Liebeserklärungen an München

Jeden Tag um 14 Uhr 15 gehe ich mit meinen Kindern, die ich gerade aus der Kita abgeholt habe, die Maillingerstraße in Neuhausen entlang Richtung U-Bahn. Und jeden Tag kommen wir am Blütenhimmel vorbei, an dessen Tür jeden Tag ein Schild hängt, auf dem zu lesen ist, dass die Inhaber von 14 bis 15 Uhr beim Mittagessen sind. Jeden Tag finde ich es ein bisschen schade, dass ich in diesem schönen Blumenladen nichts kaufen kann und jeden Tag wundere ich mich, warum all die zauberhaften Sträuße, Arrangements und Dekoelemente einfach so vor dem Laden auf der Straße stehen, wo sie jeder mitnehmen könnte, der Böses im Schilde führt.

Ich bin schon mal stehen geblieben, natürlich nicht, um etwas zu klauen, sondern um nachzusehen, ob die Sachen irgendwie gesichert oder angebunden sind. Zum Beispiel mit dünnen Drahtseilen wie die Stühle und Tische vor vielen Cafés. Ehrlich, bei den schönen Adventskränzen, die dort einfach so draußen stehen, würde ich ein Drahtseil verstehen, wogegen es mir bei schwerem Mobiliar nicht so ganz in den Sinn will. Das fällt doch auf, wenn man mit einem Caféstuhl (oder zweien, denn wer braucht schon einen einzelnen Stuhl?) in der Hand eine Straße entlang läuft.

Dieses Vertrauen in das Gute im Menschen, das ich täglich vor dem Blütenhimmel beobachten kann, liebe ich an meiner Stadt. Klar, auch hier wird geklaut und geraubt, betrogen und sogar gemordet, und trotzdem gibt es Menschen, die Vertrauen haben. (Vielleicht haben die Blumensträuße aber auch unsichtbare High-Tech-Sicherungen und versprühen knallroten, nach faulen Eiern stinkenden Lack, wenn man sich mit ihnen mehr als fünf Meter von der Auslage des Ladens entfernt. Das muss ich noch mal recherchieren.)

Was ich auch liebe: Die Freundlichkeit der Münchner. Sie ist häufig nicht offensichtlich, und oft muss man ziemlich am Grant kratzen, bevor sie sich zeigt. Dafür ist sie dann umso herzlicher und echter. Wie beim U-Bahn-Fahrer, der das etwas festere Mädchen von der Treppe zur ersten Tür des Zugs eilen sieht und wartet, bis sie es geschafft hat, bevor er die Türen schließt und ein charmantes „Siagst as, host di do no neibazn kenna!“ durch die Lautsprecher hinterherschickt.

Oder der Pächter des Supermarktes, in dem ich oft einkaufe, ein junger Italiener. Einmal passierte es mir, dass mir an der Kasse – nachdem die Kassiererin alles eingescannt hatte – auffiel, dass ich meine Geldbörse zu Hause vergessen hatte. Tiefrot angelaufen, bot ich an, alle Sachen wieder aufzuräumen. Der Pächter kam hinzu und machte mir einen Gegenvorschlag: Ich sollte alles mitnehmen und am nächsten Tag wiederkommen und bezahlen. Ich lehnte das Angebot dankend ab, weil es mir peinlich war. Meine Tochter fing bitterlich an zu weinen, weil ich ihr Eis wieder in die Tiefkühltruhe gelegt hatte. Der junge Italiener erkundigte sich nach dem Grund für die Kleinkindtränen, und als er ihn erfuhr, nahm er meine Tochter mit zur Eistruhe und überredete sie zu einem riesigen Magnum.

Ich liebe München also wegen seiner Menschen. Auch wegen der skurrilen Typen wie der Frau in Weiß oder dem alten Mann, der seit zwanzig Jahren denkt, er sei in London. Dazu beim nächsten Mal mehr und bis dahin – viel Freude an unserer liebenswerten Stadt!

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