Isarwandern: Eine Liebeserklärung von München bis Tölz (und zurück) – Teil 1

In 13 Wanderungen haben Gitta und ich mit der Isar Tuchfühlung aufgenommen. Vom Deutschen Museum bis nach Bad Tölz und zurück sind wir Woche für Woche dem Fluss zu Fuß nachgespürt. In Summe waren es 120 Kilometer und bei jeder Wanderung hat die Isar eine weitere spannende Facette von sich preisgegeben: mal frei und verspielt, wild, auch mal streng, hell, düster, aber immer sympathisch. Anstrengend? Nicht wirklich. Unsere wöchentlichen Etappen waren eher genussvoll und zumeist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Warum Isar-Wandern? Weil mia san Isar!

Die Isar ist identitätsstiftend. Neben der Behauptung, dass man Münchner ist, findet sich unser liebster Fluss in vielen Selbstdefinitionen: Willi Michel als Isarindianer ist, glaub ich, „the Boss of Isar“. Dagegen sind wir höchstens Novizen. Frage: Wer schaut jedes Mal, wenn er eine Isarbrücke überquert auf den Fluss? Wir auf jeden Fall. Gitta und mir hat es Anfang des Jahres nicht mehr gereicht, der Isar nur als Brückengucker zuzuzwinkern, den Wasserstand zu prüfen und ihr gelegentlich einen kurzen Besuch abzustatten. Dass die Isar mehr als ein gebändigter Stadtbach ist, merkt man, wenn man ihrem Lauf nach Süden folgt und sich rechts und links etwas umsieht. Auf jeder Etappe haben wir Neues entdeckt, oder Altes wiederentdeckt: Biergärten, Burgen und Birgen, Kloster und Kirchen, Cowboys, Wehre, Wachholder und Urwald, Kiesbänke, schöne Ausblicke und alte Bunker. Unsere Eindrücke der einzelnen Rundwanderetappen könnt ihr auch auf unserem Blog nachlesen. Ein erster Schnelldurchlauf, was euch zwischen München und Icking, so alles erwartet:

1. Isarwanderung: Vom Deutschen Museum auf dem Planetenweg zum Tierpark

Am Neujahrstag starteten wir bei der goldenen Kugel, vor dem Haupteingang des Deutschen Museums. Die Tagesetappe: 1,29 Milliarden. Zum östlichen Tor hinaus und über die Brücke, erreicht man schnell die Corneliusbrücke, von wo man nach der Unterführung erstmals das neue alte Ufer der Isar erreicht. Die Renaturierung ist eine wunderbare Illusion, dass die Isar noch ein echter Wildfluss ist. Wir schauen in das Wasser und sehen, wie sich die Kirchtürme von St. Maximilian im Glockenbachviertel darin spiegeln.

Von 2000 bis 2011 wurde der Fluss von seinem engen Korsett befreit und die Böschung abgeflacht. Uns macht es daher mehr Spaß am Ufer zu gehen, als auf dem Damm, obwohl das einige Millionen Kilometer Umweg bedeutet. Je weiter wir die Sonne verlassen und der Isar-Galaxie nach Süden folgen, desto kälter wird es. Gesellschaftlich fröstelt es an der Reichenbach- oder weiter an der Wittelsbacherbrücke, wo Obdachlose in notdürftigen Quartieren hausen.

Vorbei am Saturn. Wir wärmen und auf den Terrassenstufen vor der Weideninsel. Im Sommer liegen hier die Münchner, springen ins Wasser. Meist wird hier irgendetwas gefeiert. Glasscherben werden von der Ambulanz rechts der Isar zuverlässig entfernt. Weil schön und nah, tummeln sich an sonnigen Wochenenden hier alle, die keine Isaralternative brauchen oder kennen.

Die Brudermühlbrücke erreichen wir vom Deutschen Museum nach 3 Kilometern. Jetzt noch einen Abstecher zum Flaucher-Biergarten! Wir wechseln die Flussseite. Die Einkehrmöglichkeit befindet sich südlich in der Grünanlage. Sie zu verfehlen muss der Partyrauch schon sehr dicht sein. Einkehren? Im Sommer immer! Ein Radler, eine Riesenbrezn und ein Obazda gehen immer. Zum Tierpark gelangen wir über die Flaucherbrücke und noch einen Katzensprung flussaufwärts. In warmen Nächten ist hier überall die Luft rauchgeschwängert. Zurück einfach am Isardamm gehen oder öffentlich fahren, z.B. mit der U-Bahn ab Thalkirchen.

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2. Isarwanderung. von Thalkirchen nach Großhesselohe

Am Tierpark rückt das östliche Hochufer schon verdächtig nah an die Isar heran. An manchen Tagen ist die Luft voll vom Duft exotischer Tiere. Gleich um die Ecke an der Flosslände beim Freibad Maria Einsiedel, ist Schluss für jede Gaudifahrt von Wolfratshausen nach München. Von hier bis zur Großhesseloher Brücke befindet sich der letzte renaturierte Isarabschnitt. Erinnerungen: An der Marienklausenbrücke hab ich meine Jugend verbracht. Mit Freunden und Groschenromanen von G.F.Unger träumte ich mich in einen pubertären Wilden Westen. Parallelen zum Cowboyclub an der Flosslände sind rein zufällig. Die zu den „Münchner Geschichten“ nicht: Gringo Zorro und Zabata hatten übrigens ihre ganz eigene Beziehung zur Isar. „Schee wars!“ Ihr meint, die Jungs sind die Helden aus einem meiner Bastei-Heftchen? Bildungslücke!!

Während die Flöße ab Großhesselohe in eigenen Kanal fahren, wandern wir am Ufer in einem weiten Linksbogen nach Süden, bis zur Eisenbahnbrücke. Das rechte Hochufer hat sich hinter des Hinterbrühler Sees unmerklich an die Isar herangeschoben. An seiner engsten Stelle überspannt die Eisenbahnbrücke das Isartal. Unten können wir bei Roonies Kiosk eine Pause machen, oder lieber oben beim Isarfräulein. Entscheidet ihr, rauf müsst ihr sowieso, um auf der anderen Isarseite zurückzulaufen. Der Weg verläuft genau unter den Eisenbahngleisen. Die traurige Seite der Isar: 1877 bis 1978 sprangen 290 Verzweifelte hinunter. Am östlichen Hochufer könnt ihr zur Marienklause. Einkehren könnt ihr noch mal bei der Menterschwaige

Unser Geheimtipp: ein Wander- oder Spaziergang, bei dem das Wetter auf der Kippe steht und schlechtes Wetter droht, oder ein Werktag, oder am Morgen, oder alles zusammen. Dann ist es hier viel stiller. Weil sich die Stadt hinter den die Isar säumenden Bäumen duckt, ist die Illusion eines einsamen naturbelassenen Flusses fast perfekt. Ok, die Brücken und die Schornsteine vom Heizkraftwerk könnte man sich wegdenken, wollen wir aber nicht.

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3. Isarwanderung: Von Harlaching/Großhesselohe über Pullach nach Grünwald

Die nächste Etappe führt uns von hier nach Grünwald. Das Isartal muss sich den Platz mit dem Kanal und dem Altwasser teilen. Die Flussregulierung hat den Charakter der Isar stark verändert. Am westlichen Hang verführen der Wohlfühlkiosk Isarfräulein und etwas südlicher die Waldwirtschaft, Wawi genannt, zur Einkehr. Dahinter kommen wir durch den Wald an die Mauern des BND. Vorsicht, wenn ihr beim Selfie den falschen Bildausschnitt wählt, kostet es 50.000.– €. Weiter zum Bildungszentrum Burg Schwaneck, heute eine Jugendbegegnungstätte. Sie schaut aus wie eine mittelalterliche Burg, ist aber nur Fake und der romantischen Vorstellung des Erbauers und seiner nachfolgenden Eigentümer geschuldet. Türmchen hier, Erker da.

Müde Wanderer können am Pullacher Ortseingang beim Bürgerhaus das Cafè Treibhaus mit einem schönen Blick ins Isartal besuchen. Auch wenn man nach der bisherigen Strecke kaum müde ist, macht es Freude hier einzukehren, denn das Treibhaus, wie das kleine Ortszentrum, hängen scharf am Isarhang.

Zur Grünwalder Brücke kommen wir über einen Fußweg, der hinterhalb der Ortszentums hinunter ins Tal führt und weiter am Strasserl neben dem Kanal. Am Brückenwirt (schon wieder könnt ihr einen Biergarten besuchen) kommt man unterhalb der Grünwalder Burg über die Isar. Bei gutem Wetter sieht man die Zugspitze, wie auch vom Turm der ehemaligen Feste. Wie edel die Ritter waren, wusste vermutlich auch Carl Valentin nicht genau, von dem die erste Strophe stammt:

In Grünwald im Isartal,
Glaubt es mir, es war einmal
Da ham edle Ritter g´haust
Dene hat’s vor gar nix graust

Die Burg war auch Gefängnis und Pulvermagazin und beherbergt heute ein Zweigmuseum der archäologischen Staatssammlung.

Der Weg zurück führt 1. entweder mit der Tram über die Endhaltestelle im Grünwalder Ortszentrum, 2. am östlichen Flussufer (am Mini-Brückenwirt) links, oder 3. bereits ab dem Pullacher Isarwehr über den Damm zwischen Isar-Kanal oder Altfluss.

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4. Isarwanderung: Von Grünwald zum Georgenstein

Den ersten wilden Isarabschnitt findet man zwischen Grünwald und dem Georgenstein bei Straßlach. Kinderwagenschieber haben es hier nicht ganz einfach (spreche aus eigener Erfahrung). Autofahrer parken an der Eierwiese (heißt wirklich so) und gehen am Gasteig runter zur Isar. Auch hier nehmen Kanal und alte Isar die ganze Breite des Isartals ein. Auf unserem wilden Pfad am östlichen Isarufer bekommen wir allerdings kaum was mit. Zu dicht die Isar-Au. Vom Winde verwehte Blasmusik kommt zwischen Mai und September meist von den Flößen hinter dem Damm. 

Am nächsten Wehr wird die Isar in den alten und den neuen Strang geteilt. Ab hier zeigt der Fluss sein ursprünglichstes Gesicht. Von den nahen Ortschaften merkt man nichts, da sie oberhalb des dichtbewaldeten Tals liegen. Die Isar reicht knapp von der einen Seite des Tals zur anderen. Über Bohlen und Pfade die rauf und runtergehen, erreicht man den Georgenstein, der früher ein ganz fieser Floßkiller war. Noch heute müssen die Flöße mit Partygästen, Blasmusik, Promille und Plumpsklo hier vorbei, doch die Isar ist nicht mehr halb so gefährlich wie früher. Ein kleiner Damm lenkt die Strömung, um den riesigen, in der Isar liegenden Stein. Hier überquerte einst die Römerstraße via Julia die Isar. Sie war einst so etwas wie eine Autobahn, über die Handel und Truppen von Günzburg, Augsburg nach Salzburg und weiter in den Osten gelangten. Davon merkt man heute nichts mehr.

Zurück geht´s über das östliche Isarhochufer. Der Weg führt uns über die ehemalige Römersiedlung und spätere Birg. Die eindrucksvollen Wälle, die vermutlich im 10. Jahrhundert die Bevölkerung vor den Ungarneinfällen schützten, sieht man heute noch.

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5. Isarwanderung: Vom Georgenstein zum Gasthaus zur Mühle

Wild wird es auf den Pfaden, die uns vom Georgenstein zum Gasthaus zur Mühle bei Straßlach führen. Hier ist es wie im Dschungel und Besucher werden hier seltener. Das Isartal ab Straßlach ist sehr ursprünglich, da es hier nur die naturbelassene Isar gibt. Für mehr als ein Flussbett ist es hier scheinbar zu eng. Wunderbar! Erst etwas oberhalb, wo sich das Tal wieder etwas weitet, stößt man auf den oberen Isarkanal, der von Icking bis etwa nach Baierbrunn führt. Von hier ist es nicht mehr weit zur längsten Floßrutsche Europas, wo man im Biergarten zur Mühle wunderbar einkehren kann. Am Elektrizitätswerk findet sich der Weg zur Kiesbank nahe der alten Isar. Zum Pause machen, Brotzeiteln und Baden im Sommer ist es hier wie geschaffen. 

Zurück kommt man zum Beispiel über das rechte Hochufer, wo der Weg am „ultimativen Isarblick“ vorbeikommt. Von hier sieht man das nahe Kloster „Schäftlarn“ und bei klaren Tagen die Zugspitze. 

Vom Gasthaus zur Mühle geht´s am Isarkanal entlang. Es geht sich flott am sonnigen Wasser. Im Vergleich zu den wilden Wegen zwischen Straßlach und dem Gasthaus zur Mühle könnte man sich hier fast wie auf der Autobahn fühlen. Kinderwägen lassen sich dafür hier bestens schieben, außerdem stoßen wir an der Schäftlarner Brücke auf das Gasthaus und Biergarten Brückenfischer. Weiter geht´s auf der westlichen Isarseite, wo wir zum Kloster Schäftlarn gehen. Biergartenalarm!

Zurück nach Straßlach geht´s vom Brückenfischer über die Kanalbrücke, dann den Berg hinauf nach Beigarten und weiter den Weiler Deigstetten. Der kurze Ausflug von der Isar ist mit seinen weiten Blicken ins Land wunderschön. 

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6. Isarwanderung: Vom Kloster Schäftlarn zum Ickinger Stauwehr

Unten im Isartal finden wir unseren Weg zum Kloster Schäftlarn. Von dort führt er durchs Sägewerk und dann südlich durch die Wiesen. Bald stoßen wir wieder auf das Wasser. Wenn auch der Fluss hier etwas weniger Wasser wegen des Isarkanals führt, ist es hier sehr natürlich und urwüchsig. Der Pfad nahe des westlichen Isarufers geht an wilden Wachholderbüschen und schönen Kiesbänken vorbei. E.ON hat hier außerdem einen neuen Auenbach im Gegentausch für mehr Wasserentnahme gebaut. An ihm wandern wir, bis wir und das Ickinger Stauwehr erreichen.

Um zum Kloster zurück zu kommen, queren wir das Stauwehr und gehen den Weg zwischen altem Flussbett und Eisweiher zurück. Abwechslungsreich wird es durch gelegentliche Abstecher zum Stausee und zu den Kiesbänken. Der Weg stößt später auf den Isarkanal, der uns zurück zur Schäftlarner Isarbrücke bringt. Einkehrmöglichkeiten

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Bis nach Bad Tölz brauchen wir vom Ickinger Stauwehr weitere sieben Etappen. Der Charakter wird sich auch weiterhin ändern und wir darüber berichten.

Helmut Eder, Wander-und Hundefreund: Das Spannende liegt nicht immer am Ende des Regenbogens. Immer auf der Suche nach den kleinen Abenteuern und Geheimnissen, die man draußen findet. Ich schreibe auf unserem Blog über die gemeinsamen Touren, meist im Süden von München und was mir bei den Runden so in den Kopf kommt.

 

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