Wie man als Münchner in Hamburg überlebt und andersrum

Heimweh? Drei Tipps, wo der Hamburger in München hamburgisches findet. Und drei Tipps, wo der Münchner in Hamburg münchnerisches findet.

Ahoi! Hamburg in München
Frischer Fisch: Matjes & Co
Es ist eines der beliebtesten Fischlokale in München: Fisch-Witte am Viktualienmarkt. Wobei die zentrale Lage natürlich ein Extra-Goodie ist und auch viele Touristen anzieht. Hella und Klaus Witte gründeten ihr Geschäft vor 30 Jahren und werden immer wieder in Restaurantführern empfohlen. Für den „Feinschmecker“ etwas sind sie eines der besten Fischgeschäfte Deutschlands. Der Grund dafür ist natürlich die hohe Qualität. In der Nähe von Erding betreiben die Wittes eine eigene Fischzucht für Forellen, Bachsaiblinge und Karpfen. Donauwaller, Hechte und Schleien werden hier gewässert. Diese Fische werden dann lebend zum Viktualienmarkt gebracht und dort verkauft. Also: Alles superfrisch!

Mein Tipp: zum Mitnehmen beim Stadtspaziergang die Matjesfilet-Semmel mit frischen Zwiebeln probieren. Und fürs Eat-In die „Soupe de poisson“ mit Muscheln, Lachs, Seeteufel, uns Scampi bestellen. Dazu gibt’s geröstetes Baguette mit Kräuter-Knoblauch-Mayonnaise. Lecker!
Fisch Witte
Viktualienmarkt 9

Wie süß! Franzbrötchen
Bis vor ein paar Jahren waren die Münchner Bäcker mit meinem Wunsch regelmäßig überfordert: „Woas wollen’S? A Franzlsemmel?“„Nein, bitte ein Franzbrötchen.“„Ja woas is’ denn dos?“. Tja. Aber nun gibt’s ja das Café Niki in der Maxvorstadt, das ich eher zufällig entdeckt habe, weil es beim Vorbeiradeln so hübsch aussah. Ich stoppte also für einen spontanen Cappuccino – und bemerkte in der Auslage erfreut mein Lieblingsfrühstück.
Für alle Unwissenden: Ein Franzbrötchen ist eher ein süßes Teilchen als eine Semmel. Es besteht aus einem Plunderteig, der mit Zucker und Zimt bestreut wird. Angeblich haben es die Franzosen an die Elbe mitgebracht, die Hamburg von 1806 bis 1814 besetzt hatten.
Café Niki
Augustenstr. 107 (Maxvorstadt)

Segel setzen! Deutsches Museum
In der Schifffahrtsabteilung lässt es sich prima Schiffe angucken. Die „Maria“, das große Segelschiff in der Mitte der Halle, ist ein Fischerboot, das bis zu drei Wochen zum Fischfang auf dem Meer bleiben konnte. Mit Heimathafen Finkenwerder war sie ab 1880 in der in der Hochseefischerei im Einsatz gewesen, bevor sie 1957 an der Isar ihren letzten Liegeplatz fand. Außerdem gibt’s in Deutschen Museum – neben vielem anderen – auch noch einen Schnellbootmaschinenraum und die Kommandobrücke eines Frachters zu besichtigen.
Deutsches Museum
Museumsinsel 1 (Glockenbach)

3+1: Unser Bonustipp
Zum Dahinschmelzen: Butterkuchen
Den besten Butterkuchen südlich der Elbe habe ich eher zufällig entdeckt. Es gibt ihn – meiner Meinung nach – im Café Münchner Freiheit. Warum? Weil er dort wirklich nach hanseatischem Rezept gebacken wird. Sprich: Der Hefeteig wird normal auf einem Blech ausgerollt und stehen gelassen. Dann werden die Löcher in den Teig getupft, es wird die Butter aufgestrichen, das Blech in den Ofen geschoben und gebacken. Das Ergebnis: superköstlich, superlocker, butterweich.
Café Münchner Freiheit
Münchner Freiheit 20 (Schwabing)

Servus! München in Hamburg
Prosit! Im Biergarten
Es ist Hamburgs größter und bekanntester Biergarten und liegt mitten im Stadtpark: Das Landhaus Walter wurde 1912 gebaut und ist das einzige Gasthaus im Park, das die Kriege überdauerte. Ein tolles Ausflugsziel im Sommer, das vor knapp 20 Jahren grundlegend renoviert wurde und heute Platz für bis zu 5.000 Gäste bietet. Und sollte es mal regnen, finden unterm Zeltdach immerhin auch noch 400 Menschen Platz. Für Musikfans: Der hauseigene Downtown Blues Club ist einer der besten Live-Musik-Clubs Norddeutschlands.
Landhaus Walter
Hindenburgstraße 2 (Winterhude)

An Guadn! Beim Schlemmermeyer
Wen in der City spontan die Sehnsucht nach einer Leberkässemmel überkommt: Zum Gänsemarkt laufen und nach dem vom Viktualienmarkt vertrauten Schlemmermeyer-Logo Ausschau halten. Und wer Lust auf einen deftigen Krustenbraten hat oder auf Rostbratwürstchen mit Sauerkraut – dito. Selbst der Obatzda schmeckt wie dahoam. Einziges, wenngleich kleines Manko: Bei den Preisen zahlt man quasi eine Art Auslandszuschlag. Aber das ist irgendwie auch verständlich und okay so. Schließlich muss das Fleisch aus der hauseigenen Metzgerei ja auch quer durch Deutschland in den hohen Norden gekarrt werden.
Schlemmermeyer
Gänsemarkt 50 (Zentrum)

Gschmackig! Weißwurst
Gibt’s natürlich auch beim Schlemmermeyer, aber auch in der Fleischerei Holger Umlandt. Wie die Wurst an die Elbe kam, ist dabei allerdings ein bisschen kompliziert. Einst hatte sie der Fleischer Heinz Böcke in Hamburg bekannt gemacht, der sich aber 2008 zur Ruhe setzte und seinen Laden an Rüdiger Rose übergab – der jetzt seinerseits im Oktober seine Metzgerei schloss und jetzt nur noch mit seinem „Rose-Mobil“ auf Wochenmärkten unterwegs ist, beispielsweise Freitags in Tornesch oder Samstags in Wedel. Dort – oder eben bei Holger Umlandt – bekommt man jetzt noch die Original Hamburger Weißwurst, eine Fleischer-Weißwurst bayrischer Art. Das Rezept? Im Detail ist es natürlich geheim. Nur die Zutaten verraten die Fleisch-Fachmänner: Kalbfleisch, Schweinefleisch und spezielle Gewürze, sonst nix. Für alle Hanseaten noch ein kleiner Extratipp: Weißwurst wird mit süßen Senf gegessen, nicht mit scharfem!
Holger Umlandt
Liebermannstraße 50 (Othmarschen)

3+1: Unser Bonustipp
Ozapft is! Bayerisches Bier
Bier gibt’s im Brauhaus, klar. Mein Favorit in Hamburg ist das „Alte Mädchen“ an der S-Bahn Sternschanze. Aber wenn’s ein bayerisches Bier sein muss, dann führt mich der Weg natürlich in einen Ableger der Münchner Traditionsbrauereien. Also entweder ins Hacker-Pschorr nach St. Georg oder ins Franziskaner in der Neustadt. Ersterer hat nicht nur Bilder von der Frauenkirche an der Wand hängen, sondern am Donnerstag auch Haxntag. Und der Franziskaner hat einen superleckeren Spießbraten! Tipp: Beide Lokale lieber abends besuchen. Für einen Lunch sind Rahmschwammerl, Würstplatten & Co dann doch zu deftig. Oder man isst nur einen kleinen Raditeller mit Schnittlauchbrot.
Hacker-Pschorr
Lange Reihe 97 (St. Georg)

Franziskaner
Große Theaterstraße 9 (Neustadt)

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Lieber Knut,
      da ich kein Labskaus-und kein Rollmops-Fan bin, habe ich das Agnes Neun erst einmal besucht, und das ist schon länger her. Deshalb war es mir gar nicht mehr präsent. Ein Fehler, da hast du recht. Unabhängig davon, ob es MIR dort schmeckt, hätte ich es als Beispiel für authentische norddeutsche Küche in München tatsächlich erwähnen sollen. Wird hiermit nachgereicht. 😉

  1. Nicht unbedingt hamburgerisch, aber für eine gute Kanne Tee kann ich die friesische Teestube am Pündterplatz sehr empfehlen! Da gehe ich hin wenn ich mich nach dem Norden sehne.

    • Liebe Angelika,
      das stimmt! Die Ostfriesische Teestube ist wirklich nett. Tatsächlich habe ich sie nicht in der Liste aufgenommen, weil sie ja friesisch, nicht hamburgisch ist.

  2. Morgen zur Feier kommt die Familie aus dem Norden, der Artikel ist perfekt und schon ausgedruckt damit Sie die nächsten Tage überlegen 😉

  3. Wo bekomme ich denn in München oder Umgebung gute Schinkenwürste zum Grillen her? Wir wollen spontan ein Wintergrillen veranstalten. Wir haben zwar bei unserem letzten Heimaturlaub eine Kiste von dem leckeren Klintworth Glühwein mitgebracht, aber leider nicht an Schinkenwürste gedacht 🙁

  4. Moin Margarete, danke für die prompte Antwort. Ich bin allerdings skeptisch, ob das die Schinkenwürste sind, die man in Hamburg als Grillwurst bekommt
    Vielleicht hat jemand anders noch einen Tipp??
    Vielen Dank schonmal
    Gruß Sandra

  5. Pingback: 10 Tipps: Wie du als Münchner anderswo überlebst › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

  6. Hallo! Ich bin vor kurzem von München nach Hamburg gezogen und suche in Hamburg Leute wie ich die München lieben und vermissen aber nun hier leben!!Was kann man gegen die Sehnsucht tun? Freue mich auf tolle Ratschläge! Kristina

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