Mein Englischer Garten

Die Nähe zum Englischen Garten war für unsere Familie immer schön. Das Leben dort war schon recht bunt. Am Hirschanger wurde von der Schule aus immer wieder mal Sport getrieben (ist auch heute noch so). Völkerball war für uns der Hit, na ja, jedenfalls für die meisten von uns. Da wurden auch die Bundesjugendspiele veranstaltet mit Laufen, Werfen und Springen. Einmal im Jahr gab es immer ein Kinder- und Jugendfest.  Alle möglichen Spiele wurden da veranstaltet, wie z.B. Eier laufen, Sack hüpfen und vieles mehr.

Als in unserer Straße mal wieder ein Haus abgerissen wurde und nur noch Bauschutt übrig war, stiegen auf diesem Bauschutt – was natürlich verboten war – ein paar Freundinnen und ich darauf herum.

Wir fanden das toll und abenteuerlich und hofften, noch irgendwelche Dinge, die man vielleicht zum Spielen benutzen konnte, zu finden. Wir waren da wohl neun oder zehn Jahre alt.

Es kam wie es kommen musste. Meine beste Freundin –  barfuß (es war Sommer und heiß) war sie da auch noch, kaum zu glauben – trat in eine Glasscherbe und der Fuß blutete heftig. Wir brachten sie dann nach Hause und sie bekam prompt Hausarrest. Da hatten wir mehr Glück, denn keiner von uns erzählte es zu Hause, klar!
Der Apfelbaum in der Nähe des Eisbaches – ein Platz mit Bänken zum Ausruhen und einem wunderbaren Kletterbaum – wurde von uns mit Beschlag belegt.

Und wie Kinder nun mal sind, spielte ich mit meiner Freundin am Apfelbaum an einer seichten und ruhigen Stelle des Eisbaches, was wir eigentlich auch nicht tun sollten. Und wieder hatte leider meine Freundin das Pech – Gott sei Dank war es wieder Sommer – in den Eisbach zu rutschen. Natürlich war sie klatschnass und musste heim, was dann wiederum einen Hausarrest zur Folge hatte. Komisch, ich hatte nie Hausarrest!!

Als 14-Jährige nahmen wir unsere Tonbandgeräte mit und nahmen einen selbst erdachten Krimi auf, den wir eifrig ins Mikrofon sprachen, natürlich auch mit den entsprechenden Geräuschen dazu. Meine damals kleine Schwester musste bedauerlicherweise das Opfer spielen.

Da wir ja leider keinen Balkon hatten und spazieren gehen nicht unbedingt meine Leidenschaft war, nahm ich bei schönem Wetter ein Buch mit und habe mich dort am Apfelbaum auf die Bank gesetzt und gelesen.

Im Winter waren meine Geschwister und ich als Kinder oft am Monopteros beim Schlitten fahren. Da gab es jede Menge Schnee und links und rechts an den Gehwegen türmten sich hohe Schneehaufen. 

Der Monopteros, wo man einen wunderbaren Blick auf die „Skyline“ von München hat wie z.B. auf die Frauenkirche.

Die Hippies und Gammler, wie man das langhaarige Volk nannte, bevölkerte hauptsächlich im Sommer nach meiner Erinnerung den Monopterus. Es gab viel Getrommel und auch sonstige Musik. Viele Spaziergänger waren davon oft nicht sehr begeistert! Es erschien auch immer mal wieder die Polizei, um nach dem Rechten zu sehen.

Im Sommer waren wir sehr gerne am Eisbach bei dem kleinen Wasserfall. Dort ist es immer schön schattig. Bei heißem Wetter eine Wohltat. Meine Geschwister planschten, als sie noch Kinder waren, gerne in dem erfrischend kalten Wasser herum. Ich selbst wollte das nicht und sah lieber zu. Man musste schon sehr aufpassen, denn die Steine waren/sind glitschig und es sind schon mehrere darauf ausgerutscht und das tut weh! Außerdem muss man auch auf die starke Strömung achten. Wer hätte damals gedacht, dass der Eisbach mal ein solcher Hit für Surfer sein würde.  Heutzutage ist das schon selbstverständlich geworden und an der Brücke drängen sich immer viele Zuschauer. Dieses Bild gehört schon zu München dazu wie der Biergarten am Chinesischen Turm.

Ein Teil des Eisbaches fließt an der Straßenbahnlinie entlang und es gab auch gleich beim Tivoli einen Tennisplatz, wo mein Vater häufig Tennis spielte und damals auch mal ab und zu der Sigi Sommer anzutreffen war. Meine Familie und ich spielten auch ab und zu Tennis und mein Vater fungierte als unser Tennislehrer. Entlang eines Teils des Eisbaches und der Schönfeldwiese wurde die angesagte Freikörperkultur von unserer Familie „Nackerten-Meile“ genannt. Meine Mutter empörte sich über die Ungeniertheit, mit der manche Leute ihre Nacktheit präsentierten. Die Damen allerdings zurückhaltender als die Männerwelt. Mein Vater hat darüber immer eher geschmunzelt und hat meine Mutter ab und zu dorthin zum Spazieren gehen „geschleppt“. 

Die Freikörperkultur trieb in den 70iger Jahren auch ansonsten noch besondere „Blüten“. Aus irgendeinem Grund gab es Leute (in der Regel Männer), die unbedingt nackig im Englischen Garten rumliefen. Manchmal am Chinesischen Turm vorbei oder auch schon mal in die Innenstadt. Sogar in der Straßenbahn Richtung Eisbach begegneten meine Freundin und ich ihnen. Man nannte diese Nackedeis ‚Flitzer‘ (weil sie in ihrem Adamskostüm schnell rannten, ob aus sportlichen/sonstigen Gründen oder um nicht von der Polizei erwischt zu werden, kann ich nicht sagen) und diese wurden auch schon das eine oder andere Mal in der Zeitung erwähnt – mit Foto versteht sich!

Was meine Freundin und ich in unserer Jugendzeit sehr genossen haben, waren die romantischen Spaziergänge in lauen Sommernächten im Englischen Garten. Sogar im Winter, wenn es saukalt war, war die glitzernde Winterlandschaft sehr märchenhaft anzuschauen und in den Armen unserer „starken Beschützer“ wurden wir schnell aufgewärmt!

Ich kann nur sagen, das Leben am Englischen Garten war sehr schön und ist es heute noch. Auch wenn ich jetzt ein paar Autominuten weiter weg wohne, kehre ich immer wieder zurück und genieße es, im Englischen Garten spazieren zu gehen und in Erinnerungen zu schwelgen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Was für eine schöne Geschichte, in der auch ich mich wiederfinde. Bin ebenfalls am Englischen Garten aufgewachsen und das war eine herrliche Kinder- und Jugendzeit. Auch wenn ich mittlerweile im Münchner Umland wohne, zieht es mich doch immer wieder mal an die Stätte meiner Jugend hin.
    Toll geschrieben – weiter so!

  2. Erinnerungen an die Kindheit… schön, wehmütig und unschuldig. Jeder von uns dürfte ein paar dieser Erinnerungen aus seinem Stadtviertel auf Lager haben, aber die Kunst sie in die richtigen Worte zu packen haben nicht viele. Erzähl mehr Gisela… die guten alten Zeiten leben so in uns weiter !

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