WorldWideMunich: München weltweit – Folge 1

WorldWideMunich: München weltweit - Folge 1: Zum Schneider

Fotocredit: Jonathan McPhail

München ist einzigartig. Wirklich? Wir haben uns mal umgesehen, ob es nicht doch irgendwo Doppelgänger hat. Oder wo sich überall Münchnerisches findet. In insgesamt vier Folgen erfahrt ihr hier alles über Bavarian Blasmusik, Munich Beer und Oktoberfeste in der ganzen Welt. Zum Start sind wir zu Besuch in Munich, South Dakota, und besuchen die außergewöhnlichsten Biergärten und Brezl-Shops.

Unser kleiner Zwilling: Munich, North Dakota
Im US-Bundesstaat North Dakota liegt München gleich neben Osnabrück. Genauer gesagt: liegt „Munich“ gleich neben „Osnabrock“. Und Dresden und Trier sind auch praktisch um die Ecke. Vier kleine Städtchen im Cavalier County, nur ein paar Kilometer südlich der kanadischen Grenze. Knapp die Hälfte der Bewohner der Region haben deutsche Vorfahren. Ende des 19. Jahrhunderts trafen sie ein und besiedelten das Land.

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Fotocredit: North Dakota Tourismus

Als die Eisenbahngesellschaft Great Northern Railway begann, den Norden Amerikas mit einem Schienennetz zu durchziehen, wurde 1904 auch Munich gegründet – als einer der Stützpunkte der Strecke zwischen Fargo, North Dakota, und Winnipeg in Kanada. Der erste Siedler baute ein Wohnhaus, der zweite brachte 5.000 Dollar mit, errichtete damit eine Filiale der First National Bank und eröffnete daneben noch eine Anwaltskanzlei. Sein Name: Usher L. Burdick (1879-1960), der ab 1935 für North Dakota im Repräsentantenhaus in Washington sitzt. Als er zu Beginn der fünfziger Jahre seine Memoiren schreibt, erinnert er sich darin an Munich als eine „rough city“, also eine harte Stadt zum Leben. Grund dafür sind auch die eisigen Winter, in denen das Thermometer schon einmal auf 30 Grad unter den Gefrierpunkt fallen kann.

Heute wohnen in Munich gut 250 Menschen. Die Nachnamen der knapp 70 Familien klingen fast alle deutsch – sie heißen Deitz, Ewert, Sawatzke oder Zimmer. Übrigens: Ein komplettes Haus ist in Munich derzeit für durchschnittlich 56.200 Dollar, also gut 52.000 Euro, zu haben. Man lebt von der Landwirtschaft, Hotels oder Restaurants gibt es nicht. Wer abends etwas trinken gehen will, kann aber immerhin auf der Main Street zwischen der Calio Bar und der Munich Bar wählen.

Unsere Fotos von Little Munich verdanken wir übrigens Andrew Filer aus Seattle, der es sich 2003 zum Ziel gesetzt hatte, sämtliche kleinen Orte („Small Places“) in North Dakota zu fotografieren. Am Ende hatte er 876 besucht und insgesamt 52.483 Fotos geschossen. Worunter sich eben auch ein paar von Munich befinden.

Cheers! Munich Beer in aller Welt
New Yorks Hipster wissen, was gerade angesagt ist: ein Apartment in Alphabet City beispielsweise, einem ziemlich überschaubaren Rechteck aus vier Straßenzügen unterhalb der 14. Straße im East Village. In den vierziger und fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatten sich dort die deutschen Einwanderer niedergelassen. Und auch wenn mittlerweile nicht mehr viel an sie erinnert – die Gegend ist trotzdem prima, um dort einen Biergarten hochzuziehen, dachte sich Sylvester Schneider vor 15 Jahren. Das Resultat: „Zum Schneider“, ein „Bavarian Bierhaus“ auf der Ecke der Ave C/East 7th Street. German Gemütlichkeit wird hier groß geschrieben, es gibt Blasmusik, Weißwürste, Haxn und literweise Bier. Sogar die deutsche Bundesliga ist hier zu sehen. Mit seiner Geschäftsidee war der gebürtige Bayer, den es einst zum Studium nach Amerika verschlagen hatte, Vorreiter eines Riesentrends: Mittlerweile gibt es in New York knapp 70 Biergärten.

Auch am anderen Ende der Welt wird unser „Bavarian Beer“ geschätzt: in Melbourne etwa, wo das Munich Brauhaus deutschen Auswanderern beim Heimweh-Bewältigen hilft. Oder in Brisbane, wo das Bavarian Beer Café seit 2005 in diversen Filialen Fleisch plus ½ Liter Bier für 25 Dollar unter Volk bringt. Sehr lustig: das Riesenschnitzel heißt bei den Aussies „Uberschnitzel“ und der Mädelsabend „Fräulein Friday“.

Wer nicht ganz so weit reisen möchte: In Bristol im Südwesten Englands sorgt das Bavarian Beerhouse seit zwei Jahren für – so die Selbstbeschreibung – „Oumpahtainment“. Seine Gründer, René und Sabine von Reh, hatten den Bavarian Bierboom einst in London ausgelöst und 2008 das erste deutsche Wirtshaus in der Millionenmetropole eröffnet. Londons Bierschenke, eine „Authentic Munich Beer Hall“, existiert seit 2010 und ist ein Hotspot für die Studenten der nahen London School of Economics. Und selbstverständlich tragen die Kellnerinnen und Kellner Dirndl und Lederhose.

Was in den britischen Bierhäusern allerdings anders ist: Auf der Insel darf nicht in Litern gemessen werden sondern in Pints. Das Bier muss also in 0,56-Liter-Einheiten verkauft werden. Ein Maßkrug wird also mit zwei Pints gefüllt, sprich: 1,12 Litern – und sieht daher nicht nur voller aus als an der Isar, sondern ist es auch tatsächlich.

Cheesy: Pretzels in Nordamerika
Als Ende des 18. Jahrhunderts die ersten deutschen Siedler nach Pennsylvania kamen, brachten sie auch Ihre Leckereien mit. Und da sie vorwiegend aus Süddeutschland und der Schweiz stammten, waren das vorrangig Brezn. Die im Englischen dann zu Pretzels wurden. 1861 eröffnete ein Mann namens Julius Sturgis in Lititz, Lancaster County, Pennsylvania, die erste kommerzielle Brezlbäckerei. Seinen Laden gibt’s bis heute, fortgeführt wird er von seinen Ururenkeln. Doch seine Nachfahren haben die Brezlproduktion längst dem US-Geschmack angepasst: Heute bietet Tom Sturgis auch Honig-Senf- und Erdnussbutter-Brezn an.

Etwas neueren Datums ist „The Pretzel Shop“ in Pittsburgh, Pennsylvania, gegründet 1927, der bis heute stolz darauf ist, seine Brezn in einem historischen Ofen von 1872 zu backen. Aber auch er geht mit der Zeit: im Angebot sind Knoblauch- und Cheddar-Jalapenjo-Brezn.

Nachdem die Pretzels allerdings zwischen den dreißiger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach und nach von den Speisekarten verschwanden, boomen sie seit etwa zwei Jahrzehnten wieder. Den Startschuss dafür setzte Anne F. Beiler, Tochter deutscher Auswanderer, die 1988 in Downington, Pennsylvania, ihren ersten Auntie Anne’s Pretzels-Laden eröffnete – mittlerweile eine große Kette mit 1.500 Filialen, die nach dem Franchise-Prinzip betrieben wird. Neugründungen wie Wetzel’s Pretzels, Mr. Pretzels, Pretzelmaker and Pretzel Time folgten. Die natürlich auch die für Amerika üblichen Varianten auf den Markt brachten – etwa den Pretzel-Bacon-Cheeseburger oder den Cheesy-Bacon-Pretzel-Hotdog. Bei letzteren wird die Brezn um ein in warmem Schmelzkäse badendes Bockwürstchen gedreht.

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Fotocredit: Auntie Anne

Die münchnerischsten Pretzels bekommt man in den Staaten übrigens bis heute in Gegenden, in denen sich einst die Mehrzahl der deutschen Auswanderer niedergelassen hat – sprich: rund um Columbus, Ohio, oder in Pennsylvania und dessen Hauptstadt Philadelphia. Glaubt man diversen Food-Portalen, ist der allerbeste Breznbäcker Miller’s Twist, ein Stand auf dem Reading Terminal Market in Downtown Philly.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Die meisten Menschen auf der Welt verbinden mit München einfach ein gewisses Brauchtum – so wie sie mit Bordeaux einen gewissen Wein verbinden oder ihnen beim Gedanken an italienisches Essen zuallererst Pizza und Pasta einfallen. Aber ist das schlimm? Muss man da gleich „beleidigt“ sein? Lieber Kringel, warum bist du pikiert, wenn irgendjemand auf der Welt mit München Brez’n, Weißwurst und Oktoberfest verbindet? „Touri Commerce“ finde ich ein sehr abwertenden Begriff. Freu dich doch einfach, dass es so viele Menschen auf der Welt gibt, die unsere Stadt und die Lebensfreue, die sie ausstrahlt, mögen.

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