Laim – meine alte Heimat

20131116-170907.jpgKopfsteinpflaster! Daran denke ich als Erstes, wenn ich zu Laim gefragt werde. Da überkommen mich die Gefühle an die „Alte Heimat“ mit der 57er Rufnummer: Ein Name der in Laim übrigens Programm ist, denn so heißt die Nachkriegssiedlung in deren unmittelbarer Nähe ich aufgewachsen bin. Nicht nur an diesem Namen, sondern auch an den Altbauten im Viertel kann man die Spuren des Kriegs erkennen. Die Kellergewölbe unseres Wohnblocks haben an einigen Stellen ganz deutliche Spuren der Fliegerbomben hinterlassen. Einmal sah ich ein Bild, das unseren Wohnblock zeigte, und die Hälfte davon war ein Trümmerhaufen. Davon haben jedoch schon meine Eltern nichts mehr mitbekommen als sich die beiden Münchner Kindl in Laim niedergelassen haben, um mit mir als Erstes von drei Kindern den Familiengrundstein zu legen.

Ein geschlossener Wohnblock, der mir in frühen Jahren die Freiheit gab mich darin eigenständig bewegen zu können. Mit Schlüssel um den Hals und einer Uhr, deren Zeiger oben und unten stehend bedeutenden, dass ich zum Abendessen daheim sein musste. Es war eine starke Gemeinschaft, die den Rahmen hielt. Da passten jede Eltern auf alle Kinder auf, es wurde gemeinsam Geburtstag gefeiert und es fanden Hoffeste statt, die jedes Alter begeisterten. Es wurde gegrillt, Fassbier ausgeschenkt und Kunststücke aufgeführt: Akrobatik, Tanz und Gesang — alles war dabei. Erst mit dem Schuleintritt wurde die Umgebung erkundet. Zuerst der Schreibwarenladen auf der anderen Straßenseite. Hauptzweck: die Beschaffung von Schulmaterial. Dort war man bereits informiert was die Lehrer in diesem Schuljahr für Bedarf an linierten und karierten Heften hatten und welche Einbandfarben gewünscht waren. Klasse und Lehrer genügten vorzutragen für das benötigte Jahrgangspaket. Taschengeld war an allen anderen Tagen auf einmal wichtig für: Rote Schnüre, Magic Gum und Panini Klebebilder.

Mit der Trambahn ging es von der Haltestelle Lautensackstrasse Sommer wie Winter Richtung Pasing. Entweder ins Westbad zum Schwimmen oder zum Schlittschuhlaufen. Auf alle Fälle immer mit der ganzen Clique gemeinsam. Der nahe gelege Westpark – bekannt als IGA und angelegt durch eben diese Internationale Gartenausstellung 1983 – wurde eher mit dem Fahrrad erkundet. Abenteuerspielplätze und „Schifferlsee“, wo die Modellbauer Ihre Boote zu Wasser ließen. Über die Friedenheimer Brücke mit dem Skateboard in den Hirschgarten zum Skatepark in die Halfpipe oder nur zum Posieren vor den Mädels, denn ich für meinen Teil war eher ein Aspahltknutscher als ein Skater. Mit der Kommunion in Zwölf Apostel konnte ich ein Freundschaft knüpfen, die mich bis heute begleitet. Durch Dick und Dünn hat sie gehalten und auch heute noch übersteht sie eine große Distanz ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Mein bester Freund von damals ist heute nicht nur Trauzeuge, sondern auch Taufpate und damit vollwertiges Familienmitglied. Überhaupt: Freundschaften fürs Leben. Das ist etwas was ich ganz stark mit Laim verbinde.

Seit beinahe zwei Jahrzehnten bin ich mit dem Inhaber einer Pizzeria befreundet und besuche ihn noch heute monatlich mit meiner Familie. Schon meine ersten Mitnahmepizzen habe ich dort abgeholt und ihn später ins Standesamt begleitet. Als 80er fahren möglich war, fuhren wir seine Pizza in die nahegelegen Hansastrasse zum Club. Eine aufregende Gegend für pubertierende Männer. Nicht mal halb so verrucht, wie wir uns es damals ausgemalt hatten. Großes Kino gab es im Rex; dorthin entführte man die Liebste und die Eltern ließen einen ziehen, denn das Rex wurde oft schon früher mal für einen Kindergeburtstag gebucht und war damit bekanntes Terrain. Mit dem Auto wurden die Kreise weitläufiger. Die Freunde und Freundinnen kamen aus anderen Stadtteilen und die Verbundenheit mit Laim nahm ab. Was blieb, waren die lebenslangen Freundschaften und das Heimatgefühl beim Betreten des Stadtteils.

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