Fünf Gründe, warum unsere Autorin immer wieder gerne nach München zurückkommt

Unsere Autorin Margot Weber lebt gerne in München. Fährt aber auch gern immer mal wieder weg. Für ein paar Tage oder Wochen, aber auch für länger. Und kommt dann umso lieber wieder zurück. Wir haben sie mal gefragt, warum das so ist.

München im Frühling – meine Lieblingsstadt. Das Radl rausholen und am Wochenende einmal quer durch die City, von Schwabing bis runter nach Thalkirchen, cruisen. Im Biergarten vom Seehaus im Englischen Garten sitzen und überlegen, ob man nicht endlich mal selber, wie all die Touristen, ein Tretboot mieten müsste. Mittags im Kaisergarten an der Ursulakirche ein feines Kalbsschnitzel essen und zum Nachtisch auf ein Bio-Eis zum Bartu in die Wilhelmstraße spazieren. Auf den Stufen der Staatsoper die Strahlen der Abendsonne genießen. Vor dem Kinobesuch im Arri noch kurz auf der Terrasse vom Georgenhof etwas trinken gehen.

Aber manchmal wird mir diese Stadt auch ein bisschen zu viel. Da ist mir der Ton auf der Straße dann etwas zu ruppig. Wie oft ich in meinem Leben schon angegrantelt worden bin, kann ich nicht mehr zählen. Wie sehr mich Krach und Dreck der dauernden Baustellen rund um mein Haus nerven, ebenfalls nicht. Und wenn ein Restaurant nett und gut ist, vergehen nur ein paar Monate, bis der Inhaber einem für eine Reservierung, ähnlich wie in Manhattan, absurde Time-Slots anbietet („Von sechs bis acht oder lieber von acht bis zehn? Oder ihr kommt erst um halb elf, dann ist an der Bar sicher was frei.“). Und von Zeit zu Zeit fällt mir auch auf, wie teuer das ganz normale Alltagsvergnügen hier ist: Einmal schön essen gehen und danach ins Kino – das kostet ab 40 Euro aufwärts. In Berlin oder Köln kann man für deutlich weniger Geld genauso angenehm wohnen und leben. Oder nicht? München und ich – das ist irgendwie schon seit Jahren eine Liebesbeziehung mit Höhen und Tiefen.

Jedenfalls freue ich mich oft, wenn ich aus beruflichen Gründen mal wieder paar Wochen anderswo verbringen darf. Dann sitze ich abends statt vor der Oper an der Elbe und gucke den dicken Pötten beim Auslaufen zu. Hat auch was, denke ich dann. Oder ich esse in Berlin eine Currywurst mit Pommes für fünf Euro statt, wie in München, ein Schnitzel für 20. Und zwar in einem Laden, in dem ich nicht eine Woche vorher online per OpenTable reservieren und bei Nichterscheinen 30 Euro pro Nase löhnen muss. Oder gehe ins Schauspiel Frankfurt statt ins Volkstheater. Und all das ist nicht automatisch schlechter als das, was München mir bietet. Nur anders.

Aber nach ein paar Wochen an Spree, Main oder Elbe merke ich dann immer, wie in mir allmählich wieder eine kleine Sehnsucht wächst. Nach dem lauschigen Café im Innenhof der Glyptothek. Nach einem späten Frühstück im „Daddy Longlegs“ an den Pinakotheken. Und sogar nach den Münchner Grantlern. Und wenn mich dann irgendwann der erste wieder mal schräg von der Seite anraunzt, dann denke ich: Mei, is des schee! I’ bin wieda dahoam.

Fünf „Nur in München“-Orte, die ich vermisse, wenn ich lange weg bin:

  • Meine Bank im Luitpoldpark

Von Süden kommend findet man im mittleren Teil des Parks, unmittelbar neben der Borschtallee, ein Rondell aus einem halben Dutzend grüner Bänke. Dorthin fällt nachmittags ungehindert und bis kurz vor Sonnenuntergang die Münchner Frühlingssonne. Eine Stunde dort, mit Blick auf die große grüne Wiese: Im April und Mai hole ich mir dort regelmäßig meine tägliche Dosis Sonnenschein.

  • Meine Lieblings-Radlstrecke

Sie beginnt am Hohenzollernplatz. Von dort geht’s durch den Luitpoldpark Richtung Norden zum Petuelring, dann zum und durch den Olympiapark, weiter am Biedersteiner Kanal entlang durch Gern bis zum Schloss Nymphenburg.

  • Die Kunsthalle

Gerade bin ich wieder mal nicht da – aber ich freue mich schon sehr, dort nach meiner Rückkehr die Peter-Lindbergh-Ausstellung zu besuchen („From Fashion To Reality“; bis 27. August). Peter Lindbergh war – und ist – einer der einflussreichsten Modefotografen der vergangenen 40 Jahre. Diese multimediale Schau präsentiert rund 220 Objekte, darunter Filme und exklusives, bisher ungezeigtes Material wie Storyboards, Requisiten, Polaroids und Kontaktabzüge.

  • Der Eisbach

Der Eisbach ist für mich ein typisches Stück München. Am südlichen Rand des Englischen Gartens kann man die Surfer bewundern, was ja auch viele tun, aber ich persönlich vermisse eher den mittleren Teil. Jenen, der sich ungefähr auf Höhe der Universität befindet und wo man an sonnigen Tagen halb München auf den Wiesen trifft.

Eine imposante Schwimmhalle mit Tribüne und noch dazu eine weitläufige Saunalandschaft – was will man mehr? Ach, das hätte ich fast vergessen: Es gibt ja auch noch ein warmes Außenbecken mit Sprudelliegen, Massagedüsen und Strömungskanal. In den ersten warmen Frühlingstagen ein herrlicher Ort, um sich aufs sommerliche Draußensein vorzubereiten.

Was sind Eure „München-Orte“, die ihr vermisst?

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