5 Klischees über Münchner und warum sie nicht oder eben doch stimmen

Touristen gibt es viele in München. Das bemerkt man spätestens, wenn man einmal am Marienplatz den Selfiestick-Kämpfen zweier konkurrierender Reiseunternehmen ausweichen musste, die sich um die beste Sicht auf das alltägliche Glockenspiel fetzen. Manch einer, der klischeehaft an Deutschland denkt, denkt an Bayern. 

1. Die Münchner sitzen den ganzen Tag nur im Hofbräuhaus

Ob Wochen-, Feiertag oder nicht, für den Touristen ist das eine ganz klare Angelegenheit: Die Münchner sitzen im Hofbräuhaus, essen und trinken und singen und das jeden Tag. Fast als wäre es unsere einzige Wirtschaft. Was aber die wenigsten wissen: Wir haben in der Tat auch noch andere Wirtschaften und nicht zuletzt Brauhäuser und davon auch nicht zu wenige. Wer jedoch einmal im Hofbräuhaus an einem Dienstag um 2 Uhr nachmittags war (dem Klischee nach also jeder), der kann das Klischee auf jeden Fall nachvollziehen. Es ist aus irgendeinem Grund volles Haus, es spielt Blasmusik (darauf kommen wir später noch zu sprechen) und es herrscht allgemein ausgelassene Stimmung. Wäre es 11 oder 12 Uhr könnte man noch argumentieren, die Münchner würden vielleicht nur kurz ihr vormittags verdientes Geld in der Mittagspause reinvestieren, aber nein. Wer seine Augen über das anwesende Publikum schweifen lässt, entdeckt nämlich eher die eigenen Landsmänner, welche das Haus füllen. Zwar gibt es sicher den ein oder anderen, der eben jenes tut. Im Sommer stellt man sich ja immerhin die gleiche Frage im Englischen Garten, ob denn die Leute wirklich überhaupt gar nichts zu arbeiten hätten oder ob es denn wirklich so viele faule Studierende gibt, wie die Medien propagieren.

2. Wir hören nur Blasmusik

Wer als innereuropäischer Ausländer ein paar Jahre lang den Eurovision Song Contest verfolgt hat, muss sich die Frage richtigerweise stellen. Wir Deutschen haben es aber auch schwer. Da müssen wir uns auf Mainstream-Popmusik versteifen, obwohl ja gerade die Blasmusik unser Steckenpferd ist. Vielleicht sollten wir wirklich mal eine Blasmusik-Band dorthin schicken. Dafür plädiere ich ja. Aber selbstverständlich hören wir doch nicht nur Blasmusik. Dass bei uns im Wochentakt internationale Musiker gastieren, daran erinnert sich leider keiner, genauso wenig wie an unsere ausgeprägte Kleinkunstszene. Man kann sich wohl trotzdem vorstellen, was sich der gemeine Tourist denkt, wenn er auch nur zufälligerweise zum Stadtgründungsfest oder ähnlichen Veranstaltungen anreist:
„Oh Gott, es ist alles wahr.“

3. Die Sache mit den Lederhosen

Wir tragen natürlich auch stets unsere Lederhosen, wenn wir uns mittags im Hofbräuhaus zur Blasmusik amüsieren. Na klar! Wer kann es uns auch übelnehmen? Die sind einfach fesch. Komischerweise denkt an die Frauen immer keiner. Wer als Tourist München hört, hat den deutschen Michl im Kopf, nur mit Lederhose, Bierbauch und Filz- anstatt der Zipfelmütze. Tracht für Frauen?
In Wahrheit wird sie vielleicht 18-mal im Jahr getragen und dabei 18-mal hintereinander auf der alljährlichen Wiesn. Ungewaschen versteht sich. Danach einmal in die chemische Reinigung und das gute Stück verschwindet für die meisten Hobby-Münchner wieder im Schrank bis zum nächsten Oktoberfest. Manch einer unternimmt noch eine Exkursion auf ein anderes, bayrisches Volksfest, aber das war es dann auch meist. Wenn man das Münchnersein ein wenig ernster nimmt, trägt man die feine Tracht noch ein wenig öfter im Jahr: Auf bayrischen Tanzbällen, dem Frühlingsfest (ja, das gibt es auch), den Auer Dulten oder der traditionellen Hochzeit, zu der der nette Cousin dankeswerterweise auf eine süße Hütte in die Berge geladen hat. Oder vielleicht doch mal ins Hofbräuhaus?

4. Wir haben alle Bierbäuche

Das Schlimme ist ja, dass ein Klischee das nächste bestätigt. Wer sich mittags im Brauhaus zu Blasmusik in seiner Lederhosen vergnügt, der trinkt und isst natürlich viel. Das Gute ist, dass die Lederhose die ganze Geschichte sicher zusammenhält. Bonus: Man kann sich zufrieden an die Träger fassen und den Wohlstandsbauch in die Sonne recken. Ein schönes Motiv für das touristische Fotoalbum!
Natürlich gibt es den bierbäuchigen Münchner. Genug Bierbäuche wird man in seiner Reisegruppe aber auch finden. Außerdem gibt es in München genug Fitnessblogger und Sportveranstaltungen, die ihr Bestes geben, auch dieses Klischee zu verdrängen.

5. Fleisch, Fleisch, Fleisch

Es gibt an jeder Ecke Fleisch und zwar hauptsächlich Schweinefleisch. Nun gut, das ist einfach wahr. Komplett bis 2014, doch nun hat sich auch der Veganismus vom Glockenbachviertel mehr und mehr konzentrisch ausgebreitet. Bis 2014 war die Ernährungspyramide in München eher Fremdwort. Warum 2014? Diese Zahl ist aus der Luft gegriffen, aber Daten und Fakten verleihen immer ein wenig mehr Kredibilität. Der Leser prüft sowieso nicht nach.
Trotzdem gibt es eigentlich an jeder Ecke Fleisch. Das heißt aber nicht, dass man dort jeden Tag isst. Man muss nämlich mittlerweile selbst in München mehr und mehr auf eine ausgewogene Ernährung achten. Vor den Kollegen und/oder Kommilitonen will man ja am Eisbach eine gute Figur abgeben! Im Alltag stimmt das Vorurteil also nicht, sondern beschränkt sich wieder auf die Speisekarten bayrischer Restaurants und Stände. 

Eine weitere klischeehafte Abhandlung findet ihr hier und falls sich doch ein Tourist hierher verirrt hat, um seine Vorurteile zu bestätigen, kann dieser so das typischere München kennenlernen.

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