Der Luitpoldpark: warum er mein Lieblingspark ist

Rainer Langhans und ich, wir kennen uns nicht persönlich. Wir haben noch nie ein Wort miteinander gesprochen. Aber der Ex-Dschungelcamper und ich haben einiges gemeinsam. Wir wohnen beide in Schwabing, fahren beide gerne mit dem Rad durch unser Viertel, und wenn das Wetter schön ist, sind wir zwei oft im Luitpoldpark. Manchmal sitzt er mit einer, zwei oder drei seiner Freundinnen auf einer Nachbarbank in der Sonne und sie sprechen über das Loslassen-Können, das An-Sich-Selber-Arbeiten und das Sich-Selber-Finden. So eine Begegnung mit ihm und seinen Frauen ist immer ein bisschen skurril, andererseits finde ich es aber auch ganz liebenswert, dass sich die legendäre Schwabinger Bohème trotz Gentrifizierung nicht vertreiben lässt. Und manchmal denke ich: Wenn ich mal 70 bin, will ich mit meinen Freunden auch so gelassen und entspannt dort in der Sonne sitzen: urban und trotzdem im Grünen, mitten in Schwabing und trotzdem auf einer kleinen, ruhigen Insel.

Oase in Schwabing: der Luitpoldpark. Foto: Michael Nagy, Presse- und Informationsamt

Oase in Schwabing: der Luitpoldpark. Foto: Michael Nagy, Presse- und Informationsamt

Mit dem beginnenden Frühling erfreut sich der Luitpoldpark jetzt wieder zunehmender Beliebtheit: Meine Nachbarn führen ihre Hunde aus, sie gehen nach Feierabend ein paar Runden joggen, und die ersten Teenager spielen bereits wieder Fußball auf dem Rasen. Und auch Rainer Langhans und ich, wir waren nach diesem langen dunklen Winter schon wieder zum Flanieren dort.

Angelegt wurde der Park vor exakt 103 Jahren im englischen Stil. Damals wuchs München von der Maxvorstadt aus rasant in Richtung Norden, so dass für all die neuen Bewohner auch eine neue Erholungszone hermusste. Seine Eröffnung feierten die Schwabinger am 11. März 1911, dem 90. Geburtstag des Namensgebers – Prinzregent Luitpold – mit 90 neu gepflanzten Linden.

Am schönsten finde ich es, an einem sonnigen Spätnachmittag auf den immerhin 37 Meter hohen Luitpoldhügel an der Ostseite des Parks hinauf zu spazieren, sich oben eine halbe Stunde hinzusetzen und nach Süden zu schauen – zu den Bayerischen Alpen, die im Schein der untergehenden Sonne glitzern. Ein Postkartenpanorama mit extrem hohem Kitsch-Potenzial. Naturgewachsen ist dieser Hügel übrigens nicht, das ist der nicht so schöne Teil der Parkgeschichte: Er entstand 1948 als Schuttberg aus den Steinen der kriegszerstörten Schwabinger Häuser; und auf seinem Gipfel befindet sich ein Gedenkkreuz für die Opfer der Bombenangriffe.

Wenn ich dann nach dem Abstieg noch Lust auf einen Tee oder Kaffee habe – eine Caféterrasse mit Liegestühlen ist nicht weit. Das „Bamberger Haus“ wurde bei der Gründung des Parks als Restauration gleich mit erbaut. Teile seiner Fassade stammen von einem barocken Wohnhaus aus Bamberg, daher der Name. Rainer Langhans habe ich dort übrigens noch nie getroffen. Nach allem, was man so über ihn weiß, nehme ich aber mal an, dass ihn, den Vegetarier und Asketen, deren 7-Gänge-Grillspezialitäten auch nicht wirklich locken.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mein grünes Wohnzimmer
    wieso findest Du die Gespräche skurril ?
    Du bist wohl noch nicht so lange in Schwabing oder ? oder noch zu jung
    Wir leben hier !! da ist der Gedanke an „Vertreibung“ doch absurd oder?

  2. @ Hans-Christoph: Danke für deinen Kommentar! Aber ich vermute, du hast da einfach etwas missverstanden: Ich finde doch nicht die Gespräche skurril, das habe ich nicht geschrieben. Ich finde die Begegnung als solche (!) skurril. Weil Langhans für mich eine Figur aus einer Zeit ist, die ich persönlich nicht miterlebt habe. Also quasi eine Figur aus meinem Schul-Geschichtsbuch. Genauso fände ich eine Begegnung mit Uschi Obermeier skurril.

    Uns wieso findest du es absurd, sich zu freuen, dass es Menschen gibt, die sich trotz Gentrifizierung nicht aus Schwabing vertreiben lassen? Es ist doch traurige Realität, dass sich immer mehr Normalverdiener die Schwabinger Mieten nicht mehr leisten können bzw. ausziehen, weil ihre Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Da ist es doch schön, zu sehen, dass das „alte Schwabing“ weiterhin existiert.

  3. das ist schon richtig dass es schön ist , dass das “ alte“ Schwabing weiter existiert. Was ist alt ? 1972 ? 1920 ? egal Schwabing war schon immer dynamisch und gewissermaßen unkonventionell. Ich geb Dir recht, dass Wohnr.aum zu teuer geworden ist. Die Frage ist was sind das für Leute, die sich die Mieten leisten können . Spießer oder Kreative Freigeister, die genügend Kohle haben ? oder einfach ein guter Querschnitt unsrer hoffentlich noch coolen und nicht total “ getrieben“ Gesellschaft.? OK find ich auch gut , dass Typen wie Langhans für jeden öffentlich sind. Ich habe mir auch schon öfter gedacht Ihn mal anzusprechen, fand ich aber dann auch irgendwie blöd. Das würde mich jedenfalls nerven, wenn mich alle möglichen Leute anquatschen. Jedenfalls toll dass Langhans präsent ist der mich an meine Jugendzeit heute ganz positiv erinnert , ein super feeling. Übrigens wenn Du etwas genauer hinsiehst :findest Du in Schwabing glücklicherweise viele Typen die noch nicht “ auswandern“ mussten.

  4. Ja, Schwabing war immer schon dynamisch und unkonventionell. Und ich persönlich hoffe sehr und würde mich freuen, wenn das auch in Zukunft so bleiben wird – und wenn, wie du schreibst, einfach ein guter Querschnitt durch die Münchner Bevölkerung hier weiterhin wohnen bleiben kann. Und ich finde, dass man an einem sonnigen Nachmittag eben diese gute Mischung aller Schichten und Altersklassen gerade im Luitpoldpark sehr schön sehen kann. Und deshalb mag ich ihn ja auch so sehr!

  5. Was man noch so alles über München lernen kann…. Ich lese uns staune. Schön zu lesen und anziehende Bilder.
    Dann werde ich wohl beim nächsten mal den englischen Garten durch den Luitpoldpark ersetzten. Wie sieht es dort aus mit einer Gelegenheit ein kühles Weißbier zu trinken?

  6. Das La villa is wirklich gut! schöner biergarten! dabei – kann ich nur empfehlen bin da auch oft.
    überhaupt Luitpoldpark > E-Garten.

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