Alles Grau in Grau? Trotzdem ein perfekter Sonntag in München!

Ein sonniger Tag in München ist ein Traum – keine Frage. Ein Tag an dem der Hochnebel ganz tief über den Frauentürmen hängt aber erst recht! Und wenn so ein grauer Tag auch noch auf einen Sonntag fällt, dann freue ich mich. Denn dann muss ich nicht raus aus der Stadt, um das schöne Wetter beim Skifahren oder Spazierengehen mit allen anderen Münchnern „auszunutzen“. Dann bleibe ich guten Gewissens hier und plane meinen ganz persönlichen, perfekten-grauen-Winter-Sonntag.

Tea bei Victoria

@ Dagmar Fritz

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“, sagen die Engländer. Und so ziehe ich mich warm an und mache mich mit der Trambahn auf den Weg nach England. Zehn Minuten später öffne ich in der Frauenstraße 14 die Tür des „Victorian House“ und ich stehe in einem gediegenen, englischen Wohnzimmer mit schweren geblümten Vorhängen, in den Wänden eingelassenen Bücherregalen, Möbeln aus dunklem Holz und Gobelinkissen auf der Sitzbank. Bei einem Kännchen Earl Grey (wird mit einem silbernen Teesieb serviert) und einem „Mayfair“-Frühstück (lauwarme Scones mit Lemon Curd, Erdbeermarmelade und Clotted Cream – delicious!) ist mir das trüber Wetter draußen ganz egal.

Frische Weißwürste mit Witz

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Jedoch an Tagen, an denen die Wolken nicht ganz so tief hängen, gehe ich zum Frühstücken  auch gerne ein Stückchen weiter zum Isartor. Dort oben im Turmstüberl des „Karl Valentin Musäums“  kann man seinen Sonntagmorgen ab 10.01 Uhr bei einem kräftigen Weißwurstfrühstück  mit Brezen bayerisch-köstlich beginnen. Und einen schönen Überblick über das Tal und den Isartorplatz bekommt man noch dazu serviert. Bevor man im Turmstüberl Platz nimmt, hat man auch schon sein erstes Kulturprogramm hinter sich gebracht: Das „Musäum“ an sich. Ein Sammelsurium an Kuriositäten und Absurditäten wie den pelzbesetzten Winterzahnstocher und ein Zeugnis des unvergleichlichen Humors Karl Valentins und seiner kongenialen Partnerin Liesl Karlstadt.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

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pompeji Danach zieht es mich in wärmere Gefilde: Italien zum Bespiel. Nach einem kleinen Spaziergang durchs Tal und über den Marienplatz besuche ich in der Theatinerstraße die Ausstallung „Pompeji“ die bis zum 23. März in der Hypokunsthalle zu sehen ist.  Ohne dem gewaltigen Ausbruch des Vesuv vor fast 2000 Jahren, der binnen 48 Stunden zwei komplette Städte, viele Menschen, Tiere, Kunst- und Gebrauchsgegenstände unter seiner heißen Asche begrub, würde es dieses Zeugnisse einer wohlhabenden und hochentwickelten Gesellschaft vom Fuße des Vulkans so nicht mehr geben. Jahrhunderte lang wurden Alltagsgegenstände aber auch Kunstwerke wie Skulpturen, Mosaike, Wandmalereien unter einer bis zu 20 Meter dicken Ascheschicht konserviert und so der Nachwelt erhalten.

Bei trüben minus fünf Grad Außentemperatur gilt heute für mich: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung! Seit dem das Museum Altägyptischer Kunst im letzten Sommer in seine neuen Räumlichkeiten im Kunstareal an der Gabelsberger Straße gezogen ist, ist es auch in das Bewusstsein der Münchner stärker vorgedrungen. Ich muss zugeben, diesmal geht es mir nicht nur um Pharaonen, Hieroglyphen und Sarkophage, sondern um den spektakulären Neubau, den ich endlich auch von innen sehen will und der mich bei aller Modernität an einen antiken Tempel oder Palast denken lässt.

Nostalgisch oder orientalisch schwitzen?

Nach soviel Kultur ist mir jetzt nach innerer und äußerer Wärme. Zwei Möglichkeiten gehen mir da durch den Kopf: Zum einen wie vor über hundert Jahren nostalgisch schwitzen im Müller´schen Volksbad. Wenn man Glück hat, erlebt man auch einen „Sauna-Event“ mit, wie etwa eine „Mitternachts-Früchte-Sauna“ mit anschließendem „Aqua-Floating“.

mullerschesvolksbadJa, auch im Traditionsbad geht man mit der Zeit. Aber auch ohne Zusatzprogramm ist für mich saunieren in den ehrwürdigen Hallen dieses wunderschönen Bades ein Erlebnis. Nach den unterschiedlich heißen Schwitzräumen und einer kühlen Abfrischung unter der „Eisernen Jungfrau“ – einer antiken Kaltwasserdusche – gibt es nichts schöneres, als sich im kreisrunden Becken im 34 Grad warmen Wasser treiben zu lassen – oder auch zu „floaten“ wie man heute sagt.

Heute entscheide ich mich aber für den kürzeren Weg und damit für das orientalische Badehaus. Nach ein paar Minuten mit der Tram steige ich am Sendlinger Tor Platz aus. Von dort sind es nur weinige hundert Meter zu Fuß ins Hamam in der Mathildenstraße. Am besten ist es, man reserviert zuvor, da die Plätze und Massagen im Badehaus aus tausendundeiner Nacht begrenzt sind.

hamamEingewickelt in ein übergroßes Geschirrhandtuch, liege ich auf heißem Marmor und schwitze entspannt bei ca. 60 Grad vor mich hin. Nach einiger Zeit holt mich ein Bademeister zur Seifenmassage ab.

Als hätte ich mich den ganzen Winter über nicht gewaschen, werde ich von oben bis unten gründlich eingeseift. Meine Kinder rufen zuhause bei einer ähnlichen Prozedur immer „Nicht die Haare waschen!“ Hier habe ich keine Chance – die Haare und überhaupt mein ganzer Körper wird mit Olivenseife eingeschäumt. Danach rubbelt der Masseur mich kräftig ab und meine Haut beginnt sich tatsächlich zu schälen. Jetzt noch mal kräftig mit warmen Wasser übergießen – fertig ist das Waschprogramm für große. In wohliger Wärme entspanne ich mich bei einem Glas Pfefferminztee.

Das Resultat des Ganzkörperwaschprogramms überzeugt mich: Tiefenentspannt und mit babyweicher Haut verlasse ich nach gut zwei Stunden die orientalische Dampfoase.

Aufgewärmt und hungrig

Wohlig aufgewärmt und ganz schön hungrig muss ich für meine letzte Station nur noch entscheiden, ob ich zehn Meter nach links oder 10 Meter nach rechts gehe: Jeweils um die Ecke liegen zwei sehr nette aber auch sehr unterschiedliche Lokale. Links das Max Pett ein veganes Restaurant bei dem man nach Herzenslust fleischlos und fern von sonstigen tierischen Eiweiß schlemmen kann und den Verzicht auf der Zunge garantiert nicht spürt.

collage-lavecchiamaseriaOder aber einfach nach rechts gehen und sich an einen urigen Tisch im „La Vecchia Maseria“ setzten. Der Münchner Traditions-Italiener ist nicht nur sehr rustikal und gemütlich, die Kellner sind auch sehr charmant, der Rotwein schmeckt und die Nudeln sind hausgemacht und einfach lecker. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden und das ist das schwierigste an diesem schönsten alle grauen Winter-Sonntage.

Hier sind weitere Tipps, wie Sie den Winter in der Stadt äußerst angenehm verbringen können oder noch mehr Restauranttipps!

Dagmar Fritz

@Wandmalerei – Hypokunsthalle, alle anderen Bilder von Dagmar Fritz

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