Fasching in München – eine ganz persönliche Betrachtung

Meine persönliche Meinung zum Münchner Fasching? Der Münchner Fasching ist DIE Untergrundbewegung der Landeshauptstadt. Denn Fasching in München findet oft im Verborgenen statt, zumeist im Untergeschoss von Münchner Traditionsbrauerein wie dem Löwenbräukeller.

Beliebt sind in München auch Faschingsfeste eingeschworener Männergesellschaften, wie die der „Filser-Buam“. Zutritt zum „Filserball“ hat hier nur, wer in Tracht erscheint und dazugehört – zu den Filsern oder zu den Spezeln der Filser.

Der trachtelnde Filserball bestätigt auch meine spezielle Münchner Faschingstheorie: Die Münchner orientieren sich beim Verkleiden eher monothematisch. Meistens kommen alle mehr oder minder gleich verkleidet. Der Großteil der eingeschworenen Faschingsgänger ist so ungeduldig, dass sie bis zum Winter gar nicht mehr warten können und bereits im Herbst auf der Wiesn ihre neuesten Kostüme präsentieren.

Foto: Burkhard Fritz

Foto: Burkhard Fritz

Das hat sicherlich auch etwas mit dem Klima zu tun, denn im September ist es einfach noch ein paar Grad wärmer für knappe Rüschendirndl und Krachlederne mit lila Hirschstickerei. Wobei sich der extreme Münchner Faschings-Untergrundgänger auch von Minusgraden im Februar und März nicht abschrecken lässt. Ganz im Gegenteil: Die ganz harten Besucher des Münchner Schabernackt orientieren sich in Sachen Verkleidung konsequent am brasilianischen Karneval und den mit ein paar Federn und Strasssteinchen bekleideten Damen. Ganz so appetitlich wie in Brasilien sieht das im bayerischen Löwenbräukeller dann oft nicht aus – exotisch ist es aber allemal.

Tradition wird in München groß geschrieben und das gilt auch für den Fasching – wenn er denn an die Oberfläche tritt. Was wäre der Fasching in München ohne dem traditionellen Tanz der Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt? Tausende von Besuchern strömen jedes Jahr am Faschingsdienstag um 11 Uhr auf den Viktualienmarkt, um beim Tanz der Marktfrauen zuzusehen. Genau weiß niemand, wann die Marktfrauen angefangen haben, verkleidet vor ihren Obst- und Gemüseständen zu tanzen. Seit den 50er Jahren wurden sie jedoch langsam zur Attraktion und seit den 80er Jahren tanzen sie sogar auf einer Show-Bühne und proben im Voraus monatelang ihren launigen Auftritt. Für viele Münchner gehört diese spezielle Einlage so untrennbar zum Fasching wie ein frischer Krapfen.

Für mich persönlich sind die Krapfen ein absolutes Highlight der Faschingszeit. Ich hatte mal mit einem wildfremden „Damischen Ritter“ eine hitzige Diskussion, wo es die besten Krapfen der Stadt gibt und welche Füllung sie haben sollten. Vom Cappuccino-Krapfen über die Tiramisu- und Schwarzwälderkirsch-Kreation bis hin zum ganz normalen Traditionskrapfen mit Aprikosen- oder Hagebuttenfüllung – über Geschmack lässt sich im Fasching vortrefflich streiten.

Die Meinungen gehen auch auseinander, wenn es darum geht, wo es die schönsten Bälle in München gibt. Vielleicht ist es der Gauklerball als rauschendes Kostümfest im Künstlerhaus oder die Bälle des BR im Funkhaus mit ihrer ausgelassene Partystimmung oder die feinen, festlichen Bälle im nun rundum sanierten Deutschen Theater ?

Keine Frage: Legendär sind die Weißen Feste in Schwabing und die großen privaten Faschingsparties der Münchner Boheme. Sogar Hollywoodstar Robert Redford hat sich kürzlich in einem Interview an München gut erinnern können und an das unglaubliche Faschingstreiben in der Stadt im Jahre 1957 (!). Demnach war er nach drei Tagen Dauerfeiern in irgendeiner Wohnung aufgewacht und wusste nicht mehr viel, außer dass er eine verdammt gute Zeit gehabt hatte.

In meinen Augen fremdeln wir Münchner seit längerem mit unserem Fasching: Fahren Sie einmal während der närrischen Zeit in Faschingsverkleidung in München mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, Sie werden die ungeteilte Aufmerksamkeit genießen. Kein Punker mit Irokesenschnitt auf dem Kopf und Ratte auf der Schulter und kein weiß geschminkter Grufti im schwarzen Ledermantel wird so befremdliche Blicke auf sich ziehen, wie ein einsamer Faschingsgänger mit gelber Perücke und Clownnase im Gesicht, der gerade auf dem Weg zum Löwenbräukeller ist.

Tipp: Einen Überblick über die schönsten Bälle der Stadt und die wichtigsten Faschingstermine finden Sie hier unter muenchen.de

 

 

 

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Verfasser des Artikels hat offensichtlich die NARRHALLA München – die Erfinder und Initiatoren von FASCHING HAT HERZ – übersehen.
    Mit der SOIREE in Deutschen Theater, dem Start des Faschingsendspurtes auf dem Viktualienmarkt am unsinnigen Donnerstag (zusammen mit den Marktfrauen), dem CARNEVAL IN RIO im Bay. Hof und dem offiziellen Prinzenpaar der Stadt (über 200 Termine bei Veranstaltungen, Bällen, Kindergärten, Seniorenheimen usw.) leistet die Gesellschaft einen großen Anteil im Fasching München. Und vor den Marktfrauen am Dienstag: die NARRHALLA. Schaut doch mal einfach auf Facebook: Narrhalla München

  2. Pingback: 2016 - ich freue mich drauf! persönlich höhepunkte des Jahres › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  3. Pingback: Münchner Filserball: Ein Faschingsball, der keiner ist › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

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