Mittags um zwölf Uhr in München: Edelmenü zum kleinen Preis und Business-Lunch mit dem gewissen Extra

Mittags um zwölf Uhr in München: Edelmenü zum kleinen Preis und Business-Lunch mit dem gewissen Extra: Kleinschmecker Vorspeise SalatKantine, Brotzeit oder Fertiggericht? Mittagspause geht auch anders. Wir haben für Euch fünf Münchner Restaurants getestet, in denen Ihr edle, ausgefallene Menüs zu bezahlbaren Preisen bekommt – abseits des üblichen Mittagstischs.

Kleinschmecker – Lässig-elegante Perle zwischen Schrannenhalle und Synagoge
„Der Einstieg ist gelungen? Es hat Ihnen geschmeckt?“, fragt die Kellnerin beim Abräumen der leeren Schüssel, in der als einziges Überbleibsel meiner Vorspeise, einem Brotsalat mit Hirschschinken und Kirschtomaten, nur noch ein paar der Wildkräuter kleben. Ja, es hat mir geschmeckt. Genauso wie die gebackene Hähnchenbrust mit dem bunten Kartoffelsalat und der Gartenkressecreme und der Espresso zum Abschluss meines Mittagsmenüs, das ich mir letztens im Kleinschmecker gegönnt habe.

Wer nicht nur an einem besonderen Abend, sondern auch in der Mittagspause raffinierte Gerichte in edlem Ambiente und einen exzellenten, zuvorkommenden Service sucht, der sollte unbedingt einmal das kleine Lokal am Sebastiansplatz, zwischen Schrannenhalle und Synagoge aufsuchen. Zwischen Montag und Freitag bietet das Kleinschmecker täglich wechselnde Mittagsmenüs mit zwei Gängen und einem Espresso. Während man am Abend zwischen 10 und 20 Euro für eine Vorspeise und 25 bis 30 Euro für ein Hauptgericht zahlt, ist das Mittagsmenü für 15 Euro zu haben. Darüber hinaus gibt es jeden Tag ein Nudel- und ein Risottogericht für 8,90 Euro.

Das Kleinschmecker setzt auf Klasse anstatt Masse. Das in hellen Grautönen gehaltene und mit hellbraunen Holztischen geschmackvoll eingerichtete Lokal ist relativ klein und hat innen nur 36 Plätze. Man sollte daher zur Sicherheit reservieren. Im Sommer kann man sein Essen auf der Terrasse genießen und dabei das Treiben am Sebastiansplatz genießen. Die Portionen sind auch nicht so wahnsinnig groß, was aber den Vorteil hat, dass man nach der Rückkehr im Büro nicht ins „Suppenkoma“ fällt. Ich schiele auf die Desserts der beiden Herren zwei Tische weiter, ein Traum aus Pralineneis, Krokant und Birne, beschließe jedoch, eisern zu sein und bleibe bei meinem Espresso.

Besonders begeistert war ich vom Service. Meine kurzfristige Online-Reservierung hat wunderbar funktioniert und obwohl ich alleine bin, bekomme ich einen schönen Tisch in einer ruhigen Ecke, kein Katzentisch, wo so häufig, wenn man als „Soloesser“ unterwegs ist. Die Frage, ob es ein Gläschen Wein sein darf, habe ich angesichts der frühen Stunde zwar verneint, doch ich lausche interessiert der ausführlichen Weinberatung am Nachbartisch, die genauso kompetent ist wie die Ansage der einzelnen Gerichte, in der wirklich jede Zutat erwähnt wird. Mein Fazit: Sterne-Niveau-Service in gemütlicher, stilvoller Atmosphäre mit schmackhaftem, ausgewählten Essen zu humanen Preisen!
Kleinschmecker
Sebastiansplatz 3
80331 München

Gesellschaftsraum – Die jungen Wilden in der Nähe des Hofbräuhauses
Geschmacksexplosionen und Genuss abseits der ausgetretenen Pfade verspricht Der Gesellschaftsraum, dessen Name und Logo mit dem roten Stern eher auf eine Kneipe für Che Guevara-Anhänger schließen lässt als auf ein Gourmetrestaurant. Wenn es Abend wird in der schönsten Stadt der Welt, finden sich in dem durchdesignten Lokal auf der Rückseite des Hofbräuhauses die Feinschmecker ein, um sich bei einem Sieben-Gänge-Menü mit extravaganten Köstlichkeiten und erlesenen Weinen verwöhnen zu lassen. Der Gaumenschmaus hat allerdings seinen Preis: Für das Sieben-Gänge-Menü sind 85 Euro fällig, wer sich für ein Vier-Gänge-Menü mit Weinbegleitung entscheidet, ist mit 100 Euro dabei.

Wer nicht so tief in die Tasche greifen möchte, aber dennoch das stilvolle und gleichzeitig lässige Ambiente und die exzellente Küche des Gesellschaftsraumes genießen möchte, kann von Montag bis Freitag das Mittagsmenü ausprobieren. Für 18 Euro gibt es eine Vorspeise, einen Hauptgang und einen Kaffee. Als Vorspeise wird beispielsweise Chicorée-Orangen-Salat mit Lachs serviert oder eine Kürbissuppe mit Entenbrust. Klingt beides sehr verlockend. Oder Frischlings-Vitello-Tonnato mit Roter Bete? Himmlisch. Auch beim Hauptgericht fällt die Wahl schwer. Risotto mit Flußkrebsen und Zuckerschoten oder doch lieber die Rinderfiletspitzen mit Austernpilzen, Blaukraut und Gnocchi? Wer nicht so viel Hunger hat oder lieber noch ein Dessert möchte, kann die Gerichte auch einzeln bestellen. Für einen Mittagstisch, wo die Portionen ja öfters etwas kleiner ausfallen, sind die Teller ganz gut gefüllt.

Für Kaffeetanten wie mich ist nicht nur das hervorragende Essen ein Grund zum Wiederkommen. Die Latte Macchiato, die ich mir als Nachtisch gönne, ist so üppig wie eine ganze Mahlzeit und wird in einem riesengroßen Jack-Daniels-Limonadenglas serviert. Eine tolle Alternative zu den üblichen, überall gleichen Gläsern. Wenn mich nicht die Arbeit wieder zurück an den Schreibtisch gerufen hätte, wäre ich gerne noch etwas länger in meinen Siebziger-Jahre-Acrylstuhl mit den beigefarbenen Polstern sitzen geblieben. Dann hätte ich weiter dem Zischen der Espressomaschine und dem Bruzzeln in der Küche gelauscht, mit dem netten Kellner geplaudert, der mir netterweise seinen Kugelschreiber für meine Notizen ausgeliehen hat und durch die großen Fenster die Flaneure in der Bräuhausstraße beobachtet, bis die Abendgäste eintreffen. Mein Fazit: Allein schon wegen des gigantischen Latte Macchiatos und wegen der tollen Einrichtung würde ich wieder herkommen, vielleicht beim nächsten Mal tatsächlich zum Sieben-Gänge-Menü am Abend?
Der Gesellschaftsraum
Bräuhausstraße 8
80331 München

Conviva im Blauen Haus – Theaterluft schnuppern in der Kantine der Münchner Kammerspiele
Nur wenige Gehminuten vom Gesellschaftsraum entfernt, in der Hildegardstraße, landet man in einer völlig anderen Welt. Zwar befindet sich das Conviva im Blauen Haus nur einen Steinwurf entfernt von den Designerläden und den Porsche Cayenne in der Maximilianstraße, doch herrscht hier von der Einrichtung her eher Kantinenflair. Das ist jedoch auch das Besondere an dieser Lokalität. Denn das Conviva im Blauen Haus gehört zu den Münchner Kammerspielen und dient auch den Angestellten des Hauses als Kantine, obgleich die meisten in dem für die Mitarbeiter abgetrennten Bereich speisen, hinter der Metallwand mit den Theaterplakaten, die für den Abendbetrieb und zu den Premierefeiern beiseite geschoben wird.

Ich mag das Conviva im Blauen Haus, es herrscht eine besondere Stimmung in dem Lokal mit den großen Fensterfronten, das mit seinen Betondecken, den Bühnenscheinwerfern ein bisschen an eine Bühnenwerkstatt erinnert. Zur Mittagszeit ist es immer proppenvoll hier, fast jeder Platz an den großen Achter-Tischen ist dann besetzt. Ab 13.30 Uhr lichten sich jedoch die Reihen, bis dann die Kaffee- und Kuchengäste kommen.

Das Conviva ist nicht nur wegen seines integrativen Konzepts einen Besuch wert, sondern auch wegen seiner guten und preiswerten Küche. Das Küchenteam sagt von sich selbst, dass es keine Ambitionen auf einen Michelin-Stern hat, doch die Gerichte sind raffiniert und köstlich. Geräuchtertes Renkenmousse mit Rote-Bete-Salat, Pfifferlingsravioli in Rehconsommé oder Kalbsmedaillons mit Scampi im Speckmantel, die Gerichte sind stet saisonal und frisch, internationale Küche wird mit regionalverwurzelten Gerichten kombiniert. Mittags werden immer verschiedene Zwei-Gänge-Menüs angeboten für 8,50.

Als ich zu Gast bin, habe ich die Wahl zwischen weißer Rübensuppe oder Maranonenflan mit Feldsalat und als Hauptspeise Rote Bete Matjessalat mit Butterkartoffeln oder Rostbratwurst auf Rahmkohlrabi-Kartoffeln. Als ich sehe, wie groß die Portionen sind, entscheide ich mich für eines der Tagesgerichte, da ich abends schon wieder zum Essen verabredet bin. Wobei die Canneloni mit Spinat-Ricotta-Füllung für 7,50 Euro auch so reichhaltig waren, dass ich mich hinausrollen konnte. Schade, dass die Mandel-Pistaziencreme mit Beerenkompott nicht mehr hinein passte.
Conviva im Blauen Haus
Hildegardstr. 1
80539 München

KUTCHiiN – Industriecharme in ehemaliger Halbleiterfertigung
Ich fühle mich ein wenig wie auf einem alten Industriegelände in Chelsea oder in Brooklyn, als ich über den Campus der Neuen Balan schlendere und über eine Lieferrampe die Treppe hochgehe in die ehemalige Fabrikhalle, in der Holger Strombergs Tagesrestaurat KUTCHiiN untergebracht ist. Wo früher Halbleiter produziert wurden, werden in der einsehbaren Küche jeden Mittag wechselnde Gerichte geköchelt.

Ich kenne das Gelände und auch das Haus 32, in dem das KUTCHiiN zu Hause ist, noch aus der Zeit, als ich bei eben jenem Halbleiterhersteller gearbeitet habe, der früher hier ansässig war. Die Fabrikatmosphäre ist erhalten geblieben in dem riesigen Raum mit dem schwarzen Boden und der Betondecke. Zusammen mit den weiß-gräulich gestrichenen Holztischen und -bänken und den bunten Kissen, den großformatigen Hochglanzfotografien an den weißen Wänden, den großen Kerzenständern und der indirekten Beleuchtung ergibt das ein schickes Loftambiente, in dem man sich auch an einem ausgedehnten Ausgehabend am Wochenende wohlfühlen würde.

Aufgrund der Architektur ist der Geräuschpegel ein wenig hoch, das gibt dem ganzen ein wenig Kantinenflair. Tatsächlich kommen die meisten Gäste auch aus den umliegenden Büros hierher. Die Preise sind etwas höher als in einer Werkskantine. Es gibt ein etwas günstigeres Menü für 8,50 Euro, das aus einem Salat und einem Nudelgericht besteht. Das Fleischgericht kostet zwischen 14,00 und 16,00 Euro. Ich scheine mit einem außerordentlich guten Appetit gesegnet zu sein, denn auch hier fallen die Portionen für meinen Geschmack ein wenig klein aus. Aber wie ich mittlerweile weiß, ist dies bei Mittagstischen gang und gebe. Man soll ja danach noch arbeiten können und nicht vor lauter Verdauen am Schreibtisch einschlafen.

Für Ausgehungerte wie mich steht bereits auf jeden Tisch eine Schüssel mit köstlichen, frischgebackenen kleinen Semmeln bereit und eine Kräuterfrischkäsecreme. Die Semmeln haben eine gelbe Farbe, Kurkuma, erfahre ich von der Bedienung. Sehr fein. Obwohl ich schon etwas später dran bin und der Hochbetrieb schon abgeebbt, muss ich eine Weile auf meinen Tomatensalat mit Essigzwiebeln und Tomaten und meine Fussili mit Rinderbrassato und geschmorter Paprika. Das stört mich aber nicht, ich habe ja die leckeren Kurkumasemmeln und ich vertreibe mir die Zeit damit, die Leute zu beobachten und das Loft-Fabrik-Ambiente zu genießen. Und falls ich nicht ganz satt werde: Um die Ecke gibt es ja noch die „Wurst ohne Reue“ im Curry 73, die Edel-Pommesbude von Holger Stromberg an der Balanstraße, Ecke St.-Martin-Straße. Zur Not also noch eine Currywurst zum Dessert …
KUTCHiiN
Balanstraße 73, Haus 32
81541 München

Esskapade – Edelcurrywurst zwischen Jugendstilvillen in Neuhausen
Die Currywurst zum Nachtisch wäre vielleicht doch etwas zuviel des Guten gewesen. Die esse ich am nächsten Tag. Im Esskapade. Obwohl ich eigentlich auch wegen der feinen Menüs hergekommen bin, die es hier Mittags zu einem günstigen Preis gibt. Während am Abend drei Gänge ab 38 Euro zu haben sind, sind diese Mittags für 19 Euro zu haben. Ein Zwei-Gänge-Menü kostet Mittags 16 Euro, der ebenfalls täglich wechselnde Businesslunch schlägt mit 8,50 Euro zu Buche. Zwar lacht mich auch die Pastinakenschaumsuppe an und die Krustentiermaultaschen mit Zuckerschoten, Kirschtomaten und Fenchel, aber heute will ich eine Currywurst. Die ist jeden Tag im Programm und kann tatsächlich – fast – ohne Reue verzehrt werden. Denn sie wird mit einem knackig-grünen Salat mit leckerem Dressing serviert und anstelle von Pommes Frites gibt es Kartoffelecken, die nur kurz in Olivenöl angedünstet sind. Also Currywurst mit ein paar Vitaminen.

Das Esskapade legt hohen Wert auf Qualität und hochwertige frische Produkte, ist in dem Flyer zu lesen, den ich mit meiner Rechnung bekomme. Ja, das kann ich bestätigen. Ich bin nicht nur satt geworden – welch ein Wunder bei meinem Appetit – der Geschmack war wirklich vortrefflich. Nachdem ich entdeckt habe, dass das Esskapade von meiner Lieblingskaffeerösterei beliefert wird, habe ich mir zum Abschluss noch einen Cappuccino gegönnt.

Laufkundschaft hat das Esskapade weniger, denn es liegt etwas abseits am Ende der Volkartstraße, fast läuft man vorbei. Mittags sind hauptsächlich Stammgäste aus der Nachbarschaft hier anzutreffen, offenbar kennt hier jeder jeden. Das Herrentrio zwei Tische weiter sitzt schon etwas länger in dem in dunkelrot und braun gehaltenen Lokal, das mit seinen Terrakottafliesen und der Theke mit den Backsteinen ein wenig mediterranes Flair verströmt. Sie lassen sich einen feinen Weißwein schmecken, diskutieren die politische Lage, ob es sich wohl lohnt, nochmal Skifahren zu gehen und fragen den Neuankömmling „Und, wie geht’s dem Hund?“ und merken, dass sie vielleicht zunächst hätten fragen sollen, wie es der Ehefrau und den Kindern geht. Vielleicht sollte ich auch öfters herkommen, das Esskapade scheint eines der Lokale zu sein, in dem persönlicher Kontakt großgeschrieben wird und in dem man leicht ins Gespräch kommt. Dann probiere vielleicht mal die „Esskapasti“, mariniertes Gemüse mit Bergkäse und Schinken mit einem Gläschen Wein. Hach, ich bekomme schon wieder Hunger!
Esskapade
Volkartstraße 70
80636 München

Und wer jetzt noch immer Hunger hat, für den haben wir hier noch weitere Restaurant Tipps.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Mittagessen in München: Teil zwei der Serie "Lunch in München" › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  2. Interessante Kommentare – wenn man auch dem Verfasser sehr wenig Esskultur bescheinigen kann, denn „Latte Macciato“ nach dem Mittagessen? Ein absolutes NO GO und das nicht nur in Italien…..

Kommentar verfassen