Geheimnisvolles in Münchens Zentrum

Münchens Zentrum? Na klar, der Marienplatz: Er ist Rathausplatz, Touristenmekka, Ausgangspunkt für Shoppingtouren, beliebter Treffpunkt, unterirdischer Verkehrsknotenpunkt, Jubelzone für Bayernfans, Christkindlmarkt-Platz samt Riesen-Lichterbaum – tausendmal dort gewesen, tausendmal gesehen – kenne ich alles.

Vier mutig Moppel

Putte mit SchlangeputtedracheDoch seit ich das Buch „Mystisches München“ in der Hand hatte, weiß ich: An den kleinen, interessanten und spannenden Details bin ich bislang achtlos vorbei gelaufen. Wie zum Bespiel an den vier kleinen, tapferen Helden-Putti, die an den Ecken der Mariensäule sich gegen allerlei Kriechzeug mit Schwertern und Speeren zur Wehr setzen.

mystisches muenchenPutte mit BaseliskDie mutigen Moppel versuchen seit Jahrhunderten den vier Grundübeln der Menschheit den Garaus zu machen: Die Schlange steht für die Ketzerei, der Drache für den Hunger, der Löwe für den Krieg und der Basilisk, eine Schlange mit Hahnenkopf, für die Pest.

 

Das Wurmeck

Blickt man von der Mariensäule an die westliche Ecke des neuen Rathauses entdeckt man gleich noch einen Dämon am gleichnamigen „Wurmeck“. Diesmal schaue ich mal nicht in die aktuelle Auslage des FC-Bayern Fan-Shops, sondern ein paar Meter über die Schaufenster hinweg. Dort oben klettert bislang von mir unbemerkt ein bronzener Lindwurm die Fassade empor. dracherathausDie Legende besagt, dass zu Zeiten der Pest ein riesiger Drache durch München geflogen sein soll und sein giftiger Atem Tod und Verderben über die Bewohner der Stadt brachte. Genau an dieser Stelle soll der Sage nach der Drache auf dem Marktplatz gelandet sein. Das Untier hatte aber nicht mit der Wehrhaftigkeit der Münchner gerechnet: Die brachten eine Kanone in Stellung und erledigten das Vieh mit nur einem gezielten Schuss. Danach wurde die Stadt von der Pest verschont.

 

fischbrunnen

Der Geldbrunnen

Jetzt da ich in Sachen Münchner Mythologie besser bescheid weiß, werde ich in diesem Jahr auch den Trick am Fischbrunnen ausprobieren. Vielleicht klappt es ja bei mir: Denn wenn man am Aschermittwoch seinen leeren Geldbeutel im eiskalten Wasser des Fischbrunnens wäscht, dem wird das ganze Jahr das Geld nicht ausgehen. Viele Münchner folgen an diesem Tag der alten Tradition – allen voran der Oberbürgermeister und sein Stadtkämmerer, die dem Brauch gemäß immer als erste ihre Geldbeutel ins Wasser tauchen. Schneller könnte man die städtische Kasse nicht entlasten – nur hat es bei den beiden leider noch nicht geklappt…

Die Glücks-Schnauze

Ein paar Meter in Richtung Residenz versuche ich meinem Glück nochmals auf die Sprünge zu helfen. Vor dem Eingang der Residenz stehen – wegen Restaurierungsarbeiten – im Moment nur noch zwei der ehemals vier bronzenen Löwen, die mit ihren Tatzen jeweils eine Tafel halten. Am unteren Ende der patinierten Tafel befindet sich je eine glänzend gescheuerte Fratze. Diesmal weiß ich wie es richtig geht und streichle im Vorbeigehen gleich über beide Mäuler. residenzfratzeDenn dann soll das Glück einen den ganzen Tag über begleiten. Angeblich geht dieser typische Münchner Brauch auf eine Legende zurück, die mit der Liebesbeziehung Ludwig I. und der schönen Tänzerin Lola Montez zu tun hat. Ein Student schrieb im Jahr 1848 einen Schmähbrief über die Tänzerin und ihre Beziehung zum König. Damit sein Schreiben auch wirklich ankam, heftete er den Brief gleich an die Tür der Königsresidenz. Der König war wütend und setzte eine Belohnung auf die Ergreifung der Täter aus. Jetzt war der Student sauer und in seinem Stolz gekränkt, weil der König nicht einem einzelnen die Tat zutraute, sondern von einer Gruppe ausging. Der Student heftete kurz darauf nachts wieder ein Schreiben an die Tür und wurde diesmal dabei erwischt. Dem König imponierte der Mut des Übeltäters. Er erließ dem Studenten die Strafe und übergab ihm sogar noch die ausgesetzte Belohnung – da der Briefschreiber selbst zu seiner Ergreifung beigetragen hatte. Beim Verlassen der Residenz strich der überglückliche Student über die bronzenen Nasen und seither überträgt sich – so sagt man – sein Glück auf alle, die dies ebenfalls tun.

Die kleinen und großen Sehenswürdigkeiten Münchens kann man am besten bei einer Stadtführung kennenlernen. Ob mit dem Doppeldecker durch die Stadt, mit dem Fahrrad oder zu Fuß mit einem Historiker – einen Überblick über unterschiedliche Stadtführungen finden Sie auf muenchen.de/stadtfuehrung

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So gehts mir auch ich gehe Tag ein, Tag aus über den Marienplatz und das nun seit Jahren, aber so habe ich die Dinge tatsächlich nie gesehen.

  2. Hallo, München ist eine tolle Stadt und immer eine Reise wert. Vielen Dank für den interessanten Artikel und die eindrucksvollen Momentaufnahmen von dir. Viele Grüße

    • Ich freue mich, dass Dir mein Artikel gefallen hat – ich bin selbst überrascht, wie viel man hier entdecken kann, wenn man mit offenen Augen Plätze sieht, die man durch und durch zu kennen glaubt.

  3. Ich freu mich jedes Mal, wenn ich an den Löwen vorbeilaufe und die Schnauze streicheln kann und mir Glück wünsche;-)

  4. Pingback: Wohnen in der Stadtmitte: Zwischen Marienplatz und Hofbräuhaus › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

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