Filserball: Ein Faschingsball, der keiner ist

Zur Münchner Ballsaison gehört der Filserball wie die Brezn zur Weißwurst. Traditionell am vorletzten Freitag in der Faschingszeit laden die „Filserbuam“ in den Löwenbräukeller zum großen Ball. Statt Faschingskostüm wird Tracht getragen – für manche kommt dies aufs Selbe raus. Andere sind froh, dass sie sich keine Pappnase aufsetzen müssen, um im Fasching ausgiebig feiern zu können. Die Filser selbst legen jedoch besonderen Wert auf die Feststellung, dass der Filserball KEIN Faschingsball sei und auch die Filser kein Faschingsverein. 2000 handverlesene Gäste in Trachtenanzügen, Lederhosen und feschen bis sehr feschen Dirndln freuen sich, dass sie eine der begehrten Karten kaufen konnten. Denn nicht jeder bekommt ein Ticket. Frei verkäuflich sind die Eintrittskarten nämlich nicht. Nur über die Vereinsmitglieder, die „Filser Buam“, kann man an die Karten kommen. Man muss also jemanden kennen, der jemanden kennt. Wenn man dann drin ist, weiß man, dass man irgendwie auch dazugehört – alles sehr münchnerisch eben.

Noble Stammtischbrüder
Die „Filserbuam“ sind alles andere als „Buam“ sondern gestandene, in der Regel erfolgreiche Münchner Geschäftsleute, sowie oft auch deren Söhne. Nur bestehende Mitglieder können neue Mitglieder vorschlagen. Die Mitgliederliste des eingeschworenen Männervereins liest sich wie das Who-is-Who des alteingesessenen Münchner Unternehmertums. In ihren Reihen finden sich u. a. Großgastronome, Großbäckereibesitzer, Großmetzgereierben und auch ein paar Mediziner. „Wichtig ist uns, dass die neuen Mitglieder gesellig sind und einen Bezug zu Brauchtum und Tradition haben“, formuliert Oberfilser Christian Schottenhamel, Wirt des Löwenbräukellers und Wiesnwirt, bescheiden die Mindestvoraussetzungen für eine Mitgliedschaft. Neumitglieder werden im Rahmen der Weihnachtsfeier im Verein aufgenommen. Dabei erhalten sie von ihrem „Paten“ den typischen Filserhut mit kostbarem Adlerflaum und eine Anstecknadel geschenkt. Die typische Filsertracht, ein schwarzer Trachtenanzug im Pienzenauer Stil mit königsblauer Weste, muss man sich dann nur noch schneidern lassen. Im Laufe des Jahres lädt dann der Neufilser alle andern Filser zu einem Ausflug ein – auch das sollte man sich leisten können.

Dem Filser seine Buam
Die eigene Geschichte der Filser reicht noch gar nicht so lange zurück, wie man vermuten möchte. In den 60er Jahren ging der Verein „Die Filser-Buam e. V.“ aus einer Stammtischrunde mit sieben Mitgliedern hervor. Für die Gründung des Vereins warb jedes Mitglied weitere sechs Mitglieder, jetzt sind es 49 Filser-Buam. Auch heute noch ist die Mitgliederzahl des Vereins auf 49 Männer beschränkt. Dem entsprechend begehrt sind auch die freiwerdenden Plätze beim exklusiven und konservativen Münchner Männerzirkel. Zu Beginn der Vereinsgeschichte, ließen sich die Filser sogar dazu hinreißen, eine Dame zur „Ehrenfilserin“ zu erklären. Als bislang einziger Frau wurde der schönen und drallen Antia Ekberg damals diese Ehre zuteil – doch von diesem Ausrutscher wollen heute viele alteingesessene Filser nichts mehr wissen.

Zu ihrem Namen kamen die Filser durch einen Zufall. Bei der besagten Stammtischrunde der 60er Jahre bei der, wie an jedem Stammtisch, auch fleißig politisiert wurde, bemerkte ein Anwesender, die Herren könnten glatt dem Filser seine Buam sein. Die Anspielung zielte dabei auf die bekannten Filser-Briefe des Volksschriftstellers Ludwig Thoma, in denen der Landwirt und königlich-bayerische Landtagsabgeordnete Josef Filser bauernschlau und satirisch die politischen und wirtschaftlichen Umstände seiner Zeit kommentiert.

Feiern für das Brauchtum
Seit Vereinsbeginn gehört es deshalb bei den Filsern dazu, regelmäßig beim Stammtisch anwesend zu sein, sich bei den unterschiedlichen Vereinsveranstaltungen zu engagieren und natürlich auch beim großen Filserball teilzunehmen. Ein Höhepunkt des Abends ist jedes Jahr der Showteil im Programm: Eine Playbackshow, in der die Vereinsmitglieder ihr schauspielerisches und komödiantisches Talent zum Besten geben.

Oberstes Ziel der Filser ist es jedoch nicht, einen der begehrtesten Münchner Bälle zu organisieren, sondern mit dem Erlös des Balls die bayerische Tradition zu pflegen. Als Vereinszweck haben sich die Filser nämlich die „Erhaltung, Pflege und Förderung des bayerischen Brauchtums“ auf die Vereinsfahne geschrieben. Dass es dabei nicht nur bierernst zugehen muss, sondern man auch eine richtige Gaudi haben kann, erlebt man live am Filserball.

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