Von vietnamesischen Knödeln bis urugayanisches Nationalgericht: Gourmet Foodtrucks erobern München

Wer bei Fastfood und Imbissbuden nur an Currywurst und Döner denkt – weit gefehlt. Die Foodtrucks, die derzeit durch Münchens Straßen rollen, bieten raffiniertes, gesundes, schnelles Essen aus ausgewählten Zutaten. Lest hier die Ergebnisse unserer kleinen Probiertour!

salsaverde-foodtruck-emmynoSalsa Verde – authentisch-mexikanisch nach traditionellen Rezepturen. Buenprovecho!
Leider habe ich die kleine Sonnenlücke an diesem kalten Märzmontag verpasst und ich spaziere im Nieselregen über das Gelände an der Emmy-Noether-Straße. Nicht gerade eine Gegend, in die man sich unbedingt verirrt, es sei denn, man arbeitet in einem der vielen Bürogebäude ringsherum. Doch ich habe heute eine Mission: Ich will bei Salsa Verde zu Mittag essen. Das ist der Foodtruck von Christian Selig, der hier seit heute wieder jeden Mittag mexikanisches Streetfood kredenzt. Irgendwann entdecke ich ihn dann auch, den kleinen schwarzen Wagen mit der weißen Schrift, der eigentlich kein richtiger Truck ist, sondern ein rundlicher Anhänger mit den Ausmaßen eines Wohnwagens. Aber egal, das tut dem Streetfood-Erlebnis keinen Abbruch.

„Klasse, dass Sie wieder hier sind. Als ich das heute gehört habe, musste ich direkt herkommen“, sagt der Herr vor mir. Das ist ja schon einmal ein gutes Zeichen. Auch den zwei Kollegen, die es sich trotz des wenig einladenden Wetters an dem Stehtisch gemütlich gemacht haben, scheint es zu schmecken. Der Mann bestellt sich noch eine zweite Portion. Normalerweise bin ich kein großer Fan mexikanischer Küche, aber das liegt sicherlich an dem überall gleichschmeckenden Einerlei, das man in den meisten Tex-Mex-Lokalen bekommt. Doch damit haben die Tagesspecials, die heute auf der Menütafel des Salsa Verde steht, nichts zu tun. Von Recomica, einem Eintopf aus geschmortem Rind mit Gemüse, Chili und Reis hatte ich bisher genauso wenig gehört wie von Torta de Cochinita Pibil, für die ich mich entscheide. Die Torta entpuppt sich als Sandwich aus knusprigem, hellem Brot gefüllt mit mexikanischem Pulled Pork, Bohnenmus, Zwiebeln, Habaneros, Eisbergsalat und Avocadocreme – ein Gedicht!

Ich frage Christian Selig, ob er all diese Köstlichkeiten in dem kleinen Anhänger zubereitet. Dafür sei der Wagen zu klein, sagt er. Er koche morgens in der Früh den Großteil in einer Restaurantküche, die er nutzen darf, bevor dort der Betrieb losgeht. Das heißt früh aufstehen, denn die leckeren Fleischgerichte werden nach traditionellen Rezepten zubereitet, also erst marinieren und dann langsam schmoren, wie beispielsweise Carnitas, das ist Schweineschulter in einer Marinade aus Milch, Orange, Lorbeer und Knoblauch. Dass die Marinaden genauso wie die Soßen selbst hergestellt werden, ist für den Salsa Verde-Koch Ehrensache. Soweit möglich, nutzt er original mexikanische Zutaten, die er aus kleinen Manufakturen bezieht. Neben den Tagesspecials gibt es auch Tacos und Quesadillas mit raffinierten Füllungen. Die werden frisch vor Ort zubereitet. Wie die meisten Foodtrucker in München, ist Christian übrigens kein gelernter Koch. Er kommt eigentlich aus der Beratungsbranche und hat BWL studiert. Dass Kochen und Mexiko seine große Leidenschaft sind, merkt man den leckeren und mit viel Sorgfalt zubereiteten Sachen an. Ich komme bestimmt wieder!

Grillin me softly – New Yorker Delikatessen, französische Salate, vietnamesische Tacos
Das darf doch nicht wahr sein, wieso ist denn die Lade vor der Theke schon zugeklappt? Es ist doch erst 13.30 Uhr. Jetzt bin ich extra aus Schwabing zum Mediaworks-Gelände an der Rosenheimerstraße gefahren, um mich zum Mittagessen mit einem Upper Eastside Sandwich aus Babyspinat, frischem Granatapfel, Honig-Walnüssen und gegrilltem Ziegenkäse und einem Hawaiian Banana Bread zu verwöhnen und dann bin ich offenbar zu spät dran.

Aber so leicht gebe ich nicht auf, nachdem mir der Besuch auf der Webseite von Grillin’ me softly schon den Mund so wässrig gemacht hat. Ich sehe, dass die Tür des Foodtrucks hinten offen ist und auf meine Frage, ob noch jemand da sei, steckt tatsächlich jemand seinen Kopf heraus. Bei dem schönen Wetter habe man heute einen Riesenansturm gehabt und sei schon ganz früh ausverkauft gewesen. Hmm. Man könne mir aber noch einen Burger zaubern. Einen Bacon-Burger mit Barbecue-Soße? Eigentlich hatte ich ja mit einem anderen Mittagsmahl geliebäugelt, denn die Grillin’ me softly-Crew setzt auf eine Mischung auf Delikatessen, wie sie auch in New Yorker Delis angeboten werden, und eine moderne amerikanische Fusionküche.

Aber hungrig nach Hause gehen mag ich auch nicht. Und wenn die beiden Jungs schon so nett sind, ihre Burger, die sie gerade für ihr eigenes Mittagessen vorbereiten, mit mir zu teilen, dann muss ich für das Chinatown Sandwich, den vietnamesischen Taco oder den Soho Salad eben noch einmal wiederkommen. Die Fries seien leider auch schon aus. Und das Brot aus der Münchner Familienbäckerei, das sie sonst hernehmen, leider auch. Auch wenn mein Burger in einer stinknormalen Burgersemmel kommt, bin ich ganz angetan und lasse es mir schmecken. Nachdem ich gelesen habe, dass man auf höchste Qualität der Zutaten achtet, habe ich auch kein schlechtes Gewissen. Ob das Fleisch wirklich von hormonfreien Freilandrindern aus Nebraska stammt, wie zu lesen ist, habe ich vergessen zu fragen. Dafür erfahre ich von Sascha Lopez, einem der beiden Gründer des nach eigenen Angaben ersten Münchner Gourmet Foodtrucks, wie das Foodtruck-Geschäft in München so läuft, dass man sich beispielsweise nicht einfach irgendwo hinstellen darf und dass man überlegt, einen zweiten Foodtruck anzuschaffen. Ich wäre sehr dafür, gerne in Schwabing.

Isardogs – Haute Cuisine Hot Dogs mit Saucen von Michelin Sternekoch
Mein letztes Hotdog habe ich ich vor gut 15 Jahren gegessen bei Gray’s Papaya in New York. Angeblich gibt es dort das beste Hotdog der Welt, klassisch mit Senf und hausgemachtem Sauerkraut. Dem konnte ich irgendwie gar nichts abgewinnen. Als ich das erste Mal von den Isardogs hörte, die das Würstchen in der langen Semmel neu entdeckt und zu einer Art Haute Cuisine Fastfood veredelt haben, beschloss ich, dem Hotdog noch einmal eine Chance zu geben. Eigentlich wollte ich den schwarzen Truck der Dreier-Combo auch Mittags auf einem ihrer Standplätze – in der Regel auf Firmengeländen – besuchen, doch bei einem Anruf erfuhr ich, dass man im Moment noch im Wintermodus sei mit zwei Einsatztagen während der Woche und erste Ende März wieder täglich los rolle.

Das ist doch ein guter Anlass, eines der vielen Streetfood-Festivals zu besuchen, die derzeit fast jedes Wochenende in München stattfinden. Eigentlich bin ich noch vom Frühstück satt, als ich letzten Sonntag mein Eintrittsticket zu „Deine Welt – Streetfood küsst Musika“ auf der Praterinsel löse. Aber als ich die vielen Foodtrucks entdecke und die verschiedenen Essensdüfte meine Nase umschwirren, ist der Appetit schnell wieder da. Also auf zu Sissi und Franz, Old Peter, Mr. Miyagi, Distinguished Daisy und Mrs. Schickeria. So heißen die Kreationen der Isardogs, die mit Zitronenpfeffer-Avocadocreme, Asian-Spice-Meerrettich-Sauce, African-Spice-Senf-Sauce oder 7-Pfeffer-Barbecue-Sauce serviert werden. Die Röstzwiebeln dürfen natürlich nicht fehlen und bei Sissi und Franz kommt auch das klassische Sauerkraut zum Einsatz.

Bei den Isardogs kann man ohne Reue speisen, die Wurst besteht zu 100 Prozent aus Rindfleisch und wird zusammen mit einem Metzger aus der Region hergestellt. Auch das Brot hebt sich von der klassischen Hotdogsemmel ab und wurde eigens mit einem Münchner Bäcker kreiert. Wer noch etwas Platz lassen möchte für die anderen Köstlichkeiten auf dem „Deine Welt“-Festival, kann sich die üppige Portion auch halbieren lassen und mit Freund oder Freundin teilen. Mein Fazit: Ich habe das Hotdog an sich bisher wirklich unterschätzt.

Bao Mau Mau – Knödel auf vietnamesisch, süß oder deftig
Als große Liebhaberin der asiatischen Küche führt natürlich kein Weg am Stand von Bao Mau Mau vorbei, dessen Namen ein wenig an das Kartenspiel aus Kindertagen erinnernt. Das von den Betreibern der Lokale koriander, koriander too und Charlie kreierte Streetfood-Label tischt heute wieder seine Spezialität auf, Banh Bao. Das sind hausgemachte luftige Mehlknödel, die gedämpft und süß oder pikant gefüllt werden, beispielsweise mit Schwein, Shitakepilzen oder Wasserkastanien oder süß mit Mungbohnen und Kokosflocken.

In Vietnam ist man Banh Bao den ganzen Tag, egal ob zum Frühstück oder Mittagessen oder einfach nur als Zwischenmahlzeit. Tatsächlich habe ich bei meinem Besuch in Hanoi eine Dame auf einem Moped gesehen, die eine Stiege roher Banh Bao auf den Markt transportiert hat. Ob ich dort auch einen Batzi Bao, Spatzl Bao oder Bussi Bao bekommen hätte? So nennen die Betreiber der mobilen Garküche die salzige beziehungsweise vegetarische und süße Variante. Also vietnamesisch mit einem kleinen Hauch bayerisch.

Obwohl mich die überdimensionalen Knödeln sehr anlachen, entscheide ich mich für einen Kini Bao, das ist eine Mischung aus Pita und Sandwich, gefüllt mit geschmorter, in Ingwer eingelegter Flugente, garniert mit frischen Kräutern, Frühlingszwiebeln und Gurken. Das hatte ich im Vorbeigehen schon bei einigen Gästen auf der Hand gesehen. Das Fleisch ist zart, der Koriander gibt dem ganzen eine frische Note und der Mehlfladen ist schön fluffig und leicht würzig.

Die intolerante Isi – Whoopie Pies und andere Köstlichkeiten, garantiert weizen-, gluten- und milchfrei
Nächster Stopp: Die intolerante Isi. Für ein Curry mit Süßkartoffeln und Kürbis oder ein Chicken-Masala-Curry mit Paprika ist leider kein Platz mehr. Aber so ein kleiner Whoopie Pie oder Florentiner geht schon noch. Wie alles bei Isi, sind auch die Süßigkeiten weizen-, gluten- und lactosefrei. Also für alle geeignet, die an einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden oder sich einfach gesund und gut ernähren wollen.

Die intolerante Isi, die eigentlich Isabella heißt, leidet selber unter einer Lebensmittelintoleranz und war genervt, dass sie in Restaurants nie richtig fündig wurde. Sie hängte dann irgendwann einfach ihren Job als Mediendesignerin an den Nagel und beschloss, sich ein kleines mobiles Küchenfahrzeug zuzulegen, das sie zum Teil über Crowdfunding finanzieren konnte und mit dem sie seitdem sommers wie winters durch München rollt. Ich werde sie sicherlich dieser Tage mal wieder an einem ihrer Standplätze aufsuchen.

Der Blaue Food Truck – Chivito und mehr von den Kings of Sandwich
Langsam aber sicher geht nichts mehr. Ich kann nur noch „Schaufensteressen“, das heißt, über das Gelände bummeln und schauen, was die anderen Gäste essen und die anderen Foodtrucks und Streetfood-Stände in ihren mobilen Küchen so zaubern. Die „Kings of Sandwich“ von Chivito sind heute mit ihrem zweiten Fahrzeug unterwegs, dem „Blauen Food Truck“. Das ist die neueste Ergänzung neben dem original amerikanischen Frightliner MT45, den ich schon einmal bei einer Privatveranstaltung bewundern durfte, bei der ich auch die Spezialität des Hauses kennengelernt habe – den Chivito. Das ist ein Kultsandwich aus Uruguay, das zwei der Betreiber, die in Montevideo aufgewachsen sind, gewissermaßen mit ihrem Foodtruck nach Deutschland importiert haben.

Der Chivito ist in Uruguay so etwas wie in Bayern die Weißwurst oder der Schweinsbraten – einfach ein Kulturgut, hochgeschätzt und gefeiert. Ich kann den Rindersteak-Chivito empfehlen, mit Schinken-Käse, Bacon, karamellisierten Zwiebeln, Salat, Tomate, Gaucho-Pfeffer und „saufrischer“ Sauce. Den Klassiker gibt es auch aus Pute und Schwein und für Vegetarier mit Portobellopilzen. Mit dem Blauen Food Truck will Chivito sein Speiseangebot erweitern. Wem zum Beispiel bei Smoked-Tandoori-Styled-Pulled-Tofu-Sandwich oder gezupftem Ingwer-Limone-Hühnchen-Sandwich mit hausgemachter Soße und Salatmischung das Wasser im Mund zusammenläuft, sollte dem blauen Truck unbedingt einen Besuch abstatten.

Best of the rest – Donutfactory, Curry Piraten, Surf & Turf, Vogl Wild, The Cave,
Die Liste an Foodtrucks und Streetfood-Ständen ließe sich noch lange fortsetzen, das Konzept mit den mobilen Garküchen boomt und ständig tauchen neue Anbieter mit neuen Ideen auf. Wer auf Hirschburger und Wildlasagne vom freilebenden, bayerischen Wild steht, ist bei Vogl Wild bestens aufgehoben. Für süße Schleckermäuler gibt es luftig-leichte Donuts im pinkfarbenen Donut-Truck von der Donutfactory – zuckerreduziert, mit ausgewählten Zutaten und von Hand verziert. Das Streetfood supergesund sein kann, stellt The Cave unter Beweis. Hier gibt es Paleo-Food oder salopp übersetzt Steinzeitessen. Nein, kein gegrilltes Mammut à la Fred Feuerstein. Bei The Cave kommen köstliche Kreationen wie Pulled Pork in der Süßkartoffelwaffel mit Apfel-Coleslaw und Guacamole oder Schoko-Blaubeer-Cupcakes mit Schokoladen-Meringue-Frosting auf den Tisch, alles garantiert ohne Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker und Milchprodukte. Und für Leute wie mich, die ab und zu gerne einfach eine stinknormale Currywurst essen, gibt es dann noch den Foodtruck der Curry Piraten!

Festivals – Feste der Sinne in Amerikahaus, ehemaligem Heizkraftwerk und Praterinsel
Wer nicht das Glück hat, in einer Firma zu arbeiten, bei der Mittags der ein oder andere Foodtruck halt macht, kann sich trotzdem durch die Köstlichkeiten der mobilen Gourmetimbisse probieren. Denn inzwischen findet in München fast jedes Wochenende ein Streetfoodfestival statt.

Deine Welt – Streetfood küsst Musika: Das Happening aus Essen und Musik fand dieses Jahr bereits zweimal auf der Praterinsel statt. Weitere Termine sind in Planung.

Hall of Taste – Munichs First Streetfoodmarket: Das Event im alten Heizkraft in der Katharina-von-Bora-Straße in der Nähe des Königsplatzes hat sich inzwischen zu einem festen Termin etabliert. Auch im April können die Besucher Freitags ab 16.00 Uhr bei Livemusik mit allerlei Köstlichkeiten an den Essenständen, Garküchen und Foodtrucks das Wochenende einläuten.

After Work Food Truck Market: Nach den erfolgreichen Events im Dezember und Februar rollen die Foodtrucks schon ganz bald wieder zum Karolinenplatz ins Amerikahaus. Der nächste Termin findet aller Voraussicht nach Anfang April statt.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren …

    Wir besitzen ein kleines Imbisswagen .
    Unsere Produkte sind Brasilianischen Feinkost ( Fingerfood ) .
    Wir sind aus München.
    Wie könnten wir bei euer Events teil nehmen ?
    Danke in Voraus für die Antwort.
    Carlos Reese

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