10 Gründe, warum das Leben in München schöner ist als anderswo

Wir haben mal unsere Autorin Margot Weber gefragt, was sie an München so lebenswert findet. Als Antwort hat sie uns diese Liste gemailt.

1. Das Wetter

In München sind die Temperaturen nicht unbedingt höher als anderswo, aber hier scheint die Sonne einfach länger. Die Wetterstatistik für 2014 wies an der Isar 1777 Sonnenstunden aus. Nur in Karlsruhe (1805 Stunden) ist es noch schöner. Berlin kommt auf 1700 Stunden. Düsseldorf, Köln und Hamburg auf jeweils 1550. Unser typisches Programm bei schönem Wetter? Isar, Englischer Garten, Flaucher, Westpark, Eisbach. Oder einfach nur auf den Balkon und in den weißblauen Himmel gucken. Aber selbst der Münchner Regen ist kein Grund, sich die gute Laune verhageln zu lassen. Ich halte es da mit Karl Valentin, der mal sagte: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

2. Kleinkunst und Kabarett

München ist eine Hochburg der Kleinkunstszene – und das schon seit über hundert Jahren. „München gehört mit Berlin und Leipzig zu den drei großen traditionellen Kabarettzentren Deutschlands, steht für eine lebendige, sich stets wandelnde, allen Spielarten der Kleinkunst offene Kabarettszene, ist Anziehungspunkt für Künstler aus ganz Deutschland“, sagt Matthias Thiel vom Deutschen Kabarettarchiv in Mainz. Bei uns spielten Karl Valentin und Liesl Karlstadt ihre selbst geschriebenen Programme, gründeten Erika und Klaus Mann ihre „Pfeffermühle“ und 1956 Sammy Drechsel und Dieter Hildebrandt die legendäre Lach- und Schießgesellschaft (unser Foto). Habe ich spontan Lust auf Kleinkunst, werde ich in der Regel dort oder im Theater im Fraunhofer fündig.

3. Die renaturierte Isar

Die Isar war mal ein Wildfluss. Auch in München. Aber Mitte des 19. Jahrhunderts begann ihr systematischer Ausbau: Die Ufer wurden befestigt und der Fluss in ein kanalartiges Korsett gezwungen. Mit Beginn der Wasserkraftnutzung ab etwa 1900 wurde sie nochmal gezähmter, so dass von ihrem ursprünglichen Charakter irgendwann nicht mehr viel übrig war.

Doch zu Beginn der achtziger Jahre begann ein Umdenken, und 2000 war es endlich soweit: Das ehrgeizige, 35 Millionen teure Renaturierungsprojekt begann. Elf Jahre sollte es dauern. Von der südlichen Isar unterhalb der Großhesseloher Brücke bis zum Zusammenfluss der beiden Isararme unterhalb der Maximiliansbrücke wurde der Fluss in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Zusätzliches Goodie seit 2011: Nun ist an manchen Stellen auch das Baden wieder erlaubt, beispielsweise im Norden zwischen Max-Joseph-Brücke und Oberföhringer Wehr (Achtung: nur auf der Ostseite, mit 200 Metern Mindestabstand zu den beiden Bauwerken!) oder zwischen Flaucher und südlicher Stadtgrenze (ohne den Bereich rund um den Marienklausensteg!) sowie Flaucher und Braunauer Eisenbahnbrücke.

4. Pizza wie in Italien

Und zwar nicht unbedingt wie in Norditalien („Pizza Wurstel“), sondern wie in Rom. Oder wie in der Geburtsstadt der Pizza, in Neapel. Und das bedeutet: ein hauchdünner, knuspriger Boden, frische Tomaten, natürlich kein Analogkäse, sondern Mozzarella – und frisches Basilikum. Meine einheimischen Favoriten: das Riva an der Münchner Freiheit, das H’Ugo’s am Promenadeplatz, aber auch – trotz der Vorbehalte, die man natürlich gegen die Systemgastronomie haben kann – die L’Osteria im Lenbachhaus (unser Foto).

5. Hier wohnt der schönste Mann der Welt

Er war einer der ersten, denen ich in München begegnet bin. Und seit vielen Jahren besuche ich ihn immer wieder. Weil er einer der schönsten Männer ist, die ich je getroffen habe: der Barberinische Faun in der Glyptothek. Dass er schon 2200 Jahre alt ist, mag man kaum glauben. Die damals stark zerstörte Skulptur wurde im 17. Jahrhundert in der Engelsburg in Rom gefunden und von Bernini restauriert, der sie anschließend in seinem Palast ausstellte. 1810 kaufte sie der bayerische König und ließ sie in die Glyptothek schaffen. Dort räkelt sie sich seitdem, halb sitzend, halb liegend, auf einem harten Stein. Und jeder Besucher ist sprachlos über die unglaubliche Freizügigkeit, mit der er sich da präsentiert.

6. Stadt für Cineasten

München ist eine Filmstadt, klar. Deutscher Filmball im Bayerischen Hof, die Bavaria Filmstadt am Geiselgasteig. Aber dadurch ist München auch eine Kinostadt: 30 Lichtspielhäuser gibt es hier – was den Vorteil hat, dass hier so ziemlich alles läuft, was aktuell zu sehen ist. Französische Kunstfilme im Original? Kein Problem, die kommen im Theatiner. Amerikanische Blockbuster gleich in der Startwoche und im Original? Im Cinema. Arthaus? Monopol, Neues Rottmann, Isabella. Kleinere britische Filme als OV? Laufen vermutlich in den Museumslichtspielen. Deutsche Filme auf einer tollen Leinwand? Im Arri. Und wenn es mal wieder Mainstream sein soll, gehe ich am liebsten ins Filmtheater Sendlinger Tor (unser Foto), das nach erfolgter Restaurierung richtig viel Atmosphäre hat.

7. High Tea im Vier Jahreszeiten

Dass ich die stilvollen Münchner 5-Sterne-Hotels liebe, hat sich ja vielleicht inzwischen herumgesprochen. Trotzdem habe ich neulich doch noch etwas Neues entdeckt: die Möglichkeit, mich in der Lobby des Vier Jahreszeiten an der Maximilianstraße zu einem typisch englischen Afternoon Tea verabreden zu können. Er wird hier täglich von 15 Uhr bis 18 Uhr für 39 Euro pro Person angeboten. Ich konnte unter 30 verschiedenen Teesorten wählen und dazu Scones mit Clotted Cream und Marmelade, entzückende Mini-Sandwiches und kunstvolle Petit Fours naschen. Man muss es ja nicht übertreiben, aber ein-, zweimal im Jahr, zu ganz besonderen Anlässen, macht so ein Nachmittagsausflug richtig viel Spaß.

8. Die Radlhauptstadt
Ich liebe mein Radl. Lebt man, wie ich, in der Innenstadt, bringt es nur Vorteile: Ich bin unschlagbar schnell, es ist kostengünstig und gesund – und schont die Umwelt. Das hat seit ein paar Jahren auch die Stadt erkannt und will uns Münchner bewusst zu einer stärkeren Nutzung des Fahrrads ermutigen. Dafür wurde das Wegenetz weiter ausgebaut, und man trieb zahlreiche Infrastrukturprojekte im Fahrradbereich voran. Wofür man richtig viel Geld in die Hand nahm: Über 33 Millionen Euro wurden seit 1992 für Radverkehrsmaßnahmen investiert. Was mich persönlich sehr freut, denn ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in den achtziger Jahren als Radler hier oft belustigt betrachtet wurde.

9. Stadt der Gegensätze

Asamkirche und BMW-Welt (siehe Fotos), Laptop und Lederhose, Großstadt und Millionendorf, Stammtischbrüder und Schriftsteller, Vorstadt-Grantler und Vorstandsvorsitzende: München verbindet Gegensätze. Aber vor allem wird hier die Verknüpfung von Technik und Tradition groß geschrieben – und genau das mag ich an meiner Stadt: Die Vergangenheit schätzen und bewahren wollen, aber gleichzeitig aufgeschlossen sein für die Neuerungen des 21. Jahrhunderts.

10. Das Kunstareal

Das Museumsviertel in der Maxvorstadt ist ein historisch gewachsener Kunst- und Bildungsstandort von Weltgeltung: Alte Pinakothek, Neue Pinakothek, Pinakothek der Moderne, Museum Brandhorst, Glyptothek, die Staatlichen Antikensammlungen, die Ägyptische Staatssammlung und das Lenbachhaus (unser Foto) bieten mit ihrer Fülle an Ausstellungen und Objekten mehr für Auge und Gehirn, als man überhaupt verarbeiten kann. Und wer sich die Füße wundgelaufen und -gestanden hat, kann sich – im Sommer – rund um die Pinakotheken einfach mal eine Stunde ins Gras legen. Oder – ganzjährig – in einem der zahllosen kleinen Cafés das Gesehene nachwirken lassen.

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