München als Weinstadt: beste Tipps für Weinhandlungen und Restaurants

München hat mehr zu bieten als Weißbier. Kleine Lokale oder Bars etwa mit angeschlossenem Weinhandel. Oder die zahlreichen Degustationsabende in einer der vielen Vinotheken. Für uns hat sich Margot Weber auf einen Streifzug durch die Weinszene begeben.

muenchner-weininselnMünchen – das ist Oktoberfest und Starkbieranstich, Braukunst und Bierkultur. Aber nur auf den ersten Blick. Dass wir auch eine Weinstadt von Rang sind, ist nicht gerade weltbekannt. Was nicht nur schade ist, sondern auch falsch. Denn um 1300 ist der Wein das dominierende Getränk in der Stadt. Man trinkt einheimische Produkte, aber schon damals gute Südtiroler Tropfen, die bei den Münchnern „Welschweine“ oder „Etschweine“ heißen. Und vor 500 Jahren schreibt ein gewisser Johannes Aventinus über die Bayern, sie seien ein Volk, „dessen gemeine Männer Tag und Nacht beim Wein sitzen“. Der im Donautal in der Gegend von Regensburg produzierte sogenannte Baierwein galt bis ins 17. Jahrhundert hinein als bayerisches Nationalgetränk.

Und da München ja schon immer die nördlichste Stadt Italiens war – und das dichte Netz aus Osterien, Tavernen und Pizzerien in ganz Deutschland einzigartig ist –, gehören auch in unserer Zeit Pino Grigio und Lugana zum weiß-blauen Münchner Lebensgefühl genauso dazu wie Weißwurst und Brezn.

Dass jemand wie Paula Bosch, Deutschlands führende Weinexpertin, in München lebt, ist deshalb wohl auch kein Zufall. Schon 1988 wurde sie vom Gault Millau zur „Sommelière“ des Jahres gekürt, über 20 Jahre lang war sie im legendären Spitzenrestaurant „Tantris“ für den Weinkeller (35.000 Flaschen!) und den Weinservice verantwortlich. Vor ein paar Jahren hat sie sich als Beraterin selbstständig gemacht. Was bedeutet, dass sie jetzt u.a. auch Weinschulungen und -kurse gibt. Für Profis, aber auch für ganz normale Genießer, die ein bisschen dazulernen wollen.

Oder man besucht eines der zahlreichen Seminare in Münchens größter Weinschule „einfach geniessen“, einer Weinhandlung im Glockenbachviertel. Damit man nie wieder im Supermarkt aus Ratlosigkeit nach der Flasche greift, die das schönste Etikett zu haben scheint. Oder im Restaurant hilflos in der umfangreichen Weinkarte vor- und zurückblättert: Was passt bloß zur Dorade, was zum Spargel, was zum Kaninchenrücken?

Und wer sich guten Wein auf einem schönen Spaziergang erlaufen möchte, kann jetzt auch an geführten Touren durch einzelne Stadtviertel teilnehmen. Pro Termin besuchen maximal 14 Teilnehmer vier ausgewählte Vinotheken und lassen sich dort die Philosophie der Inhaber erklären. Zum Wein, den man dort probiert, gibt’s dabei selbstverständlich Tapas oder Antipasti dazu (Preis der Tour pro Person: 59 Euro). Wer mehr wissen will, wendet sich an die Organisatorin Nicola Neumann oder besucht die Facebookseite der Münchner Weininseln, einer Initiative zur Förderung kleiner, inhabergeführter Weinhandlungen.

Vinotheken und Restaurants: meine vier subjektiven Tipps

Sarfati
Kazmairstr. 28 / Westend
Weinbar, Restaurant und Vinothek zum Wohlfühlen auf der Schwanthalerhöhe. Im Restaurant gibt’s italienische Spitzenküche (Schwertfisch, Lachs-Carpaccio, Tintenfischsuppe), die Öko-Weine („vini naturali“) stammen vorwiegend aus Italien und Frankreich, wobei der Schwerpunkt auf Naturweinen liegt. Sprich: auf Weinen, die ohne Einsatz invasiver Chemie produziert wurden. Geschäftsführer Stefano Sarfati, gebürtiger Mailänder, beschreibt für uns die Herstellung: „Die Vergärung erfolgt mit Naturhefen statt mit Reinzuchthefen, die künstliche und wenig authentische Aromen begünstigen, und es werden keine weinfremden Hilfsstoffe eingesetzt, die dazu tendieren, die Weine zu vereinheitlichen.“

M-Belleville
Fallmerayerstr. 16 / Schwabing
Ein Zwitter aus Restaurant und Bistro im ruhigeren Teil Schwabings. Namenspate ist eine U-Bahn-Station in Paris, das täglich wechselnde Menü à la Carte kostet 35 Euro. Das Konzept: Gehobene Bistro-Küche mit erstklassigen Zutaten. Konkret also beispielsweise Stampfkartoffeln mit Trüffeln. Inhaberin Marina Panzer ist zuständig für die Küche, ihr Vater Wolfgang für den Wein. Seine Prinzipien erklärt er so: „Unsere Weinbauern sind vom Zug des kommerziellen Weinmainstreams abgesprungen. Für sie zählt nur die Traube, ihr Geschmack und die ihr ganz eigenen Entwicklungsmöglichkeiten, mit den ihr natürlich anhaftenden Hefen. Keine chemische Schönung, keine Hilfsmittel, keine künstlichen Eingriffe. Ein freier, reiner Wein, der mit sehr viel Wissen über die früher, vor der Chemiezeit angewandten Methoden mit viel Geduld hergestellt wird.“

La Cantinetta di Sergio Bolzan
Neumarkter Str. 77 / Berg am Laim
Leider – oder gottseidank – hat Inhaber Sergio Bolzan keine Laufkundschaft, dafür liegt sein Bistro zu abgelegen im unhippen Berg am Laim. Wer nicht mit dem Auto unterwegs ist, muss am Ostbahnhof die Tram 19 stadtauswärts nehmen. Doch die Anreise lohnt! In seiner Weinhandlung zu stöbern, die 500 italienische Weine umfasst, macht automatisch gute Laune. Zudem gibt’s Fassweine, die man sich frisch abfüllen lassen kann. Mein persönlicher Tipp: Mittags kommen, so kann man den Einkauf mit einem Lunch verbinden. Auf der Tageskarte stehen regelmäßig z.B. hausgemachte Ravioli, Carpaccio oder extrem leckere Suppen. Und das alles zu Preisen zwischen 5 und 10 Euro. Sensationell!

Wein-Cantina
Elsässer Str. 23 / Haidhausen
Auch unter Münchnern noch oft ein Geheimtipp. Das Restaurant hat 35 Sitzplätze, der Schwerpunkt liegt auf konkreten Wein- und Speisenkombinationen. Konkret gesagt: Es gibt zwar auch hauseigene Klassiker wie etwa die offene Gemüselasagnette mit Parmesan oder Kürbisrisotto, aber vor allem die 3-, 4- oder 5-gängigen Degustationsmenüs (39/47/55 Euro plus Wein). Inhaber Angelo Konstantinidis: „Wir bieten Weine aus den unterschiedlichsten Regionen Europas an, aber der Riesling ist uns besonders ans Herz gewachsen.“

Weinhandlungen: meine sechs subjektiven Tipps

Sancho Panza
Elisabethmarkt, Stand II / Schwabing
Der Elisabethmarkt ist ja sowieso immer einen Besuch wert. Frisches Obst, gutes Gemüse, ein schneller Mittagstisch – eine kleine Wohlfühloase direkt gegenüber vom Theater der Jugend. In einem der kleinen, weißen Häuschen befindet sich seit vielen Jahren das „Sancho Panza“, eine Vinothek, in der aber auch leckere Tapas verkauft werden. Hier gibt’s beispielsweise Tintenfisch-Salat oder gefüllte Artischocken (auch zum Mitnehmen), aber vor allem spanische Weine aus 20 Anbaugebieten, von Galicien bis Katalonien, vom Baskenland bis nach Jerez.

Walter & Benjamin
Rumfordstr. 1 /Gärtnerplatz
In den Regalen lagern mehr als 400 Weine aus den klassischen Regionen Europas. Und an der Bar gibt’s regelmäßig mehr als 30 offene Weine zum Probieren und Ausprobieren. Inhaber Walter Zimmermann-Hedewig ist ein echter Weinfreak. Seine Philosophie beschreibt er so: „Wir stehen seit je eher für frische und schlanke, vibrierende und vitale Weine, deren Aromen überraschen, deren Mineralien den Gaumen kitzeln und auf der Zunge tanzen. Ob im Zement, in der Amphore oder im Holz gereift, man schmeckt den Jahrgang, die Trauben, den Boden.“

Bergwein
Corneliusstr. 18 / Gärtnerplatz
Ein Südtirol-Spezialist. Das Sortiment umfasst rund 200 Weine, Schaumweine und Brände von insgesamt 36 ausgewählten Erzeugern, über die man sich bereits auf der Homepage ein genaues Bild machen kann – eine tolle Idee! Die Inhaber Claudia und Johann Dietsch verraten, warum sie ausgerechnet von Südtiroler Weinen begeistert sind: „Das ist eine der spannendsten Regionen für Weinanbau: Man findet sonst kaum diese Vielfalt an verschiedenen Klimazonen und unterschiedlichen Böden auf so kleinem Raum.“

Toskana
Reichenbachstr.51 / Gärtnerplatz
Der Schwerpunkt liegt auf italienischen Weinen, vor allem aus der Toskana und dem Piemont. Dazu kommt eine gute Auswahl an koscheren und veganen Weinen. Das Geschäft von Constance Heuberger, das heuer seinen 30. Geburtstag feiert, wird in den Bestenlisten des Gourmet-Magazins „Der Feinschmecker“ immer wieder als eine der besten Weinhandlungen Deutschlands aufgeführt.

Volkhardts Wein und Bistro
Kaflerstr. 15 / Pasing
Keine Weinhandlung, an der man zufällig vorbeikommt, aber eine, bei der die Anfahrt lohnt. Das Geschäft gehört zum Imperium der Hoteliersfamilie Volkhardt, die in der Stadt das Luxushotel „Bayerischer Hof“ betreibt. Im Angebot sind mehr als 700 Weine, Schaumweine, Spirituosen und Spezialitäten aus aller Welt, darunter 35 Rieslinge unterschiedlicher Anbaugebiete.

Emmi Reitter
Tumblinger Str. 26 / Isarvorstadt
Außergewöhnlich: die nette und engagierte Inhaberin, die schon seit 28 Jahren direkt um die Ecke vom Münchner Arbeitsamt gute Weine zu extrem vernünftigen Preisen verkauft. Ihr derzeit günstigster Wein, ein Montepulciano d’ Abruzzo ist bei ihr schon für 5,30 Euro pro Flasche zu haben! Aber Achtung: geöffnet ist ausschließlich donnerstags von 16.30 Uhr bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung. Doch dann erwartet den Besucher ein komplett entspanntes Einkaufserlebnis in einem idyllischen Hinterhof mitten in der Stadt.

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