr Glück in Amerika suchten. Und es auch fanden. Heute haben etwa 60 Millionen US-Bürger deutsche Vorfahren. Die ersten von ihnen ließen sich in Pennsylvania nieder, wo ihre erste Stadtgründung bis heute auf sie verweist: Germantown, mittlerweile ein Stadtviertel von Philadelphia.

Tracht und Tradition: das „German Fest Milwaukee Lakefront“
„Food, drink and fun“ – das ist das Motto, unter dem die dreitägigen Feierlichkeiten stehen. Das Bier fließt in Strömen, es gibt Umzüge und Paraden, Blasmusik und Schuhplattler-Auftritte: das „German Fest“ am Lake Michigan ist dem Münchner Oktoberfest gar nicht so unähnlich. Zu essen gibt’s Bratwurst, Strudel und Sauerkraut, jährlich wandern etwa 20.000 Würste und 5.000 Kilo Kartoffeln in die Mägen der Besucher – von den 35.000 Kuchenstücken ganz zu schweigen. An Souvenirständen kann man sich mit Trachenhüten oder Fähnchen eindecken.

Auf in die neue Welt! Wie alles begann
Die größte Auswandererwelle erreicht die Staaten ab 1820: Bis dahin waren gerade einmal 150.000 Deutsche eingereist, in den kommenden hundert Jahren sollten es mehr als fünf Millionen werden. Missernten und Hungersnöte zwangen vor allem die arme Landbevölkerung dazu, die Heimat zu verlassen. Etwa eineinhalb Monate dauerte damals die Überfahrt mit den Segelschiffen, beginnend in Bremen, Bremerhaven oder Hamburg. Als ab Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Dampfschiffe den Atlantik kreuzen, verkürzt sich die Reisezeit auf acht Tage. Wer amerikanischen Boden betrat, tat das in New York, wurde dort registriert – und machte sich dann auf ins Landesinnere. Und ließ sich beispielsweise im Mittleren Westen nieder.

Blasmusik in den USA: die Schlauberger
Sie touren schon seit zwei Jahrzehnten über die Festivalbühnen Amerikas, sind in Atlantic City aufgetreten, aber auch beim „Wurstfest“ in New Braunfels, Texas oder auf der Steuben-Parade in New York: Kevin Barbitsch, Robert Rom, Klaus Staab, Thomas Staab, Patrick Farrell und Mark Boschen – die Schlauberger, wie sie sich nennen. Ode auch: „America’s number one German Band“. Ihr Motto: „Rock’n’roll meets Alpine Power“. Für den JP Folk Music Award waren sie auch schon nominiert. Ihre Werbung betreiten sie bewusst in einem gezielten Sprachmix, der bei der deutschen Community gut ankommt. Das, was sie spielen, nennen sie selber „Festzelt Hits“ und garantieren eine „Superstimmung“ – Wörter, die ein Oktoberfest-erfahrene US-Amerikaner auch ohne größere Deutschkenntnisse verstehen dürften.

Die Nachfahren der Auswanderer
Bis heute leben in Wisconsin, Minnesota, North und South Dakota, in Iowa und Nebraska Millionen von Menschen, deren Nachnamen auf deutsche Vorfahren verweisen: Pressler, Schaefer, Zimmer oder Berger sind die gebräuchlichsten, aber auch Firnhaber, Bernd, Jeschke, Weber, Hager oder Schmidt sind weit verbreitet. Und sie pflegen ganz bewusst ihre Wurzeln. In Milwaukee etwa findet seit 1981 und bis heute jedes Jahr am letzten Juli-Wochenende das größte Deutsche Fest innerhalb der USA statt. Wobei es, genauer gesagt, eher ein bayerisches als ein deutsches Fest ist.

Es lebe der Schuhplattler: die Alpenland Taenzer
Wer drüben nicht so sprachfest ist, dem wird es von den Alpenland Taenzern auch übersetzt: Schulplattl’n – das ist Slap Dancing. 1960 gründete ein deutschstämmiger Amerikaner in New Britain, Connecticut eine Gruppe, die heute als „The Alpenland Taenzer“ bekannt ist. 1990 wurden sie aufgenommen in den – dort so genannten – „Gauverband Nordamerika“, einen Verband, der es sich zum Ziel gesetzt hat, das deutsche Kulturerbe in den USA und Kanada zu bewahren. Im gleichen Jahr wurde auch eine „Kindergruppe“ gegründet: dort lernen 20 Kinder und Teenager im Alter von 3 bis 19 Jahren im Paartanz bayerisches Volksgut. Wer älter ist, tanzt bei den Erwachsenen.

Und wer Zeit und Geld hat, erfüllt sich einen Lebenstraum, so wie Mitglied Ronald Kwas: „Beim Oktoberfest 2014 haben drei weitere Mitglieder und ich als Teil einer größere Gruppe innerhalb des Gauverbands Nordamerika am Trachtenumzug teilgenommen“, schreibt er mir, als ich ihn um ein paar Infos bitte. „Es war eine große Ehre für mich, eingeladen worden zu sein. Eine tolle Erfahrung, die ich niemals vergessen werde!“ Auf unsere Bitte hin schickt er auch ein Foto von seinem Ausflug: Es zeigt v.l.n.r. seine Freunde Freddie Meier, Sue Meier, ihn selbst und seine Frau Wendy Kwas auf der Oidn Wiesn.

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