Neuentdeckung der Kaffeebohne: 6 Kaffeeröstereien in München, die man kennen sollte

Kaffee ist mehr als ein Getränk, Kaffee ist Kult, ein Lebensgefühl. Echte Kenner des schwarzen Goldes kaufen ihren Kaffee oder Espresso heute beim Kaffeeröster ihres Vertrauens. Auch in München gibt es immer mehr kleine Kaffeeröstereien mit Ladencafé, wo man die aufwendig gerösteten Hausmischungen direkt vor Ort kosten kann. Unsere Autorin hat in den vergangenen Wochen viel Kaffee getrunken und stellt 6 ihrer Lieblingsröstereien vor.

Man Versus Machine – kenianische Fruchtbombe mit Marzipan-Franzbrötchen

Eines weiß ich, als ich das durchdesignte Café mit den skandinavischen Lampen über der Theke und dem Krokodillogo auf den Kaffeetassen betrete: Es wird ein Filterkaffee. Doch welche Methode soll ich wählen? Pourover, mit viel Liebe gebrüht? Aeropress, nach Art des US-Wissenschaftlers Alan Adler, der auch die Weltrekord-Frisbee erfunden hat? Oder Syphon? Letztere weist eine gewisse Ähnlichkeit mit Walter Whites Apparaturen in Breaking Bad auf. Ich verlasse mich auf die Empfehlung von David, dem australischen Barista im Man Versus Machine. Es wird ein Pourover. Ich frage ihn auch, welche Kaffeesorte er empfiehlt. Äthiopischer Kaffee mit floraler Note versus kenianische Fruchtbombe? Ich wähle die Fruchtbombe. Denn Kaffee ist schließlich eine Frucht. Und Kaffee muss süß schmecken, lerne ich von David.

Mein Kaffee schmeckt tatsächlich fruchtig, nach Kirsche und Beere. Er fühlt sich weich und samtig an. Und ist recht hell, fast wie Tee. Im Gegensatz zu meinen üblichen Kaffeetrinkgewohnheiten verzichte ich auf Milch. Denn frisch gebrühten Filterkaffee trinkt man pur, damit sich die Aromen besser entfalten können. Und davon hat die Kaffeebohne eine ganze Menge, über 800. Welche Aromen dominieren, hängt von der Temperatur beim Rösten ab. Und davon, ob der Kaffee hell oder dunkel geröstet wird. Die Kaffeeröster von Man Versus Machine setzen wie viele der sogenannten „Third Wave“-Röstereien auf eine helle Röstung. Diese sorgt für ein säurebetontes, fruchtiges Aroma. Dunkler Kaffee schmeckt etwas rauchiger und bitterer. Dunkel und bitter steht bei Man Versus Machine nicht auf dem Programm, wie ich auf einer der Postkarten lese, die im Laden ausliegen: „Life can be bitter, your coffee shouldn’t be!“. Apropos Kaffee und süß: Unbedingt eines der mit Marzipan gefüllten Franzbrötchen zum Kaffee bestellen, die werden nach einem hauseigenen Rezept hergestellt und sind eine Wonne.
Man Versus Machine coffee roasters
Müllerstr. 23
80469 München
Mo – Fr: 8.00 – 18.00 Uhr

Sa: 9.00 – 19.00 Uhr

emilo – „Wie immer?“ oder Münchner Kaffee No. 2 mit besonderer Crema

Der Cold Brew, eine der Spezialitäten im emilo, ist leider noch nicht fertig. Der kalt angesetzte Kaffe steht noch in einer speziellen Kanne im Kühlschrank, wo er 24 Stunden durchziehen muss, bevor er trinkfertig ist. Ich stelle mir vor, wie Kaffee schmeckt, der einen Tag in meiner Kaffeekanne zu Hause vor sich hin zieht. Schal und vor allem bitter. Nicht so der Cold Brew im emilo, wird mir versichert. Ich werde ihn beim nächsten Mal probieren. Vielleicht werde ich irgendwann auch mit einem Kopfnicken und der Frage „Wie immer?“ begrüßt. Die meisten Kunden, auf die ich an diesem Mittag in dem kleinen Ladenlokal mit dem grüngelben Fußboden treffe, sind Stammgäste. Ich ergattere noch einen der Sitzwürfel. Viel Platz ist hier nicht, es gibt noch ein paar Stehplätze am Fenster, bei schönem Wetter kann man sich auch auf die Bank draußen vor dem Laden setzen. Ein Ort für den schnellen, aber feinen Kaffee zwischendurch.

Die Siebträgermaschine ist im Dauereinsatz. Wer eine Espresso-Spezialität bestellt, bekommt einen Gattopardo, eine exotisch köstliche und raubtierstarke Mischung, die nach Karamell und Schokolade schmeckt. Das jedenfalls verspricht die Beschreibung auf der Verpackung. Ich entscheide mich für einen Münchner Kaffee. Ich nehme die Nummer 2, mit Kaffeebohnen aus Brasilien, Indien und Kolumbien, einem feinen, ausgewogenen Geschmack und einer großartigen Crema. Die Milch, die ich dazu bestelle, hätte ich eigentlich nicht gebraucht. Mein Blick streift durch das Regal, es gibt unzählige Kaffee- und Espresso-Sorten im emilo, die übrigens in einer Halle der ehemaligen TOGAL-Werke geröstet werden. Die Intensitätsgrade und Geschmacksnoten variieren von kräftig und würzig über beschwingt und harmonisch bis leicht fruchtig und edel.

Auch im emilo kann ich nicht widerstehen und bestelle etwas Süßes zu meinem Kaffee. Die berühmten Zimtschnecken mit Vanillekern sind leider aus, aber der Kirschstreusel vom Blech ist mindestens genauso gut.
emilo IM GLOCKENBACH
Buttermelcherstr. 5
80469 München
Mo – Fr: 7.00 – 18.00 Uhr
Sa: 9.00 – 18.00 Uhr

emilo AM ODEONSPLATZ
Odeonsplatz 14
80539 München
Mo – Fr: 9.00 – 18.00 Uhr
Sa: 10.00 – 19.00 Uhr

coffeemamas Kaffeerösterei – „Wir sind kein hipper Coffeeshop, sondern individuell.“

Das coffeemamas in der Lindwurmstraße setzt einen Gegentrend zum Trend: Während die meisten Kaffeeröstereien der dritten Welle auf helle Röstung setzen, bleiben Rüdiger und Stefanie, die Köpfe hinter dem coffemamas, der traditionellen Röstung treu. Und die heißt mittel bis dunkel. Bei der hellen Röstung fehle ihm die Fülle, erklärt Rüdiger, für ihn müsse ein Kaffee voll und dunkel sein. Aber das sei Geschmacksache. Die beiden sind übrigens fast schon Veterane der Kaffeeröstung, ihren ersten Coffeeshop mit eigener Rösterei haben sie bereits 1998 in Berlin eröffnet. Damit waren sie eine der ersten kleinen Röstereien in Deutschland. Ihr Handwerk haben sie sich selbst angeeignet und über die Jahre perfektioniert.

In der Lindwurmstraße werden in der Woche gut 100 kg Kaffee geröstet, wer zur rechten Zeit kommt, kann dabei zusehen. Ich entscheide mich für einen Flat White. Diese Spezialität mit einem doppelten Espresso beziehungsweise einem Ristretto, die im Gegensatz zum Cappuccino nur eine dünne Milchschaumschicht hat, kenne ich schon von meiner Australienreise. Im coffeemamas wird er mit dem coffeemamas Espresso house blend zubereitet. Der besteht aus vier verschiedenen Arabica-Spezialitäten auf Basis eines Hochlandkaffees aus Guatemala. Aufwendige Brühkaffees gibt es hier nicht. Man sei keiner dieser hippen Läden, sieht sich eher wie ein Coffeeshop im amerikanischen Stil. Amerikanisch angehaucht ist auch die kleine Speisekarte mit den süßen Backwaren und den Bagels, von denen ich einen probiere, mit Bergkäse und Pesto. Lecker!

Geschmack wird im coffeemamas nicht nur beim Kaffee großgeschrieben, sondern auch beim Design. Die runden Holztische sind ein eigener Entwurf, die Korbstühle ein italienisches Design, die runde Lampe über dem großen Tisch mit den Zeitschriften ein Fundstück aus den 60er-Jahren. Das große Sofa in dem kleinen Raum hinter der Röstmaschine entdecke ich leider zu spät. Doch mir hat mein Kaffee auch in einem der bunten Klappsessel geschmeckt, die einmal Kinosessel waren.

Im coffeemamas treffen sich Freiberufler wie ich, die sich mit Laptop und dank W-LAN häuslich einrichten, Mütter mit Kinderwagen, Rentner und Schüler des Gymnasiums um die Ecke. Seit April 2016 ist das coffeemamas auch im Glockenbachviertel vertreten. Der Name coffeemamas kommt übrigens nicht von kaffeetrinkenden Müttern, sondern von den großen Bäumen, die neben den kleinen, empfindlichen Kaffeepflanzen angebaut werden und diesen Schatten spenden.
coffeemamas Kaffeerösterei
Lindwurmstraße 46
80337 München

coffeemamas Kaffeerösterei
Müllerstraße 33
80469 München

Mo – Fr: 7.00 – 19.00 Uhr
Sa: 9.00 – 19.00 Uhr

Vits – „Röstkaffee ist ein Produkt, das noch nicht vollendet ist.“

Warm ist es, als ich das Vits betrete. Das liegt nicht nur an der Sonne, die durch die große Fensterfront scheint, sondern an der Röstmaschine, die an diesem Nachmittag im Dauereinsatz ist. Ein würziger Duft strömt in meine Nase, ein Vorgeschmack auf das, was gleich in meiner Kaffeetasse landen wird. Doch bevor ich bestelle, lasse ich mich noch einweihen in die Vits’sche Kunst des Kaffeeröstens. Auf 16 Minuten ist die Röstmaschine eingestellt. Durch das schonende, langsame Rösten bilden sich nicht nur komplexe Aromen, auch die Säure wird reduziert. Der Kaffee kommt unter anderem aus Brasilien, Tansania, Kenia, Kolumbien und Äthiopien und wird zum Teil direkt bei den Kaffeebauern gekauft.

Schon die Lektüre der Kaffeekarte ist ein Genuss. Ich lese vom Indien Monsoon Malabar, der einst auf Segelschiffen sechs Monate von Indien nach Europa unterwegs war und durch die Monsunwinde eine ganz eigene Note bekam. Dieses „Monsooning“ wird heute von den Kaffeebauern an der Westküste Indiens nachempfunden, das Ergebnis ist ein Kaffee mit grasiger, erdnussiger Note. Trotz meines Indien-Faibles entscheide ich mich für den Kaffee, den mir die Bedienung empfiehlt – einen Biftu Gudina washed, ein Kaffee aus Äthiopien, süßlich und komplex.

Ich habe gelesen „Um Kaffee zu vollenden, muss er zubereitet werden.“ Deshalb schaue ich zu, wie mein Filterkaffee zubereitet wird. Das braucht Zeit. Zunächst wird der Filter leicht befeuchtet, damit der Kaffee nicht nach Papier schmeckt. Aufgegossen wird dann in spiralförmigen Bewegungen. Das Ergebnis: Ein schmackhafter, relativ heller Kaffee, der tatsächlich eine süße Note hinterlässt und sich wunderbar samtig anfühlt. Vielleicht werde ich doch noch zur überzeugten Filterkaffeetrinkerin?
Vits Kaffee
Rumfordstraße 49
80469 München

Mo – Fr: 8:00 – 19:00
Sa: 10:00 – 18:00

Kolonial – kubanischer Brühkaffee in orientalischem Ambiente

Eigentlich hatte ich mich vor meinem Besuch im Kolonial schon auf eine orientalische Spezialität eingeschossen, ein echter türkischer Mokka sollte es werden, mit Kardamon. Doch den dafür verwendeten äthiopischen Hochlandkaffee, der mit Zucker im traditionellen Cezwe aufgekocht wird, röstet das Kolonial nicht selber. Meine Mission lautet jedoch: Selbstgerösteter Kaffee. Also bleiben nur die österreichischen Kaffeespezialitäten, für die die Hausmischung hergenommen wird – der Santiago di Cuba. Kleiner Brauner, Großer Brauner, Melange oder Überstürzter Neumann? Ich nehme eine Melange, also einen verlängerten Mokka mit Milch und Milchhaube.

Der Kaffee für meine Melange wird in der Sowdenkanne aufgebrüht, die einen Kaffeegenuss der besonderen Art verspricht. Der Edelstahlfilter des britische Designers George Sowden sorgt für eine feine Extrahierung der Aromen. Eine Geschmacksexplosion erfahre ich allerdings nicht. Das liegt jedoch nicht an der Qualität des kubanischen Kaffees, sondern daran, dass mir die Melange eigentlich nie stark genug ist und der Geschmack des Kaffees durch den hohen Anteil an Milch etwas übertüncht wird. Das nächste Mal dann doch einen orientalischen Mokka.

In der Glasvitrine locken Apfel-Walnuss-Schoko- und Rhabarber-Mandel-Kuchen. Ich bestelle einen Florentiner mit Zartbitterschokolade und genieße den Kaffeehauscharakter des Kolonial, das in einem denkmalgeschützten Haus untergebracht ist und mit seinen hohen Decken und dem Mobiliar auch in Wien oder Salzburg stehen könnte. Das österreichisch inspirierte Interieur wird ergänzt durch orientalische Dekogegenstände. Unter der Decke hängen marokkanische Lampen. Kubanisch ist übrigens nicht nur die Hausmischung, sondern auch die Musik, bei der ich hier den Nachmittag vertrödele.
Kaffee, Espresso Kolonial
Donnersbergerstr. 39
80634 München

Mo – Fr: 7.00 – 19.00 Uhr
Sa: 9.00 – 18.00 Uhr

delmocca – mit Cappuccino, Käsekuchen und Buch in die Leseecke

Zu guter Letzt statte ich dem delmocca einen Besuch ab. Im Sommer sitze ich öfters auf dem großen Freisitz und lasse mir bei einem Cappuccino die Sonne auf die Nase scheinen. Im delmocca gibt es neben frisch von Hand aufgebrühtem Kaffee vor allem klassische, italienische Kaffeespezialitäten. Geröstet wird in Obersendling, in einem über 50 Jahre alten Drehtrommelröster. Kleinere Chargen werden auch in der Clemensstraße geröstet, meistens Freitags mittags. Kaffeeaficionados, die sich einmal in der Kunst des Kaffeeröstens ausprobieren möchten, dürfen dies unter Anleitung des Chefrösters des delmocca gerne tun.

Nach meinen zahlreichen Brühkaffee-Experimenten nehme ich meinen üblichen Cappuccino, zusammen mit einem ganz klassischen Stück Käsekuchen. Der wird in der hauseigenen Kuchenmeisterei gebacken, genauso wie der Zwetschgen- und der Karottenkuchen und die Obsttörtchen, die mich aus der großen Glasvitrine anlachen.

Für den Kaffee und Espresso verwendet das delmocca überwiegend hochwertige Arabica. Einige Espressi wie die Barmischung „Leon“ beinhalten charakterstarken, aber milden Robusta. Das delmocca hat eine große Fangemeinde in Schwabing. Der Kaffee schmeckt gut, die Barista erklären einem gerne etwas zu den Kaffeeröstungen, das Ambiente ist einladend. Mein Lieblingsplatz ist einer der knautschigen Ledersessel vor der Tapete mit dem Kaffeestrauchdekor im hinteren Bereich. Da kann man länger verweilen und sich außer mit Koffein mit Lesestoff aus dem gut bestückten Bücherregal versorgen. Definitiv ein Ort zum Genießen und Wohlfühlen.
delmocca Kaffeerösterei & Kuchenbar
Clemensstraße 20
80803 München

Mo – Fr: 7:30 – 18:00 Uhr
Sa: 10:00 – 18:00 Uhr
So: 13:00 – 18:00 Uhr

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Lieben Dank für den Tipp, vielleicht gibt es ja eine zweite Runde, da schaue ich mir das gerne einmal an :-).

      Viele Grüße
      Alexandra

    • Lieber Peter,

      „vergessen“ wurde das Fausto nicht, wir konnten aber nicht alle tollen Röstereien in München in diesen Artikel aufnehmen, auch wenn ich dieses Kaffee-Kleinod sehr mag <3. Vielleicht gibt es ja eine zweite Runde.

      Viele Grüße
      Alexandra

  1. Gute Zusamenstellung, aber Vee’s fehlt noch! Das schöne Kaffee gegenüber der Schrannenhalle gibt’s leider nicht mehr, aber einen Laden gibt es noch. Die Hausmischung von Vee’s ist mein liebster milder, leichter Sonntagmorgenfrühstückskaffee.

    • Lieber Daniel, uns ging es vor allem um Röstereien mit Café. Aber danke für den Tipp mit dem Sonntagmorgenfrühstückskaffee, den muss ich unbedingt einmal ausprobieren! Viele Grüße, Alexandra

  2. Super schön geschrieben . Danke !
    Ich finde es toll das jeder seinen eigenen Geschmack hat und hoffe das jeder das perfekte Kaffee und seine Perfekte Kaffee Sorte findet !

    • Vielen lieben Dank! Ja, die Geschmacksvielfalt scheint unendlich zu sein, dabei habe ich überall nur einen Bruchteil der angebotenen Sorten probieren können :-).

      Viele Grüße
      Alexandra

  3. Pingback: #BlogInsight. Wir stellen vor: Unsere Autorin Alexandra Lattek › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

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