Der Münchner Kulturherbst kommt – und mit ihm die Lange Nacht der Museen

Das Oktoberfest ist vorüber. Zeit sich ein bisschen zu erholen. Und dann geht es schon wieder los- denn der Herbst ist ein Kulturherbst, auch ein Herbst voller Kunstgenuss.

Ein Wochenende nach dem Oktoberfest mal früh ins Bett und dann am Samstag 18. Oktober auf Die Lange Nacht der Münchner Museen. Ist schon die 16. seit dem Auftakt im Jahr 1999. Und immer wieder verlockend.

Von 19 bis 2 Uhr öffnen über 90 Münchner Institutionen ihre Tore.
Alles ist geboten. Einziges Problem, wofür entscheide ich mich in diesem Jahr? Nahezu alle Münchner Museen sind in der Langen Nacht vertreten: Zu den großen Publikumsmagneten mit weltbekannten Sammlungen gesellen sich kleinere Museen, Galerien und Kunstprojekte. Neben den laufenden Ausstellungen wird auch in diesem Jahr ein einzigartiges Zusatzprogramm aus Führungen, Konzerten und Installationen geboten.

Gut dürfte sein, wenn ich wieder am Knotenpunkt Odeonsplatz beginne. Vor dort starten alle fünf Shuttlebustouren in die Nacht. Da kann ich mich also noch spontan (um)entscheiden, womit ich anfange.

Auf jeden Fall gehe ich in das Museum, aus dem das diesjährige Motiv, der falkenköpfige Gott Horus kommt. Sie dürften es erraten haben; es ist das Museum Ägyptischer Kunst, im Neubau an der Gabelsbergerstraße im Kunstareal. Alleine schon der Zugang durch die schmale Pforte im Untergrund lässt die passende Stimmung aufkommen, als ginge es in eine Pyramide oder ins Totenreich. Kaum drinnen, öffnet sich der Bau und Uschebtis (Antworter) werden mir Rede und Antwort stehen.

Bin ein Freund der Geschichte.
Deshalb immer gerne auch ein Besuch in den Antikensammlungen. In der Sonderausstellung werden archäologische Fundstücke als Zeugnisse griechischer Kultur in Unteritalien gezeigt. Absoluter Glanzpunkt – immer da – ist der Goldschmuck aus etruskischen und griechischen Werkstätten im tiefergelegten Innenraum. Wie vielen habe ich davon schon vorgeschwärmt, und immer wieder verwundert vernommen, dass diese Attraktion den meisten nicht bekannt ist.

Und wenn ich schon am Königsplatz bin, schaue ich gleich ins Lenbachhaus. Hier ist die Sonderausstellung Florentine Stettheimer geöffnet. Andy Warhol liebte ihre Kunst – und ich kenne Sie noch gar nicht. Soll sich ändern.

Wo immer ein reichliches Extraprogramm in der Nacht geboten ist, ist das Bayerische Nationalmuseum. Auf dem Programm stehen Führungen über Stilikonen vergangener Zeiten, Gothic Beauties, oder Schönheit aus Stahl, dazwischen sorgt die Impro-Oper La Triviata sowie Live-Jazz im Foyer für Kurzweil.

Das Deutsche Museum leuchtet und rockt – von der Dachterrasse bis zum Bergwerk tief im Untergeschoss. Bei einer Live-Performance kommt es mit der mechanischen Beat-Machine BAM BAM und den historischen Werkzeugmaschinen zu einer Jamsession der Jahrhunderte. Von hier pendeln Oldtimer des Rollenden Museums zum Verkehrsmuseum auf der Theresienhöhe. Nicht das erste Mal bei der Langen Nacht, aber vielleicht schaffe ich es dieses mal in einem der stilvollen Autos mitzufahren.

Was schon wieder ein neues Museum in München?
Nicht ganz. Das Museum Fünf Kontinente in der Maximilianstraße ist das umbenannte Völkerkundemuseum. Die aktuelle Myanmar-Ausstellung ist absolut sehenswert. Wunderbar inszeniert sind die Original-Exponate, die im Jahr 1911 einer der ersten Direktoren des Münchner Völkerkundemuseums, Lucian Scherman, zusammen mit seiner Frau Christine in Burma, dem heutigen Myanmar, erworben hat. Ja, alles gekauft, nichts Anstößiges.

Ich hör mal auf zu schwärmen von der Fülle und Qualität der Angebote der Nacht. Mehr nehme ich mir nicht vor. Mit sieben Häusern hab ich eh ein Pensum, dass über dem Durchschnitt liegt. In der Regel werden von Besuchern nach Zählungen etwa fünf bis sechs Einrichtungen in der Nacht besichtigt und genutzt.

Hab mir den Spaß gemacht und ausgerechnet, wieviele Möglichkeiten es gibt aus den im Abendprogramm beteiligten 90 Häusern seine sieben persönlichen Favoriten für die Nacht zusammenzustellen. Es sind 7471375560 Varianten denkbar und da wäre die Reihenfolge noch gar nicht vorgegeben. In Worten; über 7 Milliarden. Und da heißt es oft von Nörglern, eine Lange Nacht sei ein „Massenevent“, wo das Individuum nicht zähle. Da muss ich ja lachen. Finden Sie da mal jemand, der das selbe Programm vor hat. Und die vielen extra Stadtrundgänge habe ich dabei sogar noch in Gedanken unter den Tisch fallen lassen.

Das Nachmittagsangebot von 14 bis 18 Uhr, als ein vergnügliches wie lehrreiches Kinder –und Jugendprogramm, habe ich Ihnen jetzt ebenso komplett unterschlagen.

Lange Nacht der Museen München 2014 Plakatmotiv HorusWenigstens die Infos noch:
Das Lange Nacht-Ticket zu 15 € berechtigt zum Eintritt in die beteiligten Häuser sowie zur Nutzung der Shuttlebusse der MVG und des MVV im Gesamttarifgebiet: Programmhefte und Karten sind bei allen beteiligten Häusern und den bekannten VVK- Stellen erhältlich.
Bis dann, vielleicht sehen wir uns ja auch ganz woanders. Denn oft läuft die Nacht dann anders als geplant 🙂

Am Wochenende drauf geht es mit Kunst gleich weiter.
Zwischen 25.10. und 12.11. dürfte München so viel für den Kunstmarkt live zu bieten haben, wie sonst kaum ein Ort in Europa.

Für dieses Jahr sind die Kunst & Antiquitäten München vom 25.10. bis 02.11., die 59. Kunst-Messe München wiederum soll im Postpalast schon vom 31. Oktober – 9. November 2014 stattfinden und die HIGHLIGHTS – Internationale Kunstmesse München ist für den Zeitraum 6. – 12. November 2014 in der Residenz München angekündigt. Auch wenn Sie nicht gleich vorhaben ein Vermögen dort ausgeben zu wollen, alleine schon ein Besuch der Messen ist ein Genuss. Ich jedenfalls alle drei Ereignisse nicht entgehen.

Sehr rührig sind die MacherInnen der neuen Internetseiten zum Kunstherbst für München und wer sich jetzt noch breiter in der Kultur orientieren mag, die Abteilung München Tourismus der Stadt bietet hier eine eigene Seite zum Münchner Kulturherbst auf muenchen.de . Da finden Sie über die Kunst hinaus auch verlockende Angebote zur Musik, den Bühnen oder Literatur. Ein goldener Herbst streichelt unsere Museen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Redaktion,

    danke für Eure tolle Auflistung, die ganz und gar nicht trocken rüberkam. Ich habe auch einige Museen besucht und fand das Deutsche Museum München und das Ägyptische Museum total toll. Ich liebe solche Veranstaltungen, denn im normalen Alltag geht man ja doch eher selten ins Museum.

Kommentar verfassen