Inspiriert vom Licht des Südens: Skizzen mit Aquarellfarben

Inspiriert vom Licht des Südens: mit Urban Sketching die Umwelt festhalten

Den Ruf die nördlichste Stadt Italiens zu sein, hat München nicht ganz umsonst. Für einen Teil dieses südlichen Zaubers der bisweilen über der Stadt liegt, ist vermutlich die besondere Stimmung des Sonnenlichts verantwortlich.

An sonnigen Tagen wimmelt es zwar mehr als sonst vor Leben in der Stadt, aber die Großstadthektik tritt dafür zurück. Das Leben wird plötzlich einfacher, leichter, heiterer. Selbst der berühmte Münchner Grant wird mit einem Male herzlicher. Viele Münchner verstecken daher beim ersten Auftauchen von Sonnenstrahlen ihre Gesichter hinter dunklen Brillen, um nicht völlig in den Bann dieses alles verändernden Zaubers zu geraten.

Auch Miriam Benmoussa zieht es dann hinaus auf die Straßen und Plätze der Stadt. Hinter einer Sonnenbrille versteckt sie jedoch nicht. Dafür hat sie ihre Tasche mit Skizzenbüchern, Tusche, Pinseln und Aquarellfarben gefüllt, um die Farben der Stadt in ihren Zeichnungen festzuhalten. Seit sechs Jahren lebt Miriam in München, aufgewachsen ist sie in Marokko und dort hat sie auch ihre Liebe zum Licht und den kräftigen, leuchtenden Farben entwickelt. Zwar kann München nicht ganz mit der überbordernden Farbenpracht ihrer Heimat mithalten, aber Orte an denen sie das bunte Spiel von Licht und Schatten studieren kann, bietet ihre Wahlheimat dennoch zur Genüge. Miriam malt keine großen Gemälde, sondern kleine, schnelle Skizzen – die Liebe zum Beobachteten strahlt dennoch aus jedem ihrer Pinselstriche.

Urban Sketching nennt sich diese Kunst,  zeichnerisch mit schnellen Skizzen seine Umwelt festzuhalten. Urban Sketcher erzählen mit ihren Skizzen Geschichten vom Leben in der Stadt. Jeder auf seine Weise, ob mit einfachen, auf das wesentliche reduzierten schwarzen Tuschestrichen, oder detailliert in üppigen Aquarellfarben. Auch die direkte Bebachtung, das Zeichnen vor Ort ist den Sketchern sehr wichtig. In ihrem Manifest dokumentieren sie sogar die Wichtigkeit dieser beiden Punkte.

Miriam Benmoussa   (c) P.Gardill-Vaassen

Motive zum Zeichnen findet Miriam überall – ob auf der Straße oder im Café.

Miriam widmet sich beim Zeichnen am liebsten der reichhaltigen Architektur in München. Ihr persönliches Highlight in der Stadt ist aber der Viktualienmarkt. Dort bietet sich eine riesige Fundgrube an immer neuen, farbigen Szenen an. Viele ihrer München-Skizzen sind dort entstanden.
An das Oktoberfest hat sie sich bisher noch nicht rangetraut. Aber zumindest schon mal angenähert. Wenn zur Wiesnzeit die U-Bahn voll mit Trachtlern und anderen Wiesnbesuchern ist, zeichnet sie heimlich in ein kleines Notizbuch Detailskizzen von Besuchern und deren Aufzügen. „Was andere in ihr Tagebuch schreiben, das zeichne ich“, erklärt sie ihre Leidenschaft, mit der sie ihre Freizeit ausfüllt und einen Ausgleich zum Berufsleben findet. „Zeichnen heisst für mich, mein Leben zu dokumentieren“. Da sie ihre Zeichnungen einscannt und auf ihrem Blog veröffentlicht, kann sie ihr Leben auch mit ihren Verwandten in Marokko und Norddeutschland teilen.

Doch auch jetzt in der dunklen Jahreszeit, wenn sich die Sonne zu oft rar macht, findet Miriam Gelegenheit ihrer Leidenschaft nachzugehen. Dann setzt sie sich in die Glypthothek oder ins Völkerkundemuseum, oder einfach in ein Café und hält fest was sie umgibt. Einer ihrer Besuche galt kürzlich der Vesbar, einer Werkstatt mit Café für italienische Motorroller in der Münchner Ludwigsvorstadt. Wenn man in ihrem Skizzenbuch die Zeichnungen der zahlreichen bunten Roller und die Espressobar betrachtet, dann ist das Flair des Südens in München auch im Winter wieder präsent.

Info:
Miriams Blog mit Zeichnungen, Mehr über Urban Sketching

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