Kulturstadt mit Herz – meine Bühnenstadt München

Max2
„Du, gehen wir mal wieder ins Theater? Oder in die Oper?“
Immer gern, kann ich da nur antworten. Denn als Schauspieler ist es mehr Freude als Pflicht bei den Kollegen vorbeizuschauen. Nachdem ich seit längerer Zeit in München nicht nur an verschiedenen Orten spiele, sondern auch über das kulturelle Leben berichte, tingle ich mittlerweile durch die großen und kleinen Theater der Stadt. Dabei fällt mir auf, wie vielseitig die Münchner Kulturlandschaft doch ist. Als Opernfreund bin ich besonders oft in der Innenstadt am Nationaltheater. Neben dem Klassiktempel liegt dann praktischerweise ja gleich das Staatsschauspiel. Mein Epizentrum der Bühnen Münchens, könnte ich sagen. Auch, weil das Café samt Aussichtssofas im ersten Stock des Resi gern zum Verweilen einlädt.

Von der Bar schaue ich über den Platz bis zur Frauenkirche hinüber, vielleicht einer der schönste Blicke über München. Den genießt auch öfters Kabarettschwergewicht Otti Fischer, hab ich mir von der Chefin sagen lassen. Werfe ich einen Blick hinaus, wendet mir ein anderes Schwergewicht – die Max-Joseph-Statue auf ihrem Sockel sitzend – seinen Rücken zu. Ganz entspannt ruht er da auf seinem Thron. Aber warum dreht er sich von den beiden Bühnen ab? Schläft er etwa gleich ein? Langweilt er sich? Will er mit den modernen Inszenierungen nichts mehr zu tun haben? Ich glaube, er lauscht entspannt, was da hinter seinem Rücken erklingt, während er huldvoll seinem Volk auf der Residenzstrasse zuwinkt, das zur Oper und ins Staatsschauspiel hinpilgert. Und wie die pilgern.

Die Damen haben grundsätzlich Probleme, sich mit ihren Absätzen einen Weg durch das Minenfeld der ungleichen Steine zu bahnen. Sie stöckeln und schwanken, knicken und kippen. Da muss der Herr halt seinen Arm reichen. Außerdem frieren sie in diesen Tagen sehr wegen den Abendkleidchen mit nur ein bisschen Stola. Tja, wer schön zur Oper will muss eben auch leiden. Rentiert sich ja auch bei unserer Vorzeigemusikbühne. Es freut mich ja schon ein bisserl, dass unsere feschen Klassikstars wie der Münchner Bua Jonas Kaufmann oder Anna Netrebko regelmäßig lieber bei uns singen, als in Wien oder Paris. Außerdem, wie mir ein langjähriger Besucher kürzlich auf der Opern-Toilette erzählte, habe die Münchner Oper auch das beste Leitungswasser der Welt. Die Mangfallquellen helfen also mit, dass der Klang am Max-Joseph-Platz über Bayerns Grenzen hinaus ertönt. Da nehme auch ich einen großen Schluck aus dem Waschbecken und proste am Max Joseph draußen zu, wenn er mich auch gerade nicht sieht.   Andreas M. Bräu   Der Autor ist Schauspieler, Moderator und freischaffender Autor. Er lebt und arbeitet in München. Regelmäßig beschreibt er das Münchner Kulturleben, neuerdings auch in seiner Schauspielkolumne „Ansichten eines Akteurs“ und „Auf der Galerie“ bei den Nachtgedanken.
http://www.nacht-gedanken.de/ansichten-eines-akteurs/      

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