Kultur für umsonst

Kultur für umsonst? Mit wenig Geld in einer teuren Stadt.

Kultur für umsonst

Als ich noch studiert habe, gab es hinter der LMU, in der Amalienstraße, ein Reisebüro, das Freitags morgens immer eine Handvoll Studentenkarten für die damals immens begehrten und notorisch ausverkauften Kammerspiele im Angebot hatte. Also machte man sich gegen neun Uhr auf, stellte sich für eine Stunde in eine Warteschlange – und schlug dann zu: Sechs Mark waren es, glaube ich, die man für ein Ticket hinlegen musste. Aber dafür saß man dann auch ein paar Tage später im Theater im Balkon in der ersten Reihe, ganz vorne auf dem ersten Platz, und konnte den Schauspielern praktisch auf die Köpfe spucken. Wer vom Reisebüro mit den billigen Studentenkarten wusste, sagte es niemandem weiter, so blieb es über viele Jahre ein echter Insidertipp. Und bescherte mir im Laufe der Zeit einen soliden Überblick über die Dramatiker vergangener Epochen. (Als ich noch Studentin war, waren die Münchner Kammerspiele, das muss man vielleicht dazu sagen, unter ihrem damaligen Intendanten Dieter Dorn das Traumziel aller Oberstudienräte und bildungsbürgerlichen „Zeit“-Abonnenten.)

Das Reisebüro gibt es nicht mehr, Dieter Dorn ist längst in Rente, und die Münchner Kammerspiele sind jetzt total jung und wild und spielen etwas weniger Goethe, Schiller, Kleist und Lessing als früher, was ja auch nicht unbedingt schlecht ist. Geblieben ist mir aus meiner Studentenzeit allerdings die Kenntnis, wie man mit wenig Geld in einer teuren Stadt wie München trotzdem an Kulturevents teilnehmen kann. Denn da gibt es weit mehr Möglichkeiten, als man so denkt:

Maxvorstadt: Musikhochschul-Konzerte in der Arcisstraße
Die Münchner Hochschule für Musik und Theater hat ja keinen schlechten Ruf, und viele Absolventen haben nach ihrem Examen eine beachtliche Karriere gemacht. Doch während des Studiums müssen sie neben anderem natürlich auch lernen, ihr Lampenfieber zu überwinden und souverän vor Publikum aufzutreten, weshalb es regelmäßig Studentenkonzerte gibt – kostenlos, aber immer auf beachtlichem musikalischem Niveau.

Maxvorstadt: Musik-Wettbewerbe in der Musikhochschule
Die meisten Musikstudenten stellen sich gegen Ende ihres Studiums einem Wettbewerb. Das ist wichtig, um Kontakte zu knüpfen oder im Lebenslauf einen Preis vermelden zu können. Die meisten dieser Wettbewerbe werden von Hochschulen ausgerichtet. Zum Beispiel der Richard-Strauss-Wettbewerb im Fach Gesang, der ab Anfang März in München stattfindet. Ort der öffentlichen Vorsingen: der Große Konzertsaal der Hochschule.

Haidhausen: Mittagsmusiken, Ladenschluss- und Studiokonzerte im Gasteig
Der Gasteig hat ein überwältigendes Kostenlos-Angebot in allen Sparten: Filme, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge – aber auch Konzerte mit klassischer Musik. Die Besonderheit: So manches Konzert findet nicht am Abend statt, sondern um die Mittagszeit oder um 18 Uhr („Ladenschlusskonzert“). Auch hier gilt, wie in der Musikhochschule: zu hören sind Studenten – und, wenn man Glück hat, der eine oder andere Star, für den man wenige Jahre später in der Staatsoper richtig viel Geld bezahlen muss.

Haidhausen: Generalproben der Münchner Philharmoniker im Gasteig
Für Studenten kostenlos, alle anderen zahlen den Preis eines Kinotickets (9 Euro): Sechsmal während einer Saison erhält das Publikum die Gelegenheit, mitzuerleben, wie das Programm den letzten Schliff bekommt. Oft sind die Termine am Vormittag oder um die Mittagszeit, was bedeutet, dass man das Konzert prima mit einem Bibliotheksbesuch verbinden kann. Weltklasse-Künstler wie Zubin Mehta oder Lorin Maazel für lau – wo gibt’s das schon? (Achtung, bei den letzten beiden Terminen ist ein Fehler in der Jahreszahl – diese beiden Generalproben findet 2013 statt, nicht 2012!)

Maxvorstadt: Pinakotheken und Museen
Naja, nicht umsonst – aber fast: Die Pinakotheken (Alte, Neue, Moderne) verlangen an Sonntagen nur einen Euro Eintritt (statt wie sonst 7 Euro); der Sonntags-Tarif gilt ebenso für das Museum Brandhorst und die Sammlung Schack.

Olympiastadion: Pop-Konzerte
Robbie Williams kostenlos? Ja, auch das gab’s schon in München. Allerdings sitzt man dann nicht im Olympiastadion, sondern auf dem Olympiaberg. Da ist man zwar etwas weiter weg vom Geschehen, und die Songs klingen bei starkem Wind schon mal ein bisschen verweht – aber dafür muss man auch nichts bezahlen und kann sich zudem noch ein Picknick mitbringen.

Schwabing-Nord: Münchner Sommertheater im Englischen Garten
Und noch ein Tipp für den Sommer: ein zutiefst romantisches Open-Air-Theatererlebnis an den Juli-Wochenenden. Wunderschöne Atmosphäre in einem grünen Amphitheater im nördlichen Teil des Englischen Gartens (U-Bahn-Haltestelle Alte Heide, von dort ein kleiner Fußmarsch). Beginn ist immer um 21 Uhr, man spielt in den Sonnenuntergang und den Abend hinein. Warme Jacken, eine Sitzunterlage und ein Picknick nicht vergessen!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein Tipp fehlt noch: Im Sommer „Oper für alle“ vor der Staatsoper. Eine ganze Vorstellung während der Festspiele, die vors Opernhaus übertragen wird. Das ist immer eine ganz tolle Atmosphäre, vor allem, wenn dann nach dem Applaus auch die Sänger noch rauskommen und sich verbeugen!

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