Maxvorstadt – auf den Spuren der Bohème

Eigentlich ist ja Schwabing-West meine Heimat, genauer gesagt die Gegend zwischen Luitpoldpark und Bonner Platz. Auch wenn ich in diesem vermeintlichen gastronomischen Niemandsland im Laufe der Jahre einige Juwelen gefunden habe – dem köstlichen, selbstgebackenen Kuchen im Café Nona‘s in der Herzogstraße kann ich nur selten widerstehen und das Dhaba an der Belgradstraße ist mein absoluter Favorit unter den indischen Lokalen – zieht es mich doch immer wieder in die Maxvorstadt.

Vielleicht aus alter Tradition. Als frischgebackene Neumünchnerin und gerade erst dem Studentenalter entwachsen, stand für mich damals an den Wochenenden fest: Auf ins Univiertel! Mein erster Geburtstag in München wurde mit Cocktails im Sausalitos gefeiert, zum Schnitzelessen ging es in den Alten Simpl, zum Sonntagsfrühstück ins CADU, ins Café Puck oder ins Trejsnewski. Später verlagerten sich die Samstagsabende eher ins legendäre Eat the Rich in der Heßstraße, wo man zwischen Leoplüsch, freizügigen Gartenzwergen und Lavalampen Cocktails aus 0,5-Liter-Gläsern trank und immer wieder die üblichen Verdächtigen traf.

Vielleicht lockt mich aber auch der Ruf, dem schon die Schwabinger Bohème gefolgt ist. Denn die Stammkneipen von Ringelnatz, Wedekind & Co, wie der legendäre „Simpl“ von Kathi Kobus in der Türkenstraße, lagen de facto nicht in Schwabing, sondern in der Maxvorstadt.

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Ins Tresjnewski gehe ich heute hin und wieder immer noch. Ich mag irgendwie die Einrichtung mit der dunklen Holzvertäfelung und an den kleinen Tischen gegenüber der Bar kann man auch wunderbar alleine einen Nachmittag mit Cappucchino, Schokoladenkuchen und einer Klatschzeitung vom Lesezirkel verbringen. Oder draußen in der Sonne mit Blick auf die Pinakothek der Moderne einen Tresjnewski-Burger verspeisen. Ansonsten haben sich meine Ausgehgewohnheiten seit meiner „Sturm- und Drangzeit“ doch etwas verändert. Im Eat the Rich war ich schon ewig nicht mehr.

Eines meiner Lieblingslokale ist das Café Altschwabing. Nichts hippes, nichts Besonderes, aber definitiv mit Flair. Und mit Geschichte. Die Stuckdecke überlebte glücklicherweise den Krieg und zeugt von der alten Pracht des Gebäudes, das schon seit 1887 ein Kaffeehaus beheimatet. In dem Lokal, das heute von einer türkischen Familie betrieben wird, schlürften einst Thomas Mann, Joachim Ringelnatz, Paul Klee und Lenin, letzterer inkognito, ihren Kaffee oder Tee und tauschten sich über Kunst, Kultur und wahrscheinlich auch Politik aus. Ich komme am liebsten für ein ausgiebiges Frühstück hierher, ein „Yasar Kemal“ zum Beispiel, mit Rührei, kräftigem türkischen Rinderschinken und dazu noch ein Joghurt mit frischen Früchten, sehr lecker. Die beiden netten Kellner wissen auch mittlerweile schon, dass ich meine Latte Macchiatto extra heiß mag.

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Auch wenn ich kein großer Fan von Restaurantketten bin: Brown’s Tea Bar in der Amalienstraße – das schnuckelige kleine Teehaus mit der typisch englischen Einrichtung mit alten Ohrensesseln und Ölgemädeln an der Wand gehört zur Victorian House-Kette – macht da eine Ausnahme. Ich liebe es, im Winter, wenn es draußen grisselt, auf dem Sofa vor dem großen Fenster zu sitzen und einen Cream Tea zu genießen. Seit ich während des Studiums ein Jahr in England verbracht habe, brauche ich regelmäßig eine Portion Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade, und die sind hier phantastisch. Genauso wie der Schokolade-Rote-Beete-Kuchen – klingt etwas abgefahren – oder der Banoffee Pie.

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Eine meiner neuesten Entdeckungen – obwohl es das Lokal jetzt schon eine Weile gibt – ist der Gartensalon in der Amalien-Passage. Im begrünten Innenhof auf einer der bunten Bänke zu hocken und sich die Sonne auf die Nase scheinen zu lassen macht mindestens ebenso viel Spaß wie in dem Ladenlokal zu sitzen. Hier kann man sich nicht nur durch die köstlichen Kuchen, Quiches, Suppen und Salate durchprobieren, sondern auch kleine Kuriositäten und Kunstwerke kaufen. Essen und Getränke bestellt man direkt vorne an der Bar und hat dabei immer Gelegenheit, einen kleinen Schwatz mit den netten Bedienungen zu halten.

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Ich gebe zu, ich esse gerne und kann an einem Stück Kuchen schlecht vorbei gehen. Ich komme aber nicht nur zum Schlemmen in die Maxvorstadt. Um die vielen süßen Kalorien wieder abzutrainieren, habe ich mir erst gerade wieder eine Zehnerkarte im Tanzprojekt gekauft. Hier fühle ich mich wie bei STEPS, dem berühmten Tanzstudio in New York, hoch oben am Broadway, wo die angehenden Musical-Tänzer trainieren und wo ich während eines Praktikums im selben Haus immer meinen Caffé Latte getrunken habe, wenn unsere Kaffeemaschine wieder mal streikte. Im Tanzprojekt trainieren Profitänzer und auch mehr oder weniger talentierte Hobbytänzer wie ich, schwitzen bei den Aufwärmsequenzen, die so anstrengend sind wie ein Zirkeltraining, und tanzen sich dann bei Gastlehrern aus L.A. oder New York zu Jazz, Hip Hop, Funk und brasilianischen Rhythmen die Seele aus dem Leib. Hier kann man alles lernen – Ballett, Modern Dance Contemporary Dance, Street Jazz, Afro Brazil. Seit neuestem gibt es auch Yoga Dance, das habe ich allerdings noch nicht ausprobiert.

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Zum Yoga gehe ich nämlich immer ins Jivamukti Schwabing in die Schellingstraße, meine zweite feste Anlaufstelle in der Maxvorstadt, wenn es mal nicht ums Essen geht. Seit ich vor einigen Jahren den von Patrick Broome nach München gebrachten Yogastil für mich entdeckt habe, rolle ich meine Yogamatte regelmäßig in dem kleinen, familiären Studio aus, wo man je nach Geschmack des Yogalehrers zu AC/DC oder zu indisch angehauchter Musik von Krishna Das den nach unten und oben schauenden Hund, die Krähe oder den Kopfstand übt. Ich komme auch gerne zu Kirtan-Konzerten her und bleibe gerne sonntags nach der schweißtreibenden Open-Stunde von Patrick zur Meditation da.

Ich mag die Maxvorstadt und für mich werden die Grenzen zu Schwabing immer fließend sein, auch wenn das eingefleischte Maxvorstädter nicht gerne hören. Ich hoffe, ich darf trotzdem weiterhin in Euer Viertel kommen, vielleicht treffen wir uns ja mal auf der Yogamatte oder beim Kaffee in einem meiner Lieblingscafés!

P.S. Wenn ihr mich nicht in der Maxvorstadt trefft, kann es sein, dass ich gerade auf Reisen bin, das ist nämlich mein zweitliebstes Hobby nach Kuchenessen und Yoga. Schaut doch einfach mal auf meinem Blog „traveling the world“ vorbei.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Habe 30 Jahre da gelebt, erst Occamstrasse, dann Adalbertstrasse..das Lokal „Gartensalon“ war zu meiner Zeit das „Rosario“ ein lieber Freund R.I.P…suuper Zeiten erlebt! Danke für den Artikel<3

  2. Solche Tipps sind Gold wert. Wenn man in einer fremden Stadt zu Besuch ist, weiß man oft nicht, welches Cafe wirklich empfehlenswert ist. Daher vielen Dank für den Artikel und die Empfehlungen.

    • das freut mich! natürlich hat die maxvorstadt noch viel mehr zu bieten, das ist meine kleine, persönliche auswahl! zu empfehlen in uninähe sind auch noch das vorstadtcafé und das limoni oder – dann im sommer wieder – die ballabeni-eisdiele in der theresienstraße!

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